Mütter- und Schwangerenforum

Hoher IQ bei Kindern Fluch oder Segen?!?

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Marf
17249 Beiträge
18.09.2017 20:25
Mein Jüngster tendiert in die Richtung.Wobei ich Hochbegabung skeptisch sehe.Die meisten haben Inselbegabungen und haben ,wie jeder ,auch starke Defizite.
Meiner ist ungemein fix was Zahlen,Werte ,Abstände betrifft.Versteht z.B. nach kurzem Hinsehen den Aufbau eines Motors und kann alles erklären oder zieht rasch Schlüsse und erkennt Zusammenhänge.Mit 4 konnte er die Uhr.
Sprachlich sehr weit,verfolgt sehr interessiert Dokus über Geschichte und hat sogar die Jahreszahlen im Kopf.
Die Wochenarbeit der Schule - sie ist ausgelegt auf ca. 45 Minuten pro Tag könnte ( man bemerke KÖNNTE) er in 1 Stunde erledigen....
Ich lasse ihn nicht testen.Das würde ihn in seiner Faulheit nur bestätigen.Er weiß ,das er gut ist....und wenn ihm danach ist nutzt er das aus.Er könnte aufs Gymi aber seine Arbeitsmoral ist unterirdisch.Also wird es wohl Real werden.
Er ist beliebt,Klassensprecher und ein aufgeweckter,agiler Junge von 9.Kein Nerd.Das ,und wenn er mal sein Potenzial erkennt, reicht im Moment.
Aber als Hochbegabt betitel ich das nicht.
vegetable
2609 Beiträge
18.09.2017 20:28
Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von Sonce:

Zitat von shelyra:

keine ahnung wo der iq von meinem sohn liegt. der test steht erst anfang oktober bevor... (vom kiga wurde anfang des jahres der verdacht der hochbegabung geäußert... da es aber leider solange gedauert hat bis wir einen termin bekamen ist er jetzt schon eingeschult)

aber er geht jetzt gerade mal 4 wochen in die schule und wir wurden schon von der lehrerin gebeten ihm ein mathebuch aus der 2.klasse zu besorgen, da er in mathe extrem weit wäre und sich jetzt schon vom wissenstands der anderen abhebt... diese haben noch probleme mengen im zahlenbereich von 5 zu erfassen. mein sohn rechnet plus/minus im 100-bereich. fängt jetzt schon mit multiplizieren an.
in deutsch ist es ähnlich. er kennt alle buchstaben, kann sie auch schon schreiben. da ihm dieses fach aber nicht soviel spaß macht verweigert er da jetzt schon ab und zu die mitarbeit da er es stupide findet einfach buchstaben immer und immer wieder zu schreiben.
ich bin gespannt wie es weiter geht in der schule - mein angst ist, dass er wie im kiga irgendwann vor lauter langeweile abdreht und ausrastet weil er unterfordert.

wir haben ihn nie ausgebremst! ich bin der meinung, damit nimmt man den kids die freude am lernen. die neugierde. das wissbegieren.
daher haben wir ihn immer unterstütz wo er es wollte. hat er nach matheaufgaben gefragt, so haben wir sie ihm beantwortet. wollte er etwas über bestimmte themen wissen, so sind wir in die bücherei gefahren und haben bücher dazu gesucht. außerdem hatten wir auch so einige vorshculhefte zuhause, die er total gerne abgearbeitet hat. auch das mini-lük war immer heiß begehrt.


Darf ich fragen warum er so spät eingeschult wurde? Ich frag mich Grad warum er nicht mit 6 in die schule gekommen ist, da er ja doch ganz schön weit ist mit seinem Wissen (mathe).


Weil HB Kinder leider sehr oft soziale Defizite haben. Eine Krux. Je höher der IQ, desto größer die Schwierigkeiten. In die eine, wie die andere Richtung.


Hier werden Kinder regelrecht ignoriert. Nur wenn sie bei uns zuhause sind oder wir bei ihnen Zuhause spielt er mit ihnen. Auf der Straße, Spielplatz etc werden sie ignoriert, obwohl er sie kennt.
feenebeene
14840 Beiträge
18.09.2017 20:35
Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von feenebeene:

Zuerst einmal- danke euch, für eure Antworten!
Ich möchte mit ihm natürlich nicht den Schulstoff durchgehen, aber er kennt bereits alle Buchstaben und kann sie auch schreiben. Jetzt fragt er mich nach Lesen lernen und natürlich würde ich es ihn gerne lernen lassen, weil er es jetzt möchte, aber Frage mich halt auch, ob das so gut wäre...

Die Sache mit dem Sortieren kommt mir auch so was von bekannt vor...

Ich möchte halt einfach das Richtige für ihn tun...

Btw- ich habe ihn auch nicht testen lassen, weil ich das so wollte, sondern, weil er aufgrund der Epi und der Medis entwicklungspsychologisch angesehen werden sollte...


Ja probier das mal. Ich wollte auch nicht vorgreifen... Resultat: Er hat sich kurzerhand allein beibebracht und las dann schon vor der Einschulung Harry Potter allein.

Mmmhhh... Okay... Naja, hätte ja klappen können...
feenebeene
14840 Beiträge
18.09.2017 20:42
Hier liegt der Hund auch im Sozialverhalten begraben... Er ist überall total gerne gesehen und ich kenne nur ein Kind, mit dem er überhaupt nicht auskommt... Allerdings ist es tatsächlich so, dass er völlig aus der Hose springen kann, wenn sein Gegenüber ihn einfach nicht versteht- seiner Meinung nach völlig unverständlich...
Ansonsten ist er wirklich empathisch und freundlich, solange er ausgelastet, aber auch nicht (und sei es an Eindrücken) überlastet ist... Ein schmaler Grad und da muss er wirklich noch lernen...
feenebeene
14840 Beiträge
18.09.2017 20:45
Zitat von vegetable:

Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von Sonce:

Zitat von shelyra:

keine ahnung wo der iq von meinem sohn liegt. der test steht erst anfang oktober bevor... (vom kiga wurde anfang des jahres der verdacht der hochbegabung geäußert... da es aber leider solange gedauert hat bis wir einen termin bekamen ist er jetzt schon eingeschult)

aber er geht jetzt gerade mal 4 wochen in die schule und wir wurden schon von der lehrerin gebeten ihm ein mathebuch aus der 2.klasse zu besorgen, da er in mathe extrem weit wäre und sich jetzt schon vom wissenstands der anderen abhebt... diese haben noch probleme mengen im zahlenbereich von 5 zu erfassen. mein sohn rechnet plus/minus im 100-bereich. fängt jetzt schon mit multiplizieren an.
in deutsch ist es ähnlich. er kennt alle buchstaben, kann sie auch schon schreiben. da ihm dieses fach aber nicht soviel spaß macht verweigert er da jetzt schon ab und zu die mitarbeit da er es stupide findet einfach buchstaben immer und immer wieder zu schreiben.
ich bin gespannt wie es weiter geht in der schule - mein angst ist, dass er wie im kiga irgendwann vor lauter langeweile abdreht und ausrastet weil er unterfordert.

wir haben ihn nie ausgebremst! ich bin der meinung, damit nimmt man den kids die freude am lernen. die neugierde. das wissbegieren.
daher haben wir ihn immer unterstütz wo er es wollte. hat er nach matheaufgaben gefragt, so haben wir sie ihm beantwortet. wollte er etwas über bestimmte themen wissen, so sind wir in die bücherei gefahren und haben bücher dazu gesucht. außerdem hatten wir auch so einige vorshculhefte zuhause, die er total gerne abgearbeitet hat. auch das mini-lük war immer heiß begehrt.


Darf ich fragen warum er so spät eingeschult wurde? Ich frag mich Grad warum er nicht mit 6 in die schule gekommen ist, da er ja doch ganz schön weit ist mit seinem Wissen (mathe).


Weil HB Kinder leider sehr oft soziale Defizite haben. Eine Krux. Je höher der IQ, desto größer die Schwierigkeiten. In die eine, wie die andere Richtung.


Hier werden Kinder regelrecht ignoriert. Nur wenn sie bei uns zuhause sind oder wir bei ihnen Zuhause spielt er mit ihnen. Auf der Straße, Spielplatz etc werden sie ignoriert, obwohl er sie kennt.

Bei uns wird sich auf dem Spielplatz des Öfteren auf einen Baum verzogen- das ist seine Ruheinsel, von wo aus er alles beobachten kann...
Auch im Kiga hat er sich schon immer zwischendurch rausgezogen und völlig alleine spielen oder Bücher gucken wollen...
Tanzbär
7740 Beiträge
18.09.2017 22:09
Ich habe jetzt nicht alles gelesen und weiss nicht, was schon gesagt wurde. Was ich etwas befremdlich finde, ist, dass die Ärzte dir quasi jetzt schon Angst machen, dass es in der Schule kompliziert werden könnte Oder verstehe ich das jetzt nur so negativ?

Mein großer Sohn ist auch getestet hochbegabt und hatte in der Schule eigentlich nicht wirklich Probleme. Allerdings haben wir ihn auch früher einschulen und eine Klasse überspringen lassen. Er hat also im Schnitt 2 Jahre Unterschied zu seinen Mitschülern und ist aktuell mit 9 Jahren in der 6.Klasse. Ob noch Probleme auftauchen werden, weiss ich nicht.

Was Tatsache manchmal etwas schwierig ist, ist das Soziale. Er redet sehr Erwachsenen, kann manchmal mit den kindlichen Blödeleien seiner Mitschüler wenig anfangen und ist auch gerne mal alleine. Das Abkapseln fördert dann natürlich nicht gerade Freundschaften. Er hat also viele lose "Bekanntschaften" und 1-2 festere Freunde. Mit letzteren trifft er sich aber auch nur alle 2-3 Monate mal und das reicht ihm. Anfangs fand ich das blöd, hab mich dann aber auch daran erinnert, dass ich eigentlich selber nicht anders bin. Bis heute

Zum Thema auslasten: Seitens Kiga und Schule sollte der Große damals mit 4 eingeschult werden, da er in dem Alter bereits fließend lesen und im 100er Raum rechnen konnte. Haben wir nicht zugelassen und ihn dann anderwertig ausgelastet. Er ist nachmittags z.B. zum Tanzen gegangen, hat sein Bronzeabzeichen gemacht, hatte Klavier- und Tennisunterricht. Zuhause und auch im Kiga durfte er jederzeit lesen was und wie viel er wollte. Das hat ihm als Auslastung gereicht.

Die Anzahl der Hobbys ist bis heute recht hoch: 2x/Woche Fußball + Turnier, Klavierunterricht, Vororchester, Theatergruppe. Alles auf seinen eigenen Wunsch und Antrieb hin.

Ich würde also ganz klar auf deinen Sohn und seine Interessen schauen. Wir haben unseren Großen nie zu irgendwas gedrängt, sondern nur angeboten und dann geschaut, was er daraus macht.
Die-zauberhafte-Patin
22303 Beiträge
18.09.2017 22:11
Zitat von feenebeene:

Zitat von Franzipluseins:

Wie merkt man es denn das dass Kind einen höheren IQ hat als andere?? Oder eher welche Merkmale hat das Kind dann?
Würde mich wirklich interessieren

Puh, da gibt es so vieles...
Oft sind diese Kinder eher "negativ auffällig...
Unkonzentriert, neigen zu Wutausbrpchen oft werden sie wohl auch mit ADHS- Zügen gesehen...
Andererseits gibt es dann eben auch die Kinder die völlig in sich ruhen, einfach sehr wissbegierig sind ect. Das ist wirklich individuell und ja auch zudem Typ abhängig...

Fügt gerne hinzu oder ne richtig mich... 7chvhan mir das auch nur angelesen...


Das stimmt so nicht ganz. Sie sind nicht zwingend negativ auffällig. Ich hole mal ein bisschen aus. Vorweg: Alles kann, nichts muss. Es gibt auch genug unentdeckte Hochbegabte, die sich anpassen.

Bei Kleinkindern merkt man es z. Bsp. daran, dass es passieren kann, dass sie ganze Entwicklungsschritte auslassen. Oft halten sie schon zur Geburt den Blickkontakt, die Hand-Fuss-Koordination ist quasi auch ab Geburt vorhanden. Mehr oder weniger. Es beobachtet sehr aufmerksam und macht bestimmte Dinge einfach nach, ohne eine Übungsphase zu haben. Sie stellen auffällig viele Fragen, geben sich nicht mit einer Antwort zufrieden (deutlich früher, als in der normalen "Warum-Phase"). Das Sprechen ist so ein elementares Ding. Das tun sie sehr, sehr früh und sehr schnell in kompletten Sätzen.

In unserem Fall, und mir fiel es nicht auf, ich stellte all das erst hinterher fest, als ich von der HB wusste, war es so, dass der Blickkontakt tatsächlich schon im Kreißsaal vorhanden war und unser Sohn den erstaunlicherweise auch hielt. Das war kein zufälliges Anschauen, sondern ein gezieltes. Er sprach mit 8 Monaten so viele einzelne Wörter, dass man ein kleines Wörterbuch hätte damit füllen können. Als er mit 1 Jahr, 7 Monaten in die Kita kam, sprach er saubere, deutliche, vollständige Sätze mit Haupt-, Neben,- und Nebensatz. Benutzte da Wörter, die selbst Erwachsene in Schwierigkeiten gebracht hätten. Er ließ das Krabbeln komplett aus. Er saß recht früh aufrecht und allein, aber mehr auch nicht. Musste er ja auch nicht, er hatte seine Bücher und blätterte, damit war er zufrieden. Mit einem Jahr stand er dann plötzlich am Tisch hochziehend auf und lief unsicher los, eine Woche später lief er gut an den Händen, einen Monat später bereits allein. Manchmal war es nicht der Zeitpunkt, sondern das Tempo was er vorlegte, die Tatsache, dass er wichtige Zwischenschritte einfach wegließ (Krabbeln, Robben, Zwei-Wortsätze) und stattdessen ein perfektes Endergebnis lieferte.
Die Fragen die kamen, waren alles andere als kindgerecht, befassten sich anfangs sehr viel mit der Pflanzen- und Tierwelt und vor allem mit dem Schutz derer, später mit Gesellschaftsfragen und langen ethischen und religösen Diskussionen, bei denen er mit Argumentationen um die Ecke kam, die selbst ich noch nachschlagen musste.
Oft können sie nicht gut mit Gleichaltrigen, weil sie einfach andere Interessen haben. Unser Sohn hatte fast ausschließlich ältere Freunde und das ist bis heute so geblieben.
Er sortierte seine Stifte von Anfang an nach Farben, dann nach Farben und Größe, dann musste immer eine synchrone Ordnung in der Mappe herrschen, heißt, befestigte er auf der einen Seite der Mappe 7 Farben, mussten es auch auf der anderen Seite 7 Farben sein. Die Farben wurden von hell nach dunkel einsortiert. Entweder im Ganzen oder auf jeder Seite extra, dann aber wieder synchron. Dasselbe passierte auf seinem Essensteller und bei anderen Gelegenheiten. Relativ schnell waren Mengen ein Thema, dann kam das Rechnen hinterher. Alles im Zahlenbereich bis 1000 Addition und Subtraktion, es folgte Multiplikation. Die Buchstaben erfragte er sich nebenbei, das Aneinanderhängen brachte er sich selbst bei. Lesen ging dann sehr schnell, Harry Potter war fällig. All das passierte vor Schuleintritt. Im Gegenzug jedoch war er zwar stets ein sehr liebes und stilles Kind, aber er konnte auch nicht gut mit anderen Menschen, braucht lange, bis er jemanden als Freund bezeichnete, ließ sich nur von mir und Oma und Papa anfassen und helfen. Er war hochsensibel, auch etwas, was ich zwar bemerkte, aber eben nicht einordnete. Kam beim Test alles mit raus.
Dann kam er in die Schule. Bereits am zweiten Tag erklärte er mir, da geht er nicht mehr hin, das ist gähnend langweilig. Ein sehr häufiges Merkmal von HB Kindern. Diese Langeweile kann entweder zum Stören des Unterrichts führen, wenn sie vom Typ her eher extrovertiert sind. Später kann das auch zu unkontrollierten Aggressionen führen. Oder aber, wie in unserem Fall, es ist vom Typ her ein sehr stilles und introvertiertes Kind. Die Langeweile führte dazu, dass er anfing abzuschalten. Er saß die Zeit ab, hörte nicht zu, träumte vor sich hin und ließ in seinem Kopf seinen eigenen Fantasyfilm laufen. Irgendwie musste er die Zeit ja rumkriegen. Punktuell entwickelte er nahezu Spitzenleistungen, die selbst mich verblüfften. Kam aber immer darauf an, ob ihn das Thema interessierte oder nicht, ob der Lehrer im passte oder nicht, ob er einen guten Tag hatte oder nicht. Der Zwang, der gerade in Grundschulen noch herrscht, mit Gleichaltrigen alles in Gruppenform machen zu müssen, ließ mein Kind fast eingehen. Er hatte ganz andere, oft sehr komplizierte Gedankengänge. Er verstand die normalen Probleme seiner Klassenkameraden nicht, sie wussten gar nicht, wovon er redete. Bereits in der Grundschule entwickelte er einen sehr feinen Sarkasmus, den er bereits in Klasse 3 fließend sprach. Er sagte nicht viel, aber wenn er was sagte, dann verstanden es nur die Lehrer.
Die Lehrer waren ein großes Problem. Immer wieder erklärten sie mir, dass sie das im normalen Schulbetrieb nicht abfangen könnten, ich solle ihm extra Aufgaben geben usw. Tat ich nicht, denn vorgreifen im Stoff machte es irgendwie nicht besser, sorgte nur für noch mehr Langeweile. In Klasse 3 endete das Schuldesaster in totaler Verweigerung. Erschwerend kam eine inzwischen entstandene Angst- und Panikstörung hinzu, die aus den Handlungen seiner Mitschüler resultierte und der Nichtreaktion der damaligen Lehrer. Er steckte fest. Das war der Moment, an dem wir eine Psychologin aufsuchten. Ich hatte eine ganze Litanei an möglichen psychischen Störungen im Kopf, aber an eine Hochbegabung dachte ich noch immer nicht. Die Psychologin war super. Sie verwarf meine Sorgen und Vermutungen erstmal und sagte mir, dass sie zu allererst seinen IQ testen wolle, danach wird es wahrscheinlich schon erledigt sein. So war es dann auch. Eine Hochbegabung, die vollkommen jenseits von Gut und Böse lag. Ich brach in Tränen aus, weil ich einfach nicht wusste, wie wir die Schulzeit überstehen sollten. Eine Lösung musste her. Die Psychologin machte noch ein paar weitere Tests, vor allem auch, um ADS auszuschließen. Heraus kam eben noch eine Hochsensibilität, die Angst- und Panikstörung, eine kleine Wahrnehmungsstörung, die jede Info ungefiltert in seinen Kopf schleuste, ohne einen Unterschied zwischen Wichtig und Unwichtig zu machen. Letzteres war auch die Erklärung dafür, dass er sich so oft verzweifelt an den Kopf fasste. Mit beiden Händen, als wollte er den Kopf zusammenhalten. Die Psychologin erklärte mir, dass es sich für ihn auch so anfühlen würde, als würde er auseinanderplatzen.
Die Wahrnehmungsstörung konnte man mit Training schnell beheben. Die Angststörung dauerte lange. Die Hochsensibilität blieb, aber er lernte, damit umzugehen. Schwierig war nach wie vor das Thema Schule. Er war wissbegierig wie Sau, Schule bremste ihn aus, Mitschüler verkloppten ihn, weil er so anders dachte. Tja, dann blieb er zu Hause und das war ein sehr tolles halbes Jahr. Innerhalb von 1,5 - 2 Stunden erledigte er am Morgen die Aufgaben aus der Schule, dann kam er zu mir (ich hatte meinen Job aufgegeben) und fragte, ob er was Richtiges lernen dürfte.
Bereits in Grundschuljahren hatte er eine Schwäche für klassische Literatur. Er lernte sämtliche Balladen der alten Meister auswendig, spielte sie nach (sein Liebling war Die Bürgschaft), las sich durch mein Buchregal. Mathe rechnete er im Kopf Multiplikation bis 1000, er berechnete im Kopf jede Fläche im Haus, jedes Raumvolumen. Mit 9 erklärte er mir die Chaostheorie, die Beugung des Raums. Die einzige Rettung damals war ein eigener PC in seinem Zimmer mit uneingeschränktem Internetzugang. Endlich hatte er einen schier unerschöpflichen Kanal, wo er alles nachschlagen konnte, was er wissen wollte. Google wurde sein bester Freund und meiner auch, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte mal wieder Luft zum Atmen zwischendurch.
Ich kann ewig so weitermachen, aber das bringt ja nichts. Daran und an vielen Dingen mehr erkennt man ein hochbegabtes Kind, zumindest findet man erste Hinweise. Bei unserem Sohn war es so, dass er in Klasse 8 Gymnasium das erste Mal nach Hause kam, völlig verblüfft, und mir sagte, dass er heute das erste Mal etwas Neues gelernt hätte in der Schule. Seitdem geht es besser.
Zum Thema „Warum habt ihr das Kind nicht ein Jahr früher in die Schule geschickt“ möchte ich noch sagen, dass HB Kinder oft soziale Defizite haben. Man muss sich vorstellen (so erklärte es mir die Psychologin damals), da steckt eine sehr alte und weise Seele im Körper eines Kindes und völlig abhängig von den Erwachsenen. Und wehe dem, sie verstehen es nicht. Das ist eine einzige Qual. Und das ist eben das Schwierige. Wir haben 3 Grundschulen verschlissen, bevor wir in der 4. Endlich Lehrer fanden, die sich darauf einließen und ihn wirklich da abholten, wo er eben stand. Um ihm mehr Zeit für die Aufarbeitung der sozialen Defizite zu geben, entschieden wir in Absprache mit dem Landesschulamt, dass er die 3. Klasse an der neuen (4.) Grundschule wiederholen solle. Einfach um ihm Zeit zu geben, bevor er an die weiterführende Schule gehen muss und die Gelegenheit bekommt, sich sozial anzupassen. (und nebenbei die Angststörung in den Griff zu bekommen).

Und um es abzurunden: Was kann man tun, um solchen Kindern zu helfen? Mein wichtigster Rat: Auf keinen Fall ausbremsen. Ausgebremst werden sie notgedrungen überall sonst. Zuhause sollten sie sich uneingeschränkt ausleben dürfen. HB Kinder kann man geistig kaum überfordern, eher unterfordern. Trotzdem ist es wichtig, dass auch sie Grenzen zu spüren bekommen. Ganz oft können sie die nur körperlich erfahren. Heißt, man sollte mit ihnen viel Sport machen, besonderen Sport: Klettern, Kletterwald, Paddeln usw. Immer wechseln, damit sie eben Grenzerfahrungen machen. Auch ein Rat, den mir die Psychologin mit auf den Weg gegeben hat.
Bücher gehören hier zum täglich Brot. Es gibt einen sehr hohen Buchetat, fest eingeplant in unser Haushaltsbudget, über das verfügt werden darf. Anfangs war es kein Problem, da haben wir noch alles sehr identisch gelesen. Inzwischen entwickelt mein Sohn außerdem noch einen ganz anderen Geschmack, bzw. hatte er den schon früher, aber er lebte in den letzten Jahren wieder auf. Er liest Dickens, Shakespeare, Heine, Kant usw. Teilweise sind wir da identisch, aber eben nur teilweise. Daher mussten wir aufstocken, bzw. ich mich aktuell ein bisschen zurücknehmen, was aber nicht schlimm ist, weil ich in einer Jury mitlese dieses Jahr und genug Lesestoff bekomme. Er kauft also auf Vorrat, weil er den ganzen Etat ausgibt.
Ansonsten interessenabhängig immer gut Input schaffen. Um den Kopf abzuschalten, sind Videospiele übrigens bestens geeignet, also nicht verteufeln. Einen Internetzugang zulassen. Anfangs gemeinsam, später können sie es auch allein. Und keine Scheu davor haben, wenn sich das 8-jährige Kind in einem für Erwachsene gedachten Physikforum anmelden will. Wir haben das gemacht, ich gab mein Einverständnis, informierte den Admin und schaute immer mal mit rein. Er fand sehr schnell Erwachsene, die ihm alle Fragen erklärten, die er hatte. Einer von ihnen, ein recht junger Student, war sehr nett und sie entwickelten einen schönen Kontakt. Er besuchte uns dann auch mal für eine ganze Woche und wohnte hier im Gästezimmer. Man muss natürlich genau schauen, gerade im Internet. Es birgt viele Gefahren, aber mehr als das auch sehr viel Wissen.
Für unabdingbar halte ich die enge Zusammenarbeit mit den Lehrern der Schule. Es macht nicht viel Sinn, diese Kinder ständig mit mehr Arbeit zu belasten. Das frustriert. Sie brauchen andere Aufgaben (Bsp. bei 16/4 musste mein Kind kurz überlegen, fragte die Lehrerin aber nach einem Viertel von 16, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Sie denken einfach anders, viel komplizierter) Die Lehrer der 4. Grundschule lösten das dann so, dass er 1. Andere Aufgaben bekam, die zwar denselben Stoff umfassten, aber komplizierter gestellt waren und, weil er natürlich trotzdem deutlich früher fertig war im Unterricht, der Lehrer spielte mit ihm dann Schach. Auf dem Lehrertisch stand stets ein Schachbrett, auf der immer eine Partie gespielt wurde, teilweise über mehrere Tage. Um den Stand bei den anderen Kindern nicht zu belasten, weil unser Sohn eben anders war, machte er Lehrer regelmäßig solche Aktionen, wie : XY (unser Sohn) darf heute entscheiden, ob wir Hausaufgaben auf bekommen oder nicht. … Natürlich nicht. Damit umjubelten seine Klassenkameraden ihn und obwohl er anders war, mochten sie ihn wirklich und niemand ärgerte ihn mehr. Es war alles so einfach an der 4. Grundschule.. aber der Weg dahin war sehr schwierig.

Sorry, es ist arg lang geworden. Ich ziehe mich jetzt auch zurück hier. Aber wenn du Fragen zum Thema HB hast, dann schreib mir ruhig eine PN. ? Ich beantworte das dann gern, kann nur immer ein bißchen dauern.

LG Zaubi
Alaska
8003 Beiträge
18.09.2017 22:13
Ich empfinde es als Fluch. Es ist eine Umstellung für die Eltern, die Kinder sind den anderen einfach überlegen und fühlen sich oft nicht zugehörig. Es ist einfach schwierig, jemand auf seiner Ebene zu finden, wenn man nicht gerade auf eine spezielle Schule für Hochintelligente/Hochbegabte geht.
Mathelenlu
45426 Beiträge
18.09.2017 22:20
Gymnasialniveau beginnt offiziell bei einem IQ von 103-105, also ist nicht alles über 100 über dem Normbereich, sondern einfach nur über dem Schnitt, aber nicht ungewöhnlich. Da dürfte ein gutes Drittel der Gesellschaft damit rumlaufen...

Einer meiner Söhne ist auf 138 getestet, aber um ehrlich zu sein, bemerkt man das im Alltag nicht allzu oft, denn der liebe Gott hat ihm ein paar Handicaps dazu geschenkt, so dass sich das einfach nivelliert. Manchmal denkt er dermaßen um die Ecke und das blitzschnell, da blitzt das dann kurz raus, aber im täglichen Leben ist er einfach nur ein intelligenter Junge.
Die-zauberhafte-Patin
22303 Beiträge
18.09.2017 22:27
Zitat von Marf:

Mein Jüngster tendiert in die Richtung.Wobei ich Hochbegabung skeptisch sehe.Die meisten haben Inselbegabungen und haben ,wie jeder ,auch starke Defizite.
Meiner ist ungemein fix was Zahlen,Werte ,Abstände betrifft.Versteht z.B. nach kurzem Hinsehen den Aufbau eines Motors und kann alles erklären oder zieht rasch Schlüsse und erkennt Zusammenhänge.Mit 4 konnte er die Uhr.
Sprachlich sehr weit,verfolgt sehr interessiert Dokus über Geschichte und hat sogar die Jahreszahlen im Kopf.
Die Wochenarbeit der Schule - sie ist ausgelegt auf ca. 45 Minuten pro Tag könnte ( man bemerke KÖNNTE) er in 1 Stunde erledigen....
Ich lasse ihn nicht testen.Das würde ihn in seiner Faulheit nur bestätigen.Er weiß ,das er gut ist....und wenn ihm danach ist nutzt er das aus.Er könnte aufs Gymi aber seine Arbeitsmoral ist unterirdisch.Also wird es wohl Real werden.
Er ist beliebt,Klassensprecher und ein aufgeweckter,agiler Junge von 9.Kein Nerd.Das ,und wenn er mal sein Potenzial erkennt, reicht im Moment.
Aber als Hochbegabt betitel ich das nicht.


So ist es ja auch am Besten. Ich hätte nie testen lassen, wenn es eben keine Schwierigkeiten gegeben hätte. Aber wenn es eben Probleme gibt, egal in welche Richtung, und so ein Test plötzlich auf den Tisch kommt, dann greift man nach jedem Strohhalm. Es zu wissen, hat es nicht einfacher gemacht, aber man hatte wenigsten, vor allem, der Schule gegenüber etwas in der Hand. Schwarz auf Weiß, dass die Defizite erklärte. Das Kind hatte endlich einen Namen.
Die-zauberhafte-Patin
22303 Beiträge
18.09.2017 22:40
Zitat von LauraMmK:

Meine älteste Tochter ist hochbegabt und ich habe ihr nie verboten etwas zu lernen. In der Grundschulzeit wurde viel Energie umgelenkt, um nicht immer weiter dem Stoff vorzugreifen. Sie hat z.B. Chinesisch gelernt.
Mittlerweile ist sie in der zehnten Klasse, nicht wirklich gut in der Schule und mitten in der Pubertät. Sie macht keinen Handschlag mehr, als unbedingt nötig...


Bei uns war es zu Grundschulzeiten elbisch. Finde ich viel nützlicher.
Blubbelchen
68 Beiträge
19.09.2017 06:46
Der Sohn meines Cousins ist auch überdurchschnittlich intelligent. Bei ihm kam das in der Kindergartenzeit zum Vorschein, da erklärte er z.B. im Modegeschäft der Verkäuferin wie deren Alarmanlage funktioniert und wie man diese umgehen könnte. Das war der Mama dann schon ETWAS unangenehm
Bei ihm war es leider oft, dass er seine Mutter nicht ernst genommen hat wenn der Vater arbeitstechnisch im Ausland war. Da kamen dann so Sachen wie "Du bist doch eh nicht so schlau wie ich.. was willst du mir schon erzählen"
In der Schule gab es immer wieder Diskussionen mit den Lehrern. Er hat wirklich ALLES auf die Goldwaage gelegt. Der Lehrer sagt sie sollen 10 Seiten aus dem Buch lesen, und er fängt von hinten an weil der Lehrer ja nicht präzise gesagt hat welche 10 Seiten.
Es war furchtbar anstrengend in der Anfangszeit.
Sie haben ihn viel Sport machen lassen.. er wollte und will überall der Beste sein und hängt sich richtig rein.

Mittlerweile ist er 15 und geht aufs Gymnasium die einen Zweig haben bei dem nur in Englisch unterrichtet wird. (also alle Fächer werden auf Englisch unterrichtet) Das ist jetzt etwas was ihn ein bisschen fordert und er kann "normal" sein.

Für meinen Cousin und seine Frau war es eine furchtbar schwere Zeit und für die 2 jüngeren Geschwister ist es auch nicht einfach weil sie immer den (selbstgemachten) Druck im Nacken haben weil ihr großer Bruder ja so intelligent ist. Die mittlere Tochter hat da große Probleme mit und will auch immer so "gut" sein wie er,.. was aber nicht immer hin haut.

Also ich denke ehr, dass das alles kein Segen ist.. und erst im Alter nützlich wird. Ganz viel Kraft für die Mamis, die damit auch "zu kämpfen" haben
rommy-34
437 Beiträge
19.09.2017 07:08
Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von feenebeene:

Zitat von Franzipluseins:

Wie merkt man es denn das dass Kind einen höheren IQ hat als andere?? Oder eher welche Merkmale hat das Kind dann?
Würde mich wirklich interessieren

Puh, da gibt es so vieles...
Oft sind diese Kinder eher "negativ auffällig...
Unkonzentriert, neigen zu Wutausbrpchen oft werden sie wohl auch mit ADHS- Zügen gesehen...
Andererseits gibt es dann eben auch die Kinder die völlig in sich ruhen, einfach sehr wissbegierig sind ect. Das ist wirklich individuell und ja auch zudem Typ abhängig...

Fügt gerne hinzu oder ne richtig mich... 7chvhan mir das auch nur angelesen...


Das stimmt so nicht ganz. Sie sind nicht zwingend negativ auffällig. Ich hole mal ein bisschen aus. Vorweg: Alles kann, nichts muss. Es gibt auch genug unentdeckte Hochbegabte, die sich anpassen.

Bei Kleinkindern merkt man es z. Bsp. daran, dass es passieren kann, dass sie ganze Entwicklungsschritte auslassen. Oft halten sie schon zur Geburt den Blickkontakt, die Hand-Fuss-Koordination ist quasi auch ab Geburt vorhanden. Mehr oder weniger. Es beobachtet sehr aufmerksam und macht bestimmte Dinge einfach nach, ohne eine Übungsphase zu haben. Sie stellen auffällig viele Fragen, geben sich nicht mit einer Antwort zufrieden (deutlich früher, als in der normalen "Warum-Phase"). Das Sprechen ist so ein elementares Ding. Das tun sie sehr, sehr früh und sehr schnell in kompletten Sätzen.

In unserem Fall, und mir fiel es nicht auf, ich stellte all das erst hinterher fest, als ich von der HB wusste, war es so, dass der Blickkontakt tatsächlich schon im Kreißsaal vorhanden war und unser Sohn den erstaunlicherweise auch hielt. Das war kein zufälliges Anschauen, sondern ein gezieltes. Er sprach mit 8 Monaten so viele einzelne Wörter, dass man ein kleines Wörterbuch hätte damit füllen können. Als er mit 1 Jahr, 7 Monaten in die Kita kam, sprach er saubere, deutliche, vollständige Sätze mit Haupt-, Neben,- und Nebensatz. Benutzte da Wörter, die selbst Erwachsene in Schwierigkeiten gebracht hätten. Er ließ das Krabbeln komplett aus. Er saß recht früh aufrecht und allein, aber mehr auch nicht. Musste er ja auch nicht, er hatte seine Bücher und blätterte, damit war er zufrieden. Mit einem Jahr stand er dann plötzlich am Tisch hochziehend auf und lief unsicher los, eine Woche später lief er gut an den Händen, einen Monat später bereits allein. Manchmal war es nicht der Zeitpunkt, sondern das Tempo was er vorlegte, die Tatsache, dass er wichtige Zwischenschritte einfach wegließ (Krabbeln, Robben, Zwei-Wortsätze) und stattdessen ein perfektes Endergebnis lieferte.
Die Fragen die kamen, waren alles andere als kindgerecht, befassten sich anfangs sehr viel mit der Pflanzen- und Tierwelt und vor allem mit dem Schutz derer, später mit Gesellschaftsfragen und langen ethischen und religösen Diskussionen, bei denen er mit Argumentationen um die Ecke kam, die selbst ich noch nachschlagen musste.
Oft können sie nicht gut mit Gleichaltrigen, weil sie einfach andere Interessen haben. Unser Sohn hatte fast ausschließlich ältere Freunde und das ist bis heute so geblieben.
Er sortierte seine Stifte von Anfang an nach Farben, dann nach Farben und Größe, dann musste immer eine synchrone Ordnung in der Mappe herrschen, heißt, befestigte er auf der einen Seite der Mappe 7 Farben, mussten es auch auf der anderen Seite 7 Farben sein. Die Farben wurden von hell nach dunkel einsortiert. Entweder im Ganzen oder auf jeder Seite extra, dann aber wieder synchron. Dasselbe passierte auf seinem Essensteller und bei anderen Gelegenheiten. Relativ schnell waren Mengen ein Thema, dann kam das Rechnen hinterher. Alles im Zahlenbereich bis 1000 Addition und Subtraktion, es folgte Multiplikation. Die Buchstaben erfragte er sich nebenbei, das Aneinanderhängen brachte er sich selbst bei. Lesen ging dann sehr schnell, Harry Potter war fällig. All das passierte vor Schuleintritt. Im Gegenzug jedoch war er zwar stets ein sehr liebes und stilles Kind, aber er konnte auch nicht gut mit anderen Menschen, braucht lange, bis er jemanden als Freund bezeichnete, ließ sich nur von mir und Oma und Papa anfassen und helfen. Er war hochsensibel, auch etwas, was ich zwar bemerkte, aber eben nicht einordnete. Kam beim Test alles mit raus.
Dann kam er in die Schule. Bereits am zweiten Tag erklärte er mir, da geht er nicht mehr hin, das ist gähnend langweilig. Ein sehr häufiges Merkmal von HB Kindern. Diese Langeweile kann entweder zum Stören des Unterrichts führen, wenn sie vom Typ her eher extrovertiert sind. Später kann das auch zu unkontrollierten Aggressionen führen. Oder aber, wie in unserem Fall, es ist vom Typ her ein sehr stilles und introvertiertes Kind. Die Langeweile führte dazu, dass er anfing abzuschalten. Er saß die Zeit ab, hörte nicht zu, träumte vor sich hin und ließ in seinem Kopf seinen eigenen Fantasyfilm laufen. Irgendwie musste er die Zeit ja rumkriegen. Punktuell entwickelte er nahezu Spitzenleistungen, die selbst mich verblüfften. Kam aber immer darauf an, ob ihn das Thema interessierte oder nicht, ob der Lehrer im passte oder nicht, ob er einen guten Tag hatte oder nicht. Der Zwang, der gerade in Grundschulen noch herrscht, mit Gleichaltrigen alles in Gruppenform machen zu müssen, ließ mein Kind fast eingehen. Er hatte ganz andere, oft sehr komplizierte Gedankengänge. Er verstand die normalen Probleme seiner Klassenkameraden nicht, sie wussten gar nicht, wovon er redete. Bereits in der Grundschule entwickelte er einen sehr feinen Sarkasmus, den er bereits in Klasse 3 fließend sprach. Er sagte nicht viel, aber wenn er was sagte, dann verstanden es nur die Lehrer.
Die Lehrer waren ein großes Problem. Immer wieder erklärten sie mir, dass sie das im normalen Schulbetrieb nicht abfangen könnten, ich solle ihm extra Aufgaben geben usw. Tat ich nicht, denn vorgreifen im Stoff machte es irgendwie nicht besser, sorgte nur für noch mehr Langeweile. In Klasse 3 endete das Schuldesaster in totaler Verweigerung. Erschwerend kam eine inzwischen entstandene Angst- und Panikstörung hinzu, die aus den Handlungen seiner Mitschüler resultierte und der Nichtreaktion der damaligen Lehrer. Er steckte fest. Das war der Moment, an dem wir eine Psychologin aufsuchten. Ich hatte eine ganze Litanei an möglichen psychischen Störungen im Kopf, aber an eine Hochbegabung dachte ich noch immer nicht. Die Psychologin war super. Sie verwarf meine Sorgen und Vermutungen erstmal und sagte mir, dass sie zu allererst seinen IQ testen wolle, danach wird es wahrscheinlich schon erledigt sein. So war es dann auch. Eine Hochbegabung, die vollkommen jenseits von Gut und Böse lag. Ich brach in Tränen aus, weil ich einfach nicht wusste, wie wir die Schulzeit überstehen sollten. Eine Lösung musste her. Die Psychologin machte noch ein paar weitere Tests, vor allem auch, um ADS auszuschließen. Heraus kam eben noch eine Hochsensibilität, die Angst- und Panikstörung, eine kleine Wahrnehmungsstörung, die jede Info ungefiltert in seinen Kopf schleuste, ohne einen Unterschied zwischen Wichtig und Unwichtig zu machen. Letzteres war auch die Erklärung dafür, dass er sich so oft verzweifelt an den Kopf fasste. Mit beiden Händen, als wollte er den Kopf zusammenhalten. Die Psychologin erklärte mir, dass es sich für ihn auch so anfühlen würde, als würde er auseinanderplatzen.
Die Wahrnehmungsstörung konnte man mit Training schnell beheben. Die Angststörung dauerte lange. Die Hochsensibilität blieb, aber er lernte, damit umzugehen. Schwierig war nach wie vor das Thema Schule. Er war wissbegierig wie Sau, Schule bremste ihn aus, Mitschüler verkloppten ihn, weil er so anders dachte. Tja, dann blieb er zu Hause und das war ein sehr tolles halbes Jahr. Innerhalb von 1,5 - 2 Stunden erledigte er am Morgen die Aufgaben aus der Schule, dann kam er zu mir (ich hatte meinen Job aufgegeben) und fragte, ob er was Richtiges lernen dürfte.
Bereits in Grundschuljahren hatte er eine Schwäche für klassische Literatur. Er lernte sämtliche Balladen der alten Meister auswendig, spielte sie nach (sein Liebling war Die Bürgschaft), las sich durch mein Buchregal. Mathe rechnete er im Kopf Multiplikation bis 1000, er berechnete im Kopf jede Fläche im Haus, jedes Raumvolumen. Mit 9 erklärte er mir die Chaostheorie, die Beugung des Raums. Die einzige Rettung damals war ein eigener PC in seinem Zimmer mit uneingeschränktem Internetzugang. Endlich hatte er einen schier unerschöpflichen Kanal, wo er alles nachschlagen konnte, was er wissen wollte. Google wurde sein bester Freund und meiner auch, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte mal wieder Luft zum Atmen zwischendurch.
Ich kann ewig so weitermachen, aber das bringt ja nichts. Daran und an vielen Dingen mehr erkennt man ein hochbegabtes Kind, zumindest findet man erste Hinweise. Bei unserem Sohn war es so, dass er in Klasse 8 Gymnasium das erste Mal nach Hause kam, völlig verblüfft, und mir sagte, dass er heute das erste Mal etwas Neues gelernt hätte in der Schule. Seitdem geht es besser.
Zum Thema „Warum habt ihr das Kind nicht ein Jahr früher in die Schule geschickt“ möchte ich noch sagen, dass HB Kinder oft soziale Defizite haben. Man muss sich vorstellen (so erklärte es mir die Psychologin damals), da steckt eine sehr alte und weise Seele im Körper eines Kindes und völlig abhängig von den Erwachsenen. Und wehe dem, sie verstehen es nicht. Das ist eine einzige Qual. Und das ist eben das Schwierige. Wir haben 3 Grundschulen verschlissen, bevor wir in der 4. Endlich Lehrer fanden, die sich darauf einließen und ihn wirklich da abholten, wo er eben stand. Um ihm mehr Zeit für die Aufarbeitung der sozialen Defizite zu geben, entschieden wir in Absprache mit dem Landesschulamt, dass er die 3. Klasse an der neuen (4.) Grundschule wiederholen solle. Einfach um ihm Zeit zu geben, bevor er an die weiterführende Schule gehen muss und die Gelegenheit bekommt, sich sozial anzupassen. (und nebenbei die Angststörung in den Griff zu bekommen).

Und um es abzurunden: Was kann man tun, um solchen Kindern zu helfen? Mein wichtigster Rat: Auf keinen Fall ausbremsen. Ausgebremst werden sie notgedrungen überall sonst. Zuhause sollten sie sich uneingeschränkt ausleben dürfen. HB Kinder kann man geistig kaum überfordern, eher unterfordern. Trotzdem ist es wichtig, dass auch sie Grenzen zu spüren bekommen. Ganz oft können sie die nur körperlich erfahren. Heißt, man sollte mit ihnen viel Sport machen, besonderen Sport: Klettern, Kletterwald, Paddeln usw. Immer wechseln, damit sie eben Grenzerfahrungen machen. Auch ein Rat, den mir die Psychologin mit auf den Weg gegeben hat.
Bücher gehören hier zum täglich Brot. Es gibt einen sehr hohen Buchetat, fest eingeplant in unser Haushaltsbudget, über das verfügt werden darf. Anfangs war es kein Problem, da haben wir noch alles sehr identisch gelesen. Inzwischen entwickelt mein Sohn außerdem noch einen ganz anderen Geschmack, bzw. hatte er den schon früher, aber er lebte in den letzten Jahren wieder auf. Er liest Dickens, Shakespeare, Heine, Kant usw. Teilweise sind wir da identisch, aber eben nur teilweise. Daher mussten wir aufstocken, bzw. ich mich aktuell ein bisschen zurücknehmen, was aber nicht schlimm ist, weil ich in einer Jury mitlese dieses Jahr und genug Lesestoff bekomme. Er kauft also auf Vorrat, weil er den ganzen Etat ausgibt.
Ansonsten interessenabhängig immer gut Input schaffen. Um den Kopf abzuschalten, sind Videospiele übrigens bestens geeignet, also nicht verteufeln. Einen Internetzugang zulassen. Anfangs gemeinsam, später können sie es auch allein. Und keine Scheu davor haben, wenn sich das 8-jährige Kind in einem für Erwachsene gedachten Physikforum anmelden will. Wir haben das gemacht, ich gab mein Einverständnis, informierte den Admin und schaute immer mal mit rein. Er fand sehr schnell Erwachsene, die ihm alle Fragen erklärten, die er hatte. Einer von ihnen, ein recht junger Student, war sehr nett und sie entwickelten einen schönen Kontakt. Er besuchte uns dann auch mal für eine ganze Woche und wohnte hier im Gästezimmer. Man muss natürlich genau schauen, gerade im Internet. Es birgt viele Gefahren, aber mehr als das auch sehr viel Wissen.
Für unabdingbar halte ich die enge Zusammenarbeit mit den Lehrern der Schule. Es macht nicht viel Sinn, diese Kinder ständig mit mehr Arbeit zu belasten. Das frustriert. Sie brauchen andere Aufgaben (Bsp. bei 16/4 musste mein Kind kurz überlegen, fragte die Lehrerin aber nach einem Viertel von 16, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Sie denken einfach anders, viel komplizierter) Die Lehrer der 4. Grundschule lösten das dann so, dass er 1. Andere Aufgaben bekam, die zwar denselben Stoff umfassten, aber komplizierter gestellt waren und, weil er natürlich trotzdem deutlich früher fertig war im Unterricht, der Lehrer spielte mit ihm dann Schach. Auf dem Lehrertisch stand stets ein Schachbrett, auf der immer eine Partie gespielt wurde, teilweise über mehrere Tage. Um den Stand bei den anderen Kindern nicht zu belasten, weil unser Sohn eben anders war, machte er Lehrer regelmäßig solche Aktionen, wie : XY (unser Sohn) darf heute entscheiden, ob wir Hausaufgaben auf bekommen oder nicht. … Natürlich nicht. Damit umjubelten seine Klassenkameraden ihn und obwohl er anders war, mochten sie ihn wirklich und niemand ärgerte ihn mehr. Es war alles so einfach an der 4. Grundschule.. aber der Weg dahin war sehr schwierig.

Sorry, es ist arg lang geworden. Ich ziehe mich jetzt auch zurück hier. Aber wenn du Fragen zum Thema HB hast, dann schreib mir ruhig eine PN. ? Ich beantworte das dann gern, kann nur immer ein bißchen dauern.

LG Zaubi

Das klingt voll nach meiner Tochter.Sie lag mit 1 Woch im Wagen und betrachtete die Bäume über Ihr,ausdauernd.Leider führte die ständige Reizüberflutung dann zum dauerschreien Mit 8 1/2 Monaten stand sie auf und mit 10 Monaten konnte sie frei laufen,mit 14 Monaten fliesend sprechen.Der grösste Sprung kam aber zwischen 18-24 Monaten.Aber das hab ich alles weiter vorne geschrieben.Vieleicht magst dus mal lesen und wir schreiben per PN?Würde mich sehr interessieren
Die-zauberhafte-Patin
22303 Beiträge
19.09.2017 08:03
Zitat von Blubbelchen:

Der Sohn meines Cousins ist auch überdurchschnittlich intelligent. Bei ihm kam das in der Kindergartenzeit zum Vorschein, da erklärte er z.B. im Modegeschäft der Verkäuferin wie deren Alarmanlage funktioniert und wie man diese umgehen könnte. Das war der Mama dann schon ETWAS unangenehm
Bei ihm war es leider oft, dass er seine Mutter nicht ernst genommen hat wenn der Vater arbeitstechnisch im Ausland war. Da kamen dann so Sachen wie "Du bist doch eh nicht so schlau wie ich.. was willst du mir schon erzählen"
In der Schule gab es immer wieder Diskussionen mit den Lehrern. Er hat wirklich ALLES auf die Goldwaage gelegt. Der Lehrer sagt sie sollen 10 Seiten aus dem Buch lesen, und er fängt von hinten an weil der Lehrer ja nicht präzise gesagt hat welche 10 Seiten.
Es war furchtbar anstrengend in der Anfangszeit.
Sie haben ihn viel Sport machen lassen.. er wollte und will überall der Beste sein und hängt sich richtig rein.

Mittlerweile ist er 15 und geht aufs Gymnasium die einen Zweig haben bei dem nur in Englisch unterrichtet wird. (also alle Fächer werden auf Englisch unterrichtet) Das ist jetzt etwas was ihn ein bisschen fordert und er kann "normal" sein.

Für meinen Cousin und seine Frau war es eine furchtbar schwere Zeit und für die 2 jüngeren Geschwister ist es auch nicht einfach weil sie immer den (selbstgemachten) Druck im Nacken haben weil ihr großer Bruder ja so intelligent ist. Die mittlere Tochter hat da große Probleme mit und will auch immer so "gut" sein wie er,.. was aber nicht immer hin haut.

Also ich denke ehr, dass das alles kein Segen ist.. und erst im Alter nützlich wird. Ganz viel Kraft für die Mamis, die damit auch "zu kämpfen" haben


Sehr amüsant. Ich hätte mich weggeschmissen vor Lachen, wäre ich der Lehrer gewesen.
Die-zauberhafte-Patin
22303 Beiträge
19.09.2017 08:12
Zitat von rommy-34:

Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von feenebeene:

Zitat von Franzipluseins:

Wie merkt man es denn das dass Kind einen höheren IQ hat als andere?? Oder eher welche Merkmale hat das Kind dann?
Würde mich wirklich interessieren

Puh, da gibt es so vieles...
Oft sind diese Kinder eher "negativ auffällig...
Unkonzentriert, neigen zu Wutausbrpchen oft werden sie wohl auch mit ADHS- Zügen gesehen...
Andererseits gibt es dann eben auch die Kinder die völlig in sich ruhen, einfach sehr wissbegierig sind ect. Das ist wirklich individuell und ja auch zudem Typ abhängig...

Fügt gerne hinzu oder ne richtig mich... 7chvhan mir das auch nur angelesen...


Das stimmt so nicht ganz. Sie sind nicht zwingend negativ auffällig. Ich hole mal ein bisschen aus. Vorweg: Alles kann, nichts muss. Es gibt auch genug unentdeckte Hochbegabte, die sich anpassen.

Bei Kleinkindern merkt man es z. Bsp. daran, dass es passieren kann, dass sie ganze Entwicklungsschritte auslassen. Oft halten sie schon zur Geburt den Blickkontakt, die Hand-Fuss-Koordination ist quasi auch ab Geburt vorhanden. Mehr oder weniger. Es beobachtet sehr aufmerksam und macht bestimmte Dinge einfach nach, ohne eine Übungsphase zu haben. Sie stellen auffällig viele Fragen, geben sich nicht mit einer Antwort zufrieden (deutlich früher, als in der normalen "Warum-Phase"). Das Sprechen ist so ein elementares Ding. Das tun sie sehr, sehr früh und sehr schnell in kompletten Sätzen.

In unserem Fall, und mir fiel es nicht auf, ich stellte all das erst hinterher fest, als ich von der HB wusste, war es so, dass der Blickkontakt tatsächlich schon im Kreißsaal vorhanden war und unser Sohn den erstaunlicherweise auch hielt. Das war kein zufälliges Anschauen, sondern ein gezieltes. Er sprach mit 8 Monaten so viele einzelne Wörter, dass man ein kleines Wörterbuch hätte damit füllen können. Als er mit 1 Jahr, 7 Monaten in die Kita kam, sprach er saubere, deutliche, vollständige Sätze mit Haupt-, Neben,- und Nebensatz. Benutzte da Wörter, die selbst Erwachsene in Schwierigkeiten gebracht hätten. Er ließ das Krabbeln komplett aus. Er saß recht früh aufrecht und allein, aber mehr auch nicht. Musste er ja auch nicht, er hatte seine Bücher und blätterte, damit war er zufrieden. Mit einem Jahr stand er dann plötzlich am Tisch hochziehend auf und lief unsicher los, eine Woche später lief er gut an den Händen, einen Monat später bereits allein. Manchmal war es nicht der Zeitpunkt, sondern das Tempo was er vorlegte, die Tatsache, dass er wichtige Zwischenschritte einfach wegließ (Krabbeln, Robben, Zwei-Wortsätze) und stattdessen ein perfektes Endergebnis lieferte.
Die Fragen die kamen, waren alles andere als kindgerecht, befassten sich anfangs sehr viel mit der Pflanzen- und Tierwelt und vor allem mit dem Schutz derer, später mit Gesellschaftsfragen und langen ethischen und religösen Diskussionen, bei denen er mit Argumentationen um die Ecke kam, die selbst ich noch nachschlagen musste.
Oft können sie nicht gut mit Gleichaltrigen, weil sie einfach andere Interessen haben. Unser Sohn hatte fast ausschließlich ältere Freunde und das ist bis heute so geblieben.
Er sortierte seine Stifte von Anfang an nach Farben, dann nach Farben und Größe, dann musste immer eine synchrone Ordnung in der Mappe herrschen, heißt, befestigte er auf der einen Seite der Mappe 7 Farben, mussten es auch auf der anderen Seite 7 Farben sein. Die Farben wurden von hell nach dunkel einsortiert. Entweder im Ganzen oder auf jeder Seite extra, dann aber wieder synchron. Dasselbe passierte auf seinem Essensteller und bei anderen Gelegenheiten. Relativ schnell waren Mengen ein Thema, dann kam das Rechnen hinterher. Alles im Zahlenbereich bis 1000 Addition und Subtraktion, es folgte Multiplikation. Die Buchstaben erfragte er sich nebenbei, das Aneinanderhängen brachte er sich selbst bei. Lesen ging dann sehr schnell, Harry Potter war fällig. All das passierte vor Schuleintritt. Im Gegenzug jedoch war er zwar stets ein sehr liebes und stilles Kind, aber er konnte auch nicht gut mit anderen Menschen, braucht lange, bis er jemanden als Freund bezeichnete, ließ sich nur von mir und Oma und Papa anfassen und helfen. Er war hochsensibel, auch etwas, was ich zwar bemerkte, aber eben nicht einordnete. Kam beim Test alles mit raus.
Dann kam er in die Schule. Bereits am zweiten Tag erklärte er mir, da geht er nicht mehr hin, das ist gähnend langweilig. Ein sehr häufiges Merkmal von HB Kindern. Diese Langeweile kann entweder zum Stören des Unterrichts führen, wenn sie vom Typ her eher extrovertiert sind. Später kann das auch zu unkontrollierten Aggressionen führen. Oder aber, wie in unserem Fall, es ist vom Typ her ein sehr stilles und introvertiertes Kind. Die Langeweile führte dazu, dass er anfing abzuschalten. Er saß die Zeit ab, hörte nicht zu, träumte vor sich hin und ließ in seinem Kopf seinen eigenen Fantasyfilm laufen. Irgendwie musste er die Zeit ja rumkriegen. Punktuell entwickelte er nahezu Spitzenleistungen, die selbst mich verblüfften. Kam aber immer darauf an, ob ihn das Thema interessierte oder nicht, ob der Lehrer im passte oder nicht, ob er einen guten Tag hatte oder nicht. Der Zwang, der gerade in Grundschulen noch herrscht, mit Gleichaltrigen alles in Gruppenform machen zu müssen, ließ mein Kind fast eingehen. Er hatte ganz andere, oft sehr komplizierte Gedankengänge. Er verstand die normalen Probleme seiner Klassenkameraden nicht, sie wussten gar nicht, wovon er redete. Bereits in der Grundschule entwickelte er einen sehr feinen Sarkasmus, den er bereits in Klasse 3 fließend sprach. Er sagte nicht viel, aber wenn er was sagte, dann verstanden es nur die Lehrer.
Die Lehrer waren ein großes Problem. Immer wieder erklärten sie mir, dass sie das im normalen Schulbetrieb nicht abfangen könnten, ich solle ihm extra Aufgaben geben usw. Tat ich nicht, denn vorgreifen im Stoff machte es irgendwie nicht besser, sorgte nur für noch mehr Langeweile. In Klasse 3 endete das Schuldesaster in totaler Verweigerung. Erschwerend kam eine inzwischen entstandene Angst- und Panikstörung hinzu, die aus den Handlungen seiner Mitschüler resultierte und der Nichtreaktion der damaligen Lehrer. Er steckte fest. Das war der Moment, an dem wir eine Psychologin aufsuchten. Ich hatte eine ganze Litanei an möglichen psychischen Störungen im Kopf, aber an eine Hochbegabung dachte ich noch immer nicht. Die Psychologin war super. Sie verwarf meine Sorgen und Vermutungen erstmal und sagte mir, dass sie zu allererst seinen IQ testen wolle, danach wird es wahrscheinlich schon erledigt sein. So war es dann auch. Eine Hochbegabung, die vollkommen jenseits von Gut und Böse lag. Ich brach in Tränen aus, weil ich einfach nicht wusste, wie wir die Schulzeit überstehen sollten. Eine Lösung musste her. Die Psychologin machte noch ein paar weitere Tests, vor allem auch, um ADS auszuschließen. Heraus kam eben noch eine Hochsensibilität, die Angst- und Panikstörung, eine kleine Wahrnehmungsstörung, die jede Info ungefiltert in seinen Kopf schleuste, ohne einen Unterschied zwischen Wichtig und Unwichtig zu machen. Letzteres war auch die Erklärung dafür, dass er sich so oft verzweifelt an den Kopf fasste. Mit beiden Händen, als wollte er den Kopf zusammenhalten. Die Psychologin erklärte mir, dass es sich für ihn auch so anfühlen würde, als würde er auseinanderplatzen.
Die Wahrnehmungsstörung konnte man mit Training schnell beheben. Die Angststörung dauerte lange. Die Hochsensibilität blieb, aber er lernte, damit umzugehen. Schwierig war nach wie vor das Thema Schule. Er war wissbegierig wie Sau, Schule bremste ihn aus, Mitschüler verkloppten ihn, weil er so anders dachte. Tja, dann blieb er zu Hause und das war ein sehr tolles halbes Jahr. Innerhalb von 1,5 - 2 Stunden erledigte er am Morgen die Aufgaben aus der Schule, dann kam er zu mir (ich hatte meinen Job aufgegeben) und fragte, ob er was Richtiges lernen dürfte.
Bereits in Grundschuljahren hatte er eine Schwäche für klassische Literatur. Er lernte sämtliche Balladen der alten Meister auswendig, spielte sie nach (sein Liebling war Die Bürgschaft), las sich durch mein Buchregal. Mathe rechnete er im Kopf Multiplikation bis 1000, er berechnete im Kopf jede Fläche im Haus, jedes Raumvolumen. Mit 9 erklärte er mir die Chaostheorie, die Beugung des Raums. Die einzige Rettung damals war ein eigener PC in seinem Zimmer mit uneingeschränktem Internetzugang. Endlich hatte er einen schier unerschöpflichen Kanal, wo er alles nachschlagen konnte, was er wissen wollte. Google wurde sein bester Freund und meiner auch, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte mal wieder Luft zum Atmen zwischendurch.
Ich kann ewig so weitermachen, aber das bringt ja nichts. Daran und an vielen Dingen mehr erkennt man ein hochbegabtes Kind, zumindest findet man erste Hinweise. Bei unserem Sohn war es so, dass er in Klasse 8 Gymnasium das erste Mal nach Hause kam, völlig verblüfft, und mir sagte, dass er heute das erste Mal etwas Neues gelernt hätte in der Schule. Seitdem geht es besser.
Zum Thema „Warum habt ihr das Kind nicht ein Jahr früher in die Schule geschickt“ möchte ich noch sagen, dass HB Kinder oft soziale Defizite haben. Man muss sich vorstellen (so erklärte es mir die Psychologin damals), da steckt eine sehr alte und weise Seele im Körper eines Kindes und völlig abhängig von den Erwachsenen. Und wehe dem, sie verstehen es nicht. Das ist eine einzige Qual. Und das ist eben das Schwierige. Wir haben 3 Grundschulen verschlissen, bevor wir in der 4. Endlich Lehrer fanden, die sich darauf einließen und ihn wirklich da abholten, wo er eben stand. Um ihm mehr Zeit für die Aufarbeitung der sozialen Defizite zu geben, entschieden wir in Absprache mit dem Landesschulamt, dass er die 3. Klasse an der neuen (4.) Grundschule wiederholen solle. Einfach um ihm Zeit zu geben, bevor er an die weiterführende Schule gehen muss und die Gelegenheit bekommt, sich sozial anzupassen. (und nebenbei die Angststörung in den Griff zu bekommen).

Und um es abzurunden: Was kann man tun, um solchen Kindern zu helfen? Mein wichtigster Rat: Auf keinen Fall ausbremsen. Ausgebremst werden sie notgedrungen überall sonst. Zuhause sollten sie sich uneingeschränkt ausleben dürfen. HB Kinder kann man geistig kaum überfordern, eher unterfordern. Trotzdem ist es wichtig, dass auch sie Grenzen zu spüren bekommen. Ganz oft können sie die nur körperlich erfahren. Heißt, man sollte mit ihnen viel Sport machen, besonderen Sport: Klettern, Kletterwald, Paddeln usw. Immer wechseln, damit sie eben Grenzerfahrungen machen. Auch ein Rat, den mir die Psychologin mit auf den Weg gegeben hat.
Bücher gehören hier zum täglich Brot. Es gibt einen sehr hohen Buchetat, fest eingeplant in unser Haushaltsbudget, über das verfügt werden darf. Anfangs war es kein Problem, da haben wir noch alles sehr identisch gelesen. Inzwischen entwickelt mein Sohn außerdem noch einen ganz anderen Geschmack, bzw. hatte er den schon früher, aber er lebte in den letzten Jahren wieder auf. Er liest Dickens, Shakespeare, Heine, Kant usw. Teilweise sind wir da identisch, aber eben nur teilweise. Daher mussten wir aufstocken, bzw. ich mich aktuell ein bisschen zurücknehmen, was aber nicht schlimm ist, weil ich in einer Jury mitlese dieses Jahr und genug Lesestoff bekomme. Er kauft also auf Vorrat, weil er den ganzen Etat ausgibt.
Ansonsten interessenabhängig immer gut Input schaffen. Um den Kopf abzuschalten, sind Videospiele übrigens bestens geeignet, also nicht verteufeln. Einen Internetzugang zulassen. Anfangs gemeinsam, später können sie es auch allein. Und keine Scheu davor haben, wenn sich das 8-jährige Kind in einem für Erwachsene gedachten Physikforum anmelden will. Wir haben das gemacht, ich gab mein Einverständnis, informierte den Admin und schaute immer mal mit rein. Er fand sehr schnell Erwachsene, die ihm alle Fragen erklärten, die er hatte. Einer von ihnen, ein recht junger Student, war sehr nett und sie entwickelten einen schönen Kontakt. Er besuchte uns dann auch mal für eine ganze Woche und wohnte hier im Gästezimmer. Man muss natürlich genau schauen, gerade im Internet. Es birgt viele Gefahren, aber mehr als das auch sehr viel Wissen.
Für unabdingbar halte ich die enge Zusammenarbeit mit den Lehrern der Schule. Es macht nicht viel Sinn, diese Kinder ständig mit mehr Arbeit zu belasten. Das frustriert. Sie brauchen andere Aufgaben (Bsp. bei 16/4 musste mein Kind kurz überlegen, fragte die Lehrerin aber nach einem Viertel von 16, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Sie denken einfach anders, viel komplizierter) Die Lehrer der 4. Grundschule lösten das dann so, dass er 1. Andere Aufgaben bekam, die zwar denselben Stoff umfassten, aber komplizierter gestellt waren und, weil er natürlich trotzdem deutlich früher fertig war im Unterricht, der Lehrer spielte mit ihm dann Schach. Auf dem Lehrertisch stand stets ein Schachbrett, auf der immer eine Partie gespielt wurde, teilweise über mehrere Tage. Um den Stand bei den anderen Kindern nicht zu belasten, weil unser Sohn eben anders war, machte er Lehrer regelmäßig solche Aktionen, wie : XY (unser Sohn) darf heute entscheiden, ob wir Hausaufgaben auf bekommen oder nicht. … Natürlich nicht. Damit umjubelten seine Klassenkameraden ihn und obwohl er anders war, mochten sie ihn wirklich und niemand ärgerte ihn mehr. Es war alles so einfach an der 4. Grundschule.. aber der Weg dahin war sehr schwierig.

Sorry, es ist arg lang geworden. Ich ziehe mich jetzt auch zurück hier. Aber wenn du Fragen zum Thema HB hast, dann schreib mir ruhig eine PN. ? Ich beantworte das dann gern, kann nur immer ein bißchen dauern.

LG Zaubi

Das klingt voll nach meiner Tochter.Sie lag mit 1 Woch im Wagen und betrachtete die Bäume über Ihr,ausdauernd.Leider führte die ständige Reizüberflutung dann zum dauerschreien Mit 8 1/2 Monaten stand sie auf und mit 10 Monaten konnte sie frei laufen,mit 14 Monaten fliesend sprechen.Der grösste Sprung kam aber zwischen 18-24 Monaten.Aber das hab ich alles weiter vorne geschrieben.Vieleicht magst dus mal lesen und wir schreiben per PN?Würde mich sehr interessieren


Ich habs gelesen, fand ich auch sehr beeindruckend. Besonders der Unterschied zwischen Mädchen und Junge. Die kommen da nämlich noch dazu. Meiner macht nur die Sachen voll und ganz, die ihn auch interessieren. Bei allen anderen Dingen, nur das Nötigste. Da führt dann auch kein Weg hin. In der Schule heißt das konkret, dass er Fächer hat, die ein Selbstläufer sind (Deutsch, Geschichte, Recht, Religion usw. eigentlich sämtliche Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, dazu noch die musischen) Im Gegensatz zu den Fächern, die er inzwischen gar nicht mehr mag und die er für seinen Lebensweg auch ausgeklammert hat (Naturwissenschaften im Allgemeinen), da macht er einfach nur noch so viel, dass er nicht versagt.
Und ich kann da reden wie ich will... er meint, er braucht nie wieder Mathe und Co über das Basiswissen hinaus (hat er ja auch Recht), von daher reicht es, wenn er da 5 Punkte erreicht, die halt das Mindeste sind, um nicht durchzufallen. Wenn er könnte, hätte er die alle abgewählt. Geht ja aber nicht.
Und er hat auch nicht den Ehrgeiz die Gesamtabinote überdurchschnittlich hochzupuschen. Er könnte, wenn er wollte, aber ihm sind eben bestimmte Fächer super wichtig, da ärgert er sich über 14, statt max. 15 Punkten und sucht ewig, woran es denn nun haperte, dass er den einen Punkt nicht bekam. In Mathe und Chemie hingegen nickt er alles über 5 Punkten ab. Gilt für ihn als erledigt.
Er weiß, dass sich die Abinote aus dem gesamten Durchschnitt zusammensetzt, aber die ist ihm dann egal. Wichtig sind nur die Fächer, die er im späteren Berufsleben braucht. Und da er Theologie studieren will, so der momentane Stand, oder Germanstik und Geschichte, das ist auch noch nicht aus dem Rennen, verschwendet er keine Energie auf Fächer, die er nach der Schulzeit nie wieder angucken wird. Dabei würde ein bißchen Wiederholen ausreichen. Aber nö. Mädchen sind da anders, sie haben oft so einen allgemeinen Ehrgeiz.

Und ja, wir können gern über PN kommunizieren.

LG Zaubi
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