Mütter- und Schwangerenforum

Behindertenausweis, Pflegestufe für Autismus. Ist das nötig?

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Janna
18870 Beiträge
04.07.2017 10:10
Hallo ihr Lieben,
Seit ein paar Wochen hat mein Sohn die Diagnose Atypischer Autismus.
Der Grad wird noch bestimmt.
Habe auch noch keinen Bericht erhalten.

Wir stehen also noch ganz am Anfang und schon jetzt bekomme ich ständig vorgeschlagen einen Ausweis und Pflegestufe zu beantragen aber ich frage mich wozu?

Was bringt es uns?

Vlt ist ja jemand hier der darüber erzählen kann.
Ist es wirklich so wichtig dass wir das alles beantragen?

Obsidian
13776 Beiträge
04.07.2017 10:13
Sowohl Ausweis als auch Pflegegrad bringen dir eigentlich nur Vorteile, nicht zuletzt finanzielle. Je nach Pflegegrad erhältst du eine monatliche Unterstützung und die Möglichkeit auf bezahlte Pflegemittel, Hilfsmittel, Verhinderungsausgleich etc etc.
Den Asuweis haben wir nicht aber auch der bringt dir in Öffis, bei Eintritten und vielem anderen große Vorteile.

Ich würde es definitiv machen, auch wenn der Antrag langwierig und zeitraubend ist, es lohnt sich. Genau dafür zahlt man ja seine Beiträge.
04.07.2017 10:16
Also wenn dein Sohn einen pflegegrad bekommt, dann bekommt ihr etwas Pflegegeld. Die Höhe weiß ich nicht.

Bei dem Ausweis bin ich mir nicht sicher ob ihr Steuervorteile hättet. Also ob ihr das angeben könnt.

Verkehrt ist es sicher nicht die Sachen zu beantragen
Janna
18870 Beiträge
04.07.2017 10:23
Lieben Dank fürs Antworten.

Im Moment ist das noch alles sehr verwirrend für mich.
Wo müsste ich pflegegrad sowie den Ausweis beantragen und welche Kriterien müssten zb erfüllt sein damit er die überhaupt bekommt? Gerade beim pflegegrad.
Mein Sohn ist 5, ich kümmere mich doch so oder so um ihn. Ist das jetzt mehr Aufwand weil ich immer nen Auge mehr drauf haben muss als auf die kleine Schwester? Ich weiss nicht.
Obsidian
13776 Beiträge
04.07.2017 10:29
Ich kenne leider den Antrag für die Pflegegrade nicht, nur den für die Pflegestufen, das hat sich jetzt doch recht deutlich geändert. Bei den Pflegestufen wurden v.a. die Zeiten in Minuten angegeben, jetzt wird die Bedürftigkeit in Punkten angegeben und v.a. die sozialen Bereiche, wo die Pflegebedürftigen mehr Hilfe brauchen, z.B. bei sozialen Kontakten werden auch mehr mit einbezogen.
Es gibt einen Punktedurchschnitt (früher einen Minutendurchschnitt) für gesunde Kinder im gleichen Alter und davon wird dann ausgegangen und berechnet, um wieviel dein Betreuungsaufwand höher ist.

Den Antrag konnte ich auf der Seite unserer Kasse runterladen.

Und ja, dir steht dieses Geld zu. Die Kasse ist genau dafür da.
Janna
18870 Beiträge
04.07.2017 10:46
Ich versteh nur nicht wirklich was pfelegegeld mir bringen soll?
Ich pass doch sowieso auf ihn auf und helfe ihm dabei in der sozialen Welt zurecht zu finden. Ist doch mein Job. Aktuell ist das nicht so interessant weil ich eh noch mit meiner Tochter zuhause bin und so fix nicht mehr zum Arbeiten komme.

Wozu ist das pflegegeld gedacht? Es macht doch meine Arbeit nicht einfacher und hilft Mika auch nicht weiter.
Nicht falsch verstehen bitte. Es er schliesst sich mir nur nicht wie uns das helfen wird
Engelchen1711
106934 Beiträge
04.07.2017 10:53
Welche Vorteile man wo hat hängt aber auch vom GdB (Grad der Behinderung)
ab, ich würde für Zöliakie allein z.B. 20 bekommen, bringt mir nicht wirklich was.

Ab einem GdB von 30 gibt es Steuervorteile, bei 30 sind das 310€ (§ 33b EstG)
ab 40 sind es 430€ und ab 50 570€

Bei 30/40 noch Gleichstellung und Kündigungsschutz, das betrifft ihn ja aber noch
nicht. Bei 20 wäre das z.B. nur die Berechtigung am Behindertensport teilzunehmen.

Hatte das gerade in meiner Rechtsprüfung recht ausführlich.

Ab 50 wäre das dann schon mit Schwerbehinderteneigenschaft.

Bei Pflegegrad 1 z.B. gibt es kein Pflegegeld.

Guck mal auf der Seite hier steht das alles sehr gut beschrieben.
Obsidian
13776 Beiträge
04.07.2017 10:56
Die Kasse bietet dir zwei Möglichkeiten (andere hat sie nicht):

1. Du kannst über einen gewissen Betrag verfügen und dafür einen externen Pflegedienst in Anspruch nehmen

2. Du kannst selbst pflegen (das ist ja ein flexibler Begriff und beinhaltet auch die emotionale und soziale Pflege) und erhälst den Betrag dafür selbst.

Natürlich kann man argumentieren, dass man als Mutter ohnehin all diese Dinge tut auch ohne dass man dafür Geld bekommt.
Aber das ist nunmal der Sinn eines Sozialstaates, dass man damit nicht alleingelassen wird.
Die Kasse ist halt ne Kasse und kann dir nicht mehr als finanziell helfen. Du leistest für deine Kinder zeitlichen, psychischen und körperlichen Mehraufwand und erhälst dafür einen Ausgleich und den solltest du auch annehmen.
Engelchen1711
106934 Beiträge
04.07.2017 11:10
Das Geld kann man ja notfalls auch einfach beiseite legen für später
wenn man es aktuell nicht braucht, wer weiß was noch kommt oder
benötigt wird.
Obsidian
13776 Beiträge
04.07.2017 11:12
Richtig. Oder nen tollen Urlaub mit den Kids machen, in dem alle entspannen können, den man sonst nicht machen könnte weil man schlicht selbst nicht die Möglichkeit hat, genug Geld zu verdienen.
wolkenschaf
8544 Beiträge
04.07.2017 11:18
Ich kann nur über den Ausweis berichten, denn Pflegestufe/ Pflegegrad haben und bekommen wir nicht.

Den Antrag auf den Behindertenausweis stellst du beim für euch zuständigen Versorgungsamt. Du musst da einen Fragebogen ausfüllen, Diagnosen, Befunde, die Einschränkungen deines Kindes sowie die behandelnden Ärzte angeben. Der medizinische Dienst holt sich dann Gutachten bei den behandelnden Ärzten ein und legt einen Grad der Behinderung (GdB) sowie evtl. zustehende Merkzeichen für dein Kind fest. Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert.
Je nach Höhe des GdB steht deinem Kind ein Steuerfreibetrag zu, den du auf dich übertragen lassen kannst. Bei einem GdB von 100 sind es über 3000 Euro im Jahr. Zudem hat dein Kind durch den Ausweis später evtl Vorteile im Berufsleben (verbesserter Kündigungsschutz, mehr Urlaubsansprüche etc.).
Dann gibt es verschiedene Merkzeichen. Die wichtigsten sind eigentlich "H" für hilflos und "B" für Begleitperson. Habt ihr das H bekommst du immer einen Steuerfreibetrag von momentan 3.400 Euro jährlich und dein Kind fährt kostenlos Bus und Bahn und du kannst euer Auto auf dein Kind anmelden und zahlst keine KFZ-Steuer mehr (oder zumindest ermäßigt). Habt ihr zusätzlich das "B", fährt eine Begleitperson ebenfalls kostenfrei Bus und BAhn, hat vergünstigte Eintritte in Schwimmbäder, Zoos, Konzerte etc.
Der Behindertenausweis ist in erster Linie ein Nachteilsausgleich für euch und euer Kind. Er schadet in keinem Fall, daher würde ich ihn immer beantragen. Zumindest bei uns dauert es aber ewig, bis der Antrag durch ist. 6-12 Monate sind da keine Seltenheit. Ich war jetzt zusätzlich noch über ein Jahr lang im Widerspruchsverfahren...
Ganz einfach ist es nicht und man muss sich erstmal durch finden, aber ich würde es versuchen.

Norimena
1118 Beiträge
04.07.2017 11:26
Ich habe es für meine Tochter bisher nicht gemacht (High Fuction Autism).
Sie ist soweit "normal", dass ich nicht glaube, dass sie eine Pflegestufe bekommen wird. Das kommt aber sicherlich auf den Schweregrad an, das Autismus-Spektrum ist groß.
Janna
18870 Beiträge
04.07.2017 11:30
Im Alltag bräuchten wir es nicht zwingend aber sparen oder mal einen Urlaub davon machen. Das könnte man tatsächlich. Gerade Urlaub oder mal eine Auszeit für Mika schaffen ist schwer und die braucht er so sehr :-/
Leider ist so was nur äußerst selten möglich weil es sich mit einem gehalte/haus usw nur wenig realisieren lässt.

Vielen Dank für die vielen infos. Ihr habt mir schon sehr geholfen. Ich werde mich auf jeden Fall an meine Krankenkasse wenden.

Es ist noch so schwer in diesem bürokratenjungel zurecht zu finden.
Im Moment prasseln da unzählige Informationen auf mich ein. Ich hoffe ich bekomme sie gut sortiert
Obsidian
13776 Beiträge
04.07.2017 11:33
Wenn du das Gefühl hast, dass dir das zuviel ist, um es alleine zu wuppen, dann guck mal, ob du in deiner Nähe einen Pflegestützpunkt findest. Die sind für exakt sowas da, helfen einem bei den Anträgen und beim Ausfüllen etc
Janna
18870 Beiträge
04.07.2017 11:43
Zitat von Norimena:

Ich habe es für meine Tochter bisher nicht gemacht (High Fuction Autism).
Sie ist soweit "normal", dass ich nicht glaube, dass sie eine Pflegestufe bekommen wird. Das kommt aber sicherlich auf den Schweregrad an, das Autismus-Spektrum ist groß.

Das klingt toll!
Kann sie denn alle alltägliche Sachen altersgerecht selbst bewerkstelligen?
Wenn ich Mika betrachte dann er eigt ein Full time Job.
Egal in welcher Hinsicht. Wir versuchen ihn so selbstständig wie möglich zu erziehen aber vieles kann er einfach nicht nachvollziehen.
Das liegt mit unter sicher am sprachverständnis.
Er versteht leider längst nicht alles und redet auch nicht richtig. Auch motorisch ist er ungeschickt was anziehen/ausziehen, waschen, Zähne putzen usw allein auch nicht richtig machbar ist. Er darf zwar immer erst alles selbst probieren, muss aber viel helfen weil seine geduldt und Toleranzschwelle sehr gering ist. Er schreit viel.
Nacht draußen könnte ich ihn nicht allein schicken, weder jetzt noch in den nächsten Jahren, er schätz gefahren so gut wie gar nicht ab. Ist überall mit seinen Gedanken und würde einfach loslaufen wenn er etwas interessantes erblickt.
Er spricht auch einfach fremde menschen an und kuschelt sie oder geht mit solang er dadurch nur an sein gesetztes Ziel kommt usw.

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