Mütter- und Schwangerenforum

LRS wegen ADS? Was tun?

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Anonym 193946
0 Beiträge
23.05.2017 17:39
Zitat von Marf:

Zitat von kleine-hummel:

Also, ich kann natürlich nur aus persönlicher Sicht und Meinung sprechen, aber würde keine Medis meinem Kind geben, wenn es nicht notwenig ist. Ich selber habe auch LRS und habe in der Grundschule einen Kurz deswegen besucht, danach war es bei mir mit viel lesen zu Hause auch besser.
Mein Mann hat über die gesamte Schulzeit eine extra Schule noch besucht um mit seiner schweren Form von LRS klar zu kommen. Natürlich hat er bis heute Schwierigkeiten manchmal, aber geschadet hat es ihm nie! Er ist jetzt auch in einer Führungspositionen und hat nie eine Tablette bekommen. Vllt ist der Weg mühsamer, aber Retalien ist und bleibt eine Droge die abhängig macht und deswegen würde sie für mich nicht in Frage kommen, nur weil es vielleicht einfacher ist.

Aber wie gesagt, ist meine persönliche Meinung und ich möchte auch keinen angreifen

Das Medikament ist für das ADS.Das LRS resultiert mit aus dieser Krankheit.Durch das dauernde Unkonzentriertsein und Wegträumen kann man kaum gezielt die Schwäche therapieren.Das Medikament ist da hilfreich.
Und dieses Drogengeschwätz ist echt albern!


Die Psychologin meinte auch, dass die Bahndlung der LRS bei einer anderen Ursache ganz anders aussehen würde. Wäre z.B. eine Wahrnehmungsstörung die Ursache, hätte sie eine medikamentöse Behandlung nicht vorgeschlagen.

Und wir sprechen bei meiner Tochter im Moment nicht von Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung, sondern von dem Unvermögen die Schriftsprache zu erlernen (Lesen und Schreiben). Und das nach drei Jahren Schule mit Förderunterricht.
Vielleicht würde es mir leichter fallen, wenn sie "nur" viele Fehler machen würde. Aber in ihrem Fall ist es mehr als das. Die Psychologin geht, wie gesagt, davon aus, dass meine Tochter die Schule trotz normaler Intelligenz, als funktionaler Analphabet verlässt, wenn sie jetzt nicht behandelt wird.

Und mir ist durchaus klar, dass es notwendig ist, ich sehe ja, wie es meiner Tochter geht. Aber der "Schock" darüber war erstmal groß. Und ja, ich gebe zu, dass ich da viele Vorurteile hatte (habe) und ich bin nicht stolz darauf. Trotzdem ist es mir natürlich am wichtigsten, dass es meiner Tochter gut geht.
Die-zauberhafte-Patin
22305 Beiträge
23.05.2017 17:57
Zitat von Anonym 193946:

Ich weiß grade irgendwie gar nicht, was ich denken soll.

Meine Tochter hat seit Beginn der Schulzeit unglaubliche Probleme mit dem Erwerb der Schriftsprache. Sie kann weder richtig lesen noch schreiben und hat unglaubliche Schwierigkeiten mit dem Wiedererkennen von Zahlen. Das klingt für mich eher nach einem Sehpproblem. Eben weil es das Erkennen von Zahlen miteinschließt. Wart ihr mal bei einem Augenarzt? Das würde ich, wenn nicht, nochmal abklären, bevor ihr Medikamente gebt . Sie geht in die dritte Klasse und ist ein fröhliches, sportliches, kreatives Mädchen und hat super viel Humor.
Nur in der Schule ist sie zurzeit sehr unglücklich. Sie bekommt seit der ersten Klasse Förderunterricht und hat einige Zeit Ergotherapie gemacht. Sie fand es ganz lustig, aber gebracht hat es absolut nichts.

Ich habe bis jetzt gedacht, dass sie einfach ein bisschen mehr Zeit braucht und hab natürlich versucht ihr zu helfen, so gut es geht und auch die Lehrer schienen bis vor kurzem nicht sonderlich besorgt. Sie ist nicht hyperaktiv, hat ein vorbildliches Sozialverhalten und stört nie den Unterricht. Als Spielpartnerin ist sie bei anderen Kinder sehr beliebt! Als Arbeitspartner nicht mehr.

Vor ein paar Wochen wurden die Probleme aber größer und meine Tochter leidet darunter, dass sie als einzige aus ihrer Klasse nicht richtig lesen und schreiben kann. Auf Initiative der Kinderärztin haben wir uns für eine LRS-Diagnostik entschieden. Wo wurde das gemacht? In einer unabhängigen Praxis? Oder einer Schwerpunktpraxis? SPZ?

Heute hatte ich dort das Abschlussgespräch.
Und jetzt fühle ich mich furchtbar.

Vorab: Meine Tochter bekommt jetzt ein Attest über eine Teilleistungsstörung damit in der Schule ein Nachteilsausgleich beantragt werden kann.

Ihre Ergebnisse haben mich allerdings ein wenig schockiert und das, was die Psychologin gesagt hat noch viel mehr.
Sie hat einen IQ von 103. Aber in dem Rechtschreibtest hat sie kein einziges Wort richtig geschrieben. Mit welchem Test wurde der IQ getestet? Ich meine, es ist unlogisch, einem Kind, dass schlecht bis gar nicht lesen kann und Schwierigkeiten mit dem sinnerfassendem Lesen hat, einen Test machen zu lassen, wo lesen und vor allem Sinn erfassen ganz wichtig ist.
Der Lesetest war ähnlich schlecht. Laut Psychologin ist eine LRS damit absolut gesichert. Das ist das einzige, was mir bisher sinnvoll und logisch erscheint.
Soweit so gut oder auch schlecht…

Sie meinte dann, dass sie aufgrund des verschiedenen Tests und Ergebnisse sicher ist, dass die Ursache ein ADS „Erkrankung“ ist. Hier ist die Stellle, die mir dicke Backen zaubert. Wie kommt sie denn darauf? Es gibt nicht umsonst umfassende. spezielle Tests für ADS/ ADHS, die langwierig sind und sie entscheidet das so???? DAS würde ich zu 100% nochmal speziell überprüfen lassen und zwar unbedingt woanders.
Eine auditive Wahrnehmungsstörung wurde von einem Pädaudiologen ausgeschlossen. Auch hier: Möglich, aber Augenarzt sollte vorher schauen.
Die Psychologin meint, wenn wir nicht schnellsten etwas unternehmen, muss ich davon ausgehen, dass meine Tochter die Schule als funktionaler Analphabet verlässt. Solche eine Panikmache verstehe ich gar nicht. Die Maus ist in der 3. Klasse. Es steht dir frei und du hast das Recht, die Versetzung nicht anzunehmen und deine Tochter beginnt nochmal in Klasse 3, was ich wohl tun würde, wenn eine umfassende und eben professionelle Diagnostik gemacht wurde, gerade in Sachen ADS.

Ihr Vorschlag ist, zu meinem großen Entsetzen, eine medikamentöse Behandlung mit Ritalin. Ich wäre ebenfalls entsetzt. Es wäre mir auch ganz neu, dass eine LRS damit behandelt wird. Und einen umfassenden ADS Test hat es ja offenbar nicht gegeben.
Sie meint bei der Schwere der Symptomatik wäre alles andere Zeitverschwendung und würde den Leidensdruck meiner Tochter nur erhöhen und wertvolle Zeit vergeuden. Nein, dafür hat sie euch. Rede mit ihr, sag ihr, dass ihre Schwierigkeiten vorerst nur von einer LRS kommen, die nicht so selten ist und auch nicht so ungewöhnlich.

Ich hab bis vor ein paar Stunden eine Therapie mit Ritalin für meine Kinder für AUSGESCHLOSSEN gehalten. Nie würde ich solche „Drogen“ in mein Kind stopfen. Alle Vorurteile zu den Geschichten, dass Ritalintabletten wie Smarties verteilt werden klingeln in meinen Ohren. Ausgedachtes Krankheitsbild… usw. Auch hier verstehe ich dich. Gerade was ADS/ ADHS angeht, dachte ich lange auch so, und denke es bei mancher Diagnose noch heute. Ritalin, wie auch Medikinet stellt eben auch ruhig. Wenn ein Kind wirklich ADS/ ADHS hat, dann macht das Sinn, aber das ist in deinem Fall gar nicht klar, denke ich. Und auch wenn sich das herausstellt. DIe Medikamentengabe ist der einfachste Weg und leider der gängigste. Es gibt so viel bessere Wege, um diese Störung in den Griff zu bekommen, aber die ist anstrengend und zeitintensiv. Und genau da lieg die Krux des Ganzen. Eltern sind oft bereit dafür, aber es scheitert an den Schulen, den Lehrern. Und das nicht mal, weil sie besonders faul sind (wobei es auch das gibt), sondern weil es eben an Personal mangelt. Es gibt spezielle Schulen, die sich genau darauf spezialisiert haben und die NUR Kinder aufnehmen, die KEINE Medikamente nehmen. Sie sind auch behilflich beim Absetzen des Medikaments usw. Aber das ist deren Voraussetzung. Nur muss man in der Nähe dieser Schulen wohnen. Es ist sehr schwierig, ich verstehe dich, aber verteufel nicht gleich jedes Medikament. Ein bisschen Hilfe schadet manchmal nicht, aber eben mit größter Vorsicht und wohl überlegt im Vorfeld. Daher rate ich unbedingt zu einer zweiten, unabhängigen Meinung, was den Schulspsychologen dann mit ausschließt.

Die Psychologin meint, mit Abweichungen von mehr als 25 Punkten zwischen den Untertests des IQ-Testes und den Ergebnissen der anderen Test, lässt sich ihr Problem nur mit einem Behandlungsbedürftigen ADS erklären. UNd hier schrillt bei mir alles. Wir hatten das auch innerhalb des IQ Tests. Allerdings sagte unsere Psychologin, dass solch starke Schwankungen auf eine Inselbegabung hindeuten, die jedoch schwierig zu erkennen ist, wenn das Kind den Test doch gar nicht lesen kann, ergo das Ergebnis doch verfälscht ist. Sie wäre auch kein Freund davon, dass so viele lebhafte Kinder von Kinderärzten mit Ritalin „ruhiggestellt“ werden, aber ich solle das Glück und die Zukunft meiner Tochter nicht riskieren, nur weil andere Ärzte dieses Medikament falsch verschreiben.
Da Fördermaßnahmen und co. völlig ergebnislos geblieben sind, möchte sie noch vor den Sommerferien mit der Behandlung beginnen.

Ich weiß auch nicht, was ich jetzt hier hören will. Aber wie soll ich das denn bloß entscheiden???? Hör auf deinen Bauch, deinen Instinkt. Hier stimmt was nicht. Ich will der Psychologin keinesfalls ihr Können absprechen, aber es klingt danach, als würde sie die ADS Diagnose zu schnell gestellt haben, weil es vielleicht gängig ist. Hol dir unbedingt eine zweite Meinung bzgl. der ADS Diagnose und ich würde auch auf einen angepassten IQ Test bestehen. Wobei 103 ja absolut normal ist, nur eben wegen dieser Schwankungen.

Ich bin nicht berufstätig, sie lebt in einem stabilen Umfeld, hat zwei Geschwister ohne ähnliche Probleme. Ich habe immer Zeit für sie, sie wird nicht unter Druck gesetzt, es gab nie ein schlechtes Wort oder Enttäuschung meinerseits über schlechte Noten. Aber jetzt hier, an diesem Punkt, bin ich mit meinem Latein am Ende.


Ich hoffe, ich bringe deine Gedanken nun nicht noch mehr durcheinander. Aber irgendwas klingt unrund und dem würde ich nachgehen, bevor ich meinem Kind Medikamente gebe.

LG Zaubi
Die-zauberhafte-Patin
22305 Beiträge
23.05.2017 18:01
Zitat von Anonym 193946:

Zitat von Marf:

Zitat von kleine-hummel:

Also, ich kann natürlich nur aus persönlicher Sicht und Meinung sprechen, aber würde keine Medis meinem Kind geben, wenn es nicht notwenig ist. Ich selber habe auch LRS und habe in der Grundschule einen Kurz deswegen besucht, danach war es bei mir mit viel lesen zu Hause auch besser.
Mein Mann hat über die gesamte Schulzeit eine extra Schule noch besucht um mit seiner schweren Form von LRS klar zu kommen. Natürlich hat er bis heute Schwierigkeiten manchmal, aber geschadet hat es ihm nie! Er ist jetzt auch in einer Führungspositionen und hat nie eine Tablette bekommen. Vllt ist der Weg mühsamer, aber Retalien ist und bleibt eine Droge die abhängig macht und deswegen würde sie für mich nicht in Frage kommen, nur weil es vielleicht einfacher ist.

Aber wie gesagt, ist meine persönliche Meinung und ich möchte auch keinen angreifen

Das Medikament ist für das ADS.Das LRS resultiert mit aus dieser Krankheit.Durch das dauernde Unkonzentriertsein und Wegträumen kann man kaum gezielt die Schwäche therapieren.Das Medikament ist da hilfreich.
Und dieses Drogengeschwätz ist echt albern!


Die Psychologin meinte auch, dass die Bahndlung der LRS bei einer anderen Ursache ganz anders aussehen würde. Wäre z.B. eine Wahrnehmungsstörung die Ursache, hätte sie eine medikamentöse Behandlung nicht vorgeschlagen.

Und wir sprechen bei meiner Tochter im Moment nicht von Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung, sondern von dem Unvermögen die Schriftsprache zu erlernen (Lesen und Schreiben). Und das nach drei Jahren Schule mit Förderunterricht.
Vielleicht würde es mir leichter fallen, wenn sie "nur" viele Fehler machen würde. Aber in ihrem Fall ist es mehr als das. Die Psychologin geht, wie gesagt, davon aus, dass meine Tochter die Schule trotz normaler Intelligenz, als funktionaler Analphabet verlässt, wenn sie jetzt nicht behandelt wird.

Und mir ist durchaus klar, dass es notwendig ist, ich sehe ja, wie es meiner Tochter geht. Aber der "Schock" darüber war erstmal groß. Und ja, ich gebe zu, dass ich da viele Vorurteile hatte (habe) und ich bin nicht stolz darauf. Trotzdem ist es mir natürlich am wichtigsten, dass es meiner Tochter gut geht.


Es gibt doch aber spezielle Methoden, die Kindern mit einer LRS das Lesen und Schreiben ermöglichen. Ich meine, das ist ein Defizit mit dem man gut leben kann. Was haben denn die Förderlehrer gemacht? Die können stundenlang mit ihr trainieren, wenn sie aber die Technik nicht ändern, wird sich das nicht bessern. Vielleicht meldet sich ein Lehrer, mit diesem "Zusatzschein" hier nochmal.
Skorpi
23466 Beiträge
23.05.2017 18:09
Ich habe null Ahnung von dem ganzen, aber mir ginge es ganz ähnlich wie dir. Und ich bin gerade so froh über den Post von Zaubi, denn genau so denke ich auch über das ganze. Ich hätte Bauchschmerzen dabei meinem doch eigentlich unkomplizierten, aber fröhlichem, lebhaften Kind solch ein Medikament zu geben.

Klar ich habe keine Ahnung, aber.... Ich weiß echt nicht, sorry!

Alaska
8003 Beiträge
23.05.2017 18:16
Zitat von Skorpi:

Ich habe null Ahnung von dem ganzen, aber mir ginge es ganz ähnlich wie dir. Und ich bin gerade so froh über den Post von Zaubi, denn genau so denke ich auch über das ganze. Ich hätte Bauchschmerzen dabei meinem doch eigentlich unkomplizierten, aber fröhlichem, lebhaften Kind solch ein Medikament zu geben.

Klar ich habe keine Ahnung, aber.... Ich weiß echt nicht, sorry!


So gings mir auch. "Halt die Klappe, du kennst dich nicht aus". Aber diesmal hat mir Zaubi echt aus der Seele gesprochen.
ADS-Bestätigung von einer Psychologin? So schnell? Dann gleich Ritalin?

Ich steck wirklich nicht in dem Thema drin, aber ich kenne mindestens zwei Personen, die in der Suchtklinik waren, weil sie wirklich jahrelang Ritalin nehmen mussten (da gings nicht nur um ein Jahr) und der Übergang zu anderen Drogen (Hasch etc.) fließend war.
Also so ganz abschmettern würd ich die Suchtproblematik nicht.
Skorpi
23466 Beiträge
23.05.2017 18:18
Zitat von Alaska:

Zitat von Skorpi:

Ich habe null Ahnung von dem ganzen, aber mir ginge es ganz ähnlich wie dir. Und ich bin gerade so froh über den Post von Zaubi, denn genau so denke ich auch über das ganze. Ich hätte Bauchschmerzen dabei meinem doch eigentlich unkomplizierten, aber fröhlichem, lebhaften Kind solch ein Medikament zu geben.

Klar ich habe keine Ahnung, aber.... Ich weiß echt nicht, sorry!


So gings mir auch. "Halt die Klappe, du kennst dich nicht aus". Aber diesmal hat mir Zaubi echt aus der Seele gesprochen.
ADS-Bestätigung von einer Psychologin? So schnell? Dann gleich Ritalin?

Ich steck wirklich nicht in dem Thema drin, aber ich kenne mindestens zwei Personen, die in der Suchtklinik waren, weil sie wirklich jahrelang Ritalin nehmen mussten (da gings nicht nur um ein Jahr) und der Übergang zu anderen Drogen (Hasch etc.) fließend war.
Also so ganz abschmettern würd ich die Suchtproblematik nicht.


Richtig! Ich hatte vorhin schon einen Text verfasst und dann doch wieder gelöscht weil: "Lass es, du hast einfach keine Ahnung um da nun deinen Senf beizusteuern.".... Aber ich hab echt dolle Bauchschmerzen dabei, wirklich. Daher kann ich mich da nun auch echt gut in die TS reinfühlen, ich glaube einfach auch, dass ihr Bauchgefühl da nicht umsonst so kritisch ist.

kleine-hummel
174 Beiträge
23.05.2017 18:26
Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von Anonym 193946:

Ich weiß grade irgendwie gar nicht, was ich denken soll.

Meine Tochter hat seit Beginn der Schulzeit unglaubliche Probleme mit dem Erwerb der Schriftsprache. Sie kann weder richtig lesen noch schreiben und hat unglaubliche Schwierigkeiten mit dem Wiedererkennen von Zahlen. Das klingt für mich eher nach einem Sehpproblem. Eben weil es das Erkennen von Zahlen miteinschließt. Wart ihr mal bei einem Augenarzt? Das würde ich, wenn nicht, nochmal abklären, bevor ihr Medikamente gebt . Sie geht in die dritte Klasse und ist ein fröhliches, sportliches, kreatives Mädchen und hat super viel Humor.
Nur in der Schule ist sie zurzeit sehr unglücklich. Sie bekommt seit der ersten Klasse Förderunterricht und hat einige Zeit Ergotherapie gemacht. Sie fand es ganz lustig, aber gebracht hat es absolut nichts.

Ich habe bis jetzt gedacht, dass sie einfach ein bisschen mehr Zeit braucht und hab natürlich versucht ihr zu helfen, so gut es geht und auch die Lehrer schienen bis vor kurzem nicht sonderlich besorgt. Sie ist nicht hyperaktiv, hat ein vorbildliches Sozialverhalten und stört nie den Unterricht. Als Spielpartnerin ist sie bei anderen Kinder sehr beliebt! Als Arbeitspartner nicht mehr.

Vor ein paar Wochen wurden die Probleme aber größer und meine Tochter leidet darunter, dass sie als einzige aus ihrer Klasse nicht richtig lesen und schreiben kann. Auf Initiative der Kinderärztin haben wir uns für eine LRS-Diagnostik entschieden. Wo wurde das gemacht? In einer unabhängigen Praxis? Oder einer Schwerpunktpraxis? SPZ?

Heute hatte ich dort das Abschlussgespräch.
Und jetzt fühle ich mich furchtbar.

Vorab: Meine Tochter bekommt jetzt ein Attest über eine Teilleistungsstörung damit in der Schule ein Nachteilsausgleich beantragt werden kann.

Ihre Ergebnisse haben mich allerdings ein wenig schockiert und das, was die Psychologin gesagt hat noch viel mehr.
Sie hat einen IQ von 103. Aber in dem Rechtschreibtest hat sie kein einziges Wort richtig geschrieben. Mit welchem Test wurde der IQ getestet? Ich meine, es ist unlogisch, einem Kind, dass schlecht bis gar nicht lesen kann und Schwierigkeiten mit dem sinnerfassendem Lesen hat, einen Test machen zu lassen, wo lesen und vor allem Sinn erfassen ganz wichtig ist.
Der Lesetest war ähnlich schlecht. Laut Psychologin ist eine LRS damit absolut gesichert. Das ist das einzige, was mir bisher sinnvoll und logisch erscheint.
Soweit so gut oder auch schlecht…

Sie meinte dann, dass sie aufgrund des verschiedenen Tests und Ergebnisse sicher ist, dass die Ursache ein ADS „Erkrankung“ ist. Hier ist die Stellle, die mir dicke Backen zaubert. Wie kommt sie denn darauf? Es gibt nicht umsonst umfassende. spezielle Tests für ADS/ ADHS, die langwierig sind und sie entscheidet das so???? DAS würde ich zu 100% nochmal speziell überprüfen lassen und zwar unbedingt woanders.
Eine auditive Wahrnehmungsstörung wurde von einem Pädaudiologen ausgeschlossen. Auch hier: Möglich, aber Augenarzt sollte vorher schauen.
Die Psychologin meint, wenn wir nicht schnellsten etwas unternehmen, muss ich davon ausgehen, dass meine Tochter die Schule als funktionaler Analphabet verlässt. Solche eine Panikmache verstehe ich gar nicht. Die Maus ist in der 3. Klasse. Es steht dir frei und du hast das Recht, die Versetzung nicht anzunehmen und deine Tochter beginnt nochmal in Klasse 3, was ich wohl tun würde, wenn eine umfassende und eben professionelle Diagnostik gemacht wurde, gerade in Sachen ADS.

Ihr Vorschlag ist, zu meinem großen Entsetzen, eine medikamentöse Behandlung mit Ritalin. Ich wäre ebenfalls entsetzt. Es wäre mir auch ganz neu, dass eine LRS damit behandelt wird. Und einen umfassenden ADS Test hat es ja offenbar nicht gegeben.
Sie meint bei der Schwere der Symptomatik wäre alles andere Zeitverschwendung und würde den Leidensdruck meiner Tochter nur erhöhen und wertvolle Zeit vergeuden. Nein, dafür hat sie euch. Rede mit ihr, sag ihr, dass ihre Schwierigkeiten vorerst nur von einer LRS kommen, die nicht so selten ist und auch nicht so ungewöhnlich.

Ich hab bis vor ein paar Stunden eine Therapie mit Ritalin für meine Kinder für AUSGESCHLOSSEN gehalten. Nie würde ich solche „Drogen“ in mein Kind stopfen. Alle Vorurteile zu den Geschichten, dass Ritalintabletten wie Smarties verteilt werden klingeln in meinen Ohren. Ausgedachtes Krankheitsbild… usw. Auch hier verstehe ich dich. Gerade was ADS/ ADHS angeht, dachte ich lange auch so, und denke es bei mancher Diagnose noch heute. Ritalin, wie auch Medikinet stellt eben auch ruhig. Wenn ein Kind wirklich ADS/ ADHS hat, dann macht das Sinn, aber das ist in deinem Fall gar nicht klar, denke ich. Und auch wenn sich das herausstellt. DIe Medikamentengabe ist der einfachste Weg und leider der gängigste. Es gibt so viel bessere Wege, um diese Störung in den Griff zu bekommen, aber die ist anstrengend und zeitintensiv. Und genau da lieg die Krux des Ganzen. Eltern sind oft bereit dafür, aber es scheitert an den Schulen, den Lehrern. Und das nicht mal, weil sie besonders faul sind (wobei es auch das gibt), sondern weil es eben an Personal mangelt. Es gibt spezielle Schulen, die sich genau darauf spezialisiert haben und die NUR Kinder aufnehmen, die KEINE Medikamente nehmen. Sie sind auch behilflich beim Absetzen des Medikaments usw. Aber das ist deren Voraussetzung. Nur muss man in der Nähe dieser Schulen wohnen. Es ist sehr schwierig, ich verstehe dich, aber verteufel nicht gleich jedes Medikament. Ein bisschen Hilfe schadet manchmal nicht, aber eben mit größter Vorsicht und wohl überlegt im Vorfeld. Daher rate ich unbedingt zu einer zweiten, unabhängigen Meinung, was den Schulspsychologen dann mit ausschließt.

Die Psychologin meint, mit Abweichungen von mehr als 25 Punkten zwischen den Untertests des IQ-Testes und den Ergebnissen der anderen Test, lässt sich ihr Problem nur mit einem Behandlungsbedürftigen ADS erklären. UNd hier schrillt bei mir alles. Wir hatten das auch innerhalb des IQ Tests. Allerdings sagte unsere Psychologin, dass solch starke Schwankungen auf eine Inselbegabung hindeuten, die jedoch schwierig zu erkennen ist, wenn das Kind den Test doch gar nicht lesen kann, ergo das Ergebnis doch verfälscht ist. Sie wäre auch kein Freund davon, dass so viele lebhafte Kinder von Kinderärzten mit Ritalin „ruhiggestellt“ werden, aber ich solle das Glück und die Zukunft meiner Tochter nicht riskieren, nur weil andere Ärzte dieses Medikament falsch verschreiben.
Da Fördermaßnahmen und co. völlig ergebnislos geblieben sind, möchte sie noch vor den Sommerferien mit der Behandlung beginnen.

Ich weiß auch nicht, was ich jetzt hier hören will. Aber wie soll ich das denn bloß entscheiden???? Hör auf deinen Bauch, deinen Instinkt. Hier stimmt was nicht. Ich will der Psychologin keinesfalls ihr Können absprechen, aber es klingt danach, als würde sie die ADS Diagnose zu schnell gestellt haben, weil es vielleicht gängig ist. Hol dir unbedingt eine zweite Meinung bzgl. der ADS Diagnose und ich würde auch auf einen angepassten IQ Test bestehen. Wobei 103 ja absolut normal ist, nur eben wegen dieser Schwankungen.

Ich bin nicht berufstätig, sie lebt in einem stabilen Umfeld, hat zwei Geschwister ohne ähnliche Probleme. Ich habe immer Zeit für sie, sie wird nicht unter Druck gesetzt, es gab nie ein schlechtes Wort oder Enttäuschung meinerseits über schlechte Noten. Aber jetzt hier, an diesem Punkt, bin ich mit meinem Latein am Ende.


Ich hoffe, ich bringe deine Gedanken nun nicht noch mehr durcheinander. Aber irgendwas klingt unrund und dem würde ich nachgehen, bevor ich meinem Kind Medikamente gebe.

LG Zaubi


Die-zauberhafte-Patin
22305 Beiträge
23.05.2017 18:42
Was ich noch richtigstellen mag, falls es falsch rübergekommen ist: Ich verteufel nicht generell Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen, aber ich bin sehr, sehr vorsichtig und muss erst alles hinterfragen, wenn ich Kindern, speziell meinem eigenen Kind, sowas geben soll.
Beruflich bedingt komme ich ja oft mit diesen Sachen in Berührung und hinterfrage, hinterfrage, hinterfrage.
Privat wehrte ich mich auch lange gegen eine Medikamentengabe (Psychopharmaka) bei meinem Sohn wegen einer Angst-und Panikstörung. Letztlich und viel Geduld der Ärztin mit mir , noch viel mehr Generve und Gefrage von mir, nachschlagen in Literatur, die die Ärztin mir in die Hand drückte (waren ihre eigenen Fachbücher) entschied ich mich letztlich zur Gabe der Psychopharmaka bei meinem Sohn, um ihm aus dem Loch herauszuhelfen, aber letztlich auch nur deswegen, weil eben die Schulpflicht drückte. Ohne diesen Schuldruck im Nacken hätte ich auf Therapien gesetzt, die aber eben langwieriger sind. Übrigens habe ich jedes Medikament abgelehnt, dass in der roten Liste stand und habe jeden Vorschlag gleich im Arztzimmer im roten Buch der Ärztin nachgeschlagen. Ich bin eine furchtbare Patientenmutter, aber letztlich ist mir das egal und ich suche auch solange nach Ärzten, bis ich an welche gerate, die mich ernst nehmen und mit mir umgehen können. Wir fanden dann ein Medikament, dass nicht auf der Liste stand und das man einsetzen konnte - vorübergehend, schnell wieder rausgeschlichen dann.
Daher nochmal: Hör auf deinen Bauch, was die Diagnose, den Arzt, die Psychologin, das Medikament angeht. Dein Mutterinstinkt wird dir das Richtige weisen.

P.S. "Letztlich" war in diesem Post wohl mein Lieblingswort.

P.P:S. Du kannst mir gern eine PN schreiben, bin aber heute erstmal zum Geburtstag und erst spät zu Hause, aber morgen antworte ich gern.

wirrwarr
1016 Beiträge
23.05.2017 19:06
ADS ist und war schon immer ein sehr umstrittenes Thema. Ich habe mir auch die Antworten nicht durchgelesen, weil Betroffene und Nichtbetroffene immer eine unterschiedliche Meinung haben.

Bei mir selbst wurde in der Kindheit (mit 11 Jahren) ADS diagnostiziert und ich habe noch heute mein Päckchen damit.

Bei meinen Söhne wurde gleiche Diagnose gestellt. Der Jüngste ist erst 8 und erhält noch keine Medikamente. WiR wollen es noch eine Weile so probieren. In dem wir auf die Ernährung achten und Zucker gibt es bei uns gar keinen.

Der Mittlere ist jetzt 12 und in der 6. Klasse der Realschule, hatte aber eine Empfehlung fürs Gymnasium.
In der 2. Klasse begannen bei ihm die Probleme so heftig zu werden, dass angedacht war ihn zurück zustufen, also wieder in die erste Klasse. Das wollten wir für ihn gar nicht und begannen im 2. Halbjahr eine Therapie mit Medikinet. (Zusätzlich auch eine spezielle Ergotherapie und eine Verhaltenstherapie, sowie die Umstellung der Ernährung und völliger Verzicht auf Zucker)
Bereits am Ende des Schuljahr war nicht mehr die Rede von Rückstufung oder davon dass er die Klasse wiederholen sollte. Es war absehbar dass er sich verbessert.
In der 3. Klasse ging es zusehends bergauf mit ihm. Er sagte selbst (wir haben ihn immer wieder gefragt wie er sich fühlt mit den Tabletten) dass er sich viel besser konzentrieren könne, er könne der Lehrerin jetzt richtig zuhören und würde alles mitbekommen was sie sagt, auch könne er sich die Dinge merken. Einmal sagte er, er hätte sich zum ersten Mal inseinem Leben so sehr über etwas gefreut, dass er ein Kribbeln im Bauch spüren konnte, das fand er so ein schönes Gefühl.
Wir haben ein paar Monate nachdem die 4. Klasse begann angefangen die Dosis wieder runterzuschrauben. Bis zum Halbjahr haben wie sie komplett abgesetzt und nur noch die Therapien besucht.

Heute weiß er viel besser mit sich umzugehen. Bemerkt wenn er unkonzentriert ist und kann mit kleinen Übungen wieder selbst zur Konzentration zurück finden. Er nimmt gar keine Medikamente mehr. Von den Leistungen her ist er im guten Mittelfeld (2,3 im Durchschnitt)

Wenn du deine Tochter also mit Medikinet behandeln lässt heißt das nicht zwangsläufig dass sie diese nun immer nehmen muss.
wirrwarr
1016 Beiträge
23.05.2017 19:18
Zitat von Anonym 193946:

Zitat von Marf:

Zitat von kleine-hummel:

Also, ich kann natürlich nur aus persönlicher Sicht und Meinung sprechen, aber würde keine Medis meinem Kind geben, wenn es nicht notwenig ist. Ich selber habe auch LRS und habe in der Grundschule einen Kurz deswegen besucht, danach war es bei mir mit viel lesen zu Hause auch besser.
Mein Mann hat über die gesamte Schulzeit eine extra Schule noch besucht um mit seiner schweren Form von LRS klar zu kommen. Natürlich hat er bis heute Schwierigkeiten manchmal, aber geschadet hat es ihm nie! Er ist jetzt auch in einer Führungspositionen und hat nie eine Tablette bekommen. Vllt ist der Weg mühsamer, aber Retalien ist und bleibt eine Droge die abhängig macht und deswegen würde sie für mich nicht in Frage kommen, nur weil es vielleicht einfacher ist.

Aber wie gesagt, ist meine persönliche Meinung und ich möchte auch keinen angreifen

Das Medikament ist für das ADS.Das LRS resultiert mit aus dieser Krankheit.Durch das dauernde Unkonzentriertsein und Wegträumen kann man kaum gezielt die Schwäche therapieren.Das Medikament ist da hilfreich.
Und dieses Drogengeschwätz ist echt albern!


Die Psychologin meinte auch, dass die Bahndlung der LRS bei einer anderen Ursache ganz anders aussehen würde. Wäre z.B. eine Wahrnehmungsstörung die Ursache, hätte sie eine medikamentöse Behandlung nicht vorgeschlagen.

Und wir sprechen bei meiner Tochter im Moment nicht von Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung, sondern von dem Unvermögen die Schriftsprache zu erlernen (Lesen und Schreiben). Und das nach drei Jahren Schule mit Förderunterricht.
Vielleicht würde es mir leichter fallen, wenn sie "nur" viele Fehler machen würde. Aber in ihrem Fall ist es mehr als das. Die Psychologin geht, wie gesagt, davon aus, dass meine Tochter die Schule trotz normaler Intelligenz, als funktionaler Analphabet verlässt, wenn sie jetzt nicht behandelt wird.

Und mir ist durchaus klar, dass es notwendig ist, ich sehe ja, wie es meiner Tochter geht. Aber der "Schock" darüber war erstmal groß. Und ja, ich gebe zu, dass ich da viele Vorurteile hatte (habe) und ich bin nicht stolz darauf. Trotzdem ist es mir natürlich am wichtigsten, dass es meiner Tochter gut geht.


Also dazu muss ich jetzt doch was schreiben, denn das ist schlichtweg nicht wahr.
Methylphenidat (Wirkstoff von Ritualen und Medikinet) macht definitiv nicht abhängig. Ich selbst habe es jahrelang genommen und hatte nie auch nur im Ansatz Anzeichen, dass ich davon abhängig sei.
Methylphenidat gehört in die Gruppe der Amphitamine, so wie manche Drogen auch, daß stimmt, und auch die Verschreibung wird streng kontrolliert und wird auf einem speziellem BTM-Rezept verschrieben, dennoch ist der Wirkstoff ein völlig anderer und auch ist die Wirkung eine komplett andere. Man wird davon nicht high, im Gegenteil, man spürt eine innere Ruhe, nimmt seine Umwelt viel bewusster war und kann bei Gesprächen mit anderen auch komplett zu hören. Ich habe oft das Problem dass ich gedanklich abschweifen wenn mir jemand was erzählt, erklärt, ich eine Doku sehe oder ich etwas lesen möchte. (ist nur ein Teil meiner Probleme, es ging nur darum es mal zu verdeutlichen )
Skorpi
23466 Beiträge
23.05.2017 19:25
Was ich halt auch immer so im Hinterkopf habe: Ist bei solchen Medikamenten nicht später das Parkinson Risiko höher? Ich meine das mal gehört zu haben, dass dass oft eben durch Medikamente, die eben im Kopf irgendwas machen schuld dran sind.

wirrwarr
1016 Beiträge
23.05.2017 19:57
Zitat von Skorpi:

Was ich halt auch immer so im Hinterkopf habe: Ist bei solchen Medikamenten nicht später das Parkinson Risiko höher? Ich meine das mal gehört zu haben, dass dass oft eben durch Medikamente, die eben im Kopf irgendwas machen schuld dran sind.


So weit ich weiß sind bei Parkinson die Rezeptoren gestört die Dopamin aufnehmen, gleiches Problem hat ein ADSLER ja auch. Ich habe davon gehört, dass Antidepressiva, Serotoninwiederaufnahmehemmer, irgendein Magenmittel und Schmerzmittel im Verdacht stehen das Parkinsonrisiko zu erhöhen. Im Zusammenhang mit Methylphenidat habe ich das noch nicht gehört

Aber ich denke, dass jeder weiß dass die meisten Medikamente bei dauerhaftem Gebrauch auch schädigen können...
stelaroko
13 Beiträge
23.05.2017 21:08
Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von Anonym 193946:

Ich weiß grade irgendwie gar nicht, was ich denken soll.

Meine Tochter hat seit Beginn der Schulzeit unglaubliche Probleme mit dem Erwerb der Schriftsprache. Sie kann weder richtig lesen noch schreiben und hat unglaubliche Schwierigkeiten mit dem Wiedererkennen von Zahlen. Das klingt für mich eher nach einem Sehpproblem. Eben weil es das Erkennen von Zahlen miteinschließt. Wart ihr mal bei einem Augenarzt? Das würde ich, wenn nicht, nochmal abklären, bevor ihr Medikamente gebt . Sie geht in die dritte Klasse und ist ein fröhliches, sportliches, kreatives Mädchen und hat super viel Humor.
Nur in der Schule ist sie zurzeit sehr unglücklich. Sie bekommt seit der ersten Klasse Förderunterricht und hat einige Zeit Ergotherapie gemacht. Sie fand es ganz lustig, aber gebracht hat es absolut nichts.

Ich habe bis jetzt gedacht, dass sie einfach ein bisschen mehr Zeit braucht und hab natürlich versucht ihr zu helfen, so gut es geht und auch die Lehrer schienen bis vor kurzem nicht sonderlich besorgt. Sie ist nicht hyperaktiv, hat ein vorbildliches Sozialverhalten und stört nie den Unterricht. Als Spielpartnerin ist sie bei anderen Kinder sehr beliebt! Als Arbeitspartner nicht mehr.

Vor ein paar Wochen wurden die Probleme aber größer und meine Tochter leidet darunter, dass sie als einzige aus ihrer Klasse nicht richtig lesen und schreiben kann. Auf Initiative der Kinderärztin haben wir uns für eine LRS-Diagnostik entschieden. Wo wurde das gemacht? In einer unabhängigen Praxis? Oder einer Schwerpunktpraxis? SPZ?

Heute hatte ich dort das Abschlussgespräch.
Und jetzt fühle ich mich furchtbar.

Vorab: Meine Tochter bekommt jetzt ein Attest über eine Teilleistungsstörung damit in der Schule ein Nachteilsausgleich beantragt werden kann.

Ihre Ergebnisse haben mich allerdings ein wenig schockiert und das, was die Psychologin gesagt hat noch viel mehr.
Sie hat einen IQ von 103. Aber in dem Rechtschreibtest hat sie kein einziges Wort richtig geschrieben. Mit welchem Test wurde der IQ getestet? Ich meine, es ist unlogisch, einem Kind, dass schlecht bis gar nicht lesen kann und Schwierigkeiten mit dem sinnerfassendem Lesen hat, einen Test machen zu lassen, wo lesen und vor allem Sinn erfassen ganz wichtig ist.
Der Lesetest war ähnlich schlecht. Laut Psychologin ist eine LRS damit absolut gesichert. Das ist das einzige, was mir bisher sinnvoll und logisch erscheint.
Soweit so gut oder auch schlecht…

Sie meinte dann, dass sie aufgrund des verschiedenen Tests und Ergebnisse sicher ist, dass die Ursache ein ADS „Erkrankung“ ist. Hier ist die Stellle, die mir dicke Backen zaubert. Wie kommt sie denn darauf? Es gibt nicht umsonst umfassende. spezielle Tests für ADS/ ADHS, die langwierig sind und sie entscheidet das so???? DAS würde ich zu 100% nochmal speziell überprüfen lassen und zwar unbedingt woanders.
Eine auditive Wahrnehmungsstörung wurde von einem Pädaudiologen ausgeschlossen. Auch hier: Möglich, aber Augenarzt sollte vorher schauen.
Die Psychologin meint, wenn wir nicht schnellsten etwas unternehmen, muss ich davon ausgehen, dass meine Tochter die Schule als funktionaler Analphabet verlässt. Solche eine Panikmache verstehe ich gar nicht. Die Maus ist in der 3. Klasse. Es steht dir frei und du hast das Recht, die Versetzung nicht anzunehmen und deine Tochter beginnt nochmal in Klasse 3, was ich wohl tun würde, wenn eine umfassende und eben professionelle Diagnostik gemacht wurde, gerade in Sachen ADS.

Ihr Vorschlag ist, zu meinem großen Entsetzen, eine medikamentöse Behandlung mit Ritalin. Ich wäre ebenfalls entsetzt. Es wäre mir auch ganz neu, dass eine LRS damit behandelt wird. Und einen umfassenden ADS Test hat es ja offenbar nicht gegeben.
Sie meint bei der Schwere der Symptomatik wäre alles andere Zeitverschwendung und würde den Leidensdruck meiner Tochter nur erhöhen und wertvolle Zeit vergeuden. Nein, dafür hat sie euch. Rede mit ihr, sag ihr, dass ihre Schwierigkeiten vorerst nur von einer LRS kommen, die nicht so selten ist und auch nicht so ungewöhnlich.

Ich hab bis vor ein paar Stunden eine Therapie mit Ritalin für meine Kinder für AUSGESCHLOSSEN gehalten. Nie würde ich solche „Drogen“ in mein Kind stopfen. Alle Vorurteile zu den Geschichten, dass Ritalintabletten wie Smarties verteilt werden klingeln in meinen Ohren. Ausgedachtes Krankheitsbild… usw. Auch hier verstehe ich dich. Gerade was ADS/ ADHS angeht, dachte ich lange auch so, und denke es bei mancher Diagnose noch heute. Ritalin, wie auch Medikinet stellt eben auch ruhig. Wenn ein Kind wirklich ADS/ ADHS hat, dann macht das Sinn, aber das ist in deinem Fall gar nicht klar, denke ich. Und auch wenn sich das herausstellt. DIe Medikamentengabe ist der einfachste Weg und leider der gängigste. Es gibt so viel bessere Wege, um diese Störung in den Griff zu bekommen, aber die ist anstrengend und zeitintensiv. Und genau da lieg die Krux des Ganzen. Eltern sind oft bereit dafür, aber es scheitert an den Schulen, den Lehrern. Und das nicht mal, weil sie besonders faul sind (wobei es auch das gibt), sondern weil es eben an Personal mangelt. Es gibt spezielle Schulen, die sich genau darauf spezialisiert haben und die NUR Kinder aufnehmen, die KEINE Medikamente nehmen. Sie sind auch behilflich beim Absetzen des Medikaments usw. Aber das ist deren Voraussetzung. Nur muss man in der Nähe dieser Schulen wohnen. Es ist sehr schwierig, ich verstehe dich, aber verteufel nicht gleich jedes Medikament. Ein bisschen Hilfe schadet manchmal nicht, aber eben mit größter Vorsicht und wohl überlegt im Vorfeld. Daher rate ich unbedingt zu einer zweiten, unabhängigen Meinung, was den Schulspsychologen dann mit ausschließt.

Die Psychologin meint, mit Abweichungen von mehr als 25 Punkten zwischen den Untertests des IQ-Testes und den Ergebnissen der anderen Test, lässt sich ihr Problem nur mit einem Behandlungsbedürftigen ADS erklären. UNd hier schrillt bei mir alles. Wir hatten das auch innerhalb des IQ Tests. Allerdings sagte unsere Psychologin, dass solch starke Schwankungen auf eine Inselbegabung hindeuten, die jedoch schwierig zu erkennen ist, wenn das Kind den Test doch gar nicht lesen kann, ergo das Ergebnis doch verfälscht ist. Sie wäre auch kein Freund davon, dass so viele lebhafte Kinder von Kinderärzten mit Ritalin „ruhiggestellt“ werden, aber ich solle das Glück und die Zukunft meiner Tochter nicht riskieren, nur weil andere Ärzte dieses Medikament falsch verschreiben.
Da Fördermaßnahmen und co. völlig ergebnislos geblieben sind, möchte sie noch vor den Sommerferien mit der Behandlung beginnen.

Ich weiß auch nicht, was ich jetzt hier hören will. Aber wie soll ich das denn bloß entscheiden???? Hör auf deinen Bauch, deinen Instinkt. Hier stimmt was nicht. Ich will der Psychologin keinesfalls ihr Können absprechen, aber es klingt danach, als würde sie die ADS Diagnose zu schnell gestellt haben, weil es vielleicht gängig ist. Hol dir unbedingt eine zweite Meinung bzgl. der ADS Diagnose und ich würde auch auf einen angepassten IQ Test bestehen. Wobei 103 ja absolut normal ist, nur eben wegen dieser Schwankungen.

Ich bin nicht berufstätig, sie lebt in einem stabilen Umfeld, hat zwei Geschwister ohne ähnliche Probleme. Ich habe immer Zeit für sie, sie wird nicht unter Druck gesetzt, es gab nie ein schlechtes Wort oder Enttäuschung meinerseits über schlechte Noten. Aber jetzt hier, an diesem Punkt, bin ich mit meinem Latein am Ende.


Ich hoffe, ich bringe deine Gedanken nun nicht noch mehr durcheinander. Aber irgendwas klingt unrund und dem würde ich nachgehen, bevor ich meinem Kind Medikamente gebe.

LG Zaubi


IQ-Diagnostik muss nicht unbedingt sprachbasiert sein. Es ist nicht bekannt, welches Verfahren verwendet wurde.
Insofern ist eine Beurteilung der Vorgehensweise der Psychologin wohl etwas vorsichtiger vorzunehmen.
Mathelenlu
45448 Beiträge
23.05.2017 21:55
https://www.amazon.de/Unkonzentriert-vertr%C3%A4um t-langsam-Fehler-Diktat/dp/3170182846

Dieses Buch kann ich Dir zum Thema sehr empfehlen. Einer meiner Söhne hat eine ADS bedingte Legasthenie. Er nimmt Medikinet, nach reiflicher Information und Überlegung und in Begleitung eines sehr behutsamen Arztes, der die Dosierung durch schrittweises Herantasten mit einer ausführlichen Testreihe zur Wirkung und zu seiner Befindlichkeit dabei mit unserer Hilfe eingestellt hat. Fazit: die Legasthenie ist nicht weg, aber deutlich verbessert, und mit der verbesserten Konzentration stellten sich da einfach auch erstmals Lernerfolge auch im Bereich Lesen und Schreiben ein, die vorher nicht denkbar waren. Er ist ein sehr guter Schüler, der in Deutsch und in den Sprachen etwas mehr Aufwand betreiben muss und im Diktat halt eine Sechs hat. Gleicht er mit anderen Dingen wieder aus - aber er kann mit Medikinet einfach zeigen, was er kann, und nutzen, was er für Potential hat.

Meine Meinung: einem Kind, das wirklich unter dieser Problematik leidet, keine Medikamente zu geben (wohldosiert und unter guter Betreuung) ist unterlassene Hilfeleistung. Ganz einfach. Das ist, als ob man einem Diabetiker kein Insulin gibt.

Es gibt fast kein Medikament, über das so viel saudummes Halbwissen und Vorurteile kursieren wie über dieses. Lass Dich da nicht beeinflussen. Es kann, wenn es vertragen wird und funktioniert, Deinem Kind seine Lebensqualität zurückgeben und es sein Potential entfalten lassen.
Mathelenlu
45448 Beiträge
23.05.2017 21:59
Ach, und man KANN kein lebhaftes Kind mit Ritalin ruhigstellen . Das ist eine der gängigsten Fehlannahmen überhaupt! Das ist ein Aufputschmittel, liebe Leute, kein Beruhigungsmittel.
Das lässt nur Leute ruhiger werden, in deren Botenstoffhaushalt einfach ein Fehler vorliegt (ADS und ADHS), weil die Blockierung der Rezeptoren einfach für eine Filterung der sonst überhand nehmenden Reize sorgt.

Es ist also schlichtweg Käse, dass man damit unruhige Kinder OHNE ADHS ruhig stellen könnte. Im Gegenteil, normale Menschen macht es so unruhig wie zuviel Koffein.

Ich wünschte, diese dämlichen Ammenmärchen würden endlich mal aus den Köpfen verschwinden...
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