Mütter- und Schwangerenforum

Schweres Baby, Schulterdystokie - spontane Geburt

BlueStar
261 Beiträge
17.09.2017 16:18
Hallo!
Heute möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen. Normalerweise mache ich so etwas nicht, aber oftmals suche ich im Internet nach Erfahrungen anderer Leute und ich hoffe, andere hiermit helfen zu können. Ich weiß, jede Geburt, jedes Baby und jede Person ist anders, dennoch ist es manchmal hilfreich zu hören, was andere erlebt haben.

Kurze Vorinfos: Unser Entbindungstermin war auf den 9.9. gesetzt. Es ist mein zweites Kind. Das erste kam mit 52cm und 3.320g zur Welt. Ich bin normal groß (1,72m) und habe kein Übergewicht (68-70kg). Ich ernähre mich gesund, esse aber auch gerne mal Süßes.

Beim damaligen dritten Ultraschall war alles unauffällig, nur das das Baby etwas größer war, aber nichts "außer der Norm". Mein Bauch wuchs und wuchs und im Gegensatz zu unserem ersten Kind war der Bauch deutlich größer sowie auch früher zu erkennen.
Der damals durchgeführte Zuckertest war unauffällig. Ich habe auch schon bei der ersten Schwangerschaft den großen Zuckertest machen lassen. Der Nüchternzucker war erst erhöht, aber nach dem Trinken der Lösung war alles in Ordnung. Der Zuckertest im Urin war bis auf einmal auch immer im Normalbereich. Also hier auch alles unauffällig. Insgesamt habe ich 22kg in der Schwangerschaft zugenommen.

Am Entbindungstermin musste ich zur Untersuchung in die Klinik, da dieser auf einen Samstag fiel. Hier wurde das erste Mal das Gewicht des Babys auf 4.186g geschätzt. Die Assistenzärztin fand das nicht weiter schlimm, da die Messungen falsch sein könnten - Abweichungen bis zu 200g +/- könnten auftreten. Ich solle spätestens am 16.9. wieder hier sein, da dann eventuell auch über eine Einleitung gesprochen wird. Ansonsten alle 2 Tage zum Frauenarzt.

Am 11.9. war ich also wieder bei der Frauenärztin, die über das Gewicht erstaunt war bzw. über die Tatsache, dass die Klinik noch eine Woche warten wolle. Sie hat mir zur Einleitung geraten, ich solle mir das doch bis zum nächsten Termin überlegen. Sie hat das Gewicht ebenfalls nochmal bestimmen lassen und kam auf 4.096g mit einer Abweichung von +/-10%.

Der Mittwoch nahte und immer noch keine Wehen in Sicht. Am Mittwoch erfolgt die normale Untersuchung und eine Einweisung ins Krankenhaus aufgrund des geschätzten Gewichts. Ich hatte mich privat darauf verständigt, dass wir frühestens am Samstag einleiten lassen wollten, aus dem Grund fuhr ich nicht gleich am Mittwoch nach dem Termin zum Arzt. Am Donnerstag wollte ich bzgl. einer Terminvereinbarung anrufen.

Donnerstag um 4 Uhr morgens begannen dann die Wehen. Alles erträglich, alles in unregelmäßigen Abständen von ca. 12-16 Minuten. Im Laufe des Vormittags wurden die Wehen dann stärker und kürzer. Weiterhin unregelmäßig und wenn ich saß, waren sie fast ganz weg. Daraufhin beschloss ich gegen 10 Uhr noch einen Eintopf zu kochen, da ich dabei stehen musste und somit die Wehen vielleicht verstärkte. Anschließend wollte ich sonst noch spazieren gehen. Gegen 12.15 Uhr beschlossen wir dann doch ins Krankenhaus zu fahren - also eher mein Freund. Ich fand die Wehen weiterhin erträglich und noch zu unregelmäßig. Der Abstand lag nun bei 4-8 Minuten. Man sagt ja bei Zweitgebärenden solle man bei einem Abstand von 10 Minuten ins Krankenhaus fahren. Da ich aber alles noch erträglich fand und nicht so schmerzhaft, sah ich keinen Grund mich so lange im Krankenhaus aufzuhalten. Ich bin mit der Aussage hingefahren, dass sie uns bestimmt wieder nach Hause schicken werden.

Um 12.45 Uhr waren wir im Krankenhaus, die Untersuchung folgte und der Muttermund war zu diesem Zeitpunkt schon 7cm geöffnet. Das erstaunte mich doch sehr :-o Kurz vor 13 Uhr lag ich dann im Kreissaal. Die Geburt nahm ich insgesamt sehr intensiv war, jede Phase der Wehen erkannte ich aus dem Geburtsvorbereitungskurs wieder. Kurz nach 14 Uhr begannen die Presswehen. Und 14.30 Uhr war dann das Köpfchen draußen und alle Wehen verschwunden. Den Rest musste ich mit eigener Kraft schaffen. Und dann ging es los: Die Hebamme rief die ersten Ärzte. Ein Facharzt kam, dann die Oberärztin und noch mehr Schwestern. Keine Ahnung was los war, ich merkte nur noch, dass es hektisch wurde und das plötzlich viele Menschen da waren. Am Rande bekam ich mit, dass das Baby nicht weiter raus wollte bzw. konnte. Pressen musste ich weiterhin, zwischendurch wurde ich angewiesen, meine Beine mehrmals zu strecken. Der Arzt half mit der Hand nach und um 14.36 Uhr war unsere Tochter endlich geboren. Sie wurde allerdings sofort aus den Raum gebracht zur Untersuchung, geschrien hat sie nicht. Und dann habe ich endlich erfahren, was geschehen war: Sie hatte sich mit der Schulter verkeilt, eine sogenannte Schulterdystokie. Es wurden diverse Manöver durchgeführt um das Baby daraus zu befreien. Es kann sein, dass ihr das Schlüsselbein dabei gebrochen wurde, sie vermuten es allerdings nicht. Nun wird sie untersucht. Kurz darauf kam der Facharzt und gab Entwarnung, dass alles in Ordnung ist. Es war sehr stressig für sie, sie schreit aber mittlerweile und es ginge ihr gut. Sauerstoffsättigung wäre auch in Ordnung. Da waren wir und die bei mir geblieben Hebammen sehr erleichtert. Und dann gingen auf einmal die Spekulationen über ihr Gewicht los Ich hatte sie ja nur kurz gesehen und auch nur den Kopf, sodass ich anfangs gar nicht so recht verstand, warum darüber gesprochen wurde. Sie sei sehr schwer, Vermutung lag bei 4.500g. Die Hebamme kam kurz darauf dann mit der Kleinen wieder und führte die U1 durch - und bestätigte ein stolzes Gewicht von 4.980g. Ich wurde noch mehrmals gefragt ob ich Schwangerschaftsdiabetes gehabt hätte, aber das konnte ich nur verneinen.

Nun ist die Maus ein paar Tage alt und uns geht es beiden prächtig. Das wir das beide so gut ohne größere Komplikationen überstanden haben, sei wohl Glück und schnelles sowie richtiges Eingreifen der Ärzte gewesen. Auch ich habe jetzt nach der Geburt erstaunlicherweise keine Verletzungen, keinen Dammriss o.ä. Einzig eine kleine Schürfwunde, aber ich denke das ist zu verkraften

Ich wurde nun auch schon mehrmals gefragt, was ich gemacht hätte, wenn ich das Gewicht vorher gewusst hätte. Aber das kann ich nicht beantworten, ich hin froh, es nicht gewusst zu haben...

LG
Bluestar

Mathelenlu
46549 Beiträge
17.09.2017 16:22
Hui, herzlichen Glückwunsch. Ich kann nachfühlen, habe 4340 g und 4710 g spontan geboren und bin dann bei 5160 g auf dem OP gelandet, weil es nicht ging. Auch ohne Diabetes... Ein Glück, ging es bei Euch trotz Steckenbleiben gut aus!
stech09
4429 Beiträge
17.09.2017 18:05
Mein zweiter hatte 4540g verteilt auf 56cm , mein Fa meinte nur das sie bei so einem Gewicht eigentlich keine Spontangeburt mehr machen weil es zu riskant wäre.
Er wurde 4 Tage vorher auf knapp 4kg geschätzt.
Katheryna
1699 Beiträge
17.09.2017 18:11
Herzlichen Glückwunsch zur kleinen Tochter .
Schön, dass alles dann doch so gut ausgegangen ist .
sannama
605 Beiträge
17.09.2017 18:45
oh mein gott da habt ihr beide aber glück gehabt

lg sanna
kataleia
5206 Beiträge
17.09.2017 19:58
Puh das ist wirklich eine Leistung, die du da vollbracht hast! Ganz toll, ihr seid alle gesund und munter

Mein Sohn (1. Kind) war auch kleiner Brummer mit 4880g, 57cm und 37cm KU

Auch er kam spontan, gerissen war ich jedoch leider etwas.

Ich wurde auch immer wieder gefragt "das war aber ein KS!?"

Und auch hier, nix SS Diabetes etc. Er kam 2 Tage vor ET

Es gibt einfach solche und solche. Hauptsache gesund

Ich wünsche euch alles gute!
kataleia
5206 Beiträge
17.09.2017 20:03
Ach und meine Ärztin sagte nie was konkret zu Größe und Gewicht. Immer nur "etwas größer und schwerer als der Durchschnitt. Hatte auch nur die drei US die vorgesehen sind.
Den letzten also Wochen vor der Geburt.

Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, hätte ich das gewusst.
Hier waren die Schultern aber auch anstrengender als der Kopf.

Die Ärztin meinte dann zu seinen Maßen nur, ich wusste, sie schaffen das
Elsilein
2966 Beiträge
17.09.2017 22:32
Hallo erstmal und herzlichen Glückwunsch zu deiner kleinen Maus!

Ich kann gut nachfühlen, wie es dir ergangen ist. Bei der Geburt meines Sohnes kam es ebenfalls zu einer Schulterdystokie, welcher mit Dammschnitt, McRoberts-Manöver (Strecken und Anwinkeln der Beine) und durch starkes Drücken - wenn nicht gar “Draufschmeißen“ - auf den Oberbauch (leider kenne ich hierfür den Fachbegriff nicht) entgegengewirkt wurde. Ich habe gehört, wie der anwesende Gynäkologe meiner Hebamme verkündete, “lange warte ich nicht mehr“. Zum Glück ging es dann doch - irgendwie - ohne Kaiserschnitt. Mein Sohn war blau, weinte und atmete nicht. Kein “erster Schrei“ also. Ich wollte ihn gleich auf die Brust nehmen, als er kam. Stattdessen wurde er sofort (also wirklich sofort ) abgenabelt und weggetragen. Ich glaube, er musste abgesaugt werden, aber so genau kann ich das nicht mehr rekonstruieren. Zum Glück waren es nur ca. 10 Minuten, bis ich mein Kind halten durfte. Irgendwie komisch, denn das lang ersehnte “Schreien“ blieb nach wie vor aus Wir durften uns aber über ein kleines Wimmern freuen
Auch mein Sohn hatte einen erhöhten Stresswert und kam erstmal zur Erholung ins Wärmebett. Damals hab ich das nicht in Frage gestellt, mittlerweile will ich gar nicht mehr darüber nachdenken...
Er hatte bei seiner Geburt 54cm, 4090g und 34cm KU. Also im Vergleich sogar eher zart
BigBavaria
1330 Beiträge
17.09.2017 23:59
Puh...ein kleines Brummerchen. Herzlichen Glückwunsch!
Auf wieviel cm verteilt sie denn ihr Gewicht?
Und ihr habt wirklich Glück gehabt!!

Ich habe in der Arbeit ein Mädchen gehabt, die ebenfalls mit Schulterdystokie geboren ist. Leider waren ihre Herztöne dann so schlecht, dass die Ärzte sie mit "Gewalt" rausziehen mussten ...dabei sind auf der rechten Seite alle Muskeln, Nerven und Sehnen gerissen. Die kleine Maus wird trotz rekonstruierender OPs und viel Förderung immer einen eingeschränkten Arm haben ( Plexusparese)Gott sei dank ist bei euch alles gut gegangen!!!
TiniBini
5908 Beiträge
18.09.2017 09:41
Bei meinem Kleinen war das auch mit der Schulter. Ich durfte nicht mehr pressen und die Ärztin hat meine Hüfte verdreht damit mehr Platz war und die Schulter durchpasst. Und er war wirklich zart 2980g und 49cm, 34cm Kopfumfang. Bei uns lag es an der schnellen Geburt. 2,5 Stunden bis er da war.
Er hatte auf der einen Seite einen verminderten Reflex, was aber bei der U2 dann wieder gut war.
BlueStar
261 Beiträge
19.09.2017 10:10
Die Maus misst 54cm und hat einen KU von 37,5cm.

Wenn ich mir andere Geschichten oder auch teils eure durchlese, stelle ich fest, dass wir wirklich Glück gehabt haben, dass die Kleine ohne weitere Beschwerden geboren werden konnte. Bei uns hatten sie 3x das McRoberts-, 1x Rubin- und 1x Woods-Manöver durchgeführt. Geschrien hatte sie bei uns ja auch nicht. Die Ärzte meinten zwar, sie tue das in dem anderen Untersuchungsraum, aber selbe gehört haben wir es nicht. Ich hoffe nur, dass sie nicht irgendwelche psychischen Folgen davon getragen hat, aufgrund der mangelnden Sauerstoffzufuhr, aber das wird sich erst mit der Zeit zeigen. Bislang scheint sie fit zu sein
  • Dieses Thema wurde 5 mal gemerkt