Mütter- und Schwangerenforum

Mein Mann hat schlimme Depressionen

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Tine91
1207 Beiträge
22.11.2017 09:15
Das ist eine Entscheidung, die nur du ganz allein treffen kannst. Oberste Priorität hat natürlich euer kleiner Sohn. Wenn es aus deiner Sicht das beste für alle ist, wenn ihr getrennte Wege geht, dann solltest du das so tun.
Aber überstürze so eine Entscheidung nicht. Wie schon gesagt: es ist eine Krankheit. Dein Mann verletzt euch nicht absichtlich. Und er ist in einer Situation, in der er dich am dringendsten braucht.
Vielleicht solltest du ihm bewusst machen, was auf dem Spiel steht... Dass du bereit bist, ihn zu unterstützen, aber nur, wenn er eine Therapie durchzieht!
Anonym 1960102
0 Beiträge
22.11.2017 09:24
Das ist eine sehr schwere Situation. Aufgrund von eigenen Erfahrungen in der Familie...sowohl mein Vater, als auch meine Mutter haben immer wieder Depressionen, als auch persönliche...ich selbst leide an Depressionen...kann ich dich und deinen Mann gut verstehen.
Zuerst ich glaube er belügt dich nicht in böser Absicht. Aus der E-Mail wird deutlich, dass er euch sehr liebt, aber auch die Angst und Verzweiflung seiner Gedanken kommt hervor. Ich selbst habe damals in meiner schlimmsten Phase auch nicht all meine Probleme offenbart. Es ist sowohl eine Art Selbstschutz, ein nicht wahrhaben wollen, als auch Schutz der Familie. Man möchte sie nicht mit den Problemen belasten. Auch die Antwort es geht einem gut, ist eine sehr typische Antwort für depressive Menschen. Unter Depressionen bist du nicht in der Lage deinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Du fühlst dich einfach leer.
Nun zu dir, ich kann gut verstehen, dass du keine Kraft mehr hast und auch Angst um deinen Sohn hast. Ich habe mit aus diesen Grund den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Ich konnte einfach nicht mehr und merkte, dass ich meine eigenen Depressionen so besser im Griff habe.
Für deinen Mann ist es sehr wichtig das er eine Therapie macht. Vllt wäre eine stationäre Aufnahme in dieser fortgeschrittenen Situation besser als eine Tagesklinik, aber wichtig ist, dass er überhaupt etwas macht....ich bin kein Fan von anti depressivern, aber ich glaube auch die wären für ihn gerade zu Beginn eine sehr gute Unterstützung um überhaupt erstmal Lebensmut zu sammeln.
Wie oben schon von jemand anderem geschrieben, wäre es vllt auch für dich gut Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ich weiß nicht wie gut du dich mit den Gedanken von depressiven Menschen befasst hast, aber es gibt zwei Bücher, die das meiner Meinung nach ganz gut darstellen...."der schwarze Hund" und "leben mit dem schwarzen Hund"...es sind Bilderbücher, aber sie treffen es recht gut.

Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und hoffe ihr könnt auch wieder glückliche Augenblicke miteinander teilen.

P.s. Sorry, für Rechtschreibfehler...das ist mit dem Handy manchmal etwas schwierig.
shelyra
58421 Beiträge
22.11.2017 09:25
Hol dir hilfe. Es gibt auch angebote für angehörige von Depressiven.

auch wenn er Depressionen hat so musst du nicht alles machen was er will oder fordert. Depression darf keine ausrede sein. Lass dich such nicht von ihm erpressen.

meine mutter hat Depressionen. Es war hart denn kinder bekommen mehr mit als man denkt. Uns hat es geholfen dass wir auch mal Termine beim therapeuten hatten. Und in eine angehörigengruppe gingen.
dort lernten wir dass wir ein recht haben ein "unabhängiges" leben zu leben ohne ständig rücksichtauf die dDepression zu nehmen. Dass wir auch mal "nein" sagen dürfen. Auch mal mit dem depressiven schimpfen dürfen. Ihn auch mal "in den arsch treten dürfen" wenn man merkt dass die Depression als ausrede dient
Aduja
21952 Beiträge
22.11.2017 10:36
Ich hab die Bilder entfernt.
CrazyMya
17639 Beiträge
22.11.2017 12:46
Ich habe die Email nicht gelesen, aber mal ganz allgemein :
Ich bin selbst erkrankte.
Depressive lassen Sachen nicht absichtlich schleifen.
Wenn die Depression stärker ist, dann kannst du nicht einfach "den arsch hochkriegen" und dich kümmern.
Deine negativen Gedanken fressen dich auf. Es ist fast so, als steht ne Meute fieser mobber vor deinem Bett und beschimpfen dich.
Du bist nichts wert, du kannst nichts, niemand liebt dich wirklich, dein Leben ist wertlos...
Und du glaubst diesen "Stimmen" irgendwann.

Je nach Art der Depression, kommen dann auch manische Phasen. Da fühlst du dich wunderbar, schmiedest Pläne, du hast das beste Leben überhaupt. Normalerweise müsste man da ansetzen und sich Hilfe holen. Aber dann müsste man sich mit den negativen Dingen auseinandersetzen, davon will man in einer hochphase aber nichts wissen.

Ich bin ohne Therapie aus diesem Teufelskreis rausgekommen, vor allen durch meine kinder und mein pflichtbewusstsein ihnen gegenüber.

Mein Mann stand immer an meiner Seite und hätte er mich verlassen, wäre es vermutlich ganz aus gewesen.

Geheilt bin ich nicht, aber schon lange nicht mehr akut.

Ihr müsst reden, reden, reden. Ohne Vorwürfe. Lass dir erzählen, was seine Dämonen ihm sagen. Nimm ihn an die Hand.

Lg
Alaska
7937 Beiträge
22.11.2017 15:23
Hach, so eine Kombination ist einfach mies. Dein Post von heute hört sich auch schon wieder ganz anders an. Dieses jahrelang auf und ab ist furchtbar. Für mich hörte es sich im Eingangspost so an, als wäre das schonmal gewesen, aber dann jahrelang Ruhe dazwischen (vorgespielte Ruhe).

Ich verstehe beide Parteien.
Den Mann, der mit Sicherheit sehr gegen seine Krankheit kämpft, der seine Familie liebt, aber krankheitsbedingt nicht in der Lage ist, für sie zu sorgen.
Was ich nicht akzeptieren würde, ist, dass man nicht versucht gegen seine Depression zu handeln. Also nicht nur täglich gegen sie kämpfen, sondern wirklich in Form einer Therapie an den Wurzeln zu arbeiten.

Dann du, die scheinbar seit Jahren diese Hölle mitträgt, wieder Hoffnung bekommst, wieder runtergezogen wirst. Ohne wirklich sichere Zukunftsperspektive. Ich weiß ja nun (leider?) wer du bist, von daher weiß ich auch, dass es eben berufsbedingt nicht einfach mal geht, ein Jahr Zuhause zu sein oder Arbeitszeit und Co. einfach mal so zu verringern. Ich versteh also deine Wut und deine Angst total. Nein, man bekommt kein Kind um es dann den ganzen Tag nicht zu sehen.
Ein Jobwechsel wäre keine Möglichkeit? Zur Not eben wirklich mit weniger Geld in der Hand.
Ich mein, die Alternative zu deinem jetzigen Leben wäre alleinerziehend. Das macht dein Leben zwar ruhiger, aber nicht unbedingt stressfreier.

Einerseits sollte man den Mann keinesfalls fallen lassen, zumal er recht liebevoll klingt, aber andererseits kann absolut niemand von dir verlangen, dass du das ein Leben lang mitträgst. Das ist eine unwahrscheinlich belastende Situation. Das musst du ohne schlechtes Gewissen für dich und dein Kind entscheiden.

Und ich schließ mich einer anderen Userin an (weiß nicht mehr, was das schrieb): Depressionen sind keine Ausrede für alles. Er hat ein Kind, er hat sich mit freiem Willen dafür entschieden, dann muss er jetzt ggf. einfach auch stationär und schauen, dass er sein Leben wenigstens etwas geordnet bekommt und euch bestmöglichst unterstützt.
Er redet zwar gerne von Selbstmord, auch davon, dass er euch dann nicht mehr zur Last fällt. Mach ihm deutlich, dass du dann ganz alleine mit deinem Kind dastehst und das keine Alternative ist, nicht, wie er sich das damit schön redet.
22.11.2017 16:18
Eine gute Bekannte von mir ist leider auch ganz schlimm depressiv. Bei ihr ist es ziemlich ähnlich wie bei deinem Mann, Arbeit ist bei ihr auch ein großes Thema. Sie hat zwar eine abgeschlossene Ausbildung, seitdem aber nie gearbeitet weil sie immer abgebrochen hat oder einfach gar nicht erschienen ist.

Sie ist beim Arbeitsamt als arbeitsuchend gemeldet und hat auch denen ihre Situation geschildert, derzeit war sie nicht in Therapie. Das Arbeitsamt hat ihr dann jedenfalls einen Termin beim Amtsarzt angeordnet, der sie untersuchen sollte und die Schwere der Depression feststellen sollte. Es kam wohl eine schwere Depression heraus, worauf hin sie vom Amtsarzt als arbeitsunfähig eingestuft wurde mit der Begründung sie soll erstmal eine Therapie machen und selbst stabiler werden um einer Arbeit nachgehen zu können. Soweit ich weiß hat sie durch diesen Befund dann auch deutlich mehr Geld bekommen als Hartz 4 und ihr wurde geholfen einen geeigneten Therapieplatz zu bekommen. Das ganze bekommt ihr sehr gut und sie ist zuversichtlich nach abgeschlossener Therapie arbeiten gehen zu können.

Vielleicht besteht die Möglichkeit bei deinem Mann ja auch, ich denke mal er ist arbeitslos beim Arbeitsamt gemeldet (?) daher sollte ein Termin beim Amtsarzt kein Problem sein. In dringenden Fällen gibt es auch recht schnell Termine. Vielleicht findet er so eine geeignete Therapie und euch steht hoffentlich auch etwas mehr Geld zu. Alles Gute für euch!
Alaska
7937 Beiträge
04.12.2017 01:17
Liebe TS,

wie geht es dir / euch denn inzwischen? Magst du nochmal was erzählen?
Ich hoffe jedenfalls für euch, dass ihr nochmal reden konntet.

Liebe Grüße
Anonym 196010
0 Beiträge
05.12.2017 00:23
Wir haben nochmal geredet. Er ist momentan in einer Therapie und stabil soweit. Ich merke aber sehr, dass er sich bemüht. Von daher bin ich glücklich über diese Entwicklung. Thema Arbeit ist immer noch unklar. Dennoch muss es ja vorran gehen. Ich habe nun einen Krippenplatz bekommen. Das beruhigt mich auch. Nur die Ungewissheit und die Wohnsituation belasten mich sehr. Deshalb schlafe ich zur Zeit ca 4-5 Stunden. Mein Gehirn kommt nicht zur Ruhe
Alaska
7937 Beiträge
05.12.2017 00:55
Hallo,

schön, dass du dich meldest. Das hört sich doch schonmal gut an. Gib ihm etwas Zeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass es ihn eher zurückwerfen würde, wenn man ihn jetzt noch zusätzlich mit dem Thema Arbeit konfrontiert.
Bist du auch im Kontakt mit den Psychologen? Wie du mit ihm umzugehen hast (wann z.B. "Druck" angebracht ist, dass sich was bewegt und wann es eher sinnvoll ist, sich zurückzuhalten),aber auch für dich? Immerhin bist du betroffen genug.

Ich versteh dein Gedankenkarussell total und es tut mir so leid für dich. Leider hab ich keine Tipps, die dir helfen. Außer eben, selber einen guten Psychologen zu suchen, der nur dir zuhört und Tipps für dich als Angehörigen hat. Ich denke wirklich, dass sowas enorm wertvoll ist. Oder eine Selbsthilfegruppe? Sowas gibt es doch sicher auch, das Thema ist in unserer Gesellschaft ja (leider) sehr präsent.

Ich wünsch dir jetzt trotzdem mal eine schöne Vorweihnachtszeit und hoffe, dass dein Mann auf dem guten Weg bleibt.

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