Mütter- und Schwangerenforum

Vater-Tochter-Beziehung in Gefahr?

Katzenmamahoch5
79 Beiträge
20.07.2021 11:15
Liebe Mamis,

ACHTUNG, ich habe viel mehr geschrieben, als ich eigentlich vorhatte^^

Ich stehe immer mehr auf dem Schlauch... Ich bin traurig und enttäuscht von meinem Mann... Vielleicht übertreibe ich auch...

Wir haben eine gefühlsstarke 3-jährige Tochter und zwei Babys. Unsere Tochter besucht die Kita. Mein Mann ist nach der gemeinsamen Elternzeit wieder in seinen Beruf (dank Corona im Homeoffice) eingestiegen (40h-Woche) und ich bin in Elternzeit. Morgens macht er unsere Tochter für die Kita fertig und bringt sie hin, während ich mich um die Babys kümmere. Nachmittags hole ich unsere Tochter aus der Kita ab, habe dann alle Kinder bis er Feierabend hat. Falls ich ihn mal brauche, kann ich ihm Bescheid geben, wozu es aber idR nicht kommt. Abends bringt er unsere Tochter ins Bett, was aktuell meist gegen 19.00 Uhr der Fall ist. Danach haben wir mit den Babys noch einen gemeinsamen Abend. Je nachdem wie diese schlafen oder drauf sind ist der Abend mal ruhiger und mal anstrengender.

Soweit zu den Rahmenbedingungen. Wir sind beide mal mehr mal weniger belastet vom Alltag. Gerade die letzten beiden Nächte waren wieder kurz und unruhig und natürlich zehrt das an der eigenen Substanz. Ich spüre ständig in mich hinein um meine Grenzen klar im Blick zu haben. Und wenn ich merke, dass ich gerade mal eine Pause brauche, dann gehe ich auch mal auf Toilette, wenn gerade ein oder zwei Babys weinen (Stille für 60 Sekunden ist sehr wertvoll) oder ich schaue, ob mein Mann einen der beiden für kurze Zeit nehmen kann. Der Alltag mit den beiden klappt insgesamt ziemlich gut, finde ich. Die beiden weinen natürlich auch mal, aber die Gründe sind meist klar. Und wenn der Bauch weh tut oder das Baby partout nicht einschlafen kann, dann dauert das Weinen halt auch mal ewig. Ich habe mich damit arrangiert.

Meinen Mann belastet der Umgang mit den Kindern an manchen Tagen wenig, an anderen Tagen stark. Er mag die Babys manchmal gar nicht auf den Arm nehmen, wenn sie weinen, weil sie sich bei ihm oft deutlich weniger schnell beruhigen lassen als bei mir. Dann lässt er sie teilweise im Bettchen liegen und setzt sich aufs Sofa. Das macht mich wahnsinnig. Er hat auch aus Frust schon 2x eines der Babys so stark auf und ab gewippt (Baby fest an ihn gedrückt und schnell in die Knie und wieder hoch gegangen), dass ich ihn angeschrien habe mit "Wie kannst du nur?!" und ihn aus dem Zimmer verbannt habe. Das ist sonst gar nicht meine Art. Aber mir war es lieber mit zwei laut weinenden Koliken-Babys die nächsten 1-2h allein zu verbringen als ihn in der Nähe der Babys zu wissen. Dazu muss ich sagen, dass er abgesehen davon immer liebevoll mit ihnen umgeht. Er wickelt die Babys auch, gibt sie mir zum Stillen, trägt sie oft in der Trage etc.. Und er hat sich zu obiger Situation entschuldigt und meinte "Du hast Recht, das war unverzeihlich". Bevor er ein Baby auf den Arm nimmt, sind meist die Ohrenstöpsel drin. So äußert sich sein Stress im Umgang mit den Babys.

Nun zu meiner eigentlichen Sorge... Der Umgang mit der Großen. Unsere Tochter wird körperlich, wenn sie gestresst/überfordert/wütend ist. Sie haut, tritt, kneift dann entweder uns oder die Babys. Das ist natürlich insbesondere den Babys gegenüber ein absoluten no-go. Ich verstehe ihr Verhalten in erster Linie als Hilferuf. In solchen Situationen also beschütze ich als erstes die Babys, sage ihr etwa "Stopp! Hauen ist verboten! Ich gehe mit dem Baby jetzt auf das Sofa" (wenn wir bspw vorher auf der Bank zusammen gesessen haben). Das entschärft die Situation. Sobald sie sich beruhigt hat, rede ich mit ihr bspw so "Du hast das Baby gehauen. Du bist wütend. Du möchtest kuscheln. Du willst, dass ich aufhöre das Baby zu stillen und mit dir kuschel. Stimmt das? Ich mache dir einen Vorschlag: Wenn ich das Baby gestillt habe, dann kuscheln wir alle drei zusammen und du darfst das Baby im Arm halten. Du möchtest nur mit mir kuscheln? Okay, dann lege ich das Baby gleich ins Babybett. Falls es weint, muss ich aber aufstehen und nach ihm schauen." Mir ist es wichtig, mit meinen Kindern auf Augenhöhe zu reden, ihre Bedürfnisse zu erfüllen und ihnen trotzdem auch aufzuzeigen wo die Grenzen sind. Klingt alles toll, ist im Alltag, vor allem bei mehreren Grenzüberschreitungen, gar nicht so leicht... Und nachdem ihr Bedürfnis nach Nähe erfüllt ist, rede ich mit ihr über die Situation und bespreche Handlungsalternativen mit ihr. Klar mach ich das nicht nur 1x. Das mache ich immer und immer wieder. Und jetzt sagt sie auch manchmal "Mama, das ist mit zu laut. Ich gehe raus.", wenn die Babys mal wieder weinen. Und dann sage ich ihr, dass ich stolz auf sie bin.

Der Umgang von meinem Mann mit meiner Tochter ist anders. Er sagt, die beiden hätten ein gutes Verhältnis zueinander, ich sehe das kritischer. Es gibt oft Situationen, die mich aufwühlen.

Zum Beispiel heute Morgen: Unsere Tochter liegt neben den Babys und fuchtelt aufmal mit den Händen und Füßen in Richtung der Babys. Mein Mann nimmt unsere Tochter an den Armen grob hoch und zieht sie von den Babys weg, um diese zu schützen. Dabei zieht er versehentlich an ihren Haaren. Sie ist erschrocken und schreit mit aufgeregter, weinerlicher Stimme "Aua!" und fängt an zu weinen. Er sagt "Du hast dem Baby weh getan. Das ist verboten! Dann musst du weg gehen." Er hat sie aus der Badezimmertür rausgeschoben und die Tür zu gemacht. Mein Herz ist aus so vielen Gründen zersprungen. Ja, ihr Verhalten war falsch. Aber statt sie aufzufangen und ihr zu zeigen, dass wir sie lieb haben und auch beachten, wenn sie den Babys nicht weh tut, schiebt er sie von uns weg und gibt ihr damit zu spüren: "Du bist falsch. Du bist hier nicht erwünscht. Geh weg.". Ich bin dann direkt hinterher, habe sie in den Arm genommen und sie hat mich unter Schluchzen gefragt, warum Papa ihr weh getan hat und mir gezeigt wo es überall weh tut. Dieses zitternde "Warum?!" tut mir in der Seele weh. Dann lasse ich die Babys liegen, auch wenn sie mal weinen, und nehme mit Zeit für meine Große, die gerade so sehr leidet. Und dann versuche ich ihr zu zeigen, dass ich immer für sie da bin. Der Papa meinte zu mir später heute Morgen, dass ich zu früh eingeschritten wäre, so hätte er selbst die Situation ja nicht klären könne mit ihr. Aus meiner Sicht sollte er das aber sofort tun und sie nicht erst eine Minute in Traurigkeit versinken lassen. Sehe ich das zu dramatisch? Mein Mama-Herz hat Angst, dass die Große zerbricht, wenn es viele solcher Situationen gibt (starke negative Gefühle und allein damit gelassen). Und solche Situationen gibt es fast jeden Tag mittlerweile... Ich will ihr sicherer Hafen sein.

Oder gestern Nachmittag: Wir waren alle fünf beim Spielplatz. Die Babys haben im Kinderwagen geschlafen. Meine Tochter war mit ihrem Kinderfahrrad unterwegs, sie lernt seit 3 Wochen damit zu fahren. Nach dem Spielen wollte sie nicht wieder mit dem Rad zurück fahren. Mein Mann: "Du musst damit zurück fahren". Kind verneint mit weinerlicher Stimme. "Dann lassen wir das Rad liegen. Dann ist es weg." Kind wird immer aufgewühlter und will kein Rad fahren. "Tja, ich trage das Rad nicht, dann bleibt es liegen." Kind weint. Super, denke ich mir, ich darf wieder Feuer löschen... Mein Mann zu mir "Dann nehme ich das Rad für 2 Wochen und tue es weg. Und danach bekommt sie es wieder. Sonst lernt sie das nicht." Ich atme tief durch, erkläre knapp, dass ich das als nicht sinnvoll erachte. Sie hat ihre Kräfte überschätzt und wird dafür bestraft statt liebevoll begleitet? Nicht bei mir! Also nehme ich mir meine Tochter zur Seite, rede auf Augenhöhe mit ihr und nach 30 Sekunden sitzt sie wieder auf dem Fahrrad und ist super motiviert gleich beim Drogeriemarkt eine Flasche Sprudelwasser zu kaufen. Sie ist tatsächlich mit dem Rad nach einer kurzen Verschnaufpause beim Wassertrinken bis nach Hause gefahren. Wir mussten das Rad nicht schieben oder tragen.

Es sind diese Situationen (natürlich vor allem die erste geschilderte) in denen ich mich frage, warum die Empathie fehlt. Sie ist ein kleines Kind. Sie macht Fehler um daraus zu lernen. Wir sind dazu da sie dabei zu begleiten und ihr unsere bedingungslose Liebe zuzusichern. "Ja, du darfst Fehler machen. Ja, wir lieben dich. Auch wenn dein Verhalten mal falsch ist, DU bist toll und richtig." Ich habe große Sorge, dass das Verhältnis zwischen den beiden dauerhaften Schaden nimmt. Er sieht das nicht richtig als Problem. Und jetzt wo ich schreibe wird mir klar, dass das viele Mütter im Forum über die Väter schreiben: Er versinkt in Selbstmitleid und sieht nur die negative Kritik (alles Positive was ich ihm sonst so am Tag sage scheint gar nicht anzukommen). "Dann mache ich das so wie du willst, das ist wohl der einzige richtige Weg." sagt er dann niedergeschlagen, ironisch und traurig und geplättet. Und macht es dann doch nicht. Ich mag gar nicht mehr etwas zu ihm sagen, wenn mich etwas im Umgang mit den Kindern stört. Er macht dann, plump gesagt, direkt "mimimi" und das macht mich wahnsinnig! Kritik ist immer doof, aber ich halte nichts von totschweigen und vorleben klappt halt nur in Maßen.

Ich hoffe ich habe die Sachlage verständlich geschildert. Oh man... Was meint ihr dazu? Ich freue mich über bestätigendes und kritisches Feedback. Und vor allem über Tipps...
kataleia
11396 Beiträge
20.07.2021 11:51
Ich kann dir nur sagen, dass viele Männer die ich kenne, auch mein Mann, oft nicht entschärfend einwirken, sondern sowas wie "der/die muss es lernen" sagen.

So wie du es mit dem Fahrrad beschreibst.

Ich denke dann immer nur "gut, dass die Frau die meiste Zeit mit den Kindern zusammen ist und nicht der Mann".

Auf Augenhöhe und wertschätzend und nicht als Besserwisser dem Kind zu begegnen, das fällt vielen Männern schwer

Ich sage meinem Mann dann immer nur, zielorientiert handeln und denken.

Und nicht mit der Keule um sich schlagen

Manchmal klappt es, manchmal nicht.

Du machst es auf jeden Fall super
Viala2.0
360 Beiträge
20.07.2021 11:56
Warum? Weil man so aufgewachsen ist.
Ganz einfach. Wenn man sich nicht aktiv selbst damit beschäftigt, gehört schon viel Zufall dazu, sich selbst zu reflektieren.
Ich kann es auch nicht immer so, obwohl ich mich aktiv damit beschäftige. Mein Bruder und ich waren nicht so wie meine Jungs und wenn wir doch Mal quer geschlagen haben, gab es typisch 80er kein drüber reden, sondern ansagen. War halt so (und meine Beziehung zu meinen Eltern ist dennoch für genug, dass ich freiwillig mit meiner Mutter zusammen lebe )
Ja, es gab als Kind so einige Momente, an sie ich heute noch nicht gern zurück denke... Aber tiefer festgesetzt hat sich die Erfahrung, dass meine Eltern auch bei blöden Ideen zu mir gehalten haben, dass mein Vater für mich durchs ganze Land gefahren wäre, dass meine Mutter lieber mit uns den ganzen Tag im Freibad war, auch wenn die Küche nicht perfekt sauber war
Bei Kindern macht nicht eine Aktion alles schlecht oder gut, da gehört das gesamte Paket betrachtet.
Mein Mann reagiert auf meine Einwände übrigens auch gern empfindlich... Ich Versuche dann auch ihm zu vermitteln, dass er nicht falsch ist und Versuche ihm Beispiele zu geben, wie es anders ginge.
Denn eines darf man sich nicht vergessen.... In ihrer Kindheit haben die Väter oft nicht eine so große Rolle gespielt wie heute... Es gibt also für ihren Job teilweise keine Vorbilder, kein Erlebtes wissen... Da helfen kleine Schritte um Empathie zu üben. Und manchmal brauchen Väter sich die Bestätigung, dass sie etwas gut gemacht haben in ihrem Job... Wir wünschen uns diese Anerkennung ja auch
Marf
24884 Beiträge
20.07.2021 12:01
Zitat von Katzenmamahoch5:

Liebe Mamis,

ACHTUNG, ich habe viel mehr geschrieben, als ich eigentlich vorhatte^^

Ich stehe immer mehr auf dem Schlauch... Ich bin traurig und enttäuscht von meinem Mann... Vielleicht übertreibe ich auch...

Wir haben eine gefühlsstarke 3-jährige Tochter und zwei Babys. Unsere Tochter besucht die Kita. Mein Mann ist nach der gemeinsamen Elternzeit wieder in seinen Beruf (dank Corona im Homeoffice) eingestiegen (40h-Woche) und ich bin in Elternzeit. Morgens macht er unsere Tochter für die Kita fertig und bringt sie hin, während ich mich um die Babys kümmere. Nachmittags hole ich unsere Tochter aus der Kita ab, habe dann alle Kinder bis er Feierabend hat. Falls ich ihn mal brauche, kann ich ihm Bescheid geben, wozu es aber idR nicht kommt. Abends bringt er unsere Tochter ins Bett, was aktuell meist gegen 19.00 Uhr der Fall ist. Danach haben wir mit den Babys noch einen gemeinsamen Abend. Je nachdem wie diese schlafen oder drauf sind ist der Abend mal ruhiger und mal anstrengender.

Soweit zu den Rahmenbedingungen. Wir sind beide mal mehr mal weniger belastet vom Alltag. Gerade die letzten beiden Nächte waren wieder kurz und unruhig und natürlich zehrt das an der eigenen Substanz. Ich spüre ständig in mich hinein um meine Grenzen klar im Blick zu haben. Und wenn ich merke, dass ich gerade mal eine Pause brauche, dann gehe ich auch mal auf Toilette, wenn gerade ein oder zwei Babys weinen (Stille für 60 Sekunden ist sehr wertvoll) oder ich schaue, ob mein Mann einen der beiden für kurze Zeit nehmen kann. Der Alltag mit den beiden klappt insgesamt ziemlich gut, finde ich. Die beiden weinen natürlich auch mal, aber die Gründe sind meist klar. Und wenn der Bauch weh tut oder das Baby partout nicht einschlafen kann, dann dauert das Weinen halt auch mal ewig. Ich habe mich damit arrangiert.

Meinen Mann belastet der Umgang mit den Kindern an manchen Tagen wenig, an anderen Tagen stark. Er mag die Babys manchmal gar nicht auf den Arm nehmen, wenn sie weinen, weil sie sich bei ihm oft deutlich weniger schnell beruhigen lassen als bei mir. Dann lässt er sie teilweise im Bettchen liegen und setzt sich aufs Sofa. Das macht mich wahnsinnig. Er hat auch aus Frust schon 2x eines der Babys so stark auf und ab gewippt (Baby fest an ihn gedrückt und schnell in die Knie und wieder hoch gegangen), dass ich ihn angeschrien habe mit "Wie kannst du nur?!" und ihn aus dem Zimmer verbannt habe. Das ist sonst gar nicht meine Art. Aber mir war es lieber mit zwei laut weinenden Koliken-Babys die nächsten 1-2h allein zu verbringen als ihn in der Nähe der Babys zu wissen. Dazu muss ich sagen, dass er abgesehen davon immer liebevoll mit ihnen umgeht. Er wickelt die Babys auch, gibt sie mir zum Stillen, trägt sie oft in der Trage etc.. Und er hat sich zu obiger Situation entschuldigt und meinte "Du hast Recht, das war unverzeihlich". Bevor er ein Baby auf den Arm nimmt, sind meist die Ohrenstöpsel drin. So äußert sich sein Stress im Umgang mit den Babys.

Nun zu meiner eigentlichen Sorge... Der Umgang mit der Großen. Unsere Tochter wird körperlich, wenn sie gestresst/überfordert/wütend ist. Sie haut, tritt, kneift dann entweder uns oder die Babys. Das ist natürlich insbesondere den Babys gegenüber ein absoluten no-go. Ich verstehe ihr Verhalten in erster Linie als Hilferuf. In solchen Situationen also beschütze ich als erstes die Babys, sage ihr etwa "Stopp! Hauen ist verboten! Ich gehe mit dem Baby jetzt auf das Sofa" (wenn wir bspw vorher auf der Bank zusammen gesessen haben). Das entschärft die Situation. Sobald sie sich beruhigt hat, rede ich mit ihr bspw so "Du hast das Baby gehauen. Du bist wütend. Du möchtest kuscheln. Du willst, dass ich aufhöre das Baby zu stillen und mit dir kuschel. Stimmt das? Ich mache dir einen Vorschlag: Wenn ich das Baby gestillt habe, dann kuscheln wir alle drei zusammen und du darfst das Baby im Arm halten. Du möchtest nur mit mir kuscheln? Okay, dann lege ich das Baby gleich ins Babybett. Falls es weint, muss ich aber aufstehen und nach ihm schauen." Mir ist es wichtig, mit meinen Kindern auf Augenhöhe zu reden, ihre Bedürfnisse zu erfüllen und ihnen trotzdem auch aufzuzeigen wo die Grenzen sind. Klingt alles toll, ist im Alltag, vor allem bei mehreren Grenzüberschreitungen, gar nicht so leicht... Und nachdem ihr Bedürfnis nach Nähe erfüllt ist, rede ich mit ihr über die Situation und bespreche Handlungsalternativen mit ihr. Klar mach ich das nicht nur 1x. Das mache ich immer und immer wieder. Und jetzt sagt sie auch manchmal "Mama, das ist mit zu laut. Ich gehe raus.", wenn die Babys mal wieder weinen. Und dann sage ich ihr, dass ich stolz auf sie bin.

Der Umgang von meinem Mann mit meiner Tochter ist anders. Er sagt, die beiden hätten ein gutes Verhältnis zueinander, ich sehe das kritischer. Es gibt oft Situationen, die mich aufwühlen.

Zum Beispiel heute Morgen: Unsere Tochter liegt neben den Babys und fuchtelt aufmal mit den Händen und Füßen in Richtung der Babys. Mein Mann nimmt unsere Tochter an den Armen grob hoch und zieht sie von den Babys weg, um diese zu schützen. Dabei zieht er versehentlich an ihren Haaren. Sie ist erschrocken und schreit mit aufgeregter, weinerlicher Stimme "Aua!" und fängt an zu weinen. Er sagt "Du hast dem Baby weh getan. Das ist verboten! Dann musst du weg gehen." Er hat sie aus der Badezimmertür rausgeschoben und die Tür zu gemacht. Mein Herz ist aus so vielen Gründen zersprungen. Ja, ihr Verhalten war falsch. Aber statt sie aufzufangen und ihr zu zeigen, dass wir sie lieb haben und auch beachten, wenn sie den Babys nicht weh tut, schiebt er sie von uns weg und gibt ihr damit zu spüren: "Du bist falsch. Du bist hier nicht erwünscht. Geh weg.". Ich bin dann direkt hinterher, habe sie in den Arm genommen und sie hat mich unter Schluchzen gefragt, warum Papa ihr weh getan hat und mir gezeigt wo es überall weh tut. Dieses zitternde "Warum?!" tut mir in der Seele weh. Dann lasse ich die Babys liegen, auch wenn sie mal weinen, und nehme mit Zeit für meine Große, die gerade so sehr leidet. Und dann versuche ich ihr zu zeigen, dass ich immer für sie da bin. Der Papa meinte zu mir später heute Morgen, dass ich zu früh eingeschritten wäre, so hätte er selbst die Situation ja nicht klären könne mit ihr. Aus meiner Sicht sollte er das aber sofort tun und sie nicht erst eine Minute in Traurigkeit versinken lassen. Sehe ich das zu dramatisch? Mein Mama-Herz hat Angst, dass die Große zerbricht, wenn es viele solcher Situationen gibt (starke negative Gefühle und allein damit gelassen). Und solche Situationen gibt es fast jeden Tag mittlerweile... Ich will ihr sicherer Hafen sein.

Oder gestern Nachmittag: Wir waren alle fünf beim Spielplatz. Die Babys haben im Kinderwagen geschlafen. Meine Tochter war mit ihrem Kinderfahrrad unterwegs, sie lernt seit 3 Wochen damit zu fahren. Nach dem Spielen wollte sie nicht wieder mit dem Rad zurück fahren. Mein Mann: "Du musst damit zurück fahren". Kind verneint mit weinerlicher Stimme. "Dann lassen wir das Rad liegen. Dann ist es weg." Kind wird immer aufgewühlter und will kein Rad fahren. "Tja, ich trage das Rad nicht, dann bleibt es liegen." Kind weint. Super, denke ich mir, ich darf wieder Feuer löschen... Mein Mann zu mir "Dann nehme ich das Rad für 2 Wochen und tue es weg. Und danach bekommt sie es wieder. Sonst lernt sie das nicht." Ich atme tief durch, erkläre knapp, dass ich das als nicht sinnvoll erachte. Sie hat ihre Kräfte überschätzt und wird dafür bestraft statt liebevoll begleitet? Nicht bei mir! Also nehme ich mir meine Tochter zur Seite, rede auf Augenhöhe mit ihr und nach 30 Sekunden sitzt sie wieder auf dem Fahrrad und ist super motiviert gleich beim Drogeriemarkt eine Flasche Sprudelwasser zu kaufen. Sie ist tatsächlich mit dem Rad nach einer kurzen Verschnaufpause beim Wassertrinken bis nach Hause gefahren. Wir mussten das Rad nicht schieben oder tragen.

Es sind diese Situationen (natürlich vor allem die erste geschilderte) in denen ich mich frage, warum die Empathie fehlt. Sie ist ein kleines Kind. Sie macht Fehler um daraus zu lernen. Wir sind dazu da sie dabei zu begleiten und ihr unsere bedingungslose Liebe zuzusichern. "Ja, du darfst Fehler machen. Ja, wir lieben dich. Auch wenn dein Verhalten mal falsch ist, DU bist toll und richtig." Ich habe große Sorge, dass das Verhältnis zwischen den beiden dauerhaften Schaden nimmt. Er sieht das nicht richtig als Problem. Und jetzt wo ich schreibe wird mir klar, dass das viele Mütter im Forum über die Väter schreiben: Er versinkt in Selbstmitleid und sieht nur die negative Kritik (alles Positive was ich ihm sonst so am Tag sage scheint gar nicht anzukommen). "Dann mache ich das so wie du willst, das ist wohl der einzige richtige Weg." sagt er dann niedergeschlagen, ironisch und traurig und geplättet. Und macht es dann doch nicht. Ich mag gar nicht mehr etwas zu ihm sagen, wenn mich etwas im Umgang mit den Kindern stört. Er macht dann, plump gesagt, direkt "mimimi" und das macht mich wahnsinnig! Kritik ist immer doof, aber ich halte nichts von totschweigen und vorleben klappt halt nur in Maßen.

Ich hoffe ich habe die Sachlage verständlich geschildert. Oh man... Was meint ihr dazu? Ich freue mich über bestätigendes und kritisches Feedback. Und vor allem über Tipps...

Das sollte für deinen Mann auch gelten.
Weil er anders mit ihr umgeht wird bei ihr nichts zerbrechen.Ihr seid 2 verschiedenen Menschen und Väter haben einen andren Umgang mit ihren Mädels.
Ihr solltet euch grob für eine Linie einigen...aber wenn du immer so perfekt (Achtung Ironie) agierst, ist es ziemlich egal was er macht.Er kanns ja nur falsch machen.
Ich sehe bei euch durch die Babys auch eine Überlastung.Vielleicht mehr Zeit füreinander und nicht immer nur kritteln?! Erlebt ihr euch noch als Partner oder nur noch als Eltern?
Alaska
17147 Beiträge
20.07.2021 12:09
Du liest dich wie ein steifer Erziehungsratgeber, aber nicht echt.
Dein Mann macht es anders als du. Das ist in Ordnung. Da müsst ihr euch beide wohl in der Mitte treffen und das fänd ich auch sehr sinnvoll. Denn du erscheinst mir viel zu betüddelnd, zu sanft, zu ängstlich irgendwas kaputt zu machen. Werd etwas robuster. Dein Kind ist nicht aus Zucker und du thematisiert vor ihr so massiv, dass sie nicht hinter den Zwillingen steht, dass sie ohne dich vermutlich gar nicht erst auf die Idee gekommen wäre. Das liest sich schon zwanghaft...

Wenn meine Tochter die kleinen Geschwister körperlich angehen würde, würd ich sie nicht sanft besäuseln. Das geht nicht. Da gibt es dann eben Konsequenzen. Das schließt nicht aus, dass man drüber redet und sich beschmust.
Katzenmamahoch5
79 Beiträge
20.07.2021 12:10
Zitat von kataleia:

Ich kann dir nur sagen, dass viele Männer die ich kenne, auch mein Mann, oft nicht entschärfend einwirken, sondern sowas wie "der/die muss es lernen" sagen.

So wie du es mit dem Fahrrad beschreibst.

Ich denke dann immer nur "gut, dass die Frau die meiste Zeit mit den Kindern zusammen ist und nicht der Mann".

Auf Augenhöhe und wertschätzend und nicht als Besserwisser dem Kind zu begegnen, das fällt vielen Männern schwer

Ich sage meinem Mann dann immer nur, zielorientiert handeln und denken.

Und nicht mit der Keule um sich schlagen

Manchmal klappt es, manchmal nicht.

Du machst es auf jeden Fall super


Danke für deine lieben Worte

Ich bin sicher auch einfach entspannter, weil ich in Elternzeit bin. Und das "manchmal klappts" habe ich in meinem Beitrag weg gelassen. Wenn er entspannt ist, dann ist auch sein Verhältnis zu den Kindern entspannt. Dann "klappt es" auch viel häufiger
Katzenmamahoch5
79 Beiträge
20.07.2021 12:14
Zitat von Viala2.0:

Warum? Weil man so aufgewachsen ist.
Ganz einfach. Wenn man sich nicht aktiv selbst damit beschäftigt, gehört schon viel Zufall dazu, sich selbst zu reflektieren.
Ich kann es auch nicht immer so, obwohl ich mich aktiv damit beschäftige. Mein Bruder und ich waren nicht so wie meine Jungs und wenn wir doch Mal quer geschlagen haben, gab es typisch 80er kein drüber reden, sondern ansagen. War halt so (und meine Beziehung zu meinen Eltern ist dennoch für genug, dass ich freiwillig mit meiner Mutter zusammen lebe )
Ja, es gab als Kind so einige Momente, an sie ich heute noch nicht gern zurück denke... Aber tiefer festgesetzt hat sich die Erfahrung, dass meine Eltern auch bei blöden Ideen zu mir gehalten haben, dass mein Vater für mich durchs ganze Land gefahren wäre, dass meine Mutter lieber mit uns den ganzen Tag im Freibad war, auch wenn die Küche nicht perfekt sauber war
Bei Kindern macht nicht eine Aktion alles schlecht oder gut, da gehört das gesamte Paket betrachtet.
Mein Mann reagiert auf meine Einwände übrigens auch gern empfindlich... Ich Versuche dann auch ihm zu vermitteln, dass er nicht falsch ist und Versuche ihm Beispiele zu geben, wie es anders ginge.
Denn eines darf man sich nicht vergessen.... In ihrer Kindheit haben die Väter oft nicht eine so große Rolle gespielt wie heute... Es gibt also für ihren Job teilweise keine Vorbilder, kein Erlebtes wissen... Da helfen kleine Schritte um Empathie zu üben. Und manchmal brauchen Väter sich die Bestätigung, dass sie etwas gut gemacht haben in ihrem Job... Wir wünschen uns diese Anerkennung ja auch


Ja, das stimmt. Ich versuche ihm diese auch oft zu geben. Direkt oder indirekt. Er hat viele tolle Eigenschaften! Das ging aus meinem Beitrag natürlich gar nicht hervor...
Katzenmamahoch5
79 Beiträge
20.07.2021 12:18
Zitat von Marf:

Zitat von Katzenmamahoch5:

Liebe Mamis,

ACHTUNG, ich habe viel mehr geschrieben, als ich eigentlich vorhatte^^

Ich stehe immer mehr auf dem Schlauch... Ich bin traurig und enttäuscht von meinem Mann... Vielleicht übertreibe ich auch...

Wir haben eine gefühlsstarke 3-jährige Tochter und zwei Babys. Unsere Tochter besucht die Kita. Mein Mann ist nach der gemeinsamen Elternzeit wieder in seinen Beruf (dank Corona im Homeoffice) eingestiegen (40h-Woche) und ich bin in Elternzeit. Morgens macht er unsere Tochter für die Kita fertig und bringt sie hin, während ich mich um die Babys kümmere. Nachmittags hole ich unsere Tochter aus der Kita ab, habe dann alle Kinder bis er Feierabend hat. Falls ich ihn mal brauche, kann ich ihm Bescheid geben, wozu es aber idR nicht kommt. Abends bringt er unsere Tochter ins Bett, was aktuell meist gegen 19.00 Uhr der Fall ist. Danach haben wir mit den Babys noch einen gemeinsamen Abend. Je nachdem wie diese schlafen oder drauf sind ist der Abend mal ruhiger und mal anstrengender.

Soweit zu den Rahmenbedingungen. Wir sind beide mal mehr mal weniger belastet vom Alltag. Gerade die letzten beiden Nächte waren wieder kurz und unruhig und natürlich zehrt das an der eigenen Substanz. Ich spüre ständig in mich hinein um meine Grenzen klar im Blick zu haben. Und wenn ich merke, dass ich gerade mal eine Pause brauche, dann gehe ich auch mal auf Toilette, wenn gerade ein oder zwei Babys weinen (Stille für 60 Sekunden ist sehr wertvoll) oder ich schaue, ob mein Mann einen der beiden für kurze Zeit nehmen kann. Der Alltag mit den beiden klappt insgesamt ziemlich gut, finde ich. Die beiden weinen natürlich auch mal, aber die Gründe sind meist klar. Und wenn der Bauch weh tut oder das Baby partout nicht einschlafen kann, dann dauert das Weinen halt auch mal ewig. Ich habe mich damit arrangiert.

Meinen Mann belastet der Umgang mit den Kindern an manchen Tagen wenig, an anderen Tagen stark. Er mag die Babys manchmal gar nicht auf den Arm nehmen, wenn sie weinen, weil sie sich bei ihm oft deutlich weniger schnell beruhigen lassen als bei mir. Dann lässt er sie teilweise im Bettchen liegen und setzt sich aufs Sofa. Das macht mich wahnsinnig. Er hat auch aus Frust schon 2x eines der Babys so stark auf und ab gewippt (Baby fest an ihn gedrückt und schnell in die Knie und wieder hoch gegangen), dass ich ihn angeschrien habe mit "Wie kannst du nur?!" und ihn aus dem Zimmer verbannt habe. Das ist sonst gar nicht meine Art. Aber mir war es lieber mit zwei laut weinenden Koliken-Babys die nächsten 1-2h allein zu verbringen als ihn in der Nähe der Babys zu wissen. Dazu muss ich sagen, dass er abgesehen davon immer liebevoll mit ihnen umgeht. Er wickelt die Babys auch, gibt sie mir zum Stillen, trägt sie oft in der Trage etc.. Und er hat sich zu obiger Situation entschuldigt und meinte "Du hast Recht, das war unverzeihlich". Bevor er ein Baby auf den Arm nimmt, sind meist die Ohrenstöpsel drin. So äußert sich sein Stress im Umgang mit den Babys.

Nun zu meiner eigentlichen Sorge... Der Umgang mit der Großen. Unsere Tochter wird körperlich, wenn sie gestresst/überfordert/wütend ist. Sie haut, tritt, kneift dann entweder uns oder die Babys. Das ist natürlich insbesondere den Babys gegenüber ein absoluten no-go. Ich verstehe ihr Verhalten in erster Linie als Hilferuf. In solchen Situationen also beschütze ich als erstes die Babys, sage ihr etwa "Stopp! Hauen ist verboten! Ich gehe mit dem Baby jetzt auf das Sofa" (wenn wir bspw vorher auf der Bank zusammen gesessen haben). Das entschärft die Situation. Sobald sie sich beruhigt hat, rede ich mit ihr bspw so "Du hast das Baby gehauen. Du bist wütend. Du möchtest kuscheln. Du willst, dass ich aufhöre das Baby zu stillen und mit dir kuschel. Stimmt das? Ich mache dir einen Vorschlag: Wenn ich das Baby gestillt habe, dann kuscheln wir alle drei zusammen und du darfst das Baby im Arm halten. Du möchtest nur mit mir kuscheln? Okay, dann lege ich das Baby gleich ins Babybett. Falls es weint, muss ich aber aufstehen und nach ihm schauen." Mir ist es wichtig, mit meinen Kindern auf Augenhöhe zu reden, ihre Bedürfnisse zu erfüllen und ihnen trotzdem auch aufzuzeigen wo die Grenzen sind. Klingt alles toll, ist im Alltag, vor allem bei mehreren Grenzüberschreitungen, gar nicht so leicht... Und nachdem ihr Bedürfnis nach Nähe erfüllt ist, rede ich mit ihr über die Situation und bespreche Handlungsalternativen mit ihr. Klar mach ich das nicht nur 1x. Das mache ich immer und immer wieder. Und jetzt sagt sie auch manchmal "Mama, das ist mit zu laut. Ich gehe raus.", wenn die Babys mal wieder weinen. Und dann sage ich ihr, dass ich stolz auf sie bin.

Der Umgang von meinem Mann mit meiner Tochter ist anders. Er sagt, die beiden hätten ein gutes Verhältnis zueinander, ich sehe das kritischer. Es gibt oft Situationen, die mich aufwühlen.

Zum Beispiel heute Morgen: Unsere Tochter liegt neben den Babys und fuchtelt aufmal mit den Händen und Füßen in Richtung der Babys. Mein Mann nimmt unsere Tochter an den Armen grob hoch und zieht sie von den Babys weg, um diese zu schützen. Dabei zieht er versehentlich an ihren Haaren. Sie ist erschrocken und schreit mit aufgeregter, weinerlicher Stimme "Aua!" und fängt an zu weinen. Er sagt "Du hast dem Baby weh getan. Das ist verboten! Dann musst du weg gehen." Er hat sie aus der Badezimmertür rausgeschoben und die Tür zu gemacht. Mein Herz ist aus so vielen Gründen zersprungen. Ja, ihr Verhalten war falsch. Aber statt sie aufzufangen und ihr zu zeigen, dass wir sie lieb haben und auch beachten, wenn sie den Babys nicht weh tut, schiebt er sie von uns weg und gibt ihr damit zu spüren: "Du bist falsch. Du bist hier nicht erwünscht. Geh weg.". Ich bin dann direkt hinterher, habe sie in den Arm genommen und sie hat mich unter Schluchzen gefragt, warum Papa ihr weh getan hat und mir gezeigt wo es überall weh tut. Dieses zitternde "Warum?!" tut mir in der Seele weh. Dann lasse ich die Babys liegen, auch wenn sie mal weinen, und nehme mit Zeit für meine Große, die gerade so sehr leidet. Und dann versuche ich ihr zu zeigen, dass ich immer für sie da bin. Der Papa meinte zu mir später heute Morgen, dass ich zu früh eingeschritten wäre, so hätte er selbst die Situation ja nicht klären könne mit ihr. Aus meiner Sicht sollte er das aber sofort tun und sie nicht erst eine Minute in Traurigkeit versinken lassen. Sehe ich das zu dramatisch? Mein Mama-Herz hat Angst, dass die Große zerbricht, wenn es viele solcher Situationen gibt (starke negative Gefühle und allein damit gelassen). Und solche Situationen gibt es fast jeden Tag mittlerweile... Ich will ihr sicherer Hafen sein.

Oder gestern Nachmittag: Wir waren alle fünf beim Spielplatz. Die Babys haben im Kinderwagen geschlafen. Meine Tochter war mit ihrem Kinderfahrrad unterwegs, sie lernt seit 3 Wochen damit zu fahren. Nach dem Spielen wollte sie nicht wieder mit dem Rad zurück fahren. Mein Mann: "Du musst damit zurück fahren". Kind verneint mit weinerlicher Stimme. "Dann lassen wir das Rad liegen. Dann ist es weg." Kind wird immer aufgewühlter und will kein Rad fahren. "Tja, ich trage das Rad nicht, dann bleibt es liegen." Kind weint. Super, denke ich mir, ich darf wieder Feuer löschen... Mein Mann zu mir "Dann nehme ich das Rad für 2 Wochen und tue es weg. Und danach bekommt sie es wieder. Sonst lernt sie das nicht." Ich atme tief durch, erkläre knapp, dass ich das als nicht sinnvoll erachte. Sie hat ihre Kräfte überschätzt und wird dafür bestraft statt liebevoll begleitet? Nicht bei mir! Also nehme ich mir meine Tochter zur Seite, rede auf Augenhöhe mit ihr und nach 30 Sekunden sitzt sie wieder auf dem Fahrrad und ist super motiviert gleich beim Drogeriemarkt eine Flasche Sprudelwasser zu kaufen. Sie ist tatsächlich mit dem Rad nach einer kurzen Verschnaufpause beim Wassertrinken bis nach Hause gefahren. Wir mussten das Rad nicht schieben oder tragen.

Es sind diese Situationen (natürlich vor allem die erste geschilderte) in denen ich mich frage, warum die Empathie fehlt. Sie ist ein kleines Kind. Sie macht Fehler um daraus zu lernen. Wir sind dazu da sie dabei zu begleiten und ihr unsere bedingungslose Liebe zuzusichern. "Ja, du darfst Fehler machen. Ja, wir lieben dich. Auch wenn dein Verhalten mal falsch ist, DU bist toll und richtig." Ich habe große Sorge, dass das Verhältnis zwischen den beiden dauerhaften Schaden nimmt. Er sieht das nicht richtig als Problem. Und jetzt wo ich schreibe wird mir klar, dass das viele Mütter im Forum über die Väter schreiben: Er versinkt in Selbstmitleid und sieht nur die negative Kritik (alles Positive was ich ihm sonst so am Tag sage scheint gar nicht anzukommen). "Dann mache ich das so wie du willst, das ist wohl der einzige richtige Weg." sagt er dann niedergeschlagen, ironisch und traurig und geplättet. Und macht es dann doch nicht. Ich mag gar nicht mehr etwas zu ihm sagen, wenn mich etwas im Umgang mit den Kindern stört. Er macht dann, plump gesagt, direkt "mimimi" und das macht mich wahnsinnig! Kritik ist immer doof, aber ich halte nichts von totschweigen und vorleben klappt halt nur in Maßen.

Ich hoffe ich habe die Sachlage verständlich geschildert. Oh man... Was meint ihr dazu? Ich freue mich über bestätigendes und kritisches Feedback. Und vor allem über Tipps...

Das sollte für deinen Mann auch gelten.
Weil er anders mit ihr umgeht wird bei ihr nichts zerbrechen.Ihr seid 2 verschiedenen Menschen und Väter haben einen andren Umgang mit ihren Mädels.
Ihr solltet euch grob für eine Linie einigen...aber wenn du immer so perfekt (Achtung Ironie) agierst, ist es ziemlich egal was er macht.Er kanns ja nur falsch machen.
Ich sehe bei euch durch die Babys auch eine Überlastung.Vielleicht mehr Zeit füreinander und nicht immer nur kritteln?! Erlebt ihr euch noch als Partner oder nur noch als Eltern?


Wir haben viel darüber geredet. Und ich bin wahrlich nicht perfekt. In einem Beitrag ist es unmöglich alles zu beschreiben. Wenn ich etwas (aus meiner Sicht) falsch mache, suche ich das Gespräch und entschuldige mich. Bei anderen Dingen sucht mein Mann das Gespräch.

Klar ist es viel mit den Babys. Unsere Familie wohnt nicht um die Ecke und einfach mal so ein "freier Nachmittag" ist nicht so einfach. Wir haben aber regelmäßig am Wochenende die Großeltern da, so dass wir auch mal Zeit zu zweit haben. Mittags und abends versuchen wir auch Zeit füreinander zu finden.
Katzenmamahoch5
79 Beiträge
20.07.2021 12:27
Zitat von Alaska:

Du liest dich wie ein steifer Erziehungsratgeber, aber nicht echt.
Dein Mann macht es anders als du. Das ist in Ordnung. Da müsst ihr euch beide wohl in der Mitte treffen und das fänd ich auch sehr sinnvoll. Denn du erscheinst mir viel zu betüddelnd, zu sanft, zu ängstlich irgendwas kaputt zu machen. Werd etwas robuster. Dein Kind ist nicht aus Zucker und du thematisiert vor ihr so massiv, dass sie nicht hinter den Zwillingen steht, dass sie ohne dich vermutlich gar nicht erst auf die Idee gekommen wäre. Das liest sich schon zwanghaft...

Wenn meine Tochter die kleinen Geschwister körperlich angehen würde, würd ich sie nicht sanft besäuseln. Das geht nicht. Da gibt es dann eben Konsequenzen. Das schließt nicht aus, dass man drüber redet und sich beschmust.


Hehe, tatsächlich habe ich auch viel dazu gelesen. Manches habe ich verworfen, anders ausprobiert und mir das rausgesucht, was für uns gut funktioniert. Ich mache aber mehr Fehler als ein Ratgeber^^ Ich versuche einen Mittelweg zu finden, so dass ich nicht untergehe im "Mamasein".

Ich lese in deinem Text reichlich Kritik an mir. So als hätte ich dich persönlich angegriffen? Es gibt Konsequenzen für das Verhalten. Statt sie körperlich anzugehen oder anzuschreien, rede ich mit meinem Kind, falls du das mit "besäuseln" meinst. Das mag für den einen verweichlicht klingen, für mich ist es ein Agieren auf Augenhöhe. Und die Konsequenzen sind dann bei mir z.B., dass ich weg gehen muss, damit das Baby nicht gefährdet ist. Andere drücken vielleicht eine künstliche Konsequenz hinterher, das ist halt nicht mein Weg. Ansonsten habe ich gar nichts dazu geschrieben, wie ich im Alltag mit ihr umgehe. Vielleicht lese ich mich wie eine Helikopter-Mama? Aber das ist dann hineininterpretiert
DieW
2131 Beiträge
20.07.2021 13:36
Zitat von Katzenmamahoch5:

Zitat von Alaska:

Du liest dich wie ein steifer Erziehungsratgeber, aber nicht echt.
Dein Mann macht es anders als du. Das ist in Ordnung. Da müsst ihr euch beide wohl in der Mitte treffen und das fänd ich auch sehr sinnvoll. Denn du erscheinst mir viel zu betüddelnd, zu sanft, zu ängstlich irgendwas kaputt zu machen. Werd etwas robuster. Dein Kind ist nicht aus Zucker und du thematisiert vor ihr so massiv, dass sie nicht hinter den Zwillingen steht, dass sie ohne dich vermutlich gar nicht erst auf die Idee gekommen wäre. Das liest sich schon zwanghaft...

Wenn meine Tochter die kleinen Geschwister körperlich angehen würde, würd ich sie nicht sanft besäuseln. Das geht nicht. Da gibt es dann eben Konsequenzen. Das schließt nicht aus, dass man drüber redet und sich beschmust.


Hehe, tatsächlich habe ich auch viel dazu gelesen. Manches habe ich verworfen, anders ausprobiert und mir das rausgesucht, was für uns gut funktioniert. Ich mache aber mehr Fehler als ein Ratgeber^^ Ich versuche einen Mittelweg zu finden, so dass ich nicht untergehe im "Mamasein".

Ich lese in deinem Text reichlich Kritik an mir. So als hätte ich dich persönlich angegriffen? Es gibt Konsequenzen für das Verhalten. Statt sie körperlich anzugehen oder anzuschreien, rede ich mit meinem Kind, falls du das mit "besäuseln" meinst. Das mag für den einen verweichlicht klingen, für mich ist es ein Agieren auf Augenhöhe. Und die Konsequenzen sind dann bei mir z.B., dass ich weg gehen muss, damit das Baby nicht gefährdet ist. Andere drücken vielleicht eine künstliche Konsequenz hinterher, das ist halt nicht mein Weg. Ansonsten habe ich gar nichts dazu geschrieben, wie ich im Alltag mit ihr umgehe. Vielleicht lese ich mich wie eine Helikopter-Mama? Aber das ist dann hineininterpretiert


Ein Kind von 3 Jahren versteht manchmal eine klare Ansage besser,als ein Gespräch auf Augenhöhe.
Ich bin mit meinen Kindern auh gerne auf Augenhöhe,aber manchmal ist ein einfaches Nein besser,als eine Debatte.
nilou
10142 Beiträge
20.07.2021 15:37
Es liest sich schon recht „steif“ und irgendwie kompliziert, nach Lehrbuch. Ich sehe auch nicht wirklich wieso die Tochter-Vater-Beziehung in Gefahr ist. Er kümmert sich viel/macht viel mit ihr und die Situationen die du jetzt beschrieben hast finde ich nicht Beziehungsgefährdend in dem ganzen beschrieben Kontext.

Bzgl. auf Augenhöhe und erklären denke ich auch, das bei einer 3jährige da eher kurze knappe Erklärungen passend sind.
Titania
4824 Beiträge
20.07.2021 16:26
du liest dich so sehr nach das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten Forum, Blog, Ratgeber.

Ich finde, das wichtigste für Kinder ist, dass die Eltern authentisch sind. Dazu gehört auch, dass wir nicht immer richtig reagieren, Fehler erkennen, diese verbessern und uns auch entschuldigen können. Aber nicht, dass wir immer nahezu perfekt reagieren.

Für mich liest sich der Umgang mit deiner Tochter sehr anstrengend und ich kann mich mit dem was du schreibst wenig identifizieren. Das wäre mir viel zuviel "rumgemache". Kinder in dem Alter brauchen eher kurze, verständliche Anweisungen, als dass man ihre Gefühlswelt auseinander nimmt. Das ist in dem Alter noch gar nicht nötig. Dieses "Spiegeln" finde ich persönlich befremdlich. Aber so sieht es jeder anders, was ja auch gut ist.

Ich würde eher klare Ansagen bevorzugen, dass sie jetzt gehen muss, damit sie den Babies nicht weh tut. Sie sind noch zu klein und können sich nicht alleine wehren. Als dass ich ihre Gefühlswelt erörtern würde. Denn ich denke Kinder in dem Alter wissen selber nicht, weshalb sie so reagieren wie sie es tun. Sie reagieren einfach impulsiv in bestimmten Situationen. Sehe ich selber bei meiner 4,5 jährigen. Das kommt mit der Zeit, bis dahin würde ich sie weiterhin aus der Situation nehmen und irgendwann auch gar nicht mehr weiter darüber reden, denn irgendwann wird sie wissen, weshalb du so reagierst.
Titania
4824 Beiträge
20.07.2021 16:30
Zitat von DieW:

Zitat von Katzenmamahoch5:

Zitat von Alaska:

Du liest dich wie ein steifer Erziehungsratgeber, aber nicht echt.
Dein Mann macht es anders als du. Das ist in Ordnung. Da müsst ihr euch beide wohl in der Mitte treffen und das fänd ich auch sehr sinnvoll. Denn du erscheinst mir viel zu betüddelnd, zu sanft, zu ängstlich irgendwas kaputt zu machen. Werd etwas robuster. Dein Kind ist nicht aus Zucker und du thematisiert vor ihr so massiv, dass sie nicht hinter den Zwillingen steht, dass sie ohne dich vermutlich gar nicht erst auf die Idee gekommen wäre. Das liest sich schon zwanghaft...

Wenn meine Tochter die kleinen Geschwister körperlich angehen würde, würd ich sie nicht sanft besäuseln. Das geht nicht. Da gibt es dann eben Konsequenzen. Das schließt nicht aus, dass man drüber redet und sich beschmust.


Hehe, tatsächlich habe ich auch viel dazu gelesen. Manches habe ich verworfen, anders ausprobiert und mir das rausgesucht, was für uns gut funktioniert. Ich mache aber mehr Fehler als ein Ratgeber^^ Ich versuche einen Mittelweg zu finden, so dass ich nicht untergehe im "Mamasein".

Ich lese in deinem Text reichlich Kritik an mir. So als hätte ich dich persönlich angegriffen? Es gibt Konsequenzen für das Verhalten. Statt sie körperlich anzugehen oder anzuschreien, rede ich mit meinem Kind, falls du das mit "besäuseln" meinst. Das mag für den einen verweichlicht klingen, für mich ist es ein Agieren auf Augenhöhe. Und die Konsequenzen sind dann bei mir z.B., dass ich weg gehen muss, damit das Baby nicht gefährdet ist. Andere drücken vielleicht eine künstliche Konsequenz hinterher, das ist halt nicht mein Weg. Ansonsten habe ich gar nichts dazu geschrieben, wie ich im Alltag mit ihr umgehe. Vielleicht lese ich mich wie eine Helikopter-Mama? Aber das ist dann hineininterpretiert


Ein Kind von 3 Jahren versteht manchmal eine klare Ansage besser,als ein Gespräch auf Augenhöhe.
Ich bin mit meinen Kindern auh gerne auf Augenhöhe,aber manchmal ist ein einfaches Nein besser,als eine Debatte.


genau, so sehe ich das auch, hatte die Antworten zu dem EP noch nicht gelesen.
Marie2010
2758 Beiträge
20.07.2021 18:25
Puh, das klingt für mich von deiner Seite aus auch alles sehr nach "alles nach Lehrbuch machen".

Deinem Mann so unbedingt deinen Weg überstülpen zu wollen, finde ich falsch. Er hat seine eigenen Erfahrungen und seine eigenen Vorstellungen. Klar, wenn Gewalt ins Spiel kommt, muss man einlenken. Aber, wenn der Unterschied darin besteht, dass du deiner Tochter alles lang und breit erklärst und er eher auf kurze, klare Ansagen setzt, finde ich das nicht schlimm.
Kinder können gut unterscheiden, dass Mama und Papa unterschiedlich reagieren.

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