Mütter- und Schwangerenforum

Heilpraktiker bei (Klein)kind? Wer hat Erfahrungen?

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serap1981
884 Beiträge
07.11.2019 10:30
Ich war mit dem Herzmädel, damals 1,5 Jahre alt beim Heilpraktiker.
Zuerst kam die große Rede zum Thema, dass ja Cortison Gift ist und was ich dem Kind damit antue. Sie bekam zu der Zeit Cortisonspray als Dauermedikament wegen Asthma und Cortisonsalbe für Neurodermitis.

Komisch, vor der Einstellung auf das Spray kam sie drei mal per Hubschrauber wegen eines akuten Anfalls ins Krankenhaus. Da wurde mit Cortison als Infusion und einem Notfallspray behandelt, was deutlich mehr Cortison enthält. Sie hat mit den drei Behandlungen die Cortisonmenge von ca 3 Jahren Dauermedikation bekommen.
Seit der Dauerbehandlung gab es keine akuten Anfälle mehr.

Die Diagnose lautete dann:
Die Familiensituation ist der Auslöser für das Asthma und wenn ich das Kind an die (damals 17jährige und vollkommen überforderte Mutter mit Junkiefreund) zurück gebe, wird das Asthma weg sein.
Der fehlende Vater ist die Ursache für die Neurodermitis.

Gekostet hat der Spaß 150€.

Ein mal und nie wieder.
Alaska
12665 Beiträge
07.11.2019 10:50
Ich hab Erfahrung, nachdem ich mich von meiner Schwiegerfamilie beim Kaffee bequatschen ließ. Die Heilpraktikerin wohnt direkt nebenan und wir sollen doch einfach kurz rübergehen, weil sie uns sicher schnell dazwischen schiebt.
Info am Rande: das ist DIE DIE DIE Heilpraktikerin der ganzen Umgebung. Die schwimmt inzwischen im Geld.
Mein Mann lässt sich von sowas leider bequatschen, ich halte von diesen Quacksalbern gar nichts.

Und so war es auch. Die schwere Wunde meines Sohnes (für die wir zu dem Zeitpunkt keine Erklärung hatten) wurde in der Kinderklinik stationär versorgt und wie eine Brandwunde behandelt. Dafür wurde er jeden Morgen sediert, damit er den Verbandswechsel nicht mitbekommt.
Wir sollten danach noch eine AB-Salbe drauf schmieren, bis die Wunde verschwunden ist.
Drei Tage nach dem Krankenhaus war der Kaffee bei den Schwiegerleuten.

Feststellung der Heilpraktikerin: die Imfpung von vor einem halben Jahr ist schuld! (Wie kann man sein Kind so vergiften?)
Behandlung: täglich drei Zuckerkügelchen und die AB-Salbe sofort absetzen, die vergiftet das Kind nur noch mehr.

Das war der Moment, an dem ich mich bedankt habe und aufgestanden bin. Es gehört bestraft, dass solche Menschen überhaupt in die Behandlung eines Arztes reinpfuschen dürfen.
Ich will mir gar nicht ausmalen, wie viele Eltern die ärztliche Behandlung auf Grund dieser Heilpraktikerin abbrechen und den Kindern einer Gefahr aussetzen, weil sie einem einreden, die Schulmedizin macht Kinder krank und haben nur den Profit im Auge (Heilpraktiker ja gar nicht, gaaaar nicht *ironie off).

Die Diagnose kam dann übrigens viel später: eine Streptokokken-Infektion. Und das bekam Max noch ein paar Mal und jedes Mal mussten wir schnell mit der Salbe eingreifen, weil man zusehen konnte, wie sich die Wunde vergrößert.

Ich wünschte mir wirklich ein Gesetz in Deutschland, das den Heilpraktikern ein für alle mal den Hahn abdreht.
Mamota
23435 Beiträge
07.11.2019 14:18
Ich halte den Begriff "Alternativmedizin" für völlig irreführend. Es ist ja nicht so, dass die Medizin ein grundsätzlich abgeschlossenes Konstrukt ohne Offenheit für Neues ist.
Es gibt riesige Forschungszweige in der Medizin und auch in der Pharmazie, die sich nur damit beschäftigen zu schauen, welche scheinbaren Erfolge von Alternativmethoden in Studien verifizierbar sind und welche nicht. Funktioniert etwas, wird es sich sofort von der evidenzbasierten Medizin (Schulmedizin ist ein so negativer Begriff, den mag ich nicht) zu eigen gemacht.
Was als Alternativmedizin oder gar Naturheilkunde heute verkauft wird, ist ganz oft nicht mit den Naturgesetzen vereinbar, schlüssig widerlegt oder hat sich in Studien einfach nicht bewährt. Natürlich ist meist gar nichts daran. Eine Aspirin oder Sinupret enthalten viel mehr Natur als jedes homöopathische Präparat. Es ist auch nichts Natürliches daran, mit Gelenken zu knacken, sich Nadeln irgendwo hinzustecken oder Chlorbleiche zu trinken.
Alternativmedizin ist zu 99,99% Blödsinn. Es macht auch nur dann Sinn, Alternativmedizin und evidenzbasierte Medizin zu koppeln, damit man für den Menschen wieder mehr Zeit hat. So eine homöopathische Anamnese dauert eine ganze Stunde. Hätte man diese Zeit als Arzt mal für etwas, was kein reiner Placebo ist, könnte man die Leute bestimmt besser gesund machen, als man das jetzt tut. Ansonsten fällt mir nicht der geringste Nutzen ein. Die Forschung von Edzard Ernst zu dem Thema finde ich sehr aufschlussreich. Oder das Buch von Natalie Grams.
Mauselle
14275 Beiträge
08.11.2019 15:26
Ich lese solche threads nur, um deine grandiosen Argumentationen mitzubekommen, Mamota
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