Mütter- und Schwangerenforum

Anpassung - wie weit darf/kann/muß das gehen?

19.03.2013 17:15
Hi,

ich stolper relativ oft über eine Frage, im kleineren oder größeren Kontext, die mich doch beschäftigt.

Eigentlich rühmen wir uns ja heutzutage gern dafür, besonders individuell zu sein ... alleine die Namenssuche in dem Forum läßt oft einen starken Rückschluß darauf zu, wie groß der Wunsch nach Individualität ist. Aber trotzdem finde ich doch immer wieder Punkte, wo von anderen Anpassung gefordert wird, wo ich mich frage, fordert man das gerade von der richtigen Seite ein.

Wenn jemand anders ist, sich anders gibt und das für diese Person aber stimmig ist, wieso wird dann Anpassung oft verlangt und dann auch noch darauf hingewiesen, was das Kind mal später deshalb zu erwarten hat? Da denke ich: moment .. wieso? Weil man selbst ne Schublade bedient? Wieso bringt man den anderen Kindern nicht entsprechend eine offenere Sichtweise bei? Wieso kümmert man sich nicht drum, daß solche Kinder eben nicht gemobbt werden, weil die potentiellen Mobber sozusagen wegfallen, sondern die anderen müssen sich anpassen an die Gesellschaft (man selbst bitte möchte aber schön individualistisch bleiben und möchte respektiert werden). Ja, ich weiß, es wird immer Leute geben, die andere unterdrücken wollen, aber mit so ner Diskussionsweise kommt man da nicht weiter. Und so Verweise an die Gesellschaft finde ich eh immer ... nun ja ... jeder von uns ist Bestandteil davon und tragen somit fein dazu bei. Aber es geht ja auch im kleineren Rahmen so: manche Menschen haben mit Dingen an ihrem Partner ein Problem. z.b. sind total eifersüchtig, aber die Erwartung ist dann nicht: oh, ich bin so eifersüchtig, ich arbeite an mir, sondern lieber Partner, ich bin eifersüchtig, also gib mir mal schön keinen Grund dafür. und wieder sind wir in einer Form von Anpassung, die aber meines Erachtens am "falschen" Ende eingefordert wird.

Und jetzt frage ich mich gerade, was ich damit will, außer das es mich beschäftigt:
Wann ist Anpassung notwendig und unerlässlich? Sollte das Vorhandensein von Kindern wirklich Grund sein, eigene Überzeugungen, Ansichten oder was auch immer nicht öffentlich zu leben, um dem Kind nicht zu schaden, nur weil andere mit der Überzeugung/Ansicht/Gesinnung was auch immer, nicht umgehen können? Wo ist ne Grenze? Ich möchte klarmachen, daß es mir hierbei um Dinge geht, die erstmal niemanden schaden. Also nicht im Sinne: jemand quält halt gern Tiere und möchte dafür Akzeptanz
Können wir eigentlich im Großen mit diesem ganzen Individualismus überhaupt umgehen, denn dieser fördert ja eigentlich die Unterschiedlichkeit/Andersartigkeit, was den Menschen aber ein höheres Akzeptanzpotential abverlangt? Ist es nicht auch einfach immer der einfache Weg von anderen die Anpassung zu erwarten, im kleinen (z.B. Partnerschaft) wie im größeren Zusammenhang? Haben nicht vielleicht mehr Leute auch psychische Probleme, weil sie bei all dem gepredigtem Individualismus (oder Diversifikation) glauben nicht ins Schema zu passen (Stichwort: Eßstörungen, aber auch z.B. Burn out, wo geleistet wird, weil man meint, daß dies die Erwartung ist)?

Nicht wirklich fertig gedacht (wie so oft ), aber vielleicht habt Ihr ja ein paar Gedanken dazu ...
19.03.2013 17:44
hab den text grad nur überflogen... da "eigentlich" keine zeit bzw. kein kopf...

aber naja... das hängt davon ab, was man selbst vom leben will, auch für seine kinder
hätte man mich mit 14 gefragt, hätte ich gesagt, dass man alles geben muss, damit wenigstens der Nachwuchs vor Mobbing verschont bleibt und sich angepasst einfügt. Zu der Zeit hatte ich praktisch alles versucht, um irgendwie dazuzugehören... ich war ich selbst, ich war jemand anders... ich habe mich angebiedert und ich war distanziert... nix.

jetzt, wo ich im nachhinein weiß, was ich alles aus dieser Zeit gelernt und mitgenommen habe... bin ich nicht mehr dieser Meinung. Individualität... sich selbst finden... ich so viel wichtiger, als in einer grauen Masse unauffällig unter zu gehen
Nicht falsch verstehen... ich tue vieles, dass mein Kind ohne Spottpotential auskommt... sorge dafür, dass ich gewicht verliere, dass unser Haus vorzeigbar und heil ist... dass wir gepflegt sind. Aber wir verbiegen uns nicht. Weder lässt mein mann sich die haare schneiden oder rasiert sich gleich komplett, nur weil die masse es so macht... noch ändern wir unseren musikgeschmack oder ähnliches... weil es nicht wir wären...
außerdem weiß ich inzwischen: selbst wenn kein spottpotential vorliegt... wenn das kind irgendwie anders ist als es die cliquen an der schule passt... wird es ohnehin gemobbt werden... es braucht nichtmal was besonderes dazu beitragen.
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