Rosenkrieg - Eine Geschichte von mir
17.12.2008 00:32
"Schämst du dich nicht?" Schrie Mama den Flur entlang. Sie schrie immer wenn sie sauer war. Eigentlich war sie immer sauer. Doch heute war es besonders schlimm. Es war ihr Geburtstag, verstehen konnte ich das alles nicht.
"Kondome? Ja, damit kenn ich mich ja nicht mehr aus, fragt da mal lieber meinen Mann!" Piepste meine Mutter hinter einem gequältem Lachen. Papa fragen? Mama war doch sterelisiert, was hat der mit Kondomen zu schaffen? Ich nippte an meiner Erdbeerbohle und schaute meiner Mama zu wie sie fast weinte vor lachen. Oder lachte sie, damit sie nicht weinen musste?
Der Geburtstag war komisch. Sehr komisch. Komischer als sonst. Ich räumte das Geschirr von der Terrasse in die Küche, alle waren gegangen, Mama kam müde in die Küche. Sie sah erschöpft und traurig aus. Ich stellte schnell das Geschirr in die Spülmaschine, ich hatte das Gefühl, dass ich nicht hier sein sollte.
Sie fing an zu weinen. So hatte ich Mama noch nie weinen gesehen. Ich habe sie oft weinen gesehen, sie hat ja auch oft mit Papa gestritten, oft wegen mir. Ich nahm sie in den Arm, sie umschlang mich. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Sie hasste es getröstet zu werden, sie hasste es schwach zu sein. Umso schlimmer war es für mich sie nun so zu sehen. Was sollte ich tun? Kann nicht nun einfach einer meiner Brüder runter kommen? Oder Papa hoch?
Papa... was hatte er getan... mir dämmerte es langsam... Nein das kann nicht sein!
"Mama?" meine Stimme zitterte. Ich wollte doch stark sein!
"Mama? Was ist passiert?" Sie stellte sich aufricht vor mich. Auf einmal sah sie so gar nicht mehr traurig aus. Zorn blitze aus ihren Augen, ich war völlig überfordert. Hab ich was falsches gesagt? Oh bitte, lass es ein normaler Streit sein. Bitte kommt Papa gleich hoch und sie schreihen sich an. Bitte sind sie sauer auf mich.
"Dein Vater ist fremd gegangen". Ich musste schlucken. Ich spürte meine Tränen, aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich stand einfach da. Ich weiß auch heut nicht mehr was genau sie sagt. Irgendwas mit, keiner solls sonst wissen, ich solls meinen Brüdern nicht sagen und sie gehe ins Bett, sie wäre müde.
"Ich muss mit euch reden!"
Mein Vater betrat das Zimmer. Ich schaute zu meinem kleinen Bruder, er lag auf dem Hochbett oben. Er durfte seit 3 Tagen dort schlafen, sonst hab ich oben geschlafen. Man könnt jetzt denken, was für eine nette Schwester, aber es war pures schlechte Gewissen. Ich hatte nichts gesagt.
Er nahm sich einen Stuhl, drehte hin verkehrt herum und setzte sich breitbeinig auf ihn rauf, verschrenkte die Arme auf der Lehne und schaute keinem von uns in die Augen.
Ich fing an zu weinen, fürchterlich an zu weinen, ich konnte es einfach nicht mehr halten. Ich spürte seinen Blick. Ich schaute zu ihm. Mein kleiner Bruder sah mich mit einem vorwurfsvollen, fragenden Blick an. Ich verstummte, ängstlichen wegen dem was gleich geschieht.
"Ich habe eure Mutter betrogen, 1 1/2 Jahre lang und wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir uns nach dem Frankreich Urlaub trennen. "
Der Rest war egal, alles war egal. In diesem Augenblick gab es nur noch meinen Bruder und mich. Meinen schreienden, weinenden Bruder. Mein kleiner Bruder. Ich stürzte zu ihm, nahm ihn in den Arm. Ich musste stark sein. Er haute und tritt Stunden lang, so kam es mir vor. Ich fühlte nichts, ich war einfach da.
Mein Vater ging, er weinte, doch das war mir egal, meinem Bruder war es egal, ich glaub er sah es nicht mal.
Es gab essen. Wir aßen nichts.
Bald kam der Urlaub, oder wie man das nannte. Meinen Vater kannte ich nicht mehr, wer war das? Eine leere Hülle, mit leeren Versprechungen und leeren Sprüchen. Ich kümmerte mich um mein Bruder. Meine Mutter machte eh ihr Ding, dieses Ding hieß Wut, Verachtung und Hassliebe. Mein Bruder bekam eine Backpfeife.
Ich ging mit ihm an den Bach. Wir suchten uns Stöcker wo sich Libellen drauf setzten, oft verjagte er sie. Doch das war OK, irgendwohin mussten auch seine Gefühle.
Er bekam wieder eine Backpfeife.
Wir gingen zelten im Garten, im Haus konnten wir nicht schlafen, wir spielten bis tief in die Nacht.
"Wenn du auf der Seite von deinem Vater bist, kannste zu ihm ziehen nach der Trennung oder du gehst ins Heim!!!"
Wieder war sie sauer, so sauer war sie oft seit ihrem Geburtstag, auch jetzt im Urlaub. Ich hatte versucht ihr gut zuzureden, gefiel ihr anscheint nicht. Ich hatte versucht den Streit zu schlichten, gefiel beiden nicht.
Mein Bruder bekam ne Backpfeife.
Ich ging alleine zum Bach. Einen Moment für mich. Dachte ich. Doch eigentlich dachte ich nur an meinen Bruder, ich war jetzt nicht da. Wie der Streit wohl weiter ging? Ob er noch frecher wurde? Hat er noch eine Backpfeife bekommen, diesmal von Papa?
Noch 3 Tage dann fahren wir nach Hause, endlich. Tagebuch schreiben kann ich nur, wenn ich alleine bin. Mama will lesen was ich schreibe, will wissen auf welcher Seite ich bin. Ich sage nichts. Manchmal zu viel, dann droht sie mir mit Heim.
"Hallo Mama!
Ich weiß es ist dein Geburtstag und es ist unmöglich von mir, aber ich gehe weg. Ich kann nicht mehr! Das alles zu Hause macht mich kaputt, ich gehe ins Mädchenhaus.
Ich liebe dich!
Deine Melanie"
Ich legte den Zettel auf den Schreibtisch. Wann sie wohl merken wird, dass ich nicht mehr da bin? Wann sie wohl den Zettel findet? Ich sag besorgt meine Freundin an, die mich dazu gebracht hatte im Mädchenhaus anzurufen. Dort erzählt ich wie es war, seitdem Papa ausgezogen ist. Sie sagten, sie könnten sich sofort mit mir treffen und ich könnte sofort einziehen.
Tue ich das Richtige? Auf dem Weg zum Bus bekam ich Angst. Was ist wenn sie Papa anruft? Er wird sauer, er wird ausrasten. Wenn er mich findet, was tu ich dann? Ich wollte zurück, aber meine Freundin schob mich in den Bus.
"Hallo Frau S.! Schön, dass sie gekommen sind zu diesem Jugendamttermin! Es geht um ihre Tochter Melanie, die nun seit 2 Monaten im Mädchenhaus ist. Sie hat uns offengelegt, dass sie in eine WG möchte, was sagen sie dazu?"
Mama weinte, so traurig hatte ich sie lange nicht gesehen. Sie vermisst mich und will alles ändern sagt sie. Mein eigenes Zimmer soll es geben. Keine Vorwürfe mehr. Mehr Unterstützung. Ich weinte mit ihr. Ich vermiss meine Mama doch und eigentlich, so wusste ich, will ich noch gar nicht weg von ihr.
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Davon gibt es noch eine Fortsetzung, weiß aber nicht ob es jemanden interessiert und würde den Rest dann die Tage reinstellen
"Kondome? Ja, damit kenn ich mich ja nicht mehr aus, fragt da mal lieber meinen Mann!" Piepste meine Mutter hinter einem gequältem Lachen. Papa fragen? Mama war doch sterelisiert, was hat der mit Kondomen zu schaffen? Ich nippte an meiner Erdbeerbohle und schaute meiner Mama zu wie sie fast weinte vor lachen. Oder lachte sie, damit sie nicht weinen musste?
Der Geburtstag war komisch. Sehr komisch. Komischer als sonst. Ich räumte das Geschirr von der Terrasse in die Küche, alle waren gegangen, Mama kam müde in die Küche. Sie sah erschöpft und traurig aus. Ich stellte schnell das Geschirr in die Spülmaschine, ich hatte das Gefühl, dass ich nicht hier sein sollte.
Sie fing an zu weinen. So hatte ich Mama noch nie weinen gesehen. Ich habe sie oft weinen gesehen, sie hat ja auch oft mit Papa gestritten, oft wegen mir. Ich nahm sie in den Arm, sie umschlang mich. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Sie hasste es getröstet zu werden, sie hasste es schwach zu sein. Umso schlimmer war es für mich sie nun so zu sehen. Was sollte ich tun? Kann nicht nun einfach einer meiner Brüder runter kommen? Oder Papa hoch?
Papa... was hatte er getan... mir dämmerte es langsam... Nein das kann nicht sein!
"Mama?" meine Stimme zitterte. Ich wollte doch stark sein!
"Mama? Was ist passiert?" Sie stellte sich aufricht vor mich. Auf einmal sah sie so gar nicht mehr traurig aus. Zorn blitze aus ihren Augen, ich war völlig überfordert. Hab ich was falsches gesagt? Oh bitte, lass es ein normaler Streit sein. Bitte kommt Papa gleich hoch und sie schreihen sich an. Bitte sind sie sauer auf mich.
"Dein Vater ist fremd gegangen". Ich musste schlucken. Ich spürte meine Tränen, aber ich konnte mich nicht bewegen. Ich stand einfach da. Ich weiß auch heut nicht mehr was genau sie sagt. Irgendwas mit, keiner solls sonst wissen, ich solls meinen Brüdern nicht sagen und sie gehe ins Bett, sie wäre müde.
"Ich muss mit euch reden!"
Mein Vater betrat das Zimmer. Ich schaute zu meinem kleinen Bruder, er lag auf dem Hochbett oben. Er durfte seit 3 Tagen dort schlafen, sonst hab ich oben geschlafen. Man könnt jetzt denken, was für eine nette Schwester, aber es war pures schlechte Gewissen. Ich hatte nichts gesagt.
Er nahm sich einen Stuhl, drehte hin verkehrt herum und setzte sich breitbeinig auf ihn rauf, verschrenkte die Arme auf der Lehne und schaute keinem von uns in die Augen.
Ich fing an zu weinen, fürchterlich an zu weinen, ich konnte es einfach nicht mehr halten. Ich spürte seinen Blick. Ich schaute zu ihm. Mein kleiner Bruder sah mich mit einem vorwurfsvollen, fragenden Blick an. Ich verstummte, ängstlichen wegen dem was gleich geschieht.
"Ich habe eure Mutter betrogen, 1 1/2 Jahre lang und wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir uns nach dem Frankreich Urlaub trennen. "
Der Rest war egal, alles war egal. In diesem Augenblick gab es nur noch meinen Bruder und mich. Meinen schreienden, weinenden Bruder. Mein kleiner Bruder. Ich stürzte zu ihm, nahm ihn in den Arm. Ich musste stark sein. Er haute und tritt Stunden lang, so kam es mir vor. Ich fühlte nichts, ich war einfach da.
Mein Vater ging, er weinte, doch das war mir egal, meinem Bruder war es egal, ich glaub er sah es nicht mal.
Es gab essen. Wir aßen nichts.
Bald kam der Urlaub, oder wie man das nannte. Meinen Vater kannte ich nicht mehr, wer war das? Eine leere Hülle, mit leeren Versprechungen und leeren Sprüchen. Ich kümmerte mich um mein Bruder. Meine Mutter machte eh ihr Ding, dieses Ding hieß Wut, Verachtung und Hassliebe. Mein Bruder bekam eine Backpfeife.
Ich ging mit ihm an den Bach. Wir suchten uns Stöcker wo sich Libellen drauf setzten, oft verjagte er sie. Doch das war OK, irgendwohin mussten auch seine Gefühle.
Er bekam wieder eine Backpfeife.
Wir gingen zelten im Garten, im Haus konnten wir nicht schlafen, wir spielten bis tief in die Nacht.
"Wenn du auf der Seite von deinem Vater bist, kannste zu ihm ziehen nach der Trennung oder du gehst ins Heim!!!"
Wieder war sie sauer, so sauer war sie oft seit ihrem Geburtstag, auch jetzt im Urlaub. Ich hatte versucht ihr gut zuzureden, gefiel ihr anscheint nicht. Ich hatte versucht den Streit zu schlichten, gefiel beiden nicht.
Mein Bruder bekam ne Backpfeife.
Ich ging alleine zum Bach. Einen Moment für mich. Dachte ich. Doch eigentlich dachte ich nur an meinen Bruder, ich war jetzt nicht da. Wie der Streit wohl weiter ging? Ob er noch frecher wurde? Hat er noch eine Backpfeife bekommen, diesmal von Papa?
Noch 3 Tage dann fahren wir nach Hause, endlich. Tagebuch schreiben kann ich nur, wenn ich alleine bin. Mama will lesen was ich schreibe, will wissen auf welcher Seite ich bin. Ich sage nichts. Manchmal zu viel, dann droht sie mir mit Heim.
"Hallo Mama!
Ich weiß es ist dein Geburtstag und es ist unmöglich von mir, aber ich gehe weg. Ich kann nicht mehr! Das alles zu Hause macht mich kaputt, ich gehe ins Mädchenhaus.
Ich liebe dich!
Deine Melanie"
Ich legte den Zettel auf den Schreibtisch. Wann sie wohl merken wird, dass ich nicht mehr da bin? Wann sie wohl den Zettel findet? Ich sag besorgt meine Freundin an, die mich dazu gebracht hatte im Mädchenhaus anzurufen. Dort erzählt ich wie es war, seitdem Papa ausgezogen ist. Sie sagten, sie könnten sich sofort mit mir treffen und ich könnte sofort einziehen.
Tue ich das Richtige? Auf dem Weg zum Bus bekam ich Angst. Was ist wenn sie Papa anruft? Er wird sauer, er wird ausrasten. Wenn er mich findet, was tu ich dann? Ich wollte zurück, aber meine Freundin schob mich in den Bus.
"Hallo Frau S.! Schön, dass sie gekommen sind zu diesem Jugendamttermin! Es geht um ihre Tochter Melanie, die nun seit 2 Monaten im Mädchenhaus ist. Sie hat uns offengelegt, dass sie in eine WG möchte, was sagen sie dazu?"
Mama weinte, so traurig hatte ich sie lange nicht gesehen. Sie vermisst mich und will alles ändern sagt sie. Mein eigenes Zimmer soll es geben. Keine Vorwürfe mehr. Mehr Unterstützung. Ich weinte mit ihr. Ich vermiss meine Mama doch und eigentlich, so wusste ich, will ich noch gar nicht weg von ihr.
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Davon gibt es noch eine Fortsetzung, weiß aber nicht ob es jemanden interessiert und würde den Rest dann die Tage reinstellen
17.12.2008 01:10
Wie traurig.
Wie alt warst du da, als das passiert ist?
Hört sich sehr traurig an und man fühlt beim lesen die trauer, die von der Schreiberin aus kommt. Ich kenne diese Art von Wut selbst, weil ich sie am eigenen Leib erfahren musste. Damals wusste ich nicht, warum es so war, aber heute weiss ich es und verstehe es. Aber es ist kein Grund, diese Wut auf die Kinder zu richten.
Wie alt warst du da, als das passiert ist?
Hört sich sehr traurig an und man fühlt beim lesen die trauer, die von der Schreiberin aus kommt. Ich kenne diese Art von Wut selbst, weil ich sie am eigenen Leib erfahren musste. Damals wusste ich nicht, warum es so war, aber heute weiss ich es und verstehe es. Aber es ist kein Grund, diese Wut auf die Kinder zu richten.
17.12.2008 01:20
Ich finde es einfach nur traurig sowas... das tut mir echt leid!!!
aber ich muss auch sagen dass du total gut schreiben kannst,...
wie ne schriftstellerin
aber ich muss auch sagen dass du total gut schreiben kannst,...
wie ne schriftstellerin
17.12.2008 02:22
Echt schön geschrieben auch wenn die Geschichte sehr traurig ist.
17.12.2008 02:32
Ich finde es auch traurig,das die Eltern die Kinder mit reinziehen.
man hätte das untersich ausmachen sollen ...
man hätte das untersich ausmachen sollen ...
17.12.2008 08:42
Danke ihr Lieben
Vorallem das mit der Schriftstellerin hat mir sehr geschmeichelt
Ich hab das ganze schon ziemlich gut verarbeitet, so gut wie sowas halt geht. Ich war damals 12, als ich ins Mädchenhaus ging war ich 13 und die Jüngste dort!
Ich stell die Tage mal den nächsten Teil rein
Danke Shaya, lieb von dir
Vorallem das mit der Schriftstellerin hat mir sehr geschmeichelt
Ich hab das ganze schon ziemlich gut verarbeitet, so gut wie sowas halt geht. Ich war damals 12, als ich ins Mädchenhaus ging war ich 13 und die Jüngste dort!
Ich stell die Tage mal den nächsten Teil rein
Danke Shaya, lieb von dir
17.12.2008 08:52
ne schlimme geschichte aber sehr gut geschrieben lass dich mal drücken
18.12.2008 14:55
"Und wusstet ihr eigentlich, dass Melanie Angst vor ihrem Vater hat? Und ihre Mutter zu viel trinkt?" Ich stand mit aufgerissenen Augen in der Klassentür. "WAS TUT IHR DA???" Mehr viel mir zu dieser Situatuion nicht ein. Meine zwei besten Freundinnen saßen mit unserem Freundschaftsbuch auf dem Lehrerpult und abwechselnd lasen sie den anderen private Dinge von mir vor. "Ach du kommst auch mal wieder zur Schule? Das konnten wir ja nicht wissen!" Sie grinsten nur, die Arroganz und Überheblichkeit konnte man in ihren Augen lesen. Mein Ex-Freund saß direkt in der ersten Reihe und lachte laut mit seinem besten Freund.
"Was soll das? Ich habe euch das anvertraut!" Sobald ich es gesagt hatte, bereute ich es schon wieder, darauf konnte keine gute Reaktion kommen." Die beiden schauten sich an und sagten nur: "Ja und?" und Becci warf das Freundschaftsbuch in den Müll. Mein Ex-Freund ging zu den beiden und flüsterte etwas. In dem Moment hätte ich verschwinden sollen. Sie kamen beide auf mich zu, mit einem Grinsen, das ich kaum einschätzen konnte, was Gutes bedeutete es aber bestimmt nicht!
"So ne Schwänzerin und fette Kuh wie dich, wollen wir hier nicht haben!" und spuckten mich gleichzeitig an.
Weinend rannte ich auf die Mädchentoilette, voller Scham weil ich mich schwach zeigte. Auch wenn das vielleicht jedes Mädchen getan hätte. Ohne Rücksicht, ob ich Ärger kriegen könnte, holte ich eine Zigarette raus.
Ich wartete ab bis es gongte und schaute ob die Klassentür zu ist. Sie war zu. Ich ging nach Hause.
Kalt ist es geworden. Ich sitze auf dem Spielplatz und habe mir einen Platz gesucht, wo ich mich in Ruhe mit meinem Buch hinsetzen konnte. Es fängt an zu schneien. Es ist endlich Winter, bald hab ich Geburtstag. Zur Schule ging ich nur noch selten. Was sollte ich auch da? Ich zeichnete die Holzlokomotive, die zum spielen aufgestellt war. Jetzt hätte ich eigentlich Deutsch, mein Lieblingsfach.
Ich kniete vor meiner Mutter, so viel geweint hatte ich noch nie, hab ich das Gefühl, doch meine Mutter blieb hart. "Du hast schon wieder geschwänzt, ich weiß nicht mehr was ich mit dir machen soll! Du gehst zu deinem Vater, Heiligabend kannst du wieder nach Hause kommen!"
Das sind 3 Wochen. 3 Wochen bei meinem Vater, das schlimmste was ich mir vorstellen konnte! Ich schrie, bettelte, weinte, machte wilde Versprechungen, hauptsache ich muss nicht zu meinem Vater.
Doch Mama drehte sich zum PC, trank aus ihrem Glas Sekt und tat so, als ob sie das eiskalt lassen würde.
Es klingelte an der Tür, ich hatte Papa schon aus dem Fenster gesehen wie er kam. Ich war völlig verheult, doch ich hatte meine Tasche trotzdem gepackt. Ich sagte kein Wort, als wir gingen. Ich will nicht dort bleiben, wo ich ganz offensichtlich unerwünscht bin.
Wo ist der Schlüssel? Er musste doch irgendwo sein! Ich wollte bloß noch weg bei meinem Vater, eine Woche war nun vergangen und es war noch schlimmer als ich dachte. Papa hatte die Haustür abgeschlossen und war grad duschen, ich hatte aber nicht gesehen wo er den Schlüssel hingelegt hat. Wo ist der bloß?
"Sei vorsichtig wie du mit mir redest, ich kann dich so schlagen, dass es niemand sieht!" Hatte er gesagt, ich habe daraufhin gar nichts mehr gesagt. Geweint habe ich, wie so oft, früh schlafen gegangen bin ich, wärend er Tatort angeschaut hat. Ich linste in das Badezimmer, da war er, genau neben der Badewanne, da komm ich nicht ran. Wieder ging ich weinen.
Fortsetzung folgt...
"Was soll das? Ich habe euch das anvertraut!" Sobald ich es gesagt hatte, bereute ich es schon wieder, darauf konnte keine gute Reaktion kommen." Die beiden schauten sich an und sagten nur: "Ja und?" und Becci warf das Freundschaftsbuch in den Müll. Mein Ex-Freund ging zu den beiden und flüsterte etwas. In dem Moment hätte ich verschwinden sollen. Sie kamen beide auf mich zu, mit einem Grinsen, das ich kaum einschätzen konnte, was Gutes bedeutete es aber bestimmt nicht!
"So ne Schwänzerin und fette Kuh wie dich, wollen wir hier nicht haben!" und spuckten mich gleichzeitig an.
Weinend rannte ich auf die Mädchentoilette, voller Scham weil ich mich schwach zeigte. Auch wenn das vielleicht jedes Mädchen getan hätte. Ohne Rücksicht, ob ich Ärger kriegen könnte, holte ich eine Zigarette raus.
Ich wartete ab bis es gongte und schaute ob die Klassentür zu ist. Sie war zu. Ich ging nach Hause.
Kalt ist es geworden. Ich sitze auf dem Spielplatz und habe mir einen Platz gesucht, wo ich mich in Ruhe mit meinem Buch hinsetzen konnte. Es fängt an zu schneien. Es ist endlich Winter, bald hab ich Geburtstag. Zur Schule ging ich nur noch selten. Was sollte ich auch da? Ich zeichnete die Holzlokomotive, die zum spielen aufgestellt war. Jetzt hätte ich eigentlich Deutsch, mein Lieblingsfach.
Ich kniete vor meiner Mutter, so viel geweint hatte ich noch nie, hab ich das Gefühl, doch meine Mutter blieb hart. "Du hast schon wieder geschwänzt, ich weiß nicht mehr was ich mit dir machen soll! Du gehst zu deinem Vater, Heiligabend kannst du wieder nach Hause kommen!"
Das sind 3 Wochen. 3 Wochen bei meinem Vater, das schlimmste was ich mir vorstellen konnte! Ich schrie, bettelte, weinte, machte wilde Versprechungen, hauptsache ich muss nicht zu meinem Vater.
Doch Mama drehte sich zum PC, trank aus ihrem Glas Sekt und tat so, als ob sie das eiskalt lassen würde.
Es klingelte an der Tür, ich hatte Papa schon aus dem Fenster gesehen wie er kam. Ich war völlig verheult, doch ich hatte meine Tasche trotzdem gepackt. Ich sagte kein Wort, als wir gingen. Ich will nicht dort bleiben, wo ich ganz offensichtlich unerwünscht bin.
Wo ist der Schlüssel? Er musste doch irgendwo sein! Ich wollte bloß noch weg bei meinem Vater, eine Woche war nun vergangen und es war noch schlimmer als ich dachte. Papa hatte die Haustür abgeschlossen und war grad duschen, ich hatte aber nicht gesehen wo er den Schlüssel hingelegt hat. Wo ist der bloß?
"Sei vorsichtig wie du mit mir redest, ich kann dich so schlagen, dass es niemand sieht!" Hatte er gesagt, ich habe daraufhin gar nichts mehr gesagt. Geweint habe ich, wie so oft, früh schlafen gegangen bin ich, wärend er Tatort angeschaut hat. Ich linste in das Badezimmer, da war er, genau neben der Badewanne, da komm ich nicht ran. Wieder ging ich weinen.
Fortsetzung folgt...
18.12.2008 19:06
Er ist verheiratet sagte sie, die Wörter hallten in meinem Kopf, aber so richtig verstehen konnte ich es nicht. Meine Mutter lächelte, sie war verliebt. Er ist verheiratet. Sie ist verliebt in einen verheirateten Mann. Sie schlief mit einem verheirateten Mann. Jetzt verstand ich es.
"DU SCHL*MPE" rief ich ihr voller Hass zu und rannte hoch ins Esszimmer, wo ich direkt zwei mal eine gelangt bekam von meinen großen Brüdern. "Was hast du da grad zu Mama gesagt? Spinnst du?" Ich dachte nur, ist doch wahr. Kein Deut besser als Papa. Genauso verlogen wie Papa. Ihre Werte, sich selbst weggeschmissen, wegen einem anderen Mann. Der verheiratet ist. Ich rannte in mein Zimmer, knallte die Tür und legte mich in mein Bett. Ich weinte die ganze Nacht.
Sitzen geblieben. Ich starrte das Zeugnis in meiner Hand an. Wie soll ich jetzt nach Hause gekommen? Wird doch eh wieder nur gemeckert. Vielleicht krieg ich diesmal auch eine Ohrfeige. Oh Gott und wenn ich an meine Brüder denke. Da muss ich wohl durch, egal wann ich nach Hause komme, es gibt sowieso Ärger.
Mama sagte kein Wort, sah sich das Zeugnis an, gab es mir wieder. Kein Wort. "Mama sag doch was." "Was soll ich dazu sagen?" Sie schaute wieder auf den PC, nahm wie immer ein Schluck Sekt. Spät am Abend sah ich den Whisky an ihrem Tisch, fast leer und Tränen in ihrem Gesicht. Ich habe sie enttäuscht, sehr sogar.
Ich ging auf mein Zimmer, mit einem Apfel und einem Messer in der Hand, ich musste noch was essen. Auf dem Zimmer weinte ich fürchterlich, das tat mir alles so leid, nicht wegen mir, mir war es in dem Moment ziemlich egal ob ich sitzen geblieben bin. Aber Mama... ich habe Mama enttäuscht, ihre einzige Tochter, eine Versagerin. Ohne wirklich darüber nachzudenken, schnitt ich mir in den Arm. Nicht tief genug. Ich sah zum Messer, ob es nicht scharf genug war? Ich schlich mich in die Küche und holte das gute Obstmesser von Mama und schlich mich wieder in mein Zimmer.
Ich setzte mich aufs Bett. Wieder schnitt ich mir in den Arm, diesmal lief Blut. Ich lächelte, es tat gut, ich hörte auf zu weinen. Ich schnitt mir wieder in dem Arm und wieder und wieder. Plötzlich klopfte es an der Tür. Ich versteckte meinen Arm und das Messer. Mein Bruder hatte nur gefragt was mit seiner Cola passiert war, die im Kühlschrank war.
Als die Tür wieder zu war, sah ich meinen Arm und konnte kaum glauben was ich dort getan habe. Ich suchte schnell einen Verband. Hoffentlich bemerkt es niemand.
Es wurde zu Routine mir selbst weh zu tun, wie es Routine war zu schwänzen, auch im neuen Schuljahr.
"Du wirst auf dem Strich landen und irgendwann tot in der Gosse liegen!" Brüllte mein Vater, knallte meine Zimmertür zu und ging gleich ins Zimmer meiner Mutter um dort weiter zu schreien. Mama hatte Papa geholt, sie redet nicht mehr mit mir, sie schaut mich nicht mal mehr an. Das ist seit Wochen so, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Diesmal geht es wieder ums schwänzen. Wie es aussieht, schaffe ich auch dieses Schuljahr nicht. Außerdem stört es meine Mutter, dass ich mit 14 jedes Wochenende betrunken nach Hause komme, sagen tut sie aber nichts. Papa sagt auch nichts, nein, er brüllt lieber.
Ich wartete bis Papa mit lautem Abgang, die Wohnung verließ. Ich wusste, Mama kommt sowieso nicht in mein Zimmer, also suchte ich mein Zimmer.
Die Schnitte waren längst aufgefallen, es wurde kurz gefragt was das war. Ich hatte gesagt es wäre nichts, es geht sie nichts an. Seitdem lassen sie mich damit in Ruhe. Aber andere Leute sehen es auch. Die ersten Schnitte sind inzwischen Narben. Ich habe am Oberschenkel weiter gemacht, damit sie denken es hat aufgehört.
Es musste etwas getan werden, da waren wir uns alle einig. Mama und Papa sitzen vor mir, ich hoffe ich krieg den Mund auf. Mama scheint wie abwesend, Papa saß breitbeinig und arrogant auf seinem Stuhl.
"Ich möchte eine Therapie machen." Sie waren beide überrascht. Ich hatte Angst sie nehmen mich nicht ernst, ich hatte Angst sie sagen, du brauchst doch gar keine Therapie, du tust doch nur so.
Das war nämlich der Lieblingssatz von meinem Vater wenn ich weinte.
Weihnachten fiel dieses Jahr sehr bescheiden aus. Mein Vater bezahlt zu wenig Unterhalt, Mama findet keine Arbeit. Wir hatten kein Geld für einen Weihnachtsbaum oder große Geschenke, dafür kocht Mama wie immer. Kino morgen bezahlt mein Bruder, als Geschenk für uns alle, damit wir die Tradition einhalten können. Mama hat aufgehört zu rauchen, sie trinkt auch nicht mehr, damit wir wenigstens Taschengeld bekommen. Der Kühlschrank ist sehr leer, außer Wasser gibts nichts zu trinken und hauptsächlich werden Lebensmittel gekauft, die fast abgelaufen sind.
Man gewöhnt sich an alles und wir halten zusammen, das wird schon wieder!
"Übermorgen ist ein Platz in unserer Einrichtung für Sie frei, dann können Sie hier einziehen. Bitte seien Sie mit ihren Eltern um 10 Uhr da" 5 Monate waren vergangen, das Halbjahreszeugnis war katastrophal und nun die Nachricht, übermorgen ist ein Platz frei, übermorgen beginnt meine Therapie. Auf einmal bekam ich panische Angst. Wusste nicht mehr, ob ich das alles so wollte. Ich erzählte Mama und Papa alles, für sie war das alles auch sehr schnell.Doch sie sagten beide zu mitzukommen.
Das Zimmer war weiß, die Betreuer OK, aber meine Zimmerpartnerin eine absolute Katastrophe! Ich musste meine Schere, mein Messer, meine Rasierer, meine Nagelpfeile abgeben und fühlte mich vorallem bei dem Messer gar nicht wohl. Sie hatten es leider gefunden, auch gut versteckt.
Um 8 Uhr Frühstück, halbe Stunde Ausgang, dann Schule oder Therapie. Mittagessen, halbe Stunde Pause, dann Therapieen oder Gruppenarbeiten. Abendessen, halbe stunde Ausgang. Dann durften wir Fernseh gucken und um 22 Uhr war Bettzeit. Strenger Plan. Ich schaff das schon.
"Wenn du die restlichen 3 Wochen zur Schule gehst, dann nehm ich dich in die 9. Klasse mit und du bleibst auf der Realschule." Ich strahlte über das ganze Gesicht, meine Lehrerin, die mir zu der Therapie geraten hatte, will mich tatsächlich in das nächste Schuljahr kommen lassen. Sie sah meine Vortschritte. Sie sah, dass ich selbstbewusster war, dass ich mich nicht mehr doof fühlte. Dafür war ein IQ-Test nötig den ich in der Klinik machen durfte. Mit 132 gelte ich als Hochbegabt. Richtig realisiert hab ich das aber nicht.
"Dann spürt sie ja wieder keine Konsequenzen, so lernt die nie draus" hörte ich nur von meinem Vater. Mein Lächeln war abrupt verschwunden. Meine Mutter legte ihren Arm um meine Schultern.
"Sie schafft das, ich glaub an sie!" Mama war für mich da, endlich waren wir wieder ein Team.
"Die Therapie muss noch weiter geführt werden, noch mindestens 3 Monate." Ich brach in Tränen aus und rannte auf die Toilette, knallte auf dem Weg ungefähr 3 Türen zu. 3 Monate? Ich will weg hier! Mir geht es gut, ich war die ganzen 3 Wochen in der Schule, ich habe mich an alle Vorschriften gehalten. Ich will nach Hause!
Meine Mutter klopfte an die Tür. Versuchte mir gut zuzureden. Sie versprach mir, ich muss nur noch einen Monat bleiben.
Nach einer halben Stunde kam ich raus. Sagte aber kein Wort, bis meine Eltern weg waren. Mit der Therapeutin lief es ab da sehr schlecht. Sie hatte mein Vertrauen verloren und glaubte nicht mehr an ihre Menschenkenntnis. Wütend und traurig packte ich meine Tasche wieder aus.
Ich bekam mein Zeugnis. 144 Fehltage, mein Zeugnis durchgestrichen. Doch das war alles egal, ab jetzt hieß es Neuanfang!
Doch das ganze Ehe-Drama meiner Eltern prägte mich weiter. Die Therapie hatte ich zu früh abgebrochen. Ich hatte Verlust-Ängste und es hielt keine Beziehung wirklich lange. Die Schule lief gut, sogar sehr gut. Meinen Abschluss machte ich 2006 mit einem Durchschnitt von 2,2.
"Ich sehe eine Fruchthöhle und einen kleinen weißen Punkt, Frau K. sie sind schwanger." Stumm saß ich da. "Sie können sich wieder anziehen" Stumm tat ich das. Der Schwangerschaftstest war schon positiv. Trotzdem war ich hier drauf nicht vorbereitet. Meine Freundin sah mich mit offenem Mund an. Ich schüttelte den Kopf. "Das kann nicht sein" mehr brachte ich nicht raus.
Meine Frauenärztin fragte mich nach dem Vater. "Wir sind noch ein Paar." Sie fragt was ich grade tat, was er grade macht. Ich sagte ihr, dass ich dabei war mein Abitur zu machen und er seit einem Monat einen Aushilfsjob hat.
Sie fuchtelte gleich mit Bronchüren für Abtreibung vor mir herum. Sagte dies und das und auf einmal fing ich an zu weinen. Ich konnte doch gar nicht schwanger sein. Wir haben verhütet. Ich sah alles, was ich mir wieder aufgebaut hatte zu Grunde gehen. Meine Freundin nahm mich in den Arm. "Wenn sie sich doch für das Kind entscheiden sollten, dann freue ich mich auf ein Wiedersehen!" Vor dem Arztgebäude sah ich meine Freundin an. "Ich muss zu meiner Mama!" Ich war grad mal vor 2 Monaten ausgezogen, seitdem lief alles perfekt in meinem Leben. 32 Stunden Schule, 15-20 Stunden putzen in einer Discothek, genug Geld für mich und ich habe endlich meinen Traummann gefunden. Oder hatte ihn gefunden. Was wird er wohl nun sagen? Und Mama? Und Papa? Das wird ein einziges Chaos.
"Mama ich muss mit dir reden!" war gleich mein erster Satz. "Du bist schwanger!" War gleich ihr erster Satz. Sie hätte damit schon vor Jahren gerechnet, dass ich "erst" mit 18 schwanger geworden bin, ist schon ein halbes Wunder. "Wir schaffen das schon, fürs Abtreiben bist du zu sensibel."
Fortsetzung folgt...
"DU SCHL*MPE" rief ich ihr voller Hass zu und rannte hoch ins Esszimmer, wo ich direkt zwei mal eine gelangt bekam von meinen großen Brüdern. "Was hast du da grad zu Mama gesagt? Spinnst du?" Ich dachte nur, ist doch wahr. Kein Deut besser als Papa. Genauso verlogen wie Papa. Ihre Werte, sich selbst weggeschmissen, wegen einem anderen Mann. Der verheiratet ist. Ich rannte in mein Zimmer, knallte die Tür und legte mich in mein Bett. Ich weinte die ganze Nacht.
Sitzen geblieben. Ich starrte das Zeugnis in meiner Hand an. Wie soll ich jetzt nach Hause gekommen? Wird doch eh wieder nur gemeckert. Vielleicht krieg ich diesmal auch eine Ohrfeige. Oh Gott und wenn ich an meine Brüder denke. Da muss ich wohl durch, egal wann ich nach Hause komme, es gibt sowieso Ärger.
Mama sagte kein Wort, sah sich das Zeugnis an, gab es mir wieder. Kein Wort. "Mama sag doch was." "Was soll ich dazu sagen?" Sie schaute wieder auf den PC, nahm wie immer ein Schluck Sekt. Spät am Abend sah ich den Whisky an ihrem Tisch, fast leer und Tränen in ihrem Gesicht. Ich habe sie enttäuscht, sehr sogar.
Ich ging auf mein Zimmer, mit einem Apfel und einem Messer in der Hand, ich musste noch was essen. Auf dem Zimmer weinte ich fürchterlich, das tat mir alles so leid, nicht wegen mir, mir war es in dem Moment ziemlich egal ob ich sitzen geblieben bin. Aber Mama... ich habe Mama enttäuscht, ihre einzige Tochter, eine Versagerin. Ohne wirklich darüber nachzudenken, schnitt ich mir in den Arm. Nicht tief genug. Ich sah zum Messer, ob es nicht scharf genug war? Ich schlich mich in die Küche und holte das gute Obstmesser von Mama und schlich mich wieder in mein Zimmer.
Ich setzte mich aufs Bett. Wieder schnitt ich mir in den Arm, diesmal lief Blut. Ich lächelte, es tat gut, ich hörte auf zu weinen. Ich schnitt mir wieder in dem Arm und wieder und wieder. Plötzlich klopfte es an der Tür. Ich versteckte meinen Arm und das Messer. Mein Bruder hatte nur gefragt was mit seiner Cola passiert war, die im Kühlschrank war.
Als die Tür wieder zu war, sah ich meinen Arm und konnte kaum glauben was ich dort getan habe. Ich suchte schnell einen Verband. Hoffentlich bemerkt es niemand.
Es wurde zu Routine mir selbst weh zu tun, wie es Routine war zu schwänzen, auch im neuen Schuljahr.
"Du wirst auf dem Strich landen und irgendwann tot in der Gosse liegen!" Brüllte mein Vater, knallte meine Zimmertür zu und ging gleich ins Zimmer meiner Mutter um dort weiter zu schreien. Mama hatte Papa geholt, sie redet nicht mehr mit mir, sie schaut mich nicht mal mehr an. Das ist seit Wochen so, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Diesmal geht es wieder ums schwänzen. Wie es aussieht, schaffe ich auch dieses Schuljahr nicht. Außerdem stört es meine Mutter, dass ich mit 14 jedes Wochenende betrunken nach Hause komme, sagen tut sie aber nichts. Papa sagt auch nichts, nein, er brüllt lieber.
Ich wartete bis Papa mit lautem Abgang, die Wohnung verließ. Ich wusste, Mama kommt sowieso nicht in mein Zimmer, also suchte ich mein Zimmer.
Die Schnitte waren längst aufgefallen, es wurde kurz gefragt was das war. Ich hatte gesagt es wäre nichts, es geht sie nichts an. Seitdem lassen sie mich damit in Ruhe. Aber andere Leute sehen es auch. Die ersten Schnitte sind inzwischen Narben. Ich habe am Oberschenkel weiter gemacht, damit sie denken es hat aufgehört.
Es musste etwas getan werden, da waren wir uns alle einig. Mama und Papa sitzen vor mir, ich hoffe ich krieg den Mund auf. Mama scheint wie abwesend, Papa saß breitbeinig und arrogant auf seinem Stuhl.
"Ich möchte eine Therapie machen." Sie waren beide überrascht. Ich hatte Angst sie nehmen mich nicht ernst, ich hatte Angst sie sagen, du brauchst doch gar keine Therapie, du tust doch nur so.
Das war nämlich der Lieblingssatz von meinem Vater wenn ich weinte.
Weihnachten fiel dieses Jahr sehr bescheiden aus. Mein Vater bezahlt zu wenig Unterhalt, Mama findet keine Arbeit. Wir hatten kein Geld für einen Weihnachtsbaum oder große Geschenke, dafür kocht Mama wie immer. Kino morgen bezahlt mein Bruder, als Geschenk für uns alle, damit wir die Tradition einhalten können. Mama hat aufgehört zu rauchen, sie trinkt auch nicht mehr, damit wir wenigstens Taschengeld bekommen. Der Kühlschrank ist sehr leer, außer Wasser gibts nichts zu trinken und hauptsächlich werden Lebensmittel gekauft, die fast abgelaufen sind.
Man gewöhnt sich an alles und wir halten zusammen, das wird schon wieder!
"Übermorgen ist ein Platz in unserer Einrichtung für Sie frei, dann können Sie hier einziehen. Bitte seien Sie mit ihren Eltern um 10 Uhr da" 5 Monate waren vergangen, das Halbjahreszeugnis war katastrophal und nun die Nachricht, übermorgen ist ein Platz frei, übermorgen beginnt meine Therapie. Auf einmal bekam ich panische Angst. Wusste nicht mehr, ob ich das alles so wollte. Ich erzählte Mama und Papa alles, für sie war das alles auch sehr schnell.Doch sie sagten beide zu mitzukommen.
Das Zimmer war weiß, die Betreuer OK, aber meine Zimmerpartnerin eine absolute Katastrophe! Ich musste meine Schere, mein Messer, meine Rasierer, meine Nagelpfeile abgeben und fühlte mich vorallem bei dem Messer gar nicht wohl. Sie hatten es leider gefunden, auch gut versteckt.
Um 8 Uhr Frühstück, halbe Stunde Ausgang, dann Schule oder Therapie. Mittagessen, halbe Stunde Pause, dann Therapieen oder Gruppenarbeiten. Abendessen, halbe stunde Ausgang. Dann durften wir Fernseh gucken und um 22 Uhr war Bettzeit. Strenger Plan. Ich schaff das schon.
"Wenn du die restlichen 3 Wochen zur Schule gehst, dann nehm ich dich in die 9. Klasse mit und du bleibst auf der Realschule." Ich strahlte über das ganze Gesicht, meine Lehrerin, die mir zu der Therapie geraten hatte, will mich tatsächlich in das nächste Schuljahr kommen lassen. Sie sah meine Vortschritte. Sie sah, dass ich selbstbewusster war, dass ich mich nicht mehr doof fühlte. Dafür war ein IQ-Test nötig den ich in der Klinik machen durfte. Mit 132 gelte ich als Hochbegabt. Richtig realisiert hab ich das aber nicht.
"Dann spürt sie ja wieder keine Konsequenzen, so lernt die nie draus" hörte ich nur von meinem Vater. Mein Lächeln war abrupt verschwunden. Meine Mutter legte ihren Arm um meine Schultern.
"Sie schafft das, ich glaub an sie!" Mama war für mich da, endlich waren wir wieder ein Team.
"Die Therapie muss noch weiter geführt werden, noch mindestens 3 Monate." Ich brach in Tränen aus und rannte auf die Toilette, knallte auf dem Weg ungefähr 3 Türen zu. 3 Monate? Ich will weg hier! Mir geht es gut, ich war die ganzen 3 Wochen in der Schule, ich habe mich an alle Vorschriften gehalten. Ich will nach Hause!
Meine Mutter klopfte an die Tür. Versuchte mir gut zuzureden. Sie versprach mir, ich muss nur noch einen Monat bleiben.
Nach einer halben Stunde kam ich raus. Sagte aber kein Wort, bis meine Eltern weg waren. Mit der Therapeutin lief es ab da sehr schlecht. Sie hatte mein Vertrauen verloren und glaubte nicht mehr an ihre Menschenkenntnis. Wütend und traurig packte ich meine Tasche wieder aus.
Ich bekam mein Zeugnis. 144 Fehltage, mein Zeugnis durchgestrichen. Doch das war alles egal, ab jetzt hieß es Neuanfang!
Doch das ganze Ehe-Drama meiner Eltern prägte mich weiter. Die Therapie hatte ich zu früh abgebrochen. Ich hatte Verlust-Ängste und es hielt keine Beziehung wirklich lange. Die Schule lief gut, sogar sehr gut. Meinen Abschluss machte ich 2006 mit einem Durchschnitt von 2,2.
"Ich sehe eine Fruchthöhle und einen kleinen weißen Punkt, Frau K. sie sind schwanger." Stumm saß ich da. "Sie können sich wieder anziehen" Stumm tat ich das. Der Schwangerschaftstest war schon positiv. Trotzdem war ich hier drauf nicht vorbereitet. Meine Freundin sah mich mit offenem Mund an. Ich schüttelte den Kopf. "Das kann nicht sein" mehr brachte ich nicht raus.
Meine Frauenärztin fragte mich nach dem Vater. "Wir sind noch ein Paar." Sie fragt was ich grade tat, was er grade macht. Ich sagte ihr, dass ich dabei war mein Abitur zu machen und er seit einem Monat einen Aushilfsjob hat.
Sie fuchtelte gleich mit Bronchüren für Abtreibung vor mir herum. Sagte dies und das und auf einmal fing ich an zu weinen. Ich konnte doch gar nicht schwanger sein. Wir haben verhütet. Ich sah alles, was ich mir wieder aufgebaut hatte zu Grunde gehen. Meine Freundin nahm mich in den Arm. "Wenn sie sich doch für das Kind entscheiden sollten, dann freue ich mich auf ein Wiedersehen!" Vor dem Arztgebäude sah ich meine Freundin an. "Ich muss zu meiner Mama!" Ich war grad mal vor 2 Monaten ausgezogen, seitdem lief alles perfekt in meinem Leben. 32 Stunden Schule, 15-20 Stunden putzen in einer Discothek, genug Geld für mich und ich habe endlich meinen Traummann gefunden. Oder hatte ihn gefunden. Was wird er wohl nun sagen? Und Mama? Und Papa? Das wird ein einziges Chaos.
"Mama ich muss mit dir reden!" war gleich mein erster Satz. "Du bist schwanger!" War gleich ihr erster Satz. Sie hätte damit schon vor Jahren gerechnet, dass ich "erst" mit 18 schwanger geworden bin, ist schon ein halbes Wunder. "Wir schaffen das schon, fürs Abtreiben bist du zu sensibel."
Fortsetzung folgt...
18.12.2008 19:24
Wow du schreibst wirklich gut!! Echt bewundernswert!! Das ist echt heftig was ich bis jetzt gelesen habe.. ich hoffe es gibt ein gutes Ende..
29.01.2009 23:18
Wie meine Mutter richtig erkannte, war ich für eine Abtreibung viel zu sensibel, auf eine Art und Weise, die mich so schon genug im Leben leiden lies. Also entschieden wir uns für das Kind, mit wir meine ich meinen Freund und mich.
Am nächsten Tag habe ich meinen Vater angerufen, mein Herz fing an zu rasen und mein Mund wurde staubtrocken. Was er wohl sagt? Begeistert wird er nicht sein. Aber er liebt mich, trotz allem, wir können seine Hilfe gut gebrauchen und das wird er: Helfen!
"Papa? Du wirst Opa." Sagte ich nach einigen Sätzen von sinnlosem Small-Talk, denn in Small-Talk sind wir beide eher schlecht.
"War ja klar, dass das kommen musste" und mir war klar, dass so ein Satz kommen musste, er brauch einfach Zeit um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dachte ich oder wollte ich mir einreden, so ganz auseinander halten konnte ich das damals nicht.
Das Telefonat endete in einem Streit, wie nicht anders zu erwarten, wir hatten selten Gespräche ohne Streit. Mein Vater rief 3 Tage später an, ich solle bei ProFamilia anrufen und einen Termin machen, er würde mitkommen. ProFamilia? Naja... vielleicht wegen Geld?! Wie naiv ich doch war. Es ging um Abtreibung, ich wollt keinen Termin machen, ich wollt keine Abtreibung, meine Entscheidung war getroffen. So sah das mein Vater aber nicht! "Du hättest mich wenigstens um meine Meinung bitten können, ihr könnt doch nicht so eine dumme Entscheidung treffen. Denk doch mal nach, du kennst den Macker grad mal 2 Monate".
Tja Papa, das weiß ich auch. Aber du hälst mich mal wieder für dumm und naiv, wie immer. Er redet die nächsten Woche von nichts anderem. Abtreibung, wir wären dumm, mein Freund ein Loser, unsere Zukunft wird ein absolutes Drama, er wäre nicht da um mich aufzufangen.
Tage habe ich geweint. Jeder der einen Vater hat, der kalt und berechenbar ist und ihn trotzdem liebt, weiß wovon ich rede. Mein Vater, den ich mir immer gewünscht hatte, den gab es definitiv nicht mehr in diesem Mann. Egal wie lange ich mir das gewünscht und eingeredet hatte.
Ich kündigte meinen Job bei ihm und brach den Kontakt nach einer Hass-Mail ab, auf die ich nie eine Antwort bekam.
Meine restliche Verwandtschaft und auch die meines Mannes reagierte größtensteils besser als wir dachten. Abgesehen von der Mutter meines Mannes, die von Enterbung und Hausverbot sprach. Egal, war nicht meine Sache, ich nahm meinen Mann in den Arm und versicherte ihm; Wir schaffen das!
Wie viel Kraft ich die nächsten Monate brauchen würde, hatte ich unterschätzt. Was eine Schwangerschaft bei anderen Menschen auslösen kann, genauso.
Mein Vater zog mir noch 50 Euro von meinem letzten Lohn ab, da ich 2 Tage nicht arbeiten konnte, da ich durch Müdigkeit und Kreißlaufprobleme (Schwangerschafts bedingt) nicht konnte. Natürlich war das genau in dem Monat wo mein Mann und ich in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen sind.
Ich weinte bitterlich, der letzte Faustschlag meines Vaters und er trag mich mehr als ich erwartet hatte. Ich merkte, wie er mich gefühlsmäßig immernoch im Griff hatte, doch ich gab ihm keine Reaktion.
Ab dem Moment sollten Geldsorgen langsam aber sicher zu unserem Alltag gehören, was ich bis dahin aber Gott sei Dank nicht wusste.
Wir gestalteten uns ein gemütliches Zuhause. Mein Mann bekam einen festen Job als Steinmetzgehilfe und verdiente gutes Geld! Wir waren glücklich, wir liebten uns, uns als Dreamteam kann nichts anhaben, dachten wir bis dahin sehr naiv...
Schnell ist mein Bauch gewachsen, stolz schaute ich den Leuten genau in die Augen, wenn sie mich missbilligend anschauten. Beschämend sahen sie weg.
Schnell wurde mir klar, was ich für das Baby und meinen Mann alles aufgegeben hatte. Meine Schule, meinen Job, meinen Vater, meine eigene Wohnung, meine Freiheit und... meine Freunde.
Ich sah niemanden mehr, einmal im Monat kam ne Freundin mal vorbei, weil sie sowieso in der Gegend waren. Per Internet taten viele Personen so, als würde sie meine Schwangerschaft interessieren. Doch ich bin nicht dämlich und wusste bald; Keinen interessierte es. Keiner konnte damit etwas anfangen, ich war allein.
Mein Mann musste herhalten, als Mann und beste Freundin, schnell war er überfordert und ich noch einsamer, weil ich ihn jedes Wochenende weglies.
Ich wollte ihn nicht einsperren, auch wenn es mir schwer viel.
Meine Mutter war für mich da, sie freute sich so sehr Oma zu werden. Stolz erzählte sie es allen, bevor ich überhaupt was sagen konnte. Egal wem ich es erzählen wollte, es wussten sowieso schon alle.
Endlich hatte ich das Geschlecht von meiner Frauenärztin erfahren, es wird ein Mädchen. Ich habe 3 Brüder und von daher, kann man sich vorstellen wie ich mich gefreut habe. Am gleichen Tag sind meine Mom und ich noch in die Stadt und haben schön in rosa eingekauft. Mein Mann arrangierte sich eher mit der Neuigkeit.
"Ihr Baby ist zu groß Frau K., sie müssen ins Krankenhaus und eine Organsonographie machen lassen. Bei so einer Größe in der Woche, wissen wir nicht, ob alle Organe mitwachsen.
Außerdem besteht ein Verdacht auf Gebehrmutterhals-Krebs bei Ihnen".
Danke liebe Ärztin, lauter gute Neuigkeiten, so kurz vor Weihnachten, so macht das Leben doch Spaß und wie oft dachte ich, was ich Gott getan habe, dass er mich so bestraft. Weinend rief ich meinen Mann an und versuchte ihm zu erklären was ist, ohne dass er gleich von der Arbeit reißaus nimmt und herkommt.
Wieder stand ich alleine da, vor der Frauenärztin, niemanden wo ich hinkönnte, außer meiner Mutter.
"Ihr Baby ist kerngesund, ich weiß zwar nicht was Ihre Frauenärztin dort gesehen hat, aber Ihr Baby ist absolut normal groß und alle Organe funktionieren 1A"
Wieder weinte ich, aber diesmal vor Freude. Meine Sensibilität war seit der Schwangerschaft noch extremer geworden.
"Wissen sie denn schon was es wird?"
Ich sagte voller Stolz: "Ja ein Mädchen"
Der Arzt schaute mich erstaunt an und dann meinen Mann, ich ahnte schon was nun kommt und wollts eigentlich gar nicht hören.
"Da muss ich Sie enttäuschen Frau K., es wird definitiv ein Junge."
Meinem Mann rutschte ein Jubelschrei raus und ich war einfach nur genervt. Zwar war das Kinderzimmer noch nicht eingerichtet, aber wir hatten schon Sachen in rosa. Das ist doch einfach nur blöd!
Mir tat alles weh. Ich war noch nie gerne schwanger, aber den letzten Monat hätte mir mein Sohn auch schenken können. Bennit John soll er heißen, wir lieben diesen Namen! Er klingt stark und selbstbewusst, genau so soll mein Sohn auch werden, so ganz anders als ich.
Ich rollte mich aus dem Bett, meine Handgelenke taten vom Aufstützen weh, mein Ischias war schon seit Wochen eingeklemmt, meine Hüften schmerzten so sehr, dass ich sogar den Geburtsvorbereitungskurs abbrechen musste und mein Sodbrennen war einfach nur noch nerven.
ES REICHT, ich will mein Kind kriegen!
Meine Frauenärztin war immernoch davon überzeugt, dass mein Kind zu groß ist, ich sollte die Frauenärztin definitiv nach der Geburt wechseln, irgendwas stimmt mit der Frau nicht! Kinderzimmer ist nun fertig, wir haben Stubenwagen und Wickeltisch geschenkt bekommen. Mein Mann ist sehr glücklich in seinem Job und wie es aussieht, muss er nicht mal in die gefürchtete Winterpause.
- Geburtsbericht -
Also bei mir ging alles am 08.02.2008 um 3.40 Uhr los, da wachte ich nämlich auf und hatte leichte Wehen alle 10 Minuten, sie taten aber noch nicht wirklich weh und so habe ich meinen Mann schlafen lassen, denn der hatte eine starke Erkältung und schaute so lange irgendwelchen Mist im Fernsehen. Ich hatte um 08.00 Uhr eh einen Frauenarzttermin und wollt erstmal dahin und fragen ob das wirklich Wehen sind, ich wollt die im Krankenhaus nicht umsonst bescheuert machen.
Um 7 Uhr weckte ich also meinen Mann und packte schon mal alles, falls wir wirklich danach ins Krankenhaus fahren würden. Ich blieb noch sehr ruhig und die Wehen waren noch sehr erträglich. Um 8 Uhr waren wir dann auch beim Frauenarzt, ich kam direkt ans CTG, das Ding drehte aber völlig durch und die Arzthelferin war total nervös, weil sie selten Frauen da haben schon mit richtigen Wehen Shocked Fand ich schon sehr komisch und auf einmal wollt ich nur noch schnell ins Krankenhaus, weil ich merkte wie überfordert die da auf einmal waren. Meine Frauenärztin untersuchte mich noch schnell, Muttermund war 1 cm offen und der Gebehrmutterhals war angeblich schon ganz weg.
Wir also ab ins Krankenhaus, nochmal CTG, nochmal Untersuchung, aber Gebehrmutterhals doch nicht ganz weg... ich wieder genervt an meine Frauenärztin gedacht, die ich eh nach der Geburt wechseln wollte, wieder mal völlig falsch untersucht. Naja... egal... Die Hebammen haben meinen Blutdruck gemessen und der war viel zu hoch, bei 160/100, also bekam ich sofort ein Zimmer im Krankenhaus und sollte spazieren gehen, damit es vorran geht. Gesagt, getan, alle 2 Stunden ungefähr CTG gemacht, es ging nur langsam vorran... ab 11 Uhr wurden die Schmerzen schlimm, ich versuchte dagegen anzuatmen, aber so richtig klappte das nicht.
Um 15.30 Uhr hab ichs nicht mehr ausgehalten und habe das meiner Hebamme da auch gesagt, der Muttermund war aber immernoch nicht weiter offen, die Wehen waren unregelmäßig, also fragte sie mich:
""Und was machen wir jetzt?"
Ich: "Ich weiß nicht, Kind kriegen?"
Hebamme: "Neeee, dafür ist es zu früh. Wie wär es mit baden?"
Ich: "Ich weiß nicht, bei manchen solls dabei ja noch schlimmer werden"
Hebamme: "Ich schlag dir eine unschlagbare Kombination vor, erst eine Spritze in den Hintern gegen den Schmerz und danach in die Badewanne"
Ich hatte ein wenig Angst und habe meinen Mann angeguckt und ihn gefragt was er meint und er sagte, ich solle der Hebamme vertrauen. Also bekam ich eine Spritze in den Hintern und durfte dann in ein Zitronen-Bad.
Es war himmlisch! Laughing out loud Ich lernte langsam mit Stöhnen die Schmerzen zu ertragen und das warme Wasser war einfach wunderbar für meinen Körper, durch die Spritze fühlte ich mich wie high und dank meinem Mann und meiner Schwägerin, wurde ich zwischen den Wehen gut abgelenkt. Die beiden unterstützten mich super, ich war nie alleine und war dadurch ziemlich sicher.
Nach einer Stunde musste ich dann aus der Badewanne raus, wurde wieder untersucht und die Hebamme guckte blöd, der Muttermund war nun 4 cm offen und der Gebehrmutterhals ganz weg.
Wieder fragte sie mich: "Und, was machen wir jetzt?"
Und ich sagte wieder: "Kind kriegen?"
Hebamme: "Dafür ist es immernoch zu früh. Wie wäre es mit dem Gymnastikball? Einfach raufsetzen und ein wenig die Hüften kreisen lassen."
Ich hatte das schon im Fernsehen gesehen und fand das ne super Idee! Also ab auf den Ball und dann ging alles ziemlich schnell, nach kurzer Zeit platzte meine Fruchtblase, wurde wieder untersucht, waren bei 6 cm, die Hebamme schaute noch blöder, mit solchen Wehen schon so weit offen zu sein, wäre echt ne Leistung. Dann war Schichtwechsel leider und ich bekam eine neue Hebamme, aber das habe ich eh kaum noch mitbekommen weil die Presswehen losgingen. Mit der nächsten Wehe hat die Hebamme den Muttermund mal eben auf 10 cm geöffnet, weil der so weich war. Dann war endlich meine Mama auch von der Arbeit da und darauf hatte mein Engel wohl nur gewartet.
Man hat mir gesagt, der Kleine hat dann den Weg in 5 Minuten geschafft, wofür andere 1 1/2-2 Stunden brauchen und das machte sich dann leider auch bemerkbar, denn die Herztöne gingen auf einmal runter. Ich bekam kaum noch was mit, aber mein Mann hat mir hinterher erzählt, dass der Arzt schon da war mit ner riesigen Zange, sie wollten Bennit eigentlich holen. Gott sei Dank gingen sie wieder hoch, es wurde ein Dammschnitt gemacht und dann kam er auch schon um 20.58 Uhr auf die Welt, mit Knoten in der Nabelschnur und diese sogar nochmal um den Hals gewickelt, aber kerngesund und schön sauber und rosig!
Mein Mann und ich weinten vor Glück, der Kleine schrie einmal kurz auf und da waren wir auch schon Eltern eines kerngesunden, wunderschönen Sohn .
-
Der erste Tag zu Hause mit meinem Sohn, mein Mann muss arbeiten bis 17 Uhr und ich genieße es in vertrauten Wänden zu sein. Mein Sohn weint, ich mache es wie in der Klinig und lege ihn an, wie auch in der Klinik dauert es an der linken Brust länger bis es klappt, aber wir üben. Ich wickel ihn und leg ihn wieder schlafen. Müde und erschöpft von der ganzen Aufbruchstimmung, setze ich mich aufs Sofa.
Mein Sohn schreit wieder und ich lege ihn wieder an. Doch es brachte kaum was. Ich merkte wie meine Brust kaum leerer wurde, dabei saugt er doch.
Minute um Minute wurde ich unruhiger, mein Sohn auch. Er schrie und weinte und ich wickelte ihn und versuchte ihn zum schlafen zu bringen und wieder schrie er und ich versuchte ihn wieder anzulegen. Ich lief mit ihm rum, ich sang für ihn und er schrie und schrie und schrie.
Ich fing an zu weinen, ich fühlte mich so hilflos, meine Brustwarzen waren schon ganz wund und fingen an zu bluten.
Da wollte ich ihn nun nicht mehr anlegen. Schon 4 Stunden vergangen, ich weinte, er schrie, ich weinte, er schrie und ich wurde panisch.
Ich rief meinen Mann an und sagte ihm, ich wär ne schlechte Mutter, erster Tag zu Hause und kriege mein Kind nicht beruhigt, ich war einfach völlig verzweifelt.
Ich zweifelte an mir, ich dachte an die nächsten Wochen, würde ich dann auch so versagen? Und wenn ich nicht mit Bennit klar kommen würde?
Mein Mann kam direkt nach der Arbeit nach Hause, 5 Stunden waren nun vergangen und ich versuchte unter Tränen und Schluchzen mein Kind zu beruhigen. Völlig aufgelöst nahm er mich in den Arm und mir Bennit hab.
"Ich bin eine schlechte Mutter, ich weiß nicht was ich tun soll. Ich weiß nicht was er will. Ich bin eine so schlechte Mutter!"
Ich zeigte meinem Mann die Brustwarzen und er war schockiert. Er ging sofort in die Küche, holte Babyflasche und Milchpulver raus und machte eine Flasche Milch fertig.
Ich konnte es bis dahin nicht, da ich mein weinendes, schreiendes Kind nicht weglegen wollte und ich doch eigentlich stillen wollte.
Mein Sohn trank die Milch, hörte auf zu schreien und schlief 4 Stunden durch.
Nach 2 Wochen Ausdauer meinerseits, viele Beleidigungen und Gekeife meiner Hebamme, abpumpen und geschreie meines Sohnes, ist meine Milch ganz weg.
Das war es mit dem Stillen, ich bin total enttäuscht von mir.
Auf einmal sah ich meine Freundinnen wieder, ich machte ihnen kein Vorwurf, ich war einfach froh sie wieder zu sehen. Der Teddy von Jule ist Bennits Lieblingskuscheltier und schläft jede Nacht mit ihm ein.
Fortsetzung folgt...
Am nächsten Tag habe ich meinen Vater angerufen, mein Herz fing an zu rasen und mein Mund wurde staubtrocken. Was er wohl sagt? Begeistert wird er nicht sein. Aber er liebt mich, trotz allem, wir können seine Hilfe gut gebrauchen und das wird er: Helfen!
"Papa? Du wirst Opa." Sagte ich nach einigen Sätzen von sinnlosem Small-Talk, denn in Small-Talk sind wir beide eher schlecht.
"War ja klar, dass das kommen musste" und mir war klar, dass so ein Satz kommen musste, er brauch einfach Zeit um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dachte ich oder wollte ich mir einreden, so ganz auseinander halten konnte ich das damals nicht.
Das Telefonat endete in einem Streit, wie nicht anders zu erwarten, wir hatten selten Gespräche ohne Streit. Mein Vater rief 3 Tage später an, ich solle bei ProFamilia anrufen und einen Termin machen, er würde mitkommen. ProFamilia? Naja... vielleicht wegen Geld?! Wie naiv ich doch war. Es ging um Abtreibung, ich wollt keinen Termin machen, ich wollt keine Abtreibung, meine Entscheidung war getroffen. So sah das mein Vater aber nicht! "Du hättest mich wenigstens um meine Meinung bitten können, ihr könnt doch nicht so eine dumme Entscheidung treffen. Denk doch mal nach, du kennst den Macker grad mal 2 Monate".
Tja Papa, das weiß ich auch. Aber du hälst mich mal wieder für dumm und naiv, wie immer. Er redet die nächsten Woche von nichts anderem. Abtreibung, wir wären dumm, mein Freund ein Loser, unsere Zukunft wird ein absolutes Drama, er wäre nicht da um mich aufzufangen.
Tage habe ich geweint. Jeder der einen Vater hat, der kalt und berechenbar ist und ihn trotzdem liebt, weiß wovon ich rede. Mein Vater, den ich mir immer gewünscht hatte, den gab es definitiv nicht mehr in diesem Mann. Egal wie lange ich mir das gewünscht und eingeredet hatte.
Ich kündigte meinen Job bei ihm und brach den Kontakt nach einer Hass-Mail ab, auf die ich nie eine Antwort bekam.
Meine restliche Verwandtschaft und auch die meines Mannes reagierte größtensteils besser als wir dachten. Abgesehen von der Mutter meines Mannes, die von Enterbung und Hausverbot sprach. Egal, war nicht meine Sache, ich nahm meinen Mann in den Arm und versicherte ihm; Wir schaffen das!
Wie viel Kraft ich die nächsten Monate brauchen würde, hatte ich unterschätzt. Was eine Schwangerschaft bei anderen Menschen auslösen kann, genauso.
Mein Vater zog mir noch 50 Euro von meinem letzten Lohn ab, da ich 2 Tage nicht arbeiten konnte, da ich durch Müdigkeit und Kreißlaufprobleme (Schwangerschafts bedingt) nicht konnte. Natürlich war das genau in dem Monat wo mein Mann und ich in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen sind.
Ich weinte bitterlich, der letzte Faustschlag meines Vaters und er trag mich mehr als ich erwartet hatte. Ich merkte, wie er mich gefühlsmäßig immernoch im Griff hatte, doch ich gab ihm keine Reaktion.
Ab dem Moment sollten Geldsorgen langsam aber sicher zu unserem Alltag gehören, was ich bis dahin aber Gott sei Dank nicht wusste.
Wir gestalteten uns ein gemütliches Zuhause. Mein Mann bekam einen festen Job als Steinmetzgehilfe und verdiente gutes Geld! Wir waren glücklich, wir liebten uns, uns als Dreamteam kann nichts anhaben, dachten wir bis dahin sehr naiv...
Schnell ist mein Bauch gewachsen, stolz schaute ich den Leuten genau in die Augen, wenn sie mich missbilligend anschauten. Beschämend sahen sie weg.
Schnell wurde mir klar, was ich für das Baby und meinen Mann alles aufgegeben hatte. Meine Schule, meinen Job, meinen Vater, meine eigene Wohnung, meine Freiheit und... meine Freunde.
Ich sah niemanden mehr, einmal im Monat kam ne Freundin mal vorbei, weil sie sowieso in der Gegend waren. Per Internet taten viele Personen so, als würde sie meine Schwangerschaft interessieren. Doch ich bin nicht dämlich und wusste bald; Keinen interessierte es. Keiner konnte damit etwas anfangen, ich war allein.
Mein Mann musste herhalten, als Mann und beste Freundin, schnell war er überfordert und ich noch einsamer, weil ich ihn jedes Wochenende weglies.
Ich wollte ihn nicht einsperren, auch wenn es mir schwer viel.
Meine Mutter war für mich da, sie freute sich so sehr Oma zu werden. Stolz erzählte sie es allen, bevor ich überhaupt was sagen konnte. Egal wem ich es erzählen wollte, es wussten sowieso schon alle.
Endlich hatte ich das Geschlecht von meiner Frauenärztin erfahren, es wird ein Mädchen. Ich habe 3 Brüder und von daher, kann man sich vorstellen wie ich mich gefreut habe. Am gleichen Tag sind meine Mom und ich noch in die Stadt und haben schön in rosa eingekauft. Mein Mann arrangierte sich eher mit der Neuigkeit.
"Ihr Baby ist zu groß Frau K., sie müssen ins Krankenhaus und eine Organsonographie machen lassen. Bei so einer Größe in der Woche, wissen wir nicht, ob alle Organe mitwachsen.
Außerdem besteht ein Verdacht auf Gebehrmutterhals-Krebs bei Ihnen".
Danke liebe Ärztin, lauter gute Neuigkeiten, so kurz vor Weihnachten, so macht das Leben doch Spaß und wie oft dachte ich, was ich Gott getan habe, dass er mich so bestraft. Weinend rief ich meinen Mann an und versuchte ihm zu erklären was ist, ohne dass er gleich von der Arbeit reißaus nimmt und herkommt.
Wieder stand ich alleine da, vor der Frauenärztin, niemanden wo ich hinkönnte, außer meiner Mutter.
"Ihr Baby ist kerngesund, ich weiß zwar nicht was Ihre Frauenärztin dort gesehen hat, aber Ihr Baby ist absolut normal groß und alle Organe funktionieren 1A"
Wieder weinte ich, aber diesmal vor Freude. Meine Sensibilität war seit der Schwangerschaft noch extremer geworden.
"Wissen sie denn schon was es wird?"
Ich sagte voller Stolz: "Ja ein Mädchen"
Der Arzt schaute mich erstaunt an und dann meinen Mann, ich ahnte schon was nun kommt und wollts eigentlich gar nicht hören.
"Da muss ich Sie enttäuschen Frau K., es wird definitiv ein Junge."
Meinem Mann rutschte ein Jubelschrei raus und ich war einfach nur genervt. Zwar war das Kinderzimmer noch nicht eingerichtet, aber wir hatten schon Sachen in rosa. Das ist doch einfach nur blöd!
Mir tat alles weh. Ich war noch nie gerne schwanger, aber den letzten Monat hätte mir mein Sohn auch schenken können. Bennit John soll er heißen, wir lieben diesen Namen! Er klingt stark und selbstbewusst, genau so soll mein Sohn auch werden, so ganz anders als ich.
Ich rollte mich aus dem Bett, meine Handgelenke taten vom Aufstützen weh, mein Ischias war schon seit Wochen eingeklemmt, meine Hüften schmerzten so sehr, dass ich sogar den Geburtsvorbereitungskurs abbrechen musste und mein Sodbrennen war einfach nur noch nerven.
ES REICHT, ich will mein Kind kriegen!
Meine Frauenärztin war immernoch davon überzeugt, dass mein Kind zu groß ist, ich sollte die Frauenärztin definitiv nach der Geburt wechseln, irgendwas stimmt mit der Frau nicht! Kinderzimmer ist nun fertig, wir haben Stubenwagen und Wickeltisch geschenkt bekommen. Mein Mann ist sehr glücklich in seinem Job und wie es aussieht, muss er nicht mal in die gefürchtete Winterpause.
- Geburtsbericht -
Also bei mir ging alles am 08.02.2008 um 3.40 Uhr los, da wachte ich nämlich auf und hatte leichte Wehen alle 10 Minuten, sie taten aber noch nicht wirklich weh und so habe ich meinen Mann schlafen lassen, denn der hatte eine starke Erkältung und schaute so lange irgendwelchen Mist im Fernsehen. Ich hatte um 08.00 Uhr eh einen Frauenarzttermin und wollt erstmal dahin und fragen ob das wirklich Wehen sind, ich wollt die im Krankenhaus nicht umsonst bescheuert machen.
Um 7 Uhr weckte ich also meinen Mann und packte schon mal alles, falls wir wirklich danach ins Krankenhaus fahren würden. Ich blieb noch sehr ruhig und die Wehen waren noch sehr erträglich. Um 8 Uhr waren wir dann auch beim Frauenarzt, ich kam direkt ans CTG, das Ding drehte aber völlig durch und die Arzthelferin war total nervös, weil sie selten Frauen da haben schon mit richtigen Wehen Shocked Fand ich schon sehr komisch und auf einmal wollt ich nur noch schnell ins Krankenhaus, weil ich merkte wie überfordert die da auf einmal waren. Meine Frauenärztin untersuchte mich noch schnell, Muttermund war 1 cm offen und der Gebehrmutterhals war angeblich schon ganz weg.
Wir also ab ins Krankenhaus, nochmal CTG, nochmal Untersuchung, aber Gebehrmutterhals doch nicht ganz weg... ich wieder genervt an meine Frauenärztin gedacht, die ich eh nach der Geburt wechseln wollte, wieder mal völlig falsch untersucht. Naja... egal... Die Hebammen haben meinen Blutdruck gemessen und der war viel zu hoch, bei 160/100, also bekam ich sofort ein Zimmer im Krankenhaus und sollte spazieren gehen, damit es vorran geht. Gesagt, getan, alle 2 Stunden ungefähr CTG gemacht, es ging nur langsam vorran... ab 11 Uhr wurden die Schmerzen schlimm, ich versuchte dagegen anzuatmen, aber so richtig klappte das nicht.
Um 15.30 Uhr hab ichs nicht mehr ausgehalten und habe das meiner Hebamme da auch gesagt, der Muttermund war aber immernoch nicht weiter offen, die Wehen waren unregelmäßig, also fragte sie mich:
""Und was machen wir jetzt?"
Ich: "Ich weiß nicht, Kind kriegen?"
Hebamme: "Neeee, dafür ist es zu früh. Wie wär es mit baden?"
Ich: "Ich weiß nicht, bei manchen solls dabei ja noch schlimmer werden"
Hebamme: "Ich schlag dir eine unschlagbare Kombination vor, erst eine Spritze in den Hintern gegen den Schmerz und danach in die Badewanne"
Ich hatte ein wenig Angst und habe meinen Mann angeguckt und ihn gefragt was er meint und er sagte, ich solle der Hebamme vertrauen. Also bekam ich eine Spritze in den Hintern und durfte dann in ein Zitronen-Bad.
Es war himmlisch! Laughing out loud Ich lernte langsam mit Stöhnen die Schmerzen zu ertragen und das warme Wasser war einfach wunderbar für meinen Körper, durch die Spritze fühlte ich mich wie high und dank meinem Mann und meiner Schwägerin, wurde ich zwischen den Wehen gut abgelenkt. Die beiden unterstützten mich super, ich war nie alleine und war dadurch ziemlich sicher.
Nach einer Stunde musste ich dann aus der Badewanne raus, wurde wieder untersucht und die Hebamme guckte blöd, der Muttermund war nun 4 cm offen und der Gebehrmutterhals ganz weg.
Wieder fragte sie mich: "Und, was machen wir jetzt?"
Und ich sagte wieder: "Kind kriegen?"
Hebamme: "Dafür ist es immernoch zu früh. Wie wäre es mit dem Gymnastikball? Einfach raufsetzen und ein wenig die Hüften kreisen lassen."
Ich hatte das schon im Fernsehen gesehen und fand das ne super Idee! Also ab auf den Ball und dann ging alles ziemlich schnell, nach kurzer Zeit platzte meine Fruchtblase, wurde wieder untersucht, waren bei 6 cm, die Hebamme schaute noch blöder, mit solchen Wehen schon so weit offen zu sein, wäre echt ne Leistung. Dann war Schichtwechsel leider und ich bekam eine neue Hebamme, aber das habe ich eh kaum noch mitbekommen weil die Presswehen losgingen. Mit der nächsten Wehe hat die Hebamme den Muttermund mal eben auf 10 cm geöffnet, weil der so weich war. Dann war endlich meine Mama auch von der Arbeit da und darauf hatte mein Engel wohl nur gewartet.
Man hat mir gesagt, der Kleine hat dann den Weg in 5 Minuten geschafft, wofür andere 1 1/2-2 Stunden brauchen und das machte sich dann leider auch bemerkbar, denn die Herztöne gingen auf einmal runter. Ich bekam kaum noch was mit, aber mein Mann hat mir hinterher erzählt, dass der Arzt schon da war mit ner riesigen Zange, sie wollten Bennit eigentlich holen. Gott sei Dank gingen sie wieder hoch, es wurde ein Dammschnitt gemacht und dann kam er auch schon um 20.58 Uhr auf die Welt, mit Knoten in der Nabelschnur und diese sogar nochmal um den Hals gewickelt, aber kerngesund und schön sauber und rosig!
Mein Mann und ich weinten vor Glück, der Kleine schrie einmal kurz auf und da waren wir auch schon Eltern eines kerngesunden, wunderschönen Sohn .
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Der erste Tag zu Hause mit meinem Sohn, mein Mann muss arbeiten bis 17 Uhr und ich genieße es in vertrauten Wänden zu sein. Mein Sohn weint, ich mache es wie in der Klinig und lege ihn an, wie auch in der Klinik dauert es an der linken Brust länger bis es klappt, aber wir üben. Ich wickel ihn und leg ihn wieder schlafen. Müde und erschöpft von der ganzen Aufbruchstimmung, setze ich mich aufs Sofa.
Mein Sohn schreit wieder und ich lege ihn wieder an. Doch es brachte kaum was. Ich merkte wie meine Brust kaum leerer wurde, dabei saugt er doch.
Minute um Minute wurde ich unruhiger, mein Sohn auch. Er schrie und weinte und ich wickelte ihn und versuchte ihn zum schlafen zu bringen und wieder schrie er und ich versuchte ihn wieder anzulegen. Ich lief mit ihm rum, ich sang für ihn und er schrie und schrie und schrie.
Ich fing an zu weinen, ich fühlte mich so hilflos, meine Brustwarzen waren schon ganz wund und fingen an zu bluten.
Da wollte ich ihn nun nicht mehr anlegen. Schon 4 Stunden vergangen, ich weinte, er schrie, ich weinte, er schrie und ich wurde panisch.
Ich rief meinen Mann an und sagte ihm, ich wär ne schlechte Mutter, erster Tag zu Hause und kriege mein Kind nicht beruhigt, ich war einfach völlig verzweifelt.
Ich zweifelte an mir, ich dachte an die nächsten Wochen, würde ich dann auch so versagen? Und wenn ich nicht mit Bennit klar kommen würde?
Mein Mann kam direkt nach der Arbeit nach Hause, 5 Stunden waren nun vergangen und ich versuchte unter Tränen und Schluchzen mein Kind zu beruhigen. Völlig aufgelöst nahm er mich in den Arm und mir Bennit hab.
"Ich bin eine schlechte Mutter, ich weiß nicht was ich tun soll. Ich weiß nicht was er will. Ich bin eine so schlechte Mutter!"
Ich zeigte meinem Mann die Brustwarzen und er war schockiert. Er ging sofort in die Küche, holte Babyflasche und Milchpulver raus und machte eine Flasche Milch fertig.
Ich konnte es bis dahin nicht, da ich mein weinendes, schreiendes Kind nicht weglegen wollte und ich doch eigentlich stillen wollte.
Mein Sohn trank die Milch, hörte auf zu schreien und schlief 4 Stunden durch.
Nach 2 Wochen Ausdauer meinerseits, viele Beleidigungen und Gekeife meiner Hebamme, abpumpen und geschreie meines Sohnes, ist meine Milch ganz weg.
Das war es mit dem Stillen, ich bin total enttäuscht von mir.
Auf einmal sah ich meine Freundinnen wieder, ich machte ihnen kein Vorwurf, ich war einfach froh sie wieder zu sehen. Der Teddy von Jule ist Bennits Lieblingskuscheltier und schläft jede Nacht mit ihm ein.
Fortsetzung folgt...
29.01.2009 23:52
Schön sehr schön geschrieben aber sehr erschütternd und traurig.....
Ich bewundere dich,an manchen stellen sehe ich mich selber.....
Ich bewundere dich,an manchen stellen sehe ich mich selber.....
30.01.2009 00:21
WOOOOW das könnte glatt nen Buch sein! Schon mal überlegt es zu veröffentlichen! Das ist echt schön geschrieben auch wenn es mich sehr traurig gemacht hat!!!
30.01.2009 10:04
Ich bezweifel, dass es genug Menschen lesen würden
Aber danke fürs Kompliment
Aber danke fürs Kompliment
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