Mütter- und Schwangerenforum

Samenspender kennenlernen. Verständnis oder gefährliches Urteil?

LoisLane
4828 Beiträge
09.02.2013 06:24
Wie findet ihr es, dass diese junge Frau ihren "Erzeuger" sAmenspemder genannt bekommen muss?

http://www.sueddeutsche.de/panorama/prozess-vor-ol g-hamm-tochter-darf-namen-von-samenspender-erfahre n-1.1592731

Ist es verständlich, dass sie ihre genetischen Wurzeln kennen möchte?
Nach so einem Urteil: gehen die Männer jetzt noch freiwillig Samen spenden oder ist jetzt immer die Angst dabei, doch nicht anonym zu sein und vielleicht sogar auf Unterhalt verklagt zu werden?

Ich persönlich kann die Mutter dieser Frau nicht verstehen. Entweder ich gehe mit meinem Kind offen über dieses Thema um und sie wächst in dem Bewusstsein auf - oder ich verschweige es dem Kind ganz. Aber ich erzähl es ihr nicht plötzlich mit 18 Jahren um ihre ganze Welt damit ins Wanken zu bringen.

Wie steht ihr zu dieser "Geschichte" ?

09.02.2013 06:53
Uh, das ist schwierig.

Ich finde, dass sich Männer auf das verlassen können sollten, was ihnen zur Zeit der Spende gesagt wurde. Das nach 20 Jahren auf einmal die Regeln rückwirkend geändert werden, finde ich echt heftig und einen gravierenden Einschnitt in das Leben (sicherlich) vieler Menschen. Würde die Regeln JETZT geändert werden und für künftige künstl. Befruchtungen gelten, wäre es meiner Meinung nach völlig OK. Aber rückwirkende Regeländerungen finde ich immer bedenklich.

Umgekehrt kann ich verstehen, dass die Frau ihren Vater kennenlernen will. ABER: Die Mutter hat vor 20 Jahren anders entschieden. Sie wollte, dass das Kind ohne biologischen Vater aufwächst und von daher halte ich es für schwierig, "einfach" dem Kind nachzugeben. Wäre der Vater tot, im Ausland abgetaucht oder einfach "unbekannt", hätte das Kind einfach Pech gehabt und keine Chance den Vater zu finden. Aber weil er zufällig über eine Klinik ein anonymes Kind gezeugt hat mit dem er nichts zu tun haben wollte, kommt er jetzt in die unmögliche Lage, dass eine Fremde als Kind vor ihm steht? Und plötzlich ein erwachsenes Kind zu haben? Sowas ist doch auch für die Familie des Mannes ein brutaler Einschnitt.

In Österreich ist das Thema auch präsent, drum wird gerade viel darüber gesprochen. Bei uns ist es so, dass bei einer künstl. Befruchtung ein rechtlicher Vater alle Pflichten für das Kind übernehmen MUSS. Er wird als Vater eingetragen, verpflichtet sich alle Unterhaltszahlungen zu übernehmen und kann dann auch nicht mehr "zurücktreten". Somit gibt es bei uns kein "künstl. gezeugtes" Kind, das KEINEN eingetragenen Vater hat. („Seit 1991 ist das gesetzlich geregelt. Der anonyme Samenspender unterschreibt einen Notariatsakt, dass seine Daten an das Kind weitergegeben werden dürfen, wenn das Kind dies einmal wünschen sollte. Alimente muss er aber sicher keine zahlen, denn die Eltern haben ihrerseits in einem Notariatsakt die volle Verantwortung für das Kind übernommen.“Quelle: kurier.at)

Viel Gerede, aber um es kurz zu machen: So schwierig es ist, wenn ich mich festlegen müsste, würde ich sagen, das Urteil ist ein Fehler. So seh ich es menschlich verstehen kann und so problematisch die ganze Situation auch ist: Ich finde, bestehendes Recht darf nicht rückwirkend geändert werden. Die Menschen müssen sich auf das geltende Recht verlassen können, sonst haben Gesetze, Regeln und Vorschriften in meinen Augen keinen Sinn.
LoisLane
4828 Beiträge
09.02.2013 06:56
Ja, das trifft auch ziemlich genau meine Meinung dazu!
03Juni
10945 Beiträge
09.02.2013 07:39
männer gingen/gehen samenspenden in der annahme, das sie anonym sind und bleiben.
die junge frau will ihren vater kennenlernen- schön und gut. aber hat man ihn gefragt? ich bin der meinung man sollte den mann kontaktieren und um erlaubnis fragen, ob man seine daten preisgeben darf, wenn er nein sagt und sich auf das damalige recht beruft, würde ich es dabei lassen.

sonst geht ja kein mann mehr samenspenden. selbst wenn er nicht unterhaltspflichtig werden könnte, wenn er dann 20 kinder hat, die ihn alle kennenlernen wollen und dann vielleicht noch erwarten, dass er zu schulaufführungen kommt oder sonstwas...

die samenbank sollte bei nachfrage durch die kinder den mann anfragen, ob er interesse hat.
Janette
459 Beiträge
09.02.2013 08:33
Also ich finde das auch einfach schrecklich was da jetzt wieder los ist.
Ich denke die Samenspender werden jetzt erheblich zurück gehen.

Der Samenspender hat ja sicherlich einen Vertrag unterschrieben und darauf würde ich auch klagen,wenn darin steht das man Anonym bleibt.

da kann doch jetzt nicht ein durch samenspende produzieriertes Kind .die Daten haben wollen.Erstmal muss der Mann gefragt werden-

Ich finde das eine frechheit..

09.02.2013 08:58
Zitat von Janette:

Also ich finde das auch einfach schrecklich was da jetzt wieder los ist.
Ich denke die Samenspender werden jetzt erheblich zurück gehen.

Der Samenspender hat ja sicherlich einen Vertrag unterschrieben und darauf würde ich auch klagen,wenn darin steht das man Anonym bleibt.

da kann doch jetzt nicht ein durch samenspende produzieriertes Kind .die Daten haben wollen.Erstmal muss der Mann gefragt werden-

Ich finde das eine frechheit..


Aber aus der Sicht des Mädchens ist er ihr Vater und sie hat immerhin das Recht zu wissen wer ihr Vater ist... Sie kann ja nichts dafür dass ihre Mutter sich für einen Anonymen Spender entschieden hat... Das ist er für ihre Mutter... Aber Vater bleibt trotzdem Vater...
09.02.2013 09:03
ich bin eigentlich generell gegen Samenspenden, finde das sollte eigentlich nur in Ausnahmefällen möglich sein, wenn ein Paar selber keine Kinder zeugen kann.

Dass das Gesetz rückwirkend geändert wurde ist mist, der arme Mann, wenn man bedenkt wie viele Samen in einer Spende rumschwimmen, na prost mahlzeit, wenn ihn die alle kennenlernen wollen.

Wenn sie das Gesetz für die Zukunft ändern wäre das ok, dann wissen die Männer das vorher, allerdings glaube ich werden die Spender dadurch erheblich weniger werden.
-M-Y-A-
23614 Beiträge
09.02.2013 09:07
ich finds einfach nur scheisse.
der mann sollte vorher gefragt werden,ob seine daten an das kind weiter gegeben werden dürfen bzw ob ER sein kind kennenlernen möchte. und auch eine sonderregelung bzgl des unterhaltes sollte im fall der samenspende in kraft treten.
maxmaja
1643 Beiträge
09.02.2013 10:08
Ich kann den natürlichen Instinkt verstehen, dass man wissen möchte, wer sein biologischer Ursprung war. Aber ich denke, dass dieses Urteil die Samenspende in Deutschland drastisch erschweren wird. Außerdem meine ich, dass man als Kind von demjenigen sogar Unterhalt verlangen kann. Und nur weil es der biologische Vater ist, heißt es ja noch nicht, dass er ein Vater ist.
soev
7376 Beiträge
09.02.2013 11:17
Rückwirkend die Regel zu ändern finde ich einfach nur falsch.
Der Mann hat sich darauf verlassen anonym zu bleiben und dem Kind nie zu begegnen.

Auch die junge Frau, was erwartet sie sich? Er wird ihr wohl kaum ein Papa sein. Und wenn sie ihn fragen wird, warum er gespendet hat, wird er wohl kaum sagen, dass er sich Kinder gewünscht hat, sonder eher, dass er knapp bei Kasse war. Will man so was wirklich hören?
Minibeanymachine
4514 Beiträge
09.02.2013 11:38
Ich finde das rechtlich gesehen ne Kathastrophe für alle Paare die per künstlicher befruchtung ihren kinderwunsch in zukunft erfüllen möchten. Auch für die Spender finde ich es mehr als mies, dass ihre persönlichkeitsrechte mit füßen getreten werden sollen.

Ja ein Kind sollte ein recht auf seine genetische Herkunft haben aber nur soweit, dass es weiß, ich bin aus einer samenspende entstanden- der mann hatte blutgruppe 0, war schlank, .......
Wer er ist, was er fühlt und denkt darauf hat man meiner meinung nach kein recht.

Dieses Urteil kann viel unnötiges Leid bringen und das nur weil eine dumme Person ihr recht durchdrücken will wo es niemanden nützen wird.
LoisLane
4828 Beiträge
09.02.2013 12:32
Finde es interessant, dass hier viele so denken wie ich.

Umso erstaunter bin ich, dass es in den Medien aus meiner Sicht als positiven Durchbruch dargestellt wird!Zumindest das, was ich bisher gelesen und im Radio gehört habe, hat nie die negative Seite dieses Urteils beleuchtet!

Kim.joo
5 Beiträge
09.02.2013 12:50
Ich bin adoptiert und mir kamm die frage als ich n korianischen freund hatte, ich bin auch korianischer herkunft, als dan raus kam das er auch adoptiert ist, kommen dan doch so gedanken, tehoretisch könnte es auch der bruder sein....
Weil ich mich bewust gegen die suche nach meinen wurzeln entschieden habe, hab ich das dan beendet. Und mir eine regel gesetzt, der mann darf nicht asiatischer herkunft sein!
Gegen das suchen der herkunftswurzeln habe ich mich schon sehr früh entschieden, da ich der meinung bin das "man schlafende "hunde" nicht weken sollte" zudem bringt das in 90%der fälle nur frust ärger und streiterei...
Und ich in eine tolle adoptivfamilie kamm, in der damit ofen umgegangen wurde.... Ich kann das Mädchen verstehen, manchmal jukts mich auch in den fingern.... Aber ich habe die entscheidung nie bereut!
Und bin jetzt stolze mama eines deutsch -korianischen kleinen buben der jetzt fast so alt ist wie ich als ich ausgesetzt wurde.
Ich denke nicht das das mädel jetzt wo sie weis wer und wie er so ist ihr genetischer vater, das sie jetzt glücklicher ist. So treffen enden meistens mit frust, entteuschung und jede menge trauer, das der betreffend nicht die selben gefühle hat wie das kind das gesucht hat.

Ich finde es ist sache der mutter das ihrem kind so beizubringen das es damit umgehen kann, und die samenbank sollte den samenspender vorher um erlaubnis fragen!
09.02.2013 13:09
Irgendwo finde ich den Wunsch der Kinder verständlich, aber letzten Endes zeigt es für mich auch ein Beispiel, wo die Medizin Dinge vollbringt, deren Rattenschwanz aber gar nicht so absehbar ist und die Folgen eben auch nicht, die das mal haben wird. Welchem Bedürfnis gibt man nach: dem Kind, das einfach wissen will, wo komme ich her, ist die Nase von meinem Vater? Welche Verhaltensweisen habe ich vielleicht von ihm mitbekommen? Verständliche Fragen. UNd dann ist da Herr x, der halt einfach Samen gespendet hat, damit sein Portemonaie aufgebessert hat und dabei noch - wie großherzig - einer Frau bzw. einem Paar die Möglichkeit gegeben hat, doch ein Kind zu bekommen. Aber eigentlich ist da ja gar keine Bindung da in emotionaler Hinsicht. Und dann kommen die sehr emotionalen Bedürfnisse des Kindes. Wie soll man da entscheiden? Entscheidet man für die Bedürfnisse des Kindes, da dieses in dem ganzen Prozeß ja eigentlich nie wirklich ne Entscheidung getroffen hat? Der Mann hat sich wissentlich für die Samenspende entschieden und somit dafür, daß eigentlich unbekannte Kinder aus ihm entstehen, ohne darüber nachzudenken, daß die Kinder das mal wissen und dann wissen wollen, wer er ist. Und die Eltern haben sich für die Samenspende entschieden. Daraus entstand nun das Kind, daß aber die folgen dieser Entscheidungen ertragen muß.
Ehrlich gesagt, fand ich das Urteil am Anfang merkwürdig. Jetzt, wo ich so drüber schreibe, denke ich doch noch mal anders nach und kann dann schon eher verstehen, warum man so entschieden hat. Irgendwo muß da ne Lösung her, die irgendwo beiden Seiten irgendwo gerecht wid.
Kritisch ist das natürlich schon, gerade in Hinblick, daß eben nun Männer, die in dem Glauben ihr Leben lang anonym bleiben zu könne, Gefahr laufen, es nicht mehr zu sein und unter den Umständen vielleicht nie gespendet hätten.
Kim.joo
5 Beiträge
12.02.2013 10:52
Es gab doch auch mal den samenspender skandal in amerika, wo der mann dan irgendwann eigene kinder wollte und dan nachgeforscht hat und dann rauskam das er über hundert "kinder" hat... Ich kenne nur einen fall wo hinterher alle glücklich waren sich wieder gefunden zu haben.... (da wurde das kind in pflege bei nachbern gegeben und die hatten dan keine lust mehr haben die kleine ausgesetzt und nach 20 jahren hat sie durch zufall wieder gefunden) ansonnsten waren alle fälle von wurzeln finden die ich kenne oder von denen ich gehört habe, zimlich unglücklich bis katastrophal... Ich kann nur für mich als adoptivkind sprechen, aber manche dinge sollten einfach nicht ausgegraben werden! Und für die genetische seite giebts gentests!

Und sollte es irgendwann die methode geben " kennenlernen ohne konseqenzen " überleg ich mir's velleicht noch mal. Bis dahin las ich die "schwirigkeiten" lieber unausgegraben....
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