Mütter- und Schwangerenforum

ADS und Medikamente - brauche mal Erfahrungsberichte

Mocca
4468 Beiträge
07.01.2026 18:19
Hallo Ihr Lieben,

ich habe hier einen sehr intelligenten und kreativen Autisten von 14 Jahren sitzen.
Damals - so mit 8 oder 9 Jahren - war in der Diagnostik schon einmal ADHS im Gespräch, da ist er aber an einer Diagnose knapp vorbei.
Wir haben uns dann zunächst einmal um die ASS gekümmert und er hat viele Probleme ganz toll in den Griff bekommen. (Ich war/bin so stolz auf ihn! )
Jetzt hat er zunehmend geäußert, dass ihn die kleinsten Kleinigkeiten ablenkten. Es fällt ihm schwerer denn je Aufgaben zu priorisieren und strukturiert abzuarbeiten. er träumt vor sich hin - meistens hier zu Hause, aber auch manchmal in der Schule. Dementsprechend sind die Noten gerade in den Hauptfächern im freien Fall. Alle Lehrer wissen, dass er was kann, aber bei den Arbeiten bekommt er das häufig nicht hin und auch das Lernen kann er ohne Unterstützung gerade nicht - da muss ich vor und hinter ihm stehen (obwohl er große Angst hat, seine Klasse zu verlieren, weil er sich dort sicher fühlt). Er geht auf ein Gymnasium und gehört dort - gemessen an seinem Potenzial auch hin.
Gerade zweifle ich aber an allem und ich frage mich, ob es ein Fehler war beim ADS nicht weiter zu schauen.
Ich habe das mal mit seinem Therapeuten besprochen und der meinte, dass er sich ADS bei ihm durchaus vorstellen könnte und, dass die Diagnostik natürlich wieder langwierig wäre. Wir wollten uns, bevor wir uns dem aussetzen noch einmal im Klaren sein, was wir mit der Diagnose anfangen würden.
Langer Rede kurzer Sinn:
Wer hat Erfahrung mit Medikamenten bei ADS. Hat es Euren Kindern eher geholfen oder weitere Probleme aufgeworfen? Gab es eine Wesensveränderung oder wirklich nur verbesserten Fokus?
Ich bin so hin und her gerissen, weil ich gar nicht einschätzen kann, ob es vielleicht auch einfach nur der Autismus ist, der jetzt mit der Pubertät eine miese Mischung bildet...
Marf
29789 Beiträge
07.01.2026 18:34
Medikinet Retard gabs hier.Meine Tochter nahm es ca.2 Jahre.Da war sie 12,13.Und sie sagte ,es hilft den Salat im Kopf zu sortieren.Sie hat ADS
Sie hatte keine Wesensveränderung.Ruhiger wurde sie.Einfach weil die Konzentration wieder möglich war.
Inzwischen kann sie sich selber regulieren.
soev
7372 Beiträge
07.01.2026 18:38
Ich kann nicht aus privater, aber aus beruflicher Sicht sprechen:

Kinder, die im Autismusspektrum diagnostiziert sind, sind ganz oft gleichzeitig mit ADHS diagnostiziert. Wurde euch damals davon abgeraten, beides gleichzeitig zu testen? Denn ich kenne es nur so, dass es dann in "einem Aufwasch" getestet wird.

Von der Medikamentengabe kann ich bisher nur positiv berichten. Ich als Lehrer, die Schulbegleitungen der betroffenen Kinder und auch die Kinder selbst merken eine Besserung bzw. eine Verschlechterung, wenn die Medikamente z.B. aufgrund von Wachstum nicht mehr richtig eingestellt sind.
Die einzige negative Nebenwirkung, die die Eltern der Kinder mir bisher berichtet haben, war, dass die Kinder (am Anfang der Medikamentengabe) bis zum späten Nachmittag wenig Hunger verspürt haben und wenig gegessen haben. Manchen hat es nur gereicht, wenn man ihnen etwas hingestellt hat, andere haben sich dann am Abend alles geholt.
Goldi20
845 Beiträge
07.01.2026 19:00
Ich häng mich mal an, mein Kind hat auch ADS und zusätzlich stehen noch Depressionen und das Asperger Syndrom im Raum, wir sind gerade in der Diagnostik deswegen und ziehen Medikamente auch in Erwägung.

Was du beschreibst trifft 1:1 auf mein Kind zu (mit extrem hohem IQ).
nilou
14699 Beiträge
07.01.2026 19:24
Die Freundin meiner Tochter hat ADHS und nimmt Medikamente. Wesensveränderung hat sie nicht. Sie kann sich so besser konzentrieren. Sobald nachmittags die Wirkung nachlässt merkt man es am Lernverhalten / bei den Hausaufgaben. Was auffällig ist: Sie isst den ganzen Tag nichts. Also keinerlei Hungergefühl solange die Medikamente wirken.
shelyra
69257 Beiträge
07.01.2026 20:38
Mein Autist mit ADHS hat leider keine guten Erfahrungen mit Medikamenten.

Erst nahm er medikinet. Leider hatte er echt mit den Nebenwirkungen zu kämpfen - er hatte keinen Hunger mehr, wurde Lethargisch, hatte zu nix mehr Lust und sagte "er fühlt sich wie in Watte" .

Er hat dann auf elvanse gewechselt. Hat aber Schwindel und Übelkeit.

Daher haben wir das relativ schnell wieder abgesetzt. Nächste Alternative wäre Ritalin gewesen, aber das wollten wir nicht.

Wir leben daher jetzt ohne Medikation
NadineW
2770 Beiträge
07.01.2026 21:16
Ich habe zwei Schulkinder mit Adhs. Beide bekommen seit einiger Zeit Medikamente.
Uns wurde damals beim Großen gesagt, dass es 1,5 Jahre dauern kann, bis man das richtige Medikament gefunden hat. Bei uns waren es nur ein paar Monate, aber seit sie beide das Medikament haben, mit dem sie gut zurecht kommen, geht es ihnen richtig gut damit. Bei den "falschen" Medikamenten hatten sie teilweise starke Nebenwirkungen. Eine Zeit lang war das gute Medikament nicht lieferbar und unser Großer musste eine Alternative nehmen, das hat sich sofort auf seine schulische Leistung ausgewirkt und er wurde ein "Zombie".

Wir merken hier Zuhause auch einen sehr großen Unterschied, wenn einer oder Beide das Medikament dann nicht nehmen (Ferien und Wochenende z.B.).
Sie haben sich vom Typ nur in so fern verändert, dass sie Gefahren besser einschätzen, nicht mehr so unüberlegt handeln und ihre Gefühle besser ausdrücken können. Also zum Positiven.
Mocca
4468 Beiträge
07.01.2026 22:00
Ich danke Euch erst einmal für Eure Erfahrungsberichte.
Damals war er bei fast allen Tests knapp unter dem Cutoff - also FAST ADHS und FAST hochbegabt und FAST hochsensibel und FAST... (hier einfach irgendeine psychosoziale Störung eintragen und es wird zutreffen).
Daher wurde nicht weiter geschaut, weil ja eigentlich alles getestet war - allerdings nicht beim SPZ sondern bei einer Kinderspychologenpraxis.
Ich kenne viele Kinder in unserem Therapiezentrum, die erst im 2. oder 3. Anlauf diagnostiziert wurden, obwohl die Einschränkungen sehr groß waren. Daher frage ich mich, ob das "nein" bei ADHS auch zwangsläufig auf ADS zutreffen muss.
Nickitierchen
26626 Beiträge
07.01.2026 22:03
Einmal als Info: ADS gehört schon einige Zeit zu ADHS, weil sich die Hyperaktivität anstatt im Körper oft dann im Kopf abspielt.

Hier nehmen alle drei kinder und ich medikinet.
Zwei kinder haben außer weniger Hunger keine Probleme damit. Der große vermutet bei sich auch AuDHS, also mit einem Fuß mit im Autismus und merkt einen Unterschied bei den Adhs Symptomen, aber zb spürt er dann mehr Gefühle, Stoffe, Reize, Stress und Ängste, da die adhs nicht mehr überlagert, (er hat eine phobie bzg Blut, die in einer verhaltenstherapie zusammen mit allgemeiner stressbewältigung und Emotionen behandelt wird)]. Es ist also zwar besser, aber immer noch nicht optimal, da müssen wir demnächst mal mit dem Arzt besprechen, ob Elvanse vllt ne Option ist.

Ich liebe mein Medikinet, und hätte es gerne schon als kind und Jugendliche gehabt und nicht erst mit Diagnose mit 39.

Ich würde es einfach einmal ausprobieren.
YellowBird
3985 Beiträge
07.01.2026 22:37
Zitat von Nickitierchen:

Einmal als Info: ADS gehört schon einige Zeit zu ADHS, weil sich die Hyperaktivität anstatt im Körper oft dann im Kopf abspielt.

Hier nehmen alle drei kinder und ich medikinet.
Zwei kinder haben außer weniger Hunger keine Probleme damit. Der große vermutet bei sich auch AuDHS, also mit einem Fuß mit im Autismus und merkt einen Unterschied bei den Adhs Symptomen, aber zb spürt er dann mehr Gefühle, Stoffe, Reize, Stress und Ängste, da die adhs nicht mehr überlagert, (er hat eine phobie bzg Blut, die in einer verhaltenstherapie zusammen mit allgemeiner stressbewältigung und Emotionen behandelt wird)]. Es ist also zwar besser, aber immer noch nicht optimal, da müssen wir demnächst mal mit dem Arzt besprechen, ob Elvanse vllt ne Option ist.

Ich liebe mein Medikinet, und hätte es gerne schon als kind und Jugendliche gehabt und nicht erst mit Diagnose mit 39.

Ich würde es einfach einmal ausprobieren.


Ist bei mir genauso. Ich nehme auch Medikinet und wurde mit 38 Jahren diagnostiziert. Ich wünschte, ich hätte als Kind schon diese Möglichkeit gehabt.
Pallas
95 Beiträge
10.01.2026 09:47
Hallo,

mein Sohn (12 Jahre) ist mit ASS und ADHS diagnostiziert und hat im Laufe des letzten halben Jahres Elvanse und Equasym ausprobiert, um nun wieder bei Elvanse als Bedarfsmedikament zu landen. Die meiste Zeit nimmt er nichts.
Bei uns hat es den Hintergrund, dass sein Hauptproblem die Affektkontrolle und verminderte Frustrationstoleranz ist, die ihn vor allem in seinem geliebten Sport beeinträchtigt und zu einem hohen Leidensdruck führt. In der Schule hingegen läuft es OK bis gut, da er zwar schon auch Probleme mit der Konzentration hat, auf der anderen Seite aber auch schnell einen Hyperfokus entwickelt, wenn ihn etwas interessiert.
Nun hat er für sich beim Testen der Medikamente gemerkt, dass Elvanse zwar seine Stimmung gut stabilisiert, er sich damit aber "nicht wie er selbst" fühlt. Auch wir beobachten dann eine Wesensveränderung, insofern er unter Elvanse extrem sozial und kooperativ wird, sehr geduldig mit seiner Schwester, aber auch bedrückter und wenig spontan und fröhlich wie sonst.
Das Equasym hatte keine Wesensveränderung zur Folge und die Konzentration war damit top, nur leider hat es sich nicht auf die Impulsivität ausgewirkt.
Nun beisst er an wichtigen Spieltagen in den sauren Apfel und nimmt Elvanse, das ist für ihn ok.

Ihr müsst einfach ausprobieren, was deinem Kind gut tut, die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen sind bei jedem unterschiedlich. Ich fand es bei uns nur unglaublich wichtig, dass unser Kind auch in Hinblick auf schwierige Zeiten in seinem Leben weiß, dass er ein Werkzeug und Hilfsmittel hat, mit dem er die negativen Aspekte des ADHS abmildern kann.

Ich drück euch die Daumen, dass ihr einen guten Weg für euch findet!
Choco
4303 Beiträge
10.01.2026 13:21
Ich berichte mal von meinen Erfahrungen damit. Es kommt total aufs Präparat an. Medikinet habe ich überhaupt nicht gut vertragen, ich hab mich gefühlt wie im Koffein Schock, völlig überdreht. Mit Elvanse halten die 500 Stimmen in meinem Kopf ENDLICH mal den Mund. Ich kann Aufgaben einfach anfangen ohne sie total zu zerdenken vorher und noch viel wichtiger: ich kann sie beenden. Ich war völlig fertig nach den ersten Einnahmen, wie krass die Wirkung für mich funktioniert und hätte mir das sehr viel früher im Leben gewünscht.

Nachtrag: Nebenwirkungen halten sich bei mir total gut in Grenzen. Das was mich am meisten stört ist der „Rebound“, den ich so ca nach 6/7 Stunden merke, weil ich emotional ziemlich eklig werde (gereizt, ungeduldig).
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