Mütter- und Schwangerenforum

Unser Sternenkind

italia_fan
25 Beiträge
06.12.2017 10:23

Hallo allerseits,

auch wir mussten nun bereits zum dritten Mal die schmerzliche Erfahrung machen und unser Kind vorzeitig abgeben.
Der Unterschied zu seinen "Sternengeschwistern":
Unsere beiden Sternenkinder vor ihm verließen uns in der Frühschwangerschaft. (ca. zwischen der 8. und 9. Woche)

Im Zuge einer vorgezogenen Routineuntersuchung aufgrund starker Rückenschmerzen erfuhren wir ÜBERRASCHEND, dass unser Sohn NICHT mehr lebt und wurden ins Krankenhaus überwiesen.

Dort wurde es uns die Diagnose leider bestätigt. Keiner konnte uns sagen wieso, weshalb, warum. Bis dahin war immer alles im grünen Bereich. Man konnte uns nur sagen, dass er wohl schon längere Zeit nicht mehr lebe, weil er seit der letzten Untersuchung NICHT mehr viel gewachsen wäre.
Da ich mich bereits in der 19. SSW befand musste ich ihn tot gebären.
Es tat so weh - ich wusste NICHT wie damit umgehen und vor allem WIE ICH DEN TAG ÜBERSTEHEN SOLL..... wir wussten ja NICHT was auf uns zukommt, warum er gehen musste....

MIttlerweile ist er auf der Welt und wir sind dabei ihm eine würdevolle Beerdigung vorzubereiten.
Er hatte die Nabelschnur 3 Mal SEHR STRAFF um den Hals und 1 Mal um sein linkes Ärmchen.... Allem Anschein nach hat er sich seine Nährstoffversorgung dadurch abgeklemmt und ist deshalb gestorben.
Es tut unheimlich weh! Sowohl mir, meinem Mann, und unserer 4,5 Jahre alten Tochter. Unser 1,5 Jahre alter Sohn versteht das ganze Gott sei Dank noch nicht. Natürlich probieren wir so gut es geht unsere Tochter "abzuschirmen", aber sie versteht natürlich schon was los ist. Dass ihr Bruder nun ein Engel ist findet sie zwar toll, aber gleichzeitig fragt sie natürlich wieder wann ihr Bruder einmal zu uns kommt..........

Könnt ihr mir bitte sagen, wie ihr mit der Situation umzugehen gelernt
habt?

Wir haben nun extra eine Ecke nur für Florian eingerichtet, dort steht die Geburtskarte mit seinen Daten, seinem Hand- und Fußabdruck und einem Foto von ihm darauf, eine selbstgebastelte Kerze mit seinem Namen darauf, eine Kerze mit einem Spruch darauf, sein 1. Ultraschallbild, sein MUKI- PASS und ein paar kleine Englein.........
Aber trotzdem belastet es uns natürlich alle sehr......
Pauline13
1761 Beiträge
06.12.2017 11:32
Hallo Italia-Fan,

es tut mir sehr leid, von Deinem schmerzlichen Verlust zu lesen.
Mein Beileid!
Ich kann sehr gut verstehen, wie es Dir geht - ich hatte vor 5 Monaten eine stille Geburt in der 37. SSW. Auch ein Junge. Allerdings bei uns ohne Grund.

Wie lange ist die Geburt denn her?

Die Gefühle, die man nach so einer Nachricht hat, sind unbeschreiblich schlimm. Es wird sicher auch noch eine ganze WEile dauern, bis Ihr wieder halbwegs "normal" weiterlebt - erstmal steht die Welt einfach still und man weiß nicht, wohin mit seiner Trauer.
Hast Du Familie/Freunde, mit denen Du reden kannst? Mir hat es ungemein geholfen, immer wieder und wieder darüber zu reden. Je öfter ich es ausgesprochen habe, desto besser konnte ich damit umgehen. Zusätzlich sind mein Mann und ich in Therapie (uns wurde dazu dringend geraten, da ich bei der Geburt leider auch noch eine Uterusruptur erlitten habe und notoperiert werden musste) Es hilft!
Du hast schon 2 Kinder, sie werden Euch die Kraft geben, den Alltag wieder zu meistern und eure Sternchen in euer Leben zu integrieren, denn sie haben alle einen Platz. Sie waren da - wenn auch nur ganz kurz.
Weinen hilft auch - ich habe gar nicht erst versucht, es zu unterdrücken.
Auch heute , nach mehr als 5 Monaten, kommen mir noch sehr oft die Tränen, wenn ich an unseren Sohn denke, der jetzt eigentlich bei uns sein sollte. Der Schmerz wird Euch immer begleiten, aber er wird weniger, und irgendwann wird er zu einer Erinnerung und tut nicht mehr weh.

Für uns war die Beisetzung ganz wichtig - es war eine Seebestattung. Ich komme nicht gut mit Gräbern klar, auch habe ich keine "Erinnerungsstücke" aufgestellt, da mir das zu sehr wehtun würde. Ich habe unseren Sohn in meinem Herzen. Wenn es Euch aber hilft, dann macht das! Jeder trauert anders.

Fühl Dich aus der Ferne gedrückt!
shelyra
63327 Beiträge
06.12.2017 11:35
es tut mir leid für eure sternenkinder!

ich hab auch schon 2 späte fg's hinter mir (15. und 12.woche). uns hat es geholfen darüber zu sprechen. sich mit anderen auszutauschen. dabei haben wir bemerkt, dass wir nicht alleine mit diesem schicksal sind.
wir haben auch unsere kinder nicht abgeschirmt. (bei der ersten fg waren sie knapp 5 und knapp 3). wir haben gemeinsam mit ihnen getrauert, gemeinsam mit ihnen eine erinnerungsecke geschaffen. auch heute sind unsere sternenkinder für sie noch präsent - sie reden oft über sie. für sie sind die sternenkinder ein teil unserer familie.

die trauer bleibt, aber mit der zeit verblasst sie. rückt eher in den hintergrund und kommt nur noch an besonderen tagen zum vorschein!
man lernt, damit zu leben
italia_fan
25 Beiträge
06.12.2017 13:51
Danke euch, Pauline 13 und shelyra!

Bei uns ist es noch sehr frisch. Am 02.12.2017 kam Florian auf die Welt.
Am 30.11.2017 bekamen wir die Diagnose, dass er NICHT mehr lebt, am selben Tag musste ich noch ins Krankenhaus und musste 2 Tabletten schlucken, die dem Körper signalisieren sollen: DU BIST NICHT MEHR SCHWANGER! Also die Schwangerschaftshormone senken sollen.... Wie bei einer Abtreibung - GANZ SCHLIMM FÜR MICH ALS KONSEQUENTE ABTREIBUNGSGEGNERIN!!!
Und am Samstag, den 02.12.2017 musste ich ins Krankenhaus und die Geburt SOLLTE eingeleitet werden........WEHEN blieben aus!!!
Schlussendlich blieben mir die Wehen erspart und Florian kam ohne Wehe auf die Welt!
Wir ließen die Hebamme ihn zuerst beschreiben (dass es höchstwahrscheinlich ein Junge ist wussten wir bereits) aber wir wussten NICHT wieso er gestorben ist......es war bis dahin alles bestens.

Wir hatten uns überlegt: Hatte er eine Behinderung die man im Ultraschall NICHT gesehen hat? Wäre für uns kein Thema gewesen, wir hätten ihn so und so angenommen wie er ist, egal welche Behinderung er gehabt hätte und egal wozu uns die Ärzte geraten hätten!!!

Tja, und dann war er da: ALLES DA, bloß winzig klein!!! Alle Finger dran, alle Zehen dran, ALLES DRAN was dran sein muss!!! Der Junge sah gesund aus, bloß die Nabelschnur hatte er 3 Mal sehr straff um den Hals und 1 Mal um sein Ärmchen! Das MUSS DER GRUND GEWESEN SEIN - zumindest für uns!!! Die Hebamme meinte auch, dass das höchstwahrscheinlich der Grund war, weil sie so dermaßen straff und noch dazu 3 Mal um seinen Hals gewickelt war......

Die diensthabende Ärztin meinte wiederum, dass das der Grund gewesen sein KANN, aber NICHT sein muss, da sich Föten generell NICHT mit der Nabelschnur strangulieren könnten und nicht wenige Babies die Nabelschnur um den Hals hätten....

Aber für uns ist die Nabelschnur der Grund!
Wir haben zwar einen Gentest einschicken lassen, aber ich bin mir sicher, dass dabei NICHTS herauskommt!

Und mit anderen darüber sprechen: Ich habe das Gefühl, dass keiner so recht weiß wie er darauf reagieren soll.......
Außerdem habe ich das Gefühl ich muss für meine beiden Kinder stark sein... Der Kleine versteht das Ganze Gott sei Dank eh noch nicht, aber die Große, die bekommt alles mit, ganz egal wie sehr wir probieren auf "heile Welt" zu machen...... meistens kommen urplötzlich Aussagen wie: "Mama, wann dürfen wir unseren Engel Florian denn einmal sehen?"

Auch im Kindergarten benimmt sie sich zurzeit sehr komisch.
Sie geht eigentlich IRRSINNIG GERNE in den Kindergarten, sie liebt es mit anderen Kindern zu spielen und in den Ferien jammert sie wann der Kindergarten endlich wieder anfängt....
Heute musste ich sie regelrecht dazu überreden, dass sie überhaupt in den Kindergarten geht und als wir im Kindergarten waren und ich sie abgeben wollte, weinte sie auf einmal bitterlich und wollte unbedingt wieder mit mir heim mit gehen. Ihre Freundinnen kamen angerannt, nahmen sie an der Hand und meinten "Komm mit, heute kommt der Nikolaus!!! Hilf uns ein Bild für den Nikolaus zu malen!!!"
Auch die Tanten waren sehr überrascht, so kennen sie sie nämlich NICHT und mussten ganze Überzeugungsarbeit leisten bis sie mir einen Kuss gab und mich tatsächlich gehen ließ.........
DAS IST NICHT MEINE TOCHTER!!!
shelyra
63327 Beiträge
06.12.2017 14:16
deine kinder dürfen ruhig sehen, dass es dir schlecht geht. dass du trauerst. du musst dich nicht vor ihnen verstellen. oder stark für sie sein.
trauert gemeinsam! weint gemeinsam! erinnert euch gemeinsam! - das wird dir, aber auch deinen kindern helfen.

es gibt auch einige gute kinderbücher zu diesem thema.
wir hatten zb dieses hier: https://www.amazon.de/Himmelskind-Julia-Ru%C3%9F/d p/3417260981/ref=sr_1_4?s=books&ie=UTF8&qi d=1512565733&sr=1-4&keywords=Fehlgeburt%3B +Bilderbuch
das hat das ganze nochmal greifbarer gemacht für die kinder. sie haben anhand der zeichnungen "gesehen" worum es genau geht.

weiß euer kiga bescheid über das geschehene?
wir haben es damals dort auch thematisiert, damit sie besser damit umgehen konnten. damit sie wussten warum unsere kinder so drauf waren... von dort (wir gehen in einen kath kiga) gab es dann auch einige anregungen was man mit dne kindern machen könnte um ihnen das trauern zu erleichtern (wir haben zb gemeinsam eine erinnerungskiste gestaltet. bis heute legen die kinder da ab und zu dinge hinein die sie für ihre geschwister besonders wichtig empfinden)
italia_fan
25 Beiträge
06.12.2017 16:45

Nein, im Kindergarten habe ich noch nicht Bescheid gegeben.

Deshalb verstehen sie auch NICHT warum meine Tochter auf einmal so "anders" ist als sonst....
Aber ich weiß es natürlich und habe sie deshalb auf den Arm genommen und gewartet bis es für sie ok war.

Ich kann es manchmal nicht einordnen ob unsere "kleine Große" das nun versteht oder nicht.
Wir haben ihr erzählt, dass ihr Bruder nun als Engel im Himmel ist und er ganz, ganz gut auf uns alle aufpasst.

Zum Teil kommt mir vor sie versteht es und sie ist gewisserweise auch "stolz" einen Bruder als Engel zu haben, aber andererseits fragt sie dann doch wieder wann sie Florian, ihren Bruder einmal sehen kann, denn sie vermisst ihn so....
Dann habe ich ihr wieder zu erklären versucht, dass er nun im Himmel ist und nun ihr "Schutzengel" ist.....

Jetzt ist sie allerdings der Überzeugung, dass sie Florian heute sehen kann, denn heute kommt ja der Nikolaus und da sind ja Engel dabei! Also muss ja ihr Bruder auch dabei sein! (ihre Logik)

Heute im Kindergarten kam der Nikolaus auch sehend, aber ob da Engel dabei waren weiß ich NICHT und traue ich mich sie auch nicht recht fragen. Und bei uns kommt er heute zwar, aber eben "unsichtbar"....

Sie ruft zurzeit auch oft ohne Zusammenhang: "Mama, ich rede jetzt mit Florian!"
Ich gehe auch stark davon aus, dass sie im KIGA ebenfalls bereits heute von "ihrem Bruder Florian erzählt hat, der jetzt ein Engel ist".....
Diese Aussage werden diese jedoch eher NICHT ganz zuordnen könne, was sie jetzt meint.

Vielleicht hast du recht und ich sollte im KG Bescheid geben, damit sie es zumindest einordnen können warum meine "kleine Große" auf einmal so anders ist und ständig von einem "Bruder Florian" berichtet....

Danke für den Tip!
90gluecklich
141 Beiträge
07.12.2017 07:56
Mein Beileid sowas sollte niemand erleben müssen...ich wünsche euch viel Kraft und Zusammenhalt.

Ich denke, dass du den Erzieherinnen deiner Tochter unbedingt bescheid sagen solltest. Es wird dir schwer fallen, aber für dein Mädchen ist das unglaublich wichtig. Vor allem, wenn sie sich so verändert verhält! Die Erzieher müssen das einzuordnen wissen, damit sie entsprechend reagieren können. Wenn sie es nicht wissen, kannst du dir nicht sicher sein dass sie deine Tochter gut begleiten können - und das macht es ihr noch schwerer.

Ich finde die Art, wie deine Tochter damit umgeht, sehr süß. Klar kann sie mit ihm reden, warum nicht? Mein Sohn macht das auch, sieht auch bei mir dass ich mit den Verstorbenen manchmal ein paar Sätze rede. Er ist zwar traurig, dass sie nicht antworten können, aber sie sind nicht komplett weg. Und das beruhigt ihn.
Ich denke für Kinder ist es sehr wichtig, dass sie konkret wissen was mit den Verstorbenen nun ist. Das müssen wir ihnen sagen und sie fragen, wie sie es sich vorstellen. Je klarer es für sie ist, desto besser können sie mit der Tatsache umgehen.
Bei uns wird immer wieder auch von Menschen gesprochen, die nicht mehr unter uns sind, von ihnen Geschichten erzählt, für sie Bilder gemalt, wir sehen sie in wehenden Bäumen (das kommt von den Kindern)...ganz positiv. Manchmal traurig, meist aber positiv. Denn ja, es ist traurig dass sie nicht mehr da sind und immer wieder darf diese Traurigkeit auch da sein. Aber was meinst du was dein kleiner Sohn für eine Freude hätte, wenn er dich fröhlich von ihm erzählen hört? Er ist nicht weg. Er ist nur nicht mehr greifbar.
italia_fan
25 Beiträge
07.12.2017 15:04
Danke.

Ja, unseren kleinen Sohn wird es freuen wenn er uns von ihm erzählen hört.
ABER MIR TUT ES EXTREM WEH!!!

Mein Mann stürzt sich immer mehr in Arbeit und ich fühle mich echt im Stich gelassen von ihm. Gestern hat er mich doch tatsächlich gefragt, ob es mir etwas ausmacht wenn er morgen (08.12.2017 = Feiertag) am Vormittag arbeitet!!!

NEIN natürlich NICHT, er arbeitet auch sonst nur die ganze Zeit und am Samstag ist eh nur die Beerdigung unseres Sohnes!!!
SPINNT DER EIGENTLICH??? Sich so eine Frage überhaupt zu stellen trauen??? Und dann wundert er sich wenn ich sage: "Mach was du willst!!!" und einfach weggehe ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen...

Wenn das so weiter geht, dann wird eine Trennung wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.
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