Mütter- und Schwangerenforum

Lebendiges Kind heißt nicht gleich ADHS

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Anonym 1 (206521)
0 Beiträge
04.04.2021 07:21
Meine Tochter ist jetzt 6 und kommt dieses Jahr in die Schule.

Sie ist ein extrem aufgewecktes, lebendiges aktives Kind und sie macht auch mal Quatsch.
Sie ist also weit weg von den Mädchen, die im Kindergarten den ganzen Tag ruhig mit ihren Sachen spielen und alles tun, was man ihnen sagt.

Nun macht mir der Kindergarten wegen der Einschulung langsam Angst. Sie ist laut, sie spricht auch mal dazwischen (arbeiten wir dran) und hält sich nicht immer an Regeln (zB beim Essen).

Ich weiß, dass sie in der Schule umso mehr lernen muss, sich an bestimmte Regeln zu halten und sich zu konzentrieren. Aber andererseits liebe ich ihre Lebendigkeit und Fröhlichkeit und habe den Eindruck dass im Kindergarten hier auch sehr schnell der Verdacht ADHS geäußert wurde.
Das sehe ich ganz anders. Sie kann sich sehr wohl länger konzentrieren, sich an Regeln halten und still sitzen - wenn sie will! Also wenn es um ein Thema geht das sie interessiert und jemand es schafft (von den Erziehern) auf sie einzugehen.

Da sie das alles grundsätzlich sehr wohl kann finde ich eine Diagnose nahezu lächerlich.

Ich habe nun aber etwas Angst vor der Schule.
Was, wenn die dort nicht mit ihr klar kommen und sie unbedingt „gleich schalten“ wollen, am besten mit einer Diagnose, weil sie eben „unbequemer“ ist als andere Kinder? Ich möchte sie unbedingt davor schützen. Klar konsequentes Verhalten und Regeln helfen bei ihr - da braucht es keinen Arztbesuch.. aber ich habe den Eindruck manch einer (nicht alle!) macht es sich hier mit den lebendigen Kindern einfach.

Wer von euch kennt das und hat auch so ein Actionkind? Wie sind eure Erfahrungen? Wie ging es euren Kindern in der Schule damit?

Dieses Thema wurde anonym erstellt, weil:

um meine Tochter zu schützen

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1310 Beiträge
04.04.2021 08:34
Ich möchte nur betonen, dass ADHS nicht (nur) was mit Konzentration zu tun hat, es ist deutlich komplexer und wenn man einen "Zappel-Philipp" erwartet, ist das (teilweise) falsch.

Bei meinem Mann wurde vor 1,5 Jahren mit 30 Jahren ADS diagnostiziert und er ist im Nachhinein sehr sauer auf seine Eltern, denn die Grundschullehrerin hatte es damals schon angesprochen. Seine Mutter hat es aber nicht ernst genommen und als "Mode-Krankheit" abgetan, im Endeffekt hätte ihm mit einer frühen Diagnose und Förderung aber viel Leid erspart bleiben können.
mama2107
3329 Beiträge
04.04.2021 08:43
Ich finde auch, du solltest in alle Richtungen offen bleiben. Wir haben einen sehr langen Weg hinter uns (mein Sohn wird 15) im dem ich mich lange gesträubt habe und auch Ängste hatte das er "gleichgeschaltet" wird. Fakt ist aber das am Ende nur die Diagnose UND Medikamente ihm wirklich halfen und es immernoch tun.
mama2107
3329 Beiträge
04.04.2021 08:43
*doppelpost*
Jaspina1
1173 Beiträge
04.04.2021 08:44
Adhs-Kinder können sich sehr wohl konzentrieren, nämlich auf Dinge, die sie interessant finden.
Das ist der Grund, weshalb Adhs oft erst in der Schulzeit diagnostiziert wird
Der Übergang ist allerdings fliessend. Wir alle konzentrieren uns ja eigentlich besser, wenn uns etwas begeistert.
Ich empfehle dir das yout ube - Video "ADHS gibt es nicht?" - ganz tolle Macher und schön erklärt.
Benutzername
1310 Beiträge
04.04.2021 08:56
Doppelt
nilou
9662 Beiträge
04.04.2021 08:59
Ich würde ADHS jetzt auch nicht so verteufeln. Mein Cousin hat es und er war nicht laut und wild, konnte sich einfach nicht konzentrieren auf die Schulsachen. Einfach nicht fokussieren. Und das hat ihn wahnsinnig frustriert.

Was du schreibst kann egal ob und was es für eine Diagnose gibt durchaus zu Problemen in der Schule führen. Sich an Regeln halten, nicht dazwischen reden, mal leise sein und auch konzentrieren auf Sachen die man evt. nicht so mag ist Schulalltag. Wenn da 20-30 Kinder in einer Klasse sind wird’s schwierig für die Lehrerin und auch fürs Kind.

Ich finde es gut das die Kita was sagt. Du sagst ja selber es gibt Problembereiche. Ich würde hier also statt gegen die Kita mit der Kita zusammen überlegen was man tun kann. Viel Zeit ist jetzt nicht mehr.

Überleg dir ob nicht eine Schulform wie Walddorf oder Montessori in Frage kommt.

Auch deine Sicht solltest du etwas erweitern. Es geht nicht um „gleich schalten“. Dein Kind ist in der Klasse eins von x. Sie kann da nicht tun und lassen was sie gerade will oder nicht. Und die Klassenlehrer(in) kann mit ihr keine 1:1 Betreuung machen. Sieh es mal aus Sicht der anderen: wenn jemand ständig stört ist das für sie auch störend. Schule bedeutet eben auch sich in einem sozialen und Lerngefüge einzuordnen. Aber nicht das alle gleich sind, sondern das es allen gut dabei geht.
Marf
24570 Beiträge
04.04.2021 10:29
Schule verändert alles.Deswegen ist es so wichtig das die Kids grundsätzliches einfach können.Weil es letztendlich sie selber sind die dann leiden.
ADHS und ' Lebendigkeit' ist etwas absolut anderes.Das eine ist eine Störung und das andere das,was jedes Kind hat.(mehr weniger)
Wenn es bisher keine Probleme gab dann auch ,weil in der Kigazeit keinerlei Forderungen,Zeiten,Aufgaben eingehalten werden müssen.Auch wenn Kind gerade nicht will.Deswegen kommt es zu den Problemen mit Schuleintritt.
Neurologische Störungen sind kein Stigma.Ich hab so den Eindruck das es dass ist was dich stört.
Hätte dein Kind plötzlich Hörprobleme würdest du nicht zögern mit einer Untersuchung.
Ich würde es einfach testen lassen.Diese Tests sind sehr spielerisch und machen den meisten Kids Spaß.Wenn nichts dabei rauß kommt,super.Wenn doch, hast du die Chance sehr früh dafür zu sorgen das der Lebensweg deines Kindes einfacher werden kann.
wolkenschaf
11049 Beiträge
04.04.2021 11:00
Ich finde es ehrlich gesagt genauso schwierig, wenn man vor Problemen die Augen verschließt und drauf beharrt, dass alles okay ist und sich die Lehrkräfte eben etwas mehr Mühe geben müssen, wie wenn man überbesorgt ist, sich eine Diagnose herbeiredet oder ADHS als Begründung und Entschuldigung für alles verwendet. Immer ist am Ende das Kind der/ die Leidtragende.
Es schadet doch nicht, einfach mal von Fachpersonal draufschauen zu lassen und eine Einschätzung zu bekommen, ob es wirklich nur ein lebhaftes Kind ist oder ob mehr dahinter steckt. Kommt raus, dass das Kind einfach lebhaft ist, hast du auch etwas in der Hand, falls es Probleme in der Schule geben sollte. Und du musst dir später nicht vorwerfen, etwas übersehen zu haben.
Kommt raus, dass da wirklich ADHS dahinter steckt, kann dem Kind mittels Therapien (es müssen ja nicht immer gleich Medikamente sein, die das Kind ruhig stellen) geholfen werden, damit es mit dem Anforderungen der Schule besser zurecht kommt.
Ich denke, du hast Angst davor, dass deinem Kind ein Stempel verpasst wird und es dadurch Nachteile hat. Aber eigentlich gibt es ja für Kinder mit gesicherter Diagnose in der Schule gerade Nachteilsausgleiche, die ihnen das Leben deutlich erleichtern.
Senami3
1385 Beiträge
04.04.2021 11:28
"Sie kann sich an Regeln halten - wenn sie will." schreibst du.

Sehe das mal aus Schulreife-Sicht: der Betreuungsschlüssel sinkt signifikant im Vergleich zur Kita. Und Schule bedeutet eben, dass bis zu 30 Kinder von einer Person betreut werden UND diese dafür sorgen muss, dass der Lehrplan eingehalten wird. Da hilft ein "wenn sie will" leider überhaupt nicht.

Da ist es gut, dass die Kita dich darauf hinweist. Arbeite am besten du fragst da gezielt nach, was sie dir empfehlen und beherzigt es - egal, ob das eine Diagnose oder einfach lebhaftes Verhalten ist.
NochOhne32
17324 Beiträge
04.04.2021 13:42


Mein Sohn hat diagnostiziertes ADHS, genau genommen eine einfache Aufmerksamkeitsstörung mit Problemen im emotionalen/sozialen Bereichen.

Er ist genauso wie du dein Kind beschreibst. Bei Dingen die ihn langweilen oder nicht interessieren kann er sich nicht konzentrieren bzw nicht lange, bei allen anderen sitzt er stundenlang und hochkonzentriert. Nennt sich Hyperfokus und ist für ADHSler total typisch. Auch mag sich mein Sohn am liebsten nur an seine eigenen Regeln halten, andere Regeln sind für ihn schwer nachvollziehbar, sich daran halten klappt aber auch oft, besonders dann, wenn man ihm erklärt warum das jetzt sein muss.

Im KiGa fiel er auchkaum auf, war zwar bei der Frühförderung, aber wegen anderer Problemchen.

In der Schule kam dann aber schnell der Verdacht, aber von unserer Seite aus, dass er Konzentrationsprobleme hat. Auch war sein Selbstbewusstsein schon immer im Keller, er hat an allem gezweifelt und es sich selbst nicht zugetraut Neues zu lernen und musste immer und immer aufs Neue motiviert werden. Auch hat er erst spät Rad fahren gelernt und benötigte für sein Seepferdchen länger.

Mittlerweile können wir sein Verhalten richtig einordnen und sind bei vielem einfach auch entspannter, einfach weil wir wissen, dass er bestimmte Sachen nicht mit Absicht macht, sondern weil es einfach zu seiner Natur dazu gehört.

Auch in der Schule läuft es seitdem viel besser, er sitzt allein, in der ersten Reihe, an der Wand und die Lehrerin hat ihn immer im Augenwinkel. Wenn es ihm zu laut wird, dann darf er auch Kopfhörer aufsetzen. Seitdem dies alles gemacht wird, zusätzlich zu kurzen knappen Aufgabenstellungen, meist auch noch visuell, gehört er zu den guten Schülern und ist sehr ergeizig geworden.

Übrigens ist mein Sohn ohne Medikamente, da diese nicht notwendig sind. Es kann natürlich sein, dass es sich mit der Zeit noch ändern wird, aber es muss nicht so sein. Wenn es so kommt, dann werden wir uns aber auch nicht dagegen sperren, denn es soll den Kindern ja helfen sich besser zu konzentrieren und nicht um sie ruhig zu stellen.

Viele Kinder sagen auch selbst, dass sie sich unter Medis viel besser konzentrieren können und, dass das blöde Chaos im Kopf endlich verschwunden ist.

Mein Sohn sagt auch, dass in seinem Kopf viele Sachen rumschwirren und er sich deshalb echt anstrengen muss um sich zu konzentrieren. Was ihm dabei hilft, ist sich sportlich auszupowern...

Und ADHS zu haben ist überhaupt nicht schlimm, man muss sich mal die ganzen positiven Seiten dabei ansehen... Und dabei steht das
A für Aktiv
D für Dynamisch
H für Herzlich
S für Stark.

Liebe Grüße Manu
Anonym 1 (206521)
0 Beiträge
04.04.2021 14:50
Ach herrje, ich habe nicht nach weiteren Laien-Diagnosen gefragt. Mein Anliegen war ein ganz anderes.

Dennoch danke für die ausführlichen Berichte und die sinnvollen Beiträge.
mama2107
3329 Beiträge
04.04.2021 15:05
Zitat von Anonym 1 (206521):

Ach herrje, ich habe nicht nach weiteren Laien-Diagnosen gefragt. Mein Anliegen war ein ganz anderes.

Dennoch danke für die ausführlichen Berichte und die sinnvollen Beiträge.

Laien-diagnosen... wenn ich mich nicht irre hat hier kein einziger irgendeine Diagnose gestellt. Hier haben lediglich Mütter ihrer Erfahrungen mitgeteilt, mit dem Hintergrund dir helfen zu wollen.
NochOhne32
17324 Beiträge
04.04.2021 15:06
Zitat von Anonym 1 (206521):

Ach herrje, ich habe nicht nach weiteren Laien-Diagnosen gefragt. Mein Anliegen war ein ganz anderes.

Dennoch danke für die ausführlichen Berichte und die sinnvollen Beiträge.


Was genau hast du denn erwartet? Das dir alle das Köpflein streicheln und sagen, der böse, böse Kindergarten, der steckt dein Kind ungerechtfertigt in diese bestimmte Richtung?

Du hast nach Erfahrungen gefragt und diese erhalten.

Man hat dir nahegelegt in alle Richtungen offen zu sein und eine Diagnostik ist nix Schlimmes, auch das hat man dir mitgeteilt.

Kinder, die in der Schule auffällig sind bzw werden, haben es immer schwer und wenn sich die Eltern dann auch noch gegen eine Diagnostik, die vom Lehrer / Erzieher angeraten wird, sperrt, dann kann es auch für das Kind von Nachteil sein...

Und zum Punkt - Laiendiagnostik... Ich lese hier nix raus, dass jemand deinem Kind eine bestimmte Diagnose aufdrückt. Erfahrungsberichte / Ähnlichkeiten / Vergleiche ja, aber danach hast du ja auch direkt gefragt.

Mehr sag ich jetzt zu diesem Thema auch nicht mehr.
Marf
24570 Beiträge
04.04.2021 15:07
Zitat von Anonym 1 (206521):

Ach herrje, ich habe nicht nach weiteren Laien-Diagnosen gefragt. Mein Anliegen war ein ganz anderes.

Dennoch danke für die ausführlichen Berichte und die sinnvollen Beiträge.

Hier schreiben die meisten mit Wissen aus eigener Erfahrung und in einem freundlichen Ton.
Wie es deinem Kind ergeht o.ergehen wird ,kann dir keiner sagen.Da kommt es auf die Umgebung,die Einstellung und Geduld plus viel Humor an.
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