Mütter- und Schwangerenforum

Eine mutmachende Geburt - Jannis Weg auf die Welt

Katheryna
1826 Beiträge
10.12.2016 21:06
Guten Abend zusammen

Kurz zur mir: ich bin 23 Jahre alt, verheiratet und Jannis ist unser erstes Kind. Ich bin Diabetikerin (Typ 1), war aber die Schwangerschaft über gut eingestellt - einziges "Problem": das KKH, in dem ich entbinden durfte, war knapp eine Std. Autofahrt entfernt.
So, jetzt aber zum Geburtsbericht - im Vorhinein schon ein "tut mir Leid", falls es etwas länger wird
Ich hoffe, ihr könnt mir folgen und ich schreibe nicht zu durcheinander

23.11.16
Am Vormittag hatte ich einen Frauenarzttermin mit CTG, Akupunktur hatte ich abgesagt, da mir die letzten Male die Nadeln doch sehr weh getan hatten und mir einmal doch sehr schwindelig dabei wurde... drei Mal Akupunktur mussten also genügen.
Das CTG war gut, allerdings ohne Wehen, die Sprechstundenhilfe meinte zwar, man könne zwei kleine Wehen sehen, ich hätte das jedoch als Kindsbewegungen eingestuft und der FA meinte auch, man sehe keine Wehen... bei der Untersuchung kam heraus, dass alles wie immer sehr gut sei (was ja auch wirklich gut ist ), aber es keinerlei Anzeichen für eine Geburt in den nächsten Tagen gebe. Dementsprechend war ich etwas deprimiert , hatte ich doch am Tag davor extra die ganze Wohnung geputzt und noch gebadet.
Der nächste Termin wurde für Montanfrüh ausgemacht, dann sollte auch geklärt werden, wie es weiterging. Laut meiner Diabetologin durfte ich zwar auch über den ET gehen, aber der FA meinte, man müsste jetzt zum Schluss raus nicht noch ein Risiko eingehen. Ich stellte mich also schon mal auf eine Einleitung ein...
Den Nachmittag verbrachte ich mit meiner Mama, wir gingen spazieren, ich machte mir allerdings keine großen Hoffnungen mehr, dass das irgendwie förderlich war.

24.11.16
Am Nachmittag war ich - wie jeden Tag - einkaufen für das Abendessen. Ich ging in letzter Zeit täglich einkaufen, dass ich wenigstens ein wenig Bewegung den Tag über hatte. Mein Mann kam nach Hause und wir aßen zusammen zu Abend (strammer Max ). Seit 17.00 Uhr merkte ich immer wieder ein leichtes Ziehen im Unterleib, aber nichts Dramatisches. Wir schauten etwas fern und gingen dann ca um 23.30 Uhr ins Bett. Seit 23.00 Uhr war das Ziehen zwar etwas schmerzhafter geworden, ich dachte mir jedoch nichts dabei und erzählte auch meinem Mann nichts. Schließlich hatte ich bis dahin keine Senkwehen oder dergleichen gehabt.

25.11.16
Zwischen Mitternacht und 3.00 Uhr ging ich immer wieder auf die Toilette. Die Bewegung tat gut, die Schmerzen waren zwar nicht schlimm, aber unangenehm genug, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Die Wehen (ja, Wehen, aber das glaubte ich immer noch nicht ) kamen da ca. alle 15 Minuten. Mir fiel auch auf, dass am Klopapier immer etwas Schleim mit drauf war. Um 3.00 Uhr in der Früh hielt ich es im Bett dann schließlich doch nicht mehr aus und ich legte mich ins Wohnzimmer und schaute mir eine Serie an. Die Wehen kamen nun alle 5 bis 10 Minuten.
Ich wusste, dass mein Mann um sechs aufstehen musste und davor wollte ich unbedingt noch in die Badewanne, um Senkwehen wirklich ausschließen zu können. Also habe ich um kurz vor 5.00 Uhr meinen Mann geweckt (so weit möglich ) und meinte, ob er mir aus der Wanne hilft. Er hat mich nur komisch angeschaut, warum ich jetzt baden gehen wollen würde?! Ich meinte, dass ich Schmerzen hätte und gerne wissen würde, ob es echte Wehen sind. Ich denke im Halbschlaf hat er schon realisiert, dass es losgeht, er war aber noch so verschlafen, dass er sich eigentlich nur umgedreht hat.
Ich bin dann ins Bad und habe das Wasser ganz heiß aufgedreht und mir ein Bad eingelassen. Als ich in die Wanne stieg, merkte ich jedoch, dass das Wasser mehr lauwarm, als angenehm war, trotzdem habe ich versucht mich zu entspannen. Die Wehen - nun alle 5 Minuten - waren nun so schmerzhaft, dass ich bei manchen schon etwas lauter geworden bin. Um kurz nach 5.00 Uhr hatte ich dann ein komisches Gefühl im Bauch und ich merkte, wie es unten rauslief... die Fruchtblase war geplatzt. Dass die Geburt jetzt aber wirklich unmittelbar bevorstand, konnte ich immer noch nicht realisieren. Mein Mann kam ins Bad - kreidebleich, er hatte wohl endlich gemerkt, dass es jetzt losging . Ihn so überfordert zu sehen, war mir auch etwas zu viel. Mir wurde ganz schlecht und er machte mir zum Glück schnell eine Schüssel.
Zwischen mehreren Wehen wusch er mir dann noch die Haare (ich wollte ja sauber sein ) und half mir dann aus der Wanne. Ich fragte ihn, ob er schon fahren könnte (er sah fix und fertig aus, dabei ging es ja noch gar nicht richtig los . Das wollte er sich dann aber wohl doch nicht nehmen lassen
Ich brauchte wegen der Wehen relativ lange, um mich anzuziehen und fertig zu machen. Einige Dinge, wie Handy, Insulin, usw. musste ich auch noch einpacken. Mein Mann hat währenddessen das Auto startklar gemacht.
Um sechs Uhr waren wir aufbruchsbereit, allerdings waren die Wehen so stark, dass ich etwas Angst vor der Fahrt hatte, aber das half ja nichts.

Die Fahrt war wirklich sehr unangenehm. Ich wusste, ich musste durch halten, aber die Wehen waren doch sehr schmerzhaft. Die meiste Zeit hatte ich die Augen geschlossen und versuchte die Wehen zu veratmen, wie wir es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatten.

Um 7.00 Uhr waren wir dann endlich am Eingang des Krankenhauses angekommen. Wir stiegen aus und ich musste mich am Auto festhalten, da gerade wieder eine Wehe kam. Ein Paar kam vorbei und meinte, ob sie einen Rollstuhl holen sollten. Ich lehnte dankend ab, noch in dem Glauben, ich käme ohne weiteres in den Kreissaal.
Doch ohne mich am Auto festzuhalten, kam ich nirgends mehr hin, also lief mein Mann nun doch rein und organisierte einen Rollstuhl. Mir wurde währenddessen wieder so schlecht, dass ich mich übergeben musste.

Ich weiß nicht, was mein Mann wem erzählt hat, auf jeden Fall kam ein Pfleger mit Rollstuhl angelaufen und hat mich in Windeseile in den Aufzug geschoben und gemeint, der Kreissaal wäre bereits informiert und sie müssten sofort kommen. Die Hebamme kam dann auch sofort und stellte sich vor (ich hätte ihren Namen nicht mehr gewusst, mein Mann hat ihn mir danach nochmal gesagt ). Auf den Weg in den Kreissaal fragte die Hebamme, in welchem Abstand die Wehen kämen. Ich wusste es nicht, gefühlt war keine wirkliche Pause mehr dazwischen. Mein Mann meinte, dass es ca. 3 Minuten wären.
Im Kreissaal angekommen, sollte ich mir die Hose ausziehen und mich auf das Kreissaalbett legen. Die Hebamme schickte meinen Mann nochmal raus, um mich anzumelden und untersuchte dann meinen Muttermund - ganz geöffnet
Zwischen zwei Wehen legte mir eine Ärztin (denke ich zumindest, dass es war ) einen Zugang und spritzte mir eine trübe Flüssigkeit (ich weiß bis jetzt nicht, was das war ). Das CTG wurde auch angeschlossen.
Irgendwann kam mein Mann wieder und setzte sich zu mir. Man fragte mich, ob ich eine Chefarztbehandlung möchte, da ich dafür versichert bin, hab ich gedacht, sie wollten das wissen und hab nur "ja" gesagt, mir war es eigentlich ziemlich egal. Der Chefarzt kam dann rein und stellte sich vor.
Bis kurz vor 8.00 Uhr wehte ich so vor mich hin. Der Chefarzt und die Hebamme waren da, die Hebamme ermutigte mich immer wieder lang auszuatmen.
Dann - ich lag auf der linken Seite - hatte ich plötzlich das Gefühl pressen zu müssen während einer Wehe... ich presste und schrie. Das durfte ich einige Male, bis die Hebamme meinte, ich solle lieber richtig pressen und mir die Luft dafür aufgehen, gut also gesagt, getan, die nächste Wehe kam und ich presste mit aller Kraft. Dies tat ich ein paar Wehen, bis die Hebamme meinte, ich sollte mich auf den Rücken drehen, weil sich so nichts täte. Also habe ich mich langsam (schnell ging ohnehin nichts mehr) auf den Rücken gedreht. Der Chefarzt meinte dann zu mir, er würde nun am Po des Babys ein bisschen mitanschieben, dass etwas voranginge. Mir war das recht, ich empfand die Presswehen auch als wesentlich angenehmer, als die Vorherigen. Da die Wehen anscheinend nicht lang genug waren (zweimal Luft holen und Pressen schaffte ich, mehr nicht), wurde ich noch an einen Zehentropf angehängt.
Die Hebamme ermunterte mich weiterhin bei jeder Wehe zu pressen, was mir sehr half. Irgendwann, ich weiß nicht nach wie viel Pressen, war dann endlich der Kopf da und eine weitere Wehe war Jannis mit 49cm, 3410g und 34cm KU dann da
Der stolze Papa hat dann die Nabelschnur durchschneiden dürfen und dann wurde er mir auf die Brust gelegt.

Ich wurde noch genäht, allerdings auch mit Jannis auf der Brust und meinem Mann neben mir, was alles viel erträglicher machte .
Anschließend wurde der kleine Mann gemessen, gewogen, gewaschen und angezogen und dann dem stolzen Papa übergeben.

Von dem Dammriss merke ich zwar immer noch etwas und es war die ersten Tage auch sehr unangenehm, trotzdem denke ich gern an die Geburt zurück .
Es ging alles so unerwartet und schnell, damit hätte ich nie gerechnet
In der Kreissaaltasche waren extra Kekse und Cola und ein Buch usw (hauptsächlich für meinen Mann ), dass ja keine Langeweile aufkommt . Gebraucht haben wir davon gar nichts, es ging alles so schnell.
Es war auf jeden Fall eine Geburt, vor der man keine Angst haben muss
Alaska
9698 Beiträge
10.12.2016 21:15
Wirklich schöner Bericht. Ich könnte einen ähnlich schönen liefern. Das ist so viel wert.

Aber Respekt an dich, dass du bei einem fünf Minuten Abstand noch so die Ruhe weg warst. Da hätte ich schon Angst gehabt, das Kind im Auto zu bekommen (zumal das KH ja nicht ums Eck war).
Ich glaub, das hätte auch ganz andes ausgehen können.
11.12.2016 08:23
Schöner Bericht ! Ich wünsche Dir eine schöne Kuschel und Kennlernzeit .
Katheryna
1826 Beiträge
13.12.2016 11:51
Danke
Ja, im Nachhinein frage ich mich auch, woher ich die Ruhe hatte, aber es ging ja noch alles gut
Ach ja, ich glaub ich hab gar nicht geschrieben, wann er da war
Nach eineinhalb Stunden im Kreissaal kam er dann um 8.29 Uhr auf die Welt
Laura.Marie
954 Beiträge
14.12.2016 21:52
Wie war der Bz, von dein Kind, nach der Geburt?
Katheryna
1826 Beiträge
15.12.2016 14:05
Genau weiß ich nicht, aber er wurde in der ersten Zeit dreimal gemessen, der Wert war immer zwischen 50 und 60 mg/dl. Ich glaube, der erste war 53mg/dl.
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