Mütter- und Schwangerenforum

verspäteter Geburtsbericht meiner kleinen Johanna

Apfelbatterie
1763 Beiträge
29.04.2013 10:10
Johanna kam am 10.10.2012 auf die Welt und nun folgt der Geburtsbericht (den ich schon damals geschrieben habe, aber irgendwie vergessen habe zu posten )

Die letzten zwei Wochen vor der Geburt waren echt hart. Der kleinen Maus wurde der Platz im Bauch langsam zu eng, was ich auch zu spüren bekam durch Tritte in die Rippen, die mittlerweile schmerzten als wären sie gebrochen – oder zumindest ordentlich geprellt.
Zu einer Routinekontrolle am CTG sollte ich am 01.10.2012 ins Krankenhaus, da meine Ärztin im Urlaub war. Bei dieser Kontrolle hatte Johanna einen sehr hohen Puls – die Ärztin im Krankenhaus war skeptisch und bestellte mich für den nächsten Tag gleich noch einmal. Bei dieser Folgeuntersuchung war der Puls von der Kleinen und von mir so hoch, dass ich stundenlang am CTG hing und schließlich zwei Ärzte sich das CTG anschauten. Sie meinten dann, dass unter diesen Bedingungen das Baby im Bauch nicht mehr sicher sei und veranlassten schon alles für einen Kaiserschnitt. Da sich der Puls aber im Laufe des Nachmittags wieder entspannte, wurde der Kaiserschnitt nicht gemacht. Ich musste aber zur Überwachung im Krankenhaus bleiben.
Am Mittwoch durfte ich erst einmal wieder nach Hause, allerdings nur unter der Bedingung, dass ich jeden Tag zur Kontrolle wieder ins Krankenhaus komme. Die folgenden Tage waren dann relativ entspannt, der erhöhte Puls war nicht mehr aufgetreten. Samstag waren wir sogar noch auf einem Mittelalterfest, was mir allerdings schon sehr schwer fiel, aber ich habe den Tag sehr genossen, weil es ja schließlich der letzte Ausflug ohne Baby gewesen war.
Dann kam der Sonntag, der 7.10.2012. Wieder war auf dem CTG der Puls so hoch, dieses Mal durfte ich gleich wieder im Krankenhaus bleiben. Der Puls ging zwar wieder ein bisschen runter, aber abends waren erste Wehen auf dem CTG zu sehen. Am Montagmorgen waren die Wehen sogar noch deutlicher zu sehen – und ich begann auch, die Wehen zu spüren. Ich freute mich, weil ich dachte, dass es nun von ganz alleine losgeht.
Aber im Laufe des Nachmittags verliefen sich die Wehen wieder bis schließlich keine mehr da waren. Die Ärztin im Krankenhaus meinte dann auch schon, dass das langsam sehr viel Stress wäre für die Kleine. Sie machte den Vorschlag, dass wir bis Dienstagmorgen noch abwarten ob die wehen wieder einsetzen und (falls nicht) dann entscheiden ob ein Kaiserschnitt gemacht wird oder künstlich eingeleitet wird, da ja bereits Wehen da gewesen sind.
Am Dienstagmorgen bei der Visite wurde mir vorgeschlagen, dass ich entweder nach Hause durfte – und weiter jeden Tag zur CTG-Kontrolle kommen sollte oder dass eingeleitet wird. Ich rief dann den werdenden Papa an und wir entschieden uns gemeinsam für eine Einleitung.
Gegen 11 Uhr bekam ich dann das Einleitungszäpfchen und durfte wieder auf mein Zimmer und sollte mich ausruhen. Zwischen 15 und 16 Uhr setzen dann die ersten spürbaren Wehen ein. Gegen 17 Uhr beeinträchtigten die Wehen bereits mein Sitzvermögen – ich lief viel durchs Zimmer, musste auch dauernd auf Toilette.
Dann bekam ich Besuch von den Schwiegereltern, die mir einen Kuschelstorch mitbrachten, der mir helfen sollte, dass die Geburt schnell von statten geht. Schließlich kam auch Marco. Er blieb bis ca. 19 Uhr – Ich konnte zu diesem Zeitpunkt bereits kaum mehr sitzen.
Zwischen 20 und 21 Uhr war ich noch einmal beim CTG. Der Muttermund war bereits geöffnet, aber die Wehen noch unterschiedlich stark. Die Hebamme meinte es könnte noch eine ganze Weile dauern – und verabschiedete sich mit „bis morgen – und versuchen Sie zu schlafen“. Ich war erst einmal geschockt, denn die Schmerzen waren bereits so stark, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich das weitere 24 Stunden aushalten sollte, geschweige denn schlafen...
Ich lief dann die ganze Zeit im Zimmer auf und ab. Schlafen war schlichtweg unmöglich. Liegen sowieso. 22 Uhr musste ich bereits versuchen, die Wehen zu veratmen – das gelang mir allerdings nicht sehr gut. Ca. 22.45 Uhr stütze ich mich am Bett ab, als es plötzlich im Bauch knackte und damit die Fruchtblase geplatzt war. Ich wurde kurz sehr nervös, keine Ahnung was ich machen sollte. Ich überlegte, ob ich zuerst ins Bad gehen sollte, um die nasse Hose auszuziehen, entschied mich dann aber dafür, die Notfallklingel zu drücken. Die Schwester kam, half mir auf Toilette, beim Ausziehen der nassen Sachen und beim Anziehen eines schicken Einmalhöschens, vollgepackt mit einer riesigen Binde (ich hab so etwas noch nicht gesehen). Dann sollte ich nach oben in den Kreissaal laufen. Im Fahrstuhl erwischte mich eine so starke Wehe, dass ich fast zusammensackte. Ich schaffte es aber noch in den Kreissaal, wo ich an das CTG angeschlossen wurde. Die Hebamme war entspannter wie ich, denn ich begann bereits, laut zu werden bei jeder kommenden Wehe. Die Hebamme war erst überzeugt, dass es noch eine Weile dauern würde bis da wirklich was voran ging, doch als sie nach dem Muttermund schaute, meinte sie nur „Sie legen ein ganz schönes Tempo vor“ und empfahl mir, den werdenden Papa anzurufen. Die Wehen kamen aber so häufig und stark, dass ich dazu nicht in der Lage war und die Hebamme übernahm das dann für mich. Zu diesem Zeitpunkt war es etwa 23:15 Uhr.
Ich wurde dann in einen besser ausgestatteten Kreissaal gebracht, und musste dort bereits schreien vor Schmerzen. Sitzen ging nicht mehr, Liegen war völlig unmöglich, also lief ich umher und hing mich an ein Stoffseil, wenn eine Wehe kam, weil ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte.
Ich weiß nicht wie viel Zeit verging, bis Marco endlich da war – aber ich war heilfroh. Das Veratmen der Wehen klappte nicht. Und die Schmerzen waren so stark, dass es mir die Beine wegzog und ich mich kaum halten konnte. Ich spürte richtig, wie sich die Kleine Maus Stück für Stück nach unten schob.
Die Hebamme kontrollierte immer wieder den Puls der kleinen mit dem CTG. Marco begann dann mich zu stützen – das war das Beste was er tun konnte. Bei jeder Wehe hielt er mich fest, damit ich nicht umfalle und bestärkte mich, wenn ich begann, zu jammern, dass ich es nicht mehr schaffen würde.
Andrea Käppler – die Hebamme – hatte derweilen alle Hände voll zu tun, denn im Nebenkreissaal war eine sehr schwere Geburt und sie war alleine da. Jetzt im Nachhinein bewundere ich ihre Ruhe, die sie hatte, wenn sie zu mir rüber kam und mir beim Atmen half und mich besänftigte. In dem Moment fand ich es aber total nervig.
Ich erinnere mich noch, dass Marco anfangs gezittert hat, aber er hat sich tapfer gehalten und jede Wehe mit mir durchgestanden. Nach eine Weile – ich weiß einfach nicht mehr, wie spät es da war, denn man verliert jedes Zeitgefühl über der Geburt – bat mich die Hebamme, mich im Vierfüßlerstand auf das Bett zu hocken und kontrollierte wieder die Lage des Kindes. Ich bettelte derweilen um Schmerzmittel, denn ich dachte wirklich, dass ich das nicht mehr lange aushalten würde. Die Hebamme meinte dann aber, dass das Baby wohl da wäre, bevor das Schmerzmittel überhaupt wirken würde. Trotzdem kam ein Anästhesist und legte mir eine Flexüle in der Hand, die wir aber letztlich gar nicht gebraucht hätten. Denn kurz danach setzten die Presswehen ein und ich schöpfte neue Kraft aus dem Gedanken, dass nun das Schlimmste überstanden sei und die Kleine bald da wäre. Marco hielt die ganze Zeit meine Hand und legte mir immer wieder einen kühlen Lappen auf die Stirn, was sehr gut getan hat.
Die Hebamme bestätigte immer wieder, dass alles verhältnismäßig schnell geht. Daran kann ich mich noch erinnern, an mehr allerdings nicht. Die Endphase der Geburt hab ich kaum mehr wahrgenommen. Ich erinnere mich erst wieder an die letzte Presswehe. Die Hebamme ermutigte mich: „Noch einmal und dann ist die kleine Maus da!“. Ich presste noch einmal mit voller Kraft und spürte, wie unsere Tochter aus mir raus und auf die Welt rutschte. Das Gefühl in dem Moment kann ich nicht beschreiben. Es war so voll von unerschöpflicher Freude, aber auch von Erschöpfung, dass es sich kaum beschreiben lässt. Erst war ich total erschrocken, weil die kleine ganz blau war, sie hatte die Nabelschnur um den Hals und weinte nicht los. Aber als sie dann die ersten Töne von sich gab, war ich überglücklich. Und ich empfand einen gewissen Stolz, die Geburt ohne Schmerzmittel oder sonst irgendwelche Hilfen oder Probleme vollbracht zu haben. Marco hatte Tränen in den Augen, was mich wahnsinnig berührte. Ich hatte allerdings keine Kraft zum Weinen, auch wenn mir danach gewesen wäre. Ich bekam die Kleine dann auf den Bauch gelegt und wie sie so in die Welt schaute, verliebte ich mich gleich in dieses kleine Wesen und konnte in diesem Augenblick nicht erfassen, dass sie gerade aus meinem Bauch gekommen war. Aber das war auch völlig egal. Von jetzt an würde sie unser Lebensmittelpunkt sein und unsere Liebe komplett machen.

Nachtrag:
Ich hatte in der ersten Zeit mit Johanna Schwierigkeiten, weil ich mich so sehr sorgte. Oft kam mir das Bild in den Sinn, wie sie da so dunkelblau da lag und nicht weinte. Aber ich lernte schnell, dass man Vertrauen haben muss, in sich selbst, in andere und auch in dieses kleine Wesen, die mein Herz mehr erfüllt als sonst etwas auf der Welt.
urmelausdemeis
22621 Beiträge
29.04.2013 10:20


Oh wie schön geschrieben!!!

Wieder einmal ein Bericht, der mich, also 2 mal Ks Gebärende, zu Tränen rührt und mir wieder klar macht, wie schön eine normale Geburt ist, wenn auch extrem Schmerzhaft.....

Is nich böse gemeint, ich gönne es Dir von Herzen, diese Geburt.

Wie grße und schwer war die Süße denn??
Apfelbatterie
1763 Beiträge
29.04.2013 10:27
Sie war 47 cm groß und 3090 Gramm schwer

Danke für die lieben Worte.

Schade, dass es dir nicht gegönnt war eine normale Geburt zu erleben. Aber umso mehr bewundere ich dich Und letztlich ist doch das wichtigste, dass die Mäuse gesund sind. Dafür steht man ja einiges durch
urmelausdemeis
22621 Beiträge
29.04.2013 10:37
Natürlich ist es das wichtigste... klar!!!

Aber glaub mir, dieses Geburtserlebnis fehlt mir total. Meinen Sohn (nachüber 10 Std wehen ein Not Ks) habe ich nur ganz kurz sehen können. Dann lag er irgendwann in Handtücher gewickelt bei meinem Mann, der mir ständig sagte, schau doch mal, guck doch mal.... und ich konnte nicht. Ich sah ihn einfach nich in den Handtüchern. Als er mir dann, zurück im Kreißsaal, auf den Arm gegeben wurde, dachte ich nur, was soll das jetzt???? Mein Bauch war leer, mir tat so fast alles weh und dann legte man mir dieses Kind in den Arm. Aber keine 2 Std später kamen dann die Muttergefühle und steigerten sich ins extreme...... 2 Monate später bekam ich die Diagnose Geburtstrauma und Antidepri...... ich habe ganz lange gebraucht um das alles zu verarbeiten.

Dann wurde ich wieder schwanger. Meine Freund unendlich, vor allen auch die Vorfreude auf einen normale Geburt. Und dann, so ca ab der 30. Woche, kam alles anderst. Gerenne von hier nach da und dort und hier. 5 Ärzte 10 Meinungen. Bis mir dann das Becken vermessen wurde und mir gesagt wurde, dass selbst ein normales Baby es schwer hätte da durch zu kommen. Und dann das Risiko, dass meine Tochter Geburtsverletzungen davon tragen KÖNNTE. Fazit, Ks..... ich war am Boden zerstört. Und die Angst kam. Klar, ich wusste, was für Schmerzen da auf mich zu kommen.

Sie wurde geboren und ich habe sie noch nich mal gezeigt bekommen. Um 12.14 Uhr wurde sie geboren und eine Std später habe ich sie das erste mal gesehen. Eine weitere halbe Std später wurde sie dann ins 40 km entfernte Uniklinikum verlegt.... und ich sah sie erst 2 Tage später wieder.

Tja, der Ks is natürlich noch da, die Erinnerung. Aber viel schlimmer sind die 12 Tage, die man mir genommen hat mit meinem Kind..... Das nagt noch heute sehr an mir.

Umso schöner finde ich solche Geburtsberichte wie Deinen, wo man sich reinversetzen kann. Es muss ein unbeschreibliches Gefühl sein, das Kind unter starken SChmerzen zu entbinden und dann gleich auf dem Bauch liegen zu haben. Genau das ist es, was mir fehlt.....
urmelausdemeis
22621 Beiträge
29.04.2013 10:40
ah vergessen. Ich bewundere die Frühchen Mamas total!!! Madleen war kerngesund, warum sie 12 Tage in der Klinik bleiben musste, sagte uns niemand, konnte vermutlich auch keiner. Aber ich fand das super hart. Und wirklich, ich zieh den Hut vor den Mamas und Papas, die Wochen oder gar Monatelang ins Kh müssen, weil die Mäuse da bleiben müssen. RESPEKT!!!!
Apfelbatterie
1763 Beiträge
29.04.2013 10:47
Zitat von urmelausdemeis:

ah vergessen. Ich bewundere die Frühchen Mamas total!!! Madleen war kerngesund, warum sie 12 Tage in der Klinik bleiben musste, sagte uns niemand, konnte vermutlich auch keiner. Aber ich fand das super hart. Und wirklich, ich zieh den Hut vor den Mamas und Papas, die Wochen oder gar Monatelang ins Kh müssen, weil die Mäuse da bleiben müssen. RESPEKT!!!!


ja das unterschreibe ich total! Ich bewundere das auch.

Mir haben schon die paar Tage gereicht, die wir länger bleiben musste, weil Johanna schwere NeugeborenenGelbsucht hatte... Nicht auszudenken, wie es Mamas und papas geht, deren kleine wirklich ernste Sachen haben, die monatelang behandelt werden müssen.

Und zu deinen Geburten: du hast es wirklich nicht leicht gehabt. Und ich verstehe voll, dass dir dieser Moment nach der Geburt gefehlt hat. Und das mit deiner Tochter finde ich ja schrecklich. Wieso nehmen sie die nur einfach weg und bringen sie ohne Erklärung für 12 Tage in ein anderes Krankenhaus. Das ist ja echt krass kann dich echt voll verstehen. Meiner Schwägerin ging es ähnlich. 12 Stunden Horrorwehen und nichts ging, dann Not-KS weil meine Nichte im Becken verklemmt war. Und das bei Vollnarkose. Sie hat die kleine auch erst Stunden später sehen dürfen. Schrecklich
Pinkkitty2207
1084 Beiträge
29.04.2013 11:57
sehr schön geschrieben
musste auch ein bissl schlucken weil mir das erlebnis auch verwehrt bleibt wegen notKs nach 5h wehen..
falls ich wd schwanger werden sollte darf ich auch keine natürliche genburt haben leider.. aber naja
schön das wes dir und deiner maus gut geht und ihr viel freude zusammen habt
JennyNRW
896 Beiträge
29.04.2013 12:07
Ein wunderschöner geburtsbericht

Ich hatte auch 2 spontan Geburten.

Mein ältester kam in der 34. Woche zur Welt und mein jüngster in der 35. Woche.

Mein ältester lag 3 Wochen im Krankenhaus und mein jüngster 2. war eine harte zeit. War aber so oft und lange wie möglich im Krankenhaus
Apfelbatterie
1763 Beiträge
29.04.2013 12:16
Zitat von JennyNRW:

Ein wunderschöner geburtsbericht

Ich hatte auch 2 spontan Geburten.

Mein ältester kam in der 34. Woche zur Welt und mein jüngster in der 35. Woche.

Mein ältester lag 3 Wochen im Krankenhaus und mein jüngster 2. war eine harte zeit. War aber so oft und lange wie möglich im Krankenhaus


Mein kleine lag auch länger im Krankenhaus, allerdings nichts "ernstes", sie hatte "nur" eine extrem starke Neugeborenengelbsucht. Ich bin solange bei ihr geblieben.
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