Mütter- und Schwangerenforum

☆ Maus und Mäuschen ☆ Mein zweites Wunder ☆

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katkat
5587 Beiträge
09.09.2012 23:43
So. Wie man unschwer an meinem Ticker erkennen kann, ist das kleine Mäuschen seit über drei Wochen auf der Welt. Und hier wollte ich doch noch fix meinen Geburtsbericht festhalten:

Am 14.8. hatte ich morgens um 10:40h einen Arzttermin, direkt am ET. Das CTG und die anderen Untersuchungen waren super, keine Wehe weit und breit zu sehen, Muttermund fest geschlossen. Da ich wegen meiner Präeklampsie in der ersten SS ein Risiko habe, wurde bei mir jedes Mal Doppler gemacht - und an diesem Morgen waren die Werte der Plazentaversorung nicht wirklich gut. Mein FA meinte, er würde eben mit der Klinik telefonieren und sich mit denen besprechen. Hab dann noch ein bisschen gewartet. Mein Mann und meine Große wollten mich abholen und warteten mit mir zusammen. Das Ergebnis der Besprechung war, dass sie mich zum Einleiten in die Klinik schicken wollten. Sicher ist sicher.

Ich war irgendwie total fertig, weil ich dieses Mal so auf einen normalen Verlauf gehofft hatte, aber wir sind dann mit der Maus nach Hause gefahren, ich habe meine restlichen Sachen zusammen gepackt und gewartet, bis unser guter Freund auftauchte, um auf die Maus aufzupassen. Dann sind wir also in die Klinik. In den Kreißsaal zur Voruntersuchung. Dort waren wir in einem Untersuchungszimmer und haben eine Ewigkeit auf weitere Unternehmungen gewartet. Wie immer haben wir uns köstlich amüsiert und das Beste aus der Wartezeit gemacht. Laut CTG der Klinik hatte ich null Wehen. Die Ärztin, die mich nach zwei Stunden dann endlich untersuchte, meinte, meine Plazentaversorgung sei super, aber die Fruchtwassermenge sei bedenklich wenig. Naja. Ich hatte sowieso nicht mehr vor, nach Hause zu fahren. Also wurde ich endlich gegen 17 Uhr auf die Schwangerenstation gebracht – in dasselbe Zimmer wie bei der Maus damals, wo ich meine heutigen Freundinnen kennengelernt hatte  Mit mir waren noch 3 andere Frauen zum Einleiten dort. Nach einem schnellen Abendessen schickte ich meinen Mann dann nach Hause zu unserer Tochter und bekam dann so gegen halb sechs den leckeren Wehencocktail. Ich machte es mir dann schön gemütlich. Jedes Bett hatte seinen eigenen kleinen Flachbildmonitor, ich hatte meinen MP3-Player dabei, die Frauen waren nett – ich stellte mich mal wieder auf einen längeren Aufenthalt ein und wollte einfach entspannen, bevor es losgehen würde.

Gegen 20:30h – ich schaute gerade „Simpsons“ - bekam ich erste schmerzhafte Wehen. Laut CTG, das so auf 50 ausschlug, waren diese jedoch total unregelmäßig und noch nicht bedenklich. Auch mein Muttermund war noch nicht wirklich offen. Ich bin dann einfach mal in den Klinikgarten gegangen, um dort Runde für Runde zu drehen, Musik zu hören und mit ein paar Freunden zu Chatten via Smartphone. Die Schmerzen wurden immer heftiger. Ich bin dann irgendwann wieder in die Klinik, um die erste Dosis Ampicillin einzufordern, da ich B-Streptos hatte und 2 Dosen Antibiotikum während der Entbindung erhalten sollte – und weil meine erste Geburt nur 6 Stunden insgesamt gedauert hatte, sollte ich die erste Dosis schon relativ früh bekommen, damit das zeitlich klappt. Das war so gegen 21 Uhr. Vier Stunden später sollte ich die nächste Dosis bekommen. Danach ging ich wieder in den Krankenhausgarten. Die Hebamme auf Station meinte noch, ich solle ihr einfach selbst sagen, wann ich in den Kreißsaal wolle, da ich wohl selbst am besten wüsste, wann es soweit wäre… Gerade ich alter Hypochonder!! Gegen 22:30h kam dann mein Mann über den Zaun geklettert, mit einem Mars-Eis für mich und einer Zigarre für sich selbst. Zu diesem Zeitpunkt waren die Schmerzen aber schon nicht mehr wirklich lustig. Wir waren noch eine Weile im Garten, aber dann konnte ich nicht mehr und bin irgendwann auf Station zurück. Die Hebamme dort sah mir wohl an, dass es mir nicht so wirklich gut ging und fragte, ob ich nun in den Kreißsaal wolle, aber ich wusste es einfach nicht genau. Dann schlug sie mir vor, doch einfach ein Bad dort in einem Geburtszimmer zu nehmen um zu sehen, ob die Wehen blieben oder nicht. Das hielt ich für eine super Idee – also rief ich meinen noch Zigarre rauchenden Mann an, er solle rein kommen, wir würden nun in den Kreißsaal gehen. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis alles beisammen war und wir mit Sack und Pack und meiner Bettnachbarin zusammen in den Kreißsaal umziehen konnten, es war schon spät und zusätzlich war die Hölle los in dieser Nacht. Scheinbar hatte nicht nur ich vor, zu entbinden, obwohl es tropische Temperaturen hatte.

Im selben Entbindungszimmer, in dem ich vor 3 ½ Jahren meine große Maus zur Welt gebracht hatte, kamen wir dann so gegen 23:30h an. Es war unglaublich heiß… In weiser Voraussicht legten wir direkt die Cranberries CD auf, die wir letztes Mal nicht mehr einzulegen geschafft hatten – ich wollte doch so gerne zu „No need to Argue“ entbinden Als wir uns eingerichtet hatten, ließ mir die Hebamme ein Bad ein und ich ging in die Wanne. Wie von mir vermutet waren die Wehen plötzlich weg… Zu dem Zeitpunkt war mein Muttermund bei 3 cm. Wir machten weiter Scherzchen und nach einer Weile kamen die Wehen wieder. Die ersten beiden Wehen in der Wanne waren noch erträglich und ich konnte sie noch mitsingend („Zombie“) veratmen. Doch die, die dann kamen, waren wirklich so heftig, dass ich sie kaum noch veratmen konnte. Dann wollte ich auch schon wieder aus der Wanne und die Hebammenschülerin untersuchte mich direkt danach. In der Sekunde platze schon meine Fruchtblase und die Zeichnungsblutung kam. Ich stand also noch vom Badewasser nass und nackt dort, als die Hebamme mir sagte, wenn ich wolle, könne ich bei der nächsten Wehe mitschieben… MITSCHIEBEN?! Ich war gerade erst in den Kreißsaal gekommen und nun sollte ich entbinden? Das war mir zu viel… Es war gerade 0:10h. Ich kletterte dann also unter üblen Wehen, während denen ich nur noch schreien konnte, auf das Bett und nahm meine gute, alte Vierfüßlerhaltung ein, die Hebamme und ihre Schülerin waren schon in Wartestellung, mein Mann vor mir – und nach 3 Presswehen war unsere kleine Maus schon da, um 0:22h! Ich konnte das gar nicht glauben. Ich dachte während der Presswehen, dass ich das nicht schaffen würde, aber wie beim ersten Mal stellt man doch unfassbare Kräfte bei sich fest…

Die kleine Maus war kerngesund und wunderschön, direkt rosig und guckte mich mit ihren riesigen blauen Augen gespannt an. Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich jetzt und hier schon wieder ein kleines Wesen in den Armen hielt, das mein Kind war. Ein echtes Wunder, auch wenn das so abgedroschen klingt. Ich wurde dann nach zwei Stunden Warterei auch endlich genäht (es war so viel los in dieser Nacht…) Gegen vier Uhr nachts kam ich dann auf die Wöchnerinnenstation und am nächsten Vormittag machten wir uns schon auf den Weg nach Hause, da ich unbedingt ambulant entbinden und so schnell wie möglich zu meiner Maus wollte – damit wir endlich komplett sein würden <3
katkat
5587 Beiträge
09.09.2012 23:49
Ich hatte mir ja nicht vorstellen können, wie es ist - mit zwei Kindern. Und ich bin mir auch heute noch nicht sicher... Es ist aufregend, stressig, panisch, lustig, nicht schaffbar, leicht, schwer - alles auf einmal!
Die Maus macht ihre Sache sooo gut, sie liebt ihre kleine Schwester über alles und bisher ist keine Spur von Eifersucht erkennbar. Sie ist nie genervt oder traurig, wenn die Kleine schreit oder Vorrang hat. Ich finde das bemerkenswert für so ein kleines Mädchen, das bis vor wenigen Wochen noch unser einziger Lebensmittelpunkt war.

Aber ich muss auch sagen, dass es nicht immer einfach ist. Ich habe oft Momente, in denen ich wirklich große Angst vor dem verspüre, das da noch auf uns zu kommt. Und in denen ich mir ein paar Augenblicke mein Leben von vor vier Wochen wieder zurück wünsche. Aber ich denke, das ist ganz normal. Und dann sehe ich sie an, meine beiden gesunden und wunderschönen Mädchen und könnte heulen, weil ich so viel Glück habe. Wie kann man sich beschweren und über Müdigkeit und Schlafmangel jammern, wenn man so ein Glück haben darf?
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