Mütter- und Schwangerenforum

"ich will dir weh tun, mama" ist das eine phase? o.O

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Nuya
10749 Beiträge
19.09.2017 21:19
Mein Mann und ich haben übrigens nochmal lange geredet wegen dieser Ausraster, und wir haben einen Auslöser finden können, der der Situation IMMER in der ein oder anderen Form voraus geht. Und zwar eine plötzliche "Unterbrechung" seiner vorigen Tätigkeit/seines Gedankengangs.

Beispiele:
Er spielt was, und es klingelt an der Tür, und der Postbote kommt.
Papa kommt zur Tür rein, und redet mit mir (umkehrbar: ich komme zur Tür rein, und rede mit Papa).
Er spielt ein Spiel, wo man hin treten darf, und wo nicht, und sieht, nachdem wir in die S-Bahn gestiegen sind, noch aus dem Fenster eine weitere Stelle, mit dem selben Fußbodenbelag, rastet aus, er hätte da noch lang laufen müssen. --> Schreikrampf bis nach Hause, und weitere 1-2 Stunden, wir müssen seiner Meinung nach zurück.
etc.

Ankündigungen von "noch soundso lange" haben da begrenzte Wirkung. Er hat einen bestimmten Gedankengang/Ablauf, und wehe dem, der den unterbricht. Und wann der Postbote klingelt, oder das andere Elternteil nach Hause kommt, lässt sich halt auch nicht immer genau vorher ankündigen...

Wir haben nun einen Termin zum Vorgespräch bei einer Kinderpsychologin am 10.10.
Und er wird wohl im April mal durchgetestet. (Wenn er dann 4 ist, da kann man mehr Untertests machen, ausführlicher testen, und dann eben entsprechend auch genauere Aussagen treffen, und auf der Grundlage dann auch bessere Empfehlungen geben)

Ich sehe übrigens nun schon wieder die Autismus-Geschichte kommen, von wegen Unterbrechung von Routinen und so. Aber ganz ehrlich, ich glaub nicht dran, es spricht einfach so vieles dagegen. Zum Beispiel, dass er sich in der KiTa ja anpassen kann. Anscheinend auch vorausschauend die Probleme von anderen Kindern löst (Ein Kind spricht beispielsweise kein Deutsch. Wenn die Erzieherin Anweisungen gibt, führt er sie ungefragt sowohl für sich, als auch für das andere Kind aus - Beispielsweise holt er ihr die Schuhe, damit sie weiß, dass die Erzieherin gesagt hat, sie sollen die Schuhe anziehen). Wir haben die Probleme nur zu Hause. Er kennt die Erwartungshaltung, die an ihn gerichtet wird (manchmal schmerzhaft) genau.

Ich glaube an irgendeine unglückliche Mischung von geringem Reizfilter, schlauem Kopf, seeeehr theoretischer Denkweise, die manchmal seltsam anmuten kann, und einer extremen Verhaftung in (teilweise selbstständig, teilweise von Außen auferlegten) Abläufen und Regelwerken, einen Hang zum Durchexerzieren von sämtlichen theoretischen Fällen, und der Tatsache, dass er zwischen sehr verschiedenen Anforderungsprofilen, die die Welt, und er selbst an ihn stellen hin und her wechseln muss, und Selbstzweifeln, bzw ein nicht altersangemessenes Bewusstsein für seine eigene Fehlbarkeit.

Einzelne Dinge daraus können denke ich leicht in die Autismusecke geschoben werden, wenn man sich aber das Gesamtbild anguckt, passt es einfach nicht. Die alte KiTa wollte ja auch in die Richtung, aber dort traten die Probleme meiner Meinung nach auch nur in Überreizungssituationen auf. Uns wurde beispielsweise geschildert, wenn viel los wäre, wäre er quasi nicht mehr ansprechbar, würde den ganzen Körper verkrampfen, die Arme an die Seite pressen, die Augen nach oben verdrehen, und zittern. Das klingt ziemlich furchteinflößend, und ich hab es bei ihm nur je abgeschwächt beobachtet, aber auch nur in Überreizungssituationen. (ich weiß, dass auch die Reizüberflutung in die Autismusecke passt, aber die kann es eben auch isoliert geben, ohne den Autismus drumrum. Ich kenne es auch von mir selbst, und bin keine Autistin. Sowieso kenne ich viele der Dinge von mir selbst, und manche auch von meinem Mann. Keiner von uns beiden ist Autist. Andere Dinge, andere "Diagnosen" ja, aber Autismus bei uns beiden nicht.)

Wenn es so ist, ist es so, dann ist es auch ok. Aber intuitiv würde ich nicht unbedingt dran glauben, es gibt zu viel, was dagegen spricht.
Aduja
28754 Beiträge
19.09.2017 21:45
Das klingt doch, als wüsstest du eigentlich sehr gut, was in deinem Kind vorgeht. Was es leider sicher nicht einfacher macht.
Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass ihr Hilfe bekommt und auch neue Wege findet mit dem Problem umzugehen.
Nuya
10749 Beiträge
19.09.2017 21:54
Zitat von Aduja:

Das klingt doch, als wüsstest du eigentlich sehr gut, was in deinem Kind vorgeht. Was es leider sicher nicht einfacher macht.
Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass ihr Hilfe bekommt und auch neue Wege findet mit dem Problem umzugehen.

Ja, manchmal bilde ich mir ein, es zu durchblicken, und dann wieder zweifel ich an allem, an mir, an der Situation, an allem. Das mit den Auslösern wurde mir tatsächlich erst heute bewusst, als wir nochmal länger drüber geredet haben.

Mir ging es ein Stück weit auch eher um Lösungs- als Ursachenforschung, obwohl ich weiß, wie blödsinnig das ist, das eine gibts ohne das andere nicht.^^

Das Problem ist, dass ich keine Ahnung hab, wie wir das Problem lösen sollen, und das macht mich so hilflos. Mein Mann meint (und da hat er Recht), dass wir jetzt einfach ein Stück weit von Tag zu Tag leben müssen, und schauen müssen, dass jeder Tag so wenig problematisch wird, wie irgend möglich, und dass es nun keine Patentlösung für die nächsten Monate geben wird. Vielleicht gibt es in der KiTa ja auch noch ein paar Stellschrauben, an denen man noch ein bisschen Optimierungsspielraum hat. Wir werden das Gespräch dort nochmal suchen.

Die Beraterin sieht es gar nicht so schwarz, wie wir, weil sie meint, es wäre gut, dass er sich in der KiTa anpassen kann. Manchmal würde ich mir das Gegenteil wünschen, um ernst genommen zu werden. Sicherlich ist es auch nicht einfach mit einem Kind, was in der KiTa Probleme macht, aber ab und an würde ich mir wünschen, er würde welche machen, oder sonst irgendwie er selbst bleiben, wenn er dort hin geht. Er wechselst sich echt komplett selbst aus, passt sich komplett an. Sicherlich ist es einerseits eine Stärke, aber ein Problembewusstsein existiert dadurch nicht. Mir ist bewusst, dass ein KiTa-Krawall-Kind einen ganz anderen Satz an Problemen mitbringen würde, und ich da sicher auch nicht tauschen wollen würde. Nur ab und an kommt mir der Gedanke...
Und WENN es überhaupt so weit kommt, dass akzeptiert wird, dass es daheim Probleme gibt, dann werden ganz schnell wir verantwortlich gemacht, obwohl es ganz klar so ist, dass die Probleme nur auftreten, wenn er in die KiTa geht. War er ein paar Tage daheim, dann wird er zum ausgeglichensten Kind aller Zeiten, und bleibt das auch... Bis er wieder dort hin geht.

Danke Dir, Aduja.
shelyra
69260 Beiträge
19.09.2017 22:05
könntet ihr vielleicht so eine situation wo er so ausrastet mal aufnehmen?
dann hättet ihr etwas was ihr der psychologin zeigen könnt. und nicht nur erzählungen die ja oft nicht nach vollziehbar sind.
wenn ihr wollt könnt ihr dass dann ja auch in der kita zeigen damit ihr euch dort besser verstanden fühlt. sie vielleicht auch mal "sein anderes gesicht" sehen und euch somit eventuell auch mit tipps unterstüzen könnten.
Aduja
28754 Beiträge
19.09.2017 22:19
Ich kann gut verstehen, dass du dir wünscht er hätte im Kindergarten auch mal Probleme. Ihr habt sicher das Gefühl, so kann euch keiner ernst nehmen.
An sich ist es ja auch nicht schlecht, dass er sich anpassen kann. Aber für ihn ist es sicher extrem anstrengend.
20.09.2017 19:42
Zitat von Nuya:
Mein Mann und ich haben übrigens nochmal lange geredet wegen dieser Ausraster, und wir haben einen Auslöser finden können, der der Situation IMMER in der ein oder anderen Form voraus geht. Und zwar eine plötzliche "Unterbrechung" seiner vorigen Tätigkeit/seines Gedankengangs.

Beispiele:
Er spielt was, und es klingelt an der Tür, und der Postbote kommt.
Papa kommt zur Tür rein, und redet mit mir (umkehrbar: ich komme zur Tür rein, und rede mit Papa).
Er spielt ein Spiel, wo man hin treten darf, und wo nicht, und sieht, nachdem wir in die S-Bahn gestiegen sind, noch aus dem Fenster eine weitere Stelle, mit dem selben Fußbodenbelag, rastet aus, er hätte da noch lang laufen müssen. --> Schreikrampf bis nach Hause, und weitere 1-2 Stunden, wir müssen seiner Meinung nach zurück.
etc.


Exact diese Unterbrechungsproblematik haben wir auch. Bei diesem Punkt (eines der sehr starken) hies es eben bei uns das dies auch auf (neben vielen anderen) auf Hochsensiblität hindeutet.

Ausraster und Attacken wie du sie schreibst haben wir auch.
Wir haben das Problem z.b. gestern erst.
Ich bastel mit Sophia Herbstblätter fürs Fenster, und dann haben wir noch mit Fensterkreide die Scheiben bemalt. Alles wunderbar.
Bis dann beim Haus der Schlüssel nicht so filigran zu malen war mit eben so dicken kreiden.
Ausraster.
Ich kochte nebenher, mein Mann wechselte mich quasi aus und er malte weiter mit ihr.
Pausenloses Schlüsseltheater, inklusive Rotzfaden bis zum Fusboden und Schnappatmung.
Der Obergau war dann alles zusammenzuräumen (Aktivitätswechsel) weil Abendessen angesagt war.
Beim essen weiterhin Zinober.

Der Knackpunkt Schlüssel malen und Aufräumen wg Essen hat uns geschlagene 1 1/2 Std ein brüllendes, heulendes Kind beschert, das wenn man uns quasi in der Nachbarschaft nicht kennt, wieder denken könnte, wir dreschen das Kind Windelweich.

Ja, diese extreme Phase haben wir momentan ganz ganz Furchtbar wieder, seit so 3 Wochen. Auch die Nächte sind aktuell wieder Unterirdisch. Aber wir leben mittlerweile recht gut damit, auch weil wir wissen, das die ja FF bekommt.
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