Mütter- und Schwangerenforum

Alkoholkranke Familienangehörige

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Anonym 1 (208763)
0 Beiträge
17.06.2022 19:48
Hallo zusammen,

Ich weiß nicht, was ich mir von diesem Thread erhoffe. Vielleicht Austausch, vielleicht Rat. Sicher tut es gut mal alles von der Seele zu schreiben.

Und zwar geht es um meine Mutter. Sie ist alkoholkrank. Auffällig wurde alles 2019 - es gab mehrere unschöne Ereignisse auf Familienfeiern. 2020 gab es dann ein einschneidendes Erlebnis und daraufhin machte sie eine ambulante Behandlung (Reha?) über fast 1 Jahr. Leider schaffte sie es auch in dieser Zeit nicht komplett trocken zu bleiben.
Es gab mehrere Rückfälle und viele Diskussionen. Mittlerweile sagt sie von sich selbst, dass sie nicht mehr trinkt. Das Thema Alkohol ist aber ständig in ihrem Kopf. Sie hört sich täglich Podcasts zum Thema an, liest Bücher. Das ist natürlich nicht schlecht, aber sie schafft es trotzdem nicht trocken zu bleiben. Gibt es natürlich nicht zu. Sie erzählt immer wie gut es ohne Alkohol ist und berichtet auch immer (!), fast schon nervend von ihren alkoholfreien Getränken, die sie so trinkt.

Leider musste ich jetzt feststellen, dass bei uns zu Hause jemand unseren Alkohol „wegtrinkt“. Klar, es ist wohl ein Fehler gewesen, den offen zugänglich stehen zu haben, aber seien wir ehrlich, wenn jemand trinken will, dann trinkt er. Egal wo.
Ich bin nicht enttäuscht davon, dass sie es nicht schafft trocken zu bleiben, vielmehr von den ganzen Lügen. Ich hab vor einiger Zeit mal Bedenken geäußert, ob sie nicht wieder was trinkt und ob sie meine Hilfe braucht. Das endete im Streit. Sie konnte es nicht zugeben.

Gibts vielleicht jemand mit ähnlichen Geschichten? Oder jemanden, der einen klugen Rat für mich hat?

Viele Grüße

Dieses Thema wurde anonym erstellt, weil:

Das Thema sehr privat ist

nilou
11935 Beiträge
17.06.2022 20:12
Das Problem sehe ich in der „Ursache“ des trinken. Wenn das nicht „behoben“ wird, ist es schwer mit dem trinken aufzuhören. Sprich um eine Therapie wird sie nicht drum rum kommen. Evt. auch die anonymen Alkoholiker als Hilfe. Da sind Leute mit der gleichen Krankheit. Und nichts anderes ist es auch eine Abhängigkeit/Krankheit.

Und klar kommt sie überall an Alkohol ran. Aber macht den Alkohol sofort bei euch weg. Es ist doch so schon schwer, aber wenn man auch noch freien Zugang dazu hat so gut wie unmöglich in einer aktuellen Phase. Außerdem bringt es euch alle in die blöde Lage das du denkst sie trinkt es euch weg (was sie wahrscheinlich auch tut) und sie es versucht vor euch zu verbergen. Sprich es legt die unschöne Basis fürs gegenseitige Anlügen.

Du bist wahrscheinlich auch eine Person die ihr nicht helfen kann. Wieder der Punkt: die Ursache des trinkens muss sie finden und daran arbeiten.

Meine Mutter war auch Alkoholikerin. Sie hat Ereignisse aus ihrer Kindheit/Leben versucht damit zu betäuben. Da konnten wir als Kinder ihr nicht helfen.
Anonym 2 (208763)
0 Beiträge
17.06.2022 21:27
Ich finde es ist schon ein großer Schritt zuzugeben, das Sie alkoholkrank ist.
Leider habe ich keinen Rat für dich. Ich bin durch die Alkoholsucht meiner Mutter mit 14 in schwere Depressionen gerutscht. Ich habe viel versucht mit Therapie etc aber wenn keine Einsicht da ist bringt es nichts. Mir geht's erst besser als ich erkannt habe das ich nichts machen kann wenn Sie nicht will.
Das mag für viele egoistisch sein, aber ich muss an meine Gesundheit denken
Anonym 3 (208763)
0 Beiträge
17.06.2022 21:32
Zitat von Anonym 2 (208763):

Ich finde es ist schon ein großer Schritt zuzugeben, das Sie alkoholkrank ist.
Leider habe ich keinen Rat für dich. Ich bin durch die Alkoholsucht meiner Mutter mit 14 in schwere Depressionen gerutscht. Ich habe viel versucht mit Therapie etc aber wenn keine Einsicht da ist bringt es nichts. Mir geht's erst besser als ich erkannt habe das ich nichts machen kann wenn Sie nicht will.
Das mag für viele egoistisch sein, aber ich muss an meine Gesundheit denken
Genau so ist es leider, hat nichts mit Egoismus zu tun.

Mein Vater hat sich tot getrunken, mein Mann hat ebenfalls ein Alkoholproblem, gibt es aber nicht zu, solang die Einsicht nicht da ist kann ich ihm nicht helfen, leider....
Anonym 1 (208763)
0 Beiträge
17.06.2022 22:28
Zitat von nilou:

Das Problem sehe ich in der „Ursache“ des trinken. Wenn das nicht „behoben“ wird, ist es schwer mit dem trinken aufzuhören. Sprich um eine Therapie wird sie nicht drum rum kommen. Evt. auch die anonymen Alkoholiker als Hilfe. Da sind Leute mit der gleichen Krankheit. Und nichts anderes ist es auch eine Abhängigkeit/Krankheit.

Und klar kommt sie überall an Alkohol ran. Aber macht den Alkohol sofort bei euch weg. Es ist doch so schon schwer, aber wenn man auch noch freien Zugang dazu hat so gut wie unmöglich in einer aktuellen Phase. Außerdem bringt es euch alle in die blöde Lage das du denkst sie trinkt es euch weg (was sie wahrscheinlich auch tut) und sie es versucht vor euch zu verbergen. Sprich es legt die unschöne Basis fürs gegenseitige Anlügen.

Du bist wahrscheinlich auch eine Person die ihr nicht helfen kann. Wieder der Punkt: die Ursache des trinkens muss sie finden und daran arbeiten.

Meine Mutter war auch Alkoholikerin. Sie hat Ereignisse aus ihrer Kindheit/Leben versucht damit zu betäuben. Da konnten wir als Kinder ihr nicht helfen.


Die Ursache sind Depressionen. Das liegt ja ganz eng beinander.
Und sie war nicht bei den AA, sondern in einer anderen Einrichtung. Also da waren schon gute Ansätze da. Rückfälle sind auch normal, das weiß ich. Wären auch kein Problem. Nur diese Lügen.
Aber ja, du hast recht. Werde den Alkohol wegsperren.
Anonym 1 (208763)
0 Beiträge
17.06.2022 22:29
Zitat von Anonym 3 (208763):

Zitat von Anonym 2 (208763):

Ich finde es ist schon ein großer Schritt zuzugeben, das Sie alkoholkrank ist.
Leider habe ich keinen Rat für dich. Ich bin durch die Alkoholsucht meiner Mutter mit 14 in schwere Depressionen gerutscht. Ich habe viel versucht mit Therapie etc aber wenn keine Einsicht da ist bringt es nichts. Mir geht's erst besser als ich erkannt habe das ich nichts machen kann wenn Sie nicht will.
Das mag für viele egoistisch sein, aber ich muss an meine Gesundheit denken
Genau so ist es leider, hat nichts mit Egoismus zu tun.

Mein Vater hat sich tot getrunken, mein Mann hat ebenfalls ein Alkoholproblem, gibt es aber nicht zu, solang die Einsicht nicht da ist kann ich ihm nicht helfen, leider....


Die Einsicht ist ja da. Leider belügt sie sich auch selbst.
Es muss ein neues Ventil für emotionalen Stress her, aber es ist so schwer sie dabei zu unterstehen, wenn sie es nicht einsieht.

Aber deinen Gedankengang kann ich total verstehen, ich bin glaube ich nur noch zu Hoffnungsvoll, dass ich ihr doch irgendwie helfen kann.
nilou
11935 Beiträge
18.06.2022 07:30
Zitat von Anonym 1 (208763):

Zitat von nilou:

Das Problem sehe ich in der „Ursache“ des trinken. Wenn das nicht „behoben“ wird, ist es schwer mit dem trinken aufzuhören. Sprich um eine Therapie wird sie nicht drum rum kommen. Evt. auch die anonymen Alkoholiker als Hilfe. Da sind Leute mit der gleichen Krankheit. Und nichts anderes ist es auch eine Abhängigkeit/Krankheit.

Und klar kommt sie überall an Alkohol ran. Aber macht den Alkohol sofort bei euch weg. Es ist doch so schon schwer, aber wenn man auch noch freien Zugang dazu hat so gut wie unmöglich in einer aktuellen Phase. Außerdem bringt es euch alle in die blöde Lage das du denkst sie trinkt es euch weg (was sie wahrscheinlich auch tut) und sie es versucht vor euch zu verbergen. Sprich es legt die unschöne Basis fürs gegenseitige Anlügen.

Du bist wahrscheinlich auch eine Person die ihr nicht helfen kann. Wieder der Punkt: die Ursache des trinkens muss sie finden und daran arbeiten.

Meine Mutter war auch Alkoholikerin. Sie hat Ereignisse aus ihrer Kindheit/Leben versucht damit zu betäuben. Da konnten wir als Kinder ihr nicht helfen.


Die Ursache sind Depressionen. Das liegt ja ganz eng beinander.
Und sie war nicht bei den AA, sondern in einer anderen Einrichtung. Also da waren schon gute Ansätze da. Rückfälle sind auch normal, das weiß ich. Wären auch kein Problem. Nur diese Lügen.
Aber ja, du hast recht. Werde den Alkohol wegsperren.


Und was sind die Ursachen der Depression? Das ist leider sehr vielschichtiger.

Und Lügen gehört leider dazu wenn man versucht die Erwartungen anderer zu Erfüllen. Und das versucht sie, eure „Erwartung“ ans nicht trinken. Wer gibt schon gerne zu das er „versagt“. V.a. wenn man ja oft hört (jetzt nicht direkt euer Fall): sie will ja nicht, sie hört ja nicht auf, sie macht ja nichts dagegen. Es ist eine Sucht. Wenn man einfach so aufhören könnte wäre ja schön. Der Wille allein reicht aber oft nicht wenn die Grundprobleme nicht behoben sind.

Letztendlich muss sie an den Ursachen der Depression arbeiten. Wenn sie diese „im Griff hat“ und somit die Depressionen fällt der „Grund“ zum trinken erstmal weg. Bei körperlicher Abhängigkeit muss man parallel wegen Entzug schauen. Und eben begleitende langfristig eine Therapie bis sie gefestigt ist.
Nela77
607 Beiträge
18.06.2022 08:06
Hallo, ich habe einen trockenen Alkoholiker als Vater und arbeite zudem mit Sucht -und psychischkranken Menschen. Die anderen haben schon vieles richtiges geschrieben.
Und meine Erfahrungen zeigen es auch.....zum einen sind Lügen leider Alltag im Leben eines Suchtkranken. Meist aus Scham. Den offenen Alkohol bei euch sehe ich gar nicht als Problem. Klar erleichtert es evtl den Zugang, aber der Verschluss löst das Problem/die Sucht nicht. Ansprache /Thematik hilft eben auch nicht, da natürlich aus Scham o.ä. gelogen wird. Ein Klient meinte mal, er fühlt sich wie ein Kind, dass bei etwas verbotenem erwischt wurde und es auf den imaginären Freund schiebt. Wieviel ein Süchtiger errleiden oder verlieren muss, bis der Wunsch und Wille stärker ist als die Sucht ist unterschiedlich. Aber solange es nicht Klick macht, hilft leider kein Entzug und keine Therapie weiter.
Und du selber kannst sowieso nichts ausrichten. Unterstützen, wenn sie Hilfe möchte z.B. Begleitung.
Als Angehörige oder auch in meinem Job als Bezugsfachkraft möchte man diejenigen manchmal wachschütteln, aber das funktioniert nicht.
Ich kenne im Suchtbereich auf Anhieb auch nur Menschen mit Doppeldiagnose- also Sucht + psychisch/ psychiatrischer Diagnose.

Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest mit den Erkrankungen deiner Mutter umzugehen und lernst, dass du nicht der Schlüssel zu ihrer Rettung bist.
Anonym 1 (208763)
0 Beiträge
18.06.2022 10:54
Danke Nela für deinen Beitrag. Er ist etwas tröstlich für mich.
Ich dachte, dass wir an dem Punkt 2020 schon waren, dass das Verlieren größer ist als die Sucht. Aber scheinbar hatte ich mich da getäuscht.
Sie sieht sich selbst auch nicht als süchtig. Wahrscheinlich müssen wir den Prozess noch abwarten.
Ist nur sehr schwierig zuzusehen - vor allem, wenn sie trinkt, wenn zb die Kinder dabei sind.
shelyra
68588 Beiträge
18.06.2022 10:58
Zitat von Anonym 1 (208763):

Danke Nela für deinen Beitrag. Er ist etwas tröstlich für mich.
Ich dachte, dass wir an dem Punkt 2020 schon waren, dass das Verlieren größer ist als die Sucht. Aber scheinbar hatte ich mich da getäuscht.
Sie sieht sich selbst auch nicht als süchtig. Wahrscheinlich müssen wir den Prozess noch abwarten.
Ist nur sehr schwierig zuzusehen - vor allem, wenn sie trinkt, wenn zb die Kinder dabei sind.

Das würde ich zb konsequent unterbinden.
Kinder kommen nicht mehr zu ihr solange sie süchtig ist. Und wenn sie bei euch trinkt dann würde ich sie bitten zu gehen!
Anonym 1 (208763)
0 Beiträge
18.06.2022 11:11
Naja, sie trinkt ja heimlich. Man merkt es nicht, wenn sie getrunken hat. Sie trinkt, wenn sie bei uns ist anscheinend nur so wenig, dass man es nicht merkt.
Ich weiß nicht in welchem Zeitraum die Flaschen bei uns getrunken wurden.

Und es ist ein Teufelskreis. Alleine gehen die Kinder sowieso nicht mehr zu ihr - mein Papa ist immer dabei
Nela77
607 Beiträge
18.06.2022 11:51
Zitat von shelyra:

Zitat von Anonym 1 (208763):

Danke Nela für deinen Beitrag. Er ist etwas tröstlich für mich.
Ich dachte, dass wir an dem Punkt 2020 schon waren, dass das Verlieren größer ist als die Sucht. Aber scheinbar hatte ich mich da getäuscht.
Sie sieht sich selbst auch nicht als süchtig. Wahrscheinlich müssen wir den Prozess noch abwarten.
Ist nur sehr schwierig zuzusehen - vor allem, wenn sie trinkt, wenn zb die Kinder dabei sind.

Das würde ich zb konsequent unterbinden.
Kinder kommen nicht mehr zu ihr solange sie süchtig ist. Und wenn sie bei euch trinkt dann würde ich sie bitten zu gehen!

Das ist schwierig umzusetzen. Viele Alkis wirken mit ihrem Pegel normaler aös ohne. Nicht jeder Alki wirkt beschwisst oder gar betrunken.
Da ginge dann ja nur ein Kontaktabbruch.
Nela77
607 Beiträge
18.06.2022 11:56
Ob der Punkt, wo es Klick macht und wenn ja wann ist ja total individuell.
Manchen reicht es, darauf angesprochen zu werden, manchmal ist es der drohende Verlust von Job, Partnerschaft, Wohnung. Manche verlieren alles und bekommen trotzdem nicht die Kurve.
Anonym 4 (208763)
0 Beiträge
18.06.2022 13:47
Es tut mir leid, dass ihr in dieser Situation seid.
Mein Ex hatte auch ein Alkoholproblem. Da kannst du gar nichts machen, ich habe geredet und geredet, keinen Alkohol gekauft, hab auch selbst absolut nichts getrunken, um nicht zu animieren. Geholfen hat nichts davon. Erst als ich ihn zum Schutz meines Kindes (und meinem) verlassen habe, hat er eine Therapie begonnen. Ob die erfolgreich war, weiß ich nicht. Er behauptet das, aber der erzählt viel und es stimmt oft nicht mal die Hälfte.
Da er auch zusätzlich noch aggressiv ist, habe ich nur noch so wenig Kontakt wie möglich.
Deine Mutter muss die Kurve bekommen, an Alkohol wird sie überall kommen, wenn sie will...
DieW
2592 Beiträge
18.06.2022 20:04
Hallo!
Ich wirke sicher wieder mal sehr unfreundlich,aber die Hobbypsycholgen sollten sich einfach mal mit" klugen Ratschlägen" zurück halten.
Ein Alkoholiker*in wird immer süchtig sein.
Und es gibt nicht DEN Alkoholiker!
Die meisten Abängigen sind nicht die,die bewusstlos in der Ecke kauern,sondern gut angepasste Mitbürger ,die oftmals in sehr hohen Position agieren.
Pegel und so...
Und ja,es mag sicher schwer sein,wenn Eltern oder Partner sich ins Delirium trinken und den Alltag nicht hin bekommen.
Den Chirurgen,der morgens seinen Flachmannn braucht und Herzops zu meistern,stellt hier niemand in Frage,oder?!
Merkt man ja auch nicht...
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