Mütter- und Schwangerenforum

Sterben

Gehe zu Seite:
Fruchtzwerg585
130 Beiträge
09.12.2013 17:02
Also obwohl ich sehr gläubig bin, habe ich persönlich schon echt Angst vor dem Tot. Ich glaube schon dass was in der Bibel steht, dass wir christen einfach "entschlafen".
Aber das hilft mir auch nicht wirklich mit meiner Angst umzugehen.
Ich habe vor meinem eigenen tot genauso viel Angst, wie vor dem Tot der Menschen, die ich liebe...
Manchmal liege ich Abends im Bett und dann muss ich daran denken und bekomm manchmal regelrechte Panikatacken
Ich weiß auch nicht genaus was es ist. Ich glaube daran, dass es danach "weiter" geht.
Vielleicht ist es der Moment, in dem du deinen letzten Atemzug machst.
Der Moment in dem dir klar wird; jetzt ist es gleich vorbei.
Ich habe schon viele brenslige oder schmerzhafte oder heftige Situationen hinter mir und jedesmal konnte ich bei mir denken: Du schaffst das!! Du wirst schon nicht daran sterben! Und das hat mir dann geholfen.
Aber beim sterben kann man das ja nun nicht sagen ^^

Mein Vater war bei seiner Mutter, als sie vor bald 8 jahren starb.
Er hat erzählt, sie war die ganze Zeit sehr ruhig und hat wie gebannt an die zimmerdecke geschaut. Mal verwundert, mal erfreut, mal lächelte sie, mal schaute sie ernst... Als würde sie einen Film sehen oder so.
Aber als es dann so weit war und sie ihre letzten Atemzüge tat... Mein Vater meinte, er hätte den Eindruck gehabt, sie hätte schon ganz schön gekämpft. Vielleicht wollte sie noch nicht gehen. Oder hatte Angst, ich weiß es nicht.
Er sagte, sie hätte dann noch 3 mal eingeatmet und letztes mal ganz lange aus. Und dann war es geschafft.

Wenn ich daran denke könnte ich weinen, so sehr schlimm finde ich das...
Ich bin ein echtes weichei was das thema betrifft.

Ich bin Pflegeassistentin und drufte auch schon den ein oder anderen Sterbenden Patienten pflegen. Das habe ich auch gern getan.
Und ich kann ebenfalls bestätigen, dass sie oftmals nocheinmal aufblühen, bevor sie gehen.
Ich war allerdings noch nie dabei, wenn wirklich jemand ging.

09.12.2013 21:06
Sterben ist nichts Schlimmes in meinen Augen. Für mich ist das Sterben nichts anderes als Erlösung.
Die Zeit vor dem Sterben kann schlimm sein, kann sehr schmerzhaft sein, extrem traurig sein usw. Aber das Sterben selbst tut nicht weh, es macht keine Angst. Es IST einfach. Ich weiß es nicht anders zu beschreiben. Ich selbst lag im sterben. Nach den Höllenschmerzen kam irgendwann der Moment, wo es nicht mehr weh tat. Ich war jederzeit bei vollem Bewusstsein. Meine Unruhe verschwand, meine Angst verschwand, nichts war mehr wichtig. Es fühlte sich gut an, es war sogar schön will ich behaupten.
Aber nun ja, hier bin ich und das ist auch gut so.

Meine Oma starb zu Hause und absehbar. Die letzten Tage war auch ständig jemand an ihrer Seite bis es soweit war, dass wir die gesamte Familie zusammengerufen haben. Bis zu diesem Zeitpunkt siechte sie so vor sich hin, bekam gar nichts mehr mit, schlief eigentlich nur. Trotzdem wartete sie mit ihrem Ableben exakt so lange, bis auch der letzte Angehörige in ihrem Schlafzimmer erschien. Ihre Augen waren schon seit dem Morgen gebrochen, als dann um 17 Uhr der letzte Onkel auch eintraf, schaute sie alle an mit klarem Blick und schlief ein. Todeszeitpunkt war um 17:05 Uhr.

Mein Opa starb im Hospiz, auch absehbar. Auch bei ihm entdeckten wir die typischen Verfärbungen an den Fingern und Zehen, er schlief durch das ganze Morphium sehr viel und wenn er wach war, phantasierte er.
An dem Tag an dem er starb, es war übrigens Vatertag, hatte auch er diesen einen, klaren Moment. Er konnte sich nicht mehr verständigen, doch er schlief und mit einem mal wachte er auf, hob die Hand, wollte meinen Sohn berühren (sein erster Urenkel den er sehen durfte) und als ich ihm den Kleinen aufs Bett setzte, lächelte er, schloss die Augen und starb. Dieser eine, klare Moment dauerte auch nur vielleicht 2 Minuten. Ich war alleine mit ihm, ich hatte "Wache" zu der Zeit.

Meine Mutter starb auch zu Hause. Sie war zwar sehr krank, wirklich schwer krank, dennoch starb sie sehr unerwartet und sehr schnell.
Sie hatte, so wie mir berichtet wurde, gar keinen klaren Moment mehr. Sie hatte wohl am Vorabend beim Schlafen gehen zu viel von ihren Beruhigungs- oder Schlafmitteln genommen. Man kann es nur vermuten. Aufgrund der zu hohen Dosis, wir spekulieren immer noch ob das gewollt oder ungewollt war, verlor sie das Bewusstsein, nässte sich dadurch ein (schlief bei offenem Fenster in Kälte), entwickelte binnen Stunden eine tödliche Lungenentzündung und konnte auch vom Notarzt nicht reanimiert werden. Sie starb unter den Händen der Notärztin, vollkommen ohne Bewusstsein. Zumindest äußerlich.

Der Unterschied der mir da gravierend aufgefallen war: Meine Oma und mein Opa schliefen friedlich ein und sahen im Tod auch friedlich aus.
Meine Mutter sah ganz anders aus. Verbissen würde ich sagen, richtig hart sah sie aus. Doch je länger sie lag und je länger sie eben tot war, desto weicher wurden ihre Züge. Nach einigen Stunden sah auch sie endlich friedlich aus.

In allen geschilderten Fällen war der Tod einfach nur Erlösung. Es ist nichts Schlimmes, es gehört dazu.
Gehe zu Seite:
  • Dieses Thema wurde 2 mal gemerkt