Mütter- und Schwangerenforum

Kindheit früher und heute im Vergleich

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17.11.2014 13:18
Hallo alle miteinander,

seit einiger Zeit beschäftigt mich, auch angeregt durch Diskussionen in der MC, das Thema: Kindheit früher und Kindheit heute im Vergleich.
Denn ich habe das Gefühl, heute ist das einfach alles ganz anders.

Ich erzähle mal von meiner Kindheit (ich bin Jahrgang 1986 und in der BRD geboren).

In den Kindergarten ging damals nahezu kein Kind vor dem 3. Lebensjahr. Wenn es dann soweit war, ging man dann meist auch nur vormittags und war zum Mittagessen oder kurz danach wieder zu Hause.

Laut meiner Mutter gab es sowas wie Krabbelgruppen und Babyschwimmen damals nicht.

Soziale Kontakte zu anderen Kindern haben sich automatisch aus der Tatsache gegeben, dass man im gleichen Ort wohnte und nachmittags ohne Aufsicht raus durfte und sich zum spielen traf.
Die Grüppchen fanden sich von ganz allein und durch die Kinder selbstbestimmt zusammen.

Alle Kinder im Ort besuchten die gleiche Grundschule.
Auch später gingen irgendwie nicht alle auf 100 verschiedene Schulen, sondern die, die aufs Gymnasium gingen, gingen alle auf das gleiche (nämlich das nächstgelegene), genau so war es mit den Real- und Hauptschülern.

Meine einzigen Pflichttermine waren einmal die Woche die Musikschule und als ich im entsprechenden Alter war der Kommunions- und Firmunterricht und das Ministrieren.

Wenn wir uns nachmittags zum spielen getroffen haben (ohne Ganztagsschulen, Hortbetreuung etc.), konnten wir frei und von Eltern unbeobachtet spielen. Wir mussten alle im Sommer um 18 Uhr zu Hause sein, im Winter mit Einbruch der Dunkelheit.

Streit ließ man uns untereinander schlichten.

Spielplätze haben wir nur besucht, um mit 13 heimlich hinterm Klettergerüst zu rauchen.

Die Indivitualität des Kindes wurde allerdings noch nicht so hochgehalten, was zur Folge hatte, dass spezielle Begabungen oder Probleme oft durchs Raster fielen oder erst sehr spät erkannt wurden, so dass eine bessere Förderung oft erst spät oder gar nicht zustande kam.

Was ich heute sehe, ist Folgendes:

Kinder werden oft schon ab dem Babyalter terminlich gebunden und kontrolliert "sozialen Kontakten" zugeführt, obwohl die Fähigkeit zur sozialen Interaktion erst viel später ausreift.

Die sozialen Kontakte des Kindes werden dadurch nicht mehr selbstbestimmt, sondern durch die Eltern ausgesucht und nach Zeitplan gesteuert.

Dem Empfinden nach werden Kindergarten und feste Termine wie Krabbelgruppen, Babyturnen, Babyschwimmen etc. als nahezu einzige Möglichkeit für das Kind dargestellt, soziale Kontakte aufzubauen. Mache man diese Dinge nicht mit, enthielte man dem Kind die Kontakte vor.

Kinder treffen sich nicht mehr frei mit selbst ausgewählten Freunden, sondern mit ausgewählten Kindern zu ausgewählten Terminen.

Mütter gehen mit Kindern zu Spielplätzen, und bleiben dann die ganze Zeit in Gruppen dort sitzen und beobachten ihre Kinder beim spielen und mischen sich, wenn sie nicht gerade auf dem Smartphone daddeln, ständig in das Spiel der Kinder ein.
Streit schlichten die Kinder nicht mehr untereinander, sondern die Muttis greifen sofort ein und keifen sich schlimmstenfalls noch gegenseitig an.
Wenn Mutti keine Lust mehr hat, am Spielplatz rumzusitzen, wird das Spiel des Kindes abgebrochen und es geht wieder nach Hause.

Kinder haben durch viele Termine und solche Dinge wie Hortbetreuung und Ganztagsschulen nur noch wenige Nachmittage zu ihrer freien Verfügung und Gestaltung.

Die Kinder in einem Wohnort kennen sich manchmal gar nicht wirklich, weil jeder einen anderen Kindergarten, eine andere ausgewählte Grundschule etc. besucht und die Nachmittage, an denen man sich frei zum spielen treffen könnte, wie gesagt, rar gesät sind.

Besondere Begabungen und Probleme werden heute früh in Angriff genommen, was manchmal allerdings wiederum zu einer Art Förderwahn ausartet, in dem dem Kind kaum noch Luft zum atmen gelassen wird.

Das sind so meine Beobachtungen.
Die Fragen, die mir dabei durch den Kopf schießen, sind Folgende:

- Wann fing das an, dass die selbstbestimmte Freizeitgestaltung des Kindes durch die termingebundene, durch die Eltern bestimmte Freizeitgestaltung ersetzt wurde?

- Seit wann überwachen Mütter jeden Schritt ihrer Kinder, lassen sie sich nicht mehr ohne Aufsicht mit Freunden treffen? Warum ist das so?

- Warum wird heute die individuelle Betreuung durch das eigene Elternhaus immer früher durch Fremdbetreuung ersetzt?

- Warum glaubt man heute, ein Kind könne ohne fest organisierte Spielgruppen keine sozialen Kontakte knüpfen?

- Weshalb wird ein Kind schon mit Terminen zur Knüpfung dieser Kontakte gestresst, wenn es rein entwicklungspsychologisch noch gar nicht in der Lage ist, sozial zu interagieren?

Wie haltet ihr das?
Haben eure Kinder noch freie Nachmittage zu ihrer eigenen Verfügung, dürfen sie unbeaufsichtigt spielen, sich mit Freunden treffen, ihre Kontakte selbst auswählen?

Fandet ihr es schöner, wie es früher war oder doch eher, wie es heute ist?

Dazu noch eine kleine Umfrage.

Ich bin gespannt.
Und bitte nicht zerfleischen
  • Ich fand es schöner, wie es früher war und will es für mein Kind auch so.   39 Stimmen

  • Ich fand es früher schöner, sehe aber heute keine Möglichkeit mehr, es so umzusetzen.   51 Stimmen

  • Ich finde die gezielte, elternbestimmte Freizeitgestaltung für mein Kind besser.   2 Stimmen

  • Ich praktiziere eine Mischung aus beiden Modellen.   39 Stimmen

  • Andere Meinung (bitte erläutern)   2 Stimmen

Anzahl der Teilnehmer:
119

Strawberrybaby
6836 Beiträge
17.11.2014 13:21
mein kind geht zu keinen kursen terminen usw. sie wird grade mal 5 da reicht der kita aus, und ich hab eh kein auto das mal dazu. und selbst wenn würde ich das nur machen wenn mein kind das auch will und ich flexibler bin, mein kind soll viel freizeit haben uns sich frei entfalten können. meine ist auch nicht so das sie mit anderen kindern nicht spielt,sie spielt mit jedem. egal ob es arm oder reich ist, wo viele ja zb schubladen denken machen. das die eltern nur ihre kinder mit anderen spielen lassen wie sie selber haushaltsmäßig gleich sind.
17.11.2014 13:22
Wie sollen es arbeitende Eltern denn machen, ihre Kinder bis 3 zu haus zu lassen und mittags aus dem Kiga zu holen oder nicht in den Hort zu geben?
17.11.2014 13:22
Also ich hab noch keine Kinder, aber da wir fast der gleiche Jahrgang sind (87) wollt ich trotzdem kurz was zu meiner Kindheit schreiben....

Also bei uns gab es sehr wohl "damals" schon Krabbelgruppen und ich war auch in einer mit meiner Mama, 1x in der Woche Die Kontakte von dort haben sich dann viiiiele Jahre gehalten und auch nach der Krabbelgruppe waren wir mit den Familien von dort in Kontakt und haben Ausflüge an Wochenenden etc zusammen unternommen

Im Kindergarten war ich auch schon vor 3 Jahren und zwar halbtags (glaub es waren 4 Std. ) ... meine Mutter war in der Zeit ein paar Std arbeiten.

Ich komm aus NRW
17.11.2014 13:23
meine kinder gehen 3x die woche zum turnen, weil SIE das wollen. ansonsten sind sie viel draußen und dürfen tun und lassen, was sie möchten - so wie ich früher
17.11.2014 13:23
Zitat von Cookie88:

Wie sollen es arbeitende Eltern denn machen, ihre Kinder bis 3 zu haus zu lassen und mittags aus dem Kiga zu holen oder nicht in den Hort zu geben?


Wie hat man es denn früher gemacht?
17.11.2014 13:25
achso und: Meine Vorstellung ist schon, dass ich auch 1 oder 2x die Woche einen "Kurs" besuchen möchte mit meinem Kind/baby ... einfach auch, um andere Mamis kennenzulernen und ich es auch meiner Kindheit nur positiv in Erinnerung habe und es in keinster Weise so empfinde, als dass es mir geschadet hätte
Halbtags möchte ich sicher auch wieder nach 2 Jahren arbeiten - also wir mein Kind höchst wahrscheinlich auch unter 3 Jahren für ein paar Stunden fremdbetreut.

--------
Wie sollen das denn auch die Familien machen, die auch Geld der Frau angewiesen sind und die Kinder dadurch in die Kita (oder was auch immer) müssen glaube nicht dass das unglückliche Menschen werden ...
soev
7270 Beiträge
17.11.2014 13:25
Ich glaube, dass du erstens deine Kinderheit geschönt in Erinnerung hast (das ist absolut normal, da sich unser Gehrin aus Selbstschutz die schönen Dinge besser merkt) und dass du zweitens alle Kinder heute über einen Kamm scherst.

Ich bin 1982 (in der BRD) geboren und es war ähnlich wie bei dir. Keine festen Termine, raus und spielen. Das lag aber einfach daran, dass ich in einem Dorf aufgewachsen bin, dass nicht mal einen SPielplatz hatte. Meine Mutter hatte kein Auto, Bus fuhr auch keiner. Wie also zu Terminen kommen. Erst später, also meine Mutter dann ein Auto hatte, konnte ich mir Hobbies zulegen. Ich hätte gerne früher getanzt, hätte gerne Tennis gespielt und Klavier gelernt. Ging halt nicht.

Jetzt habe ich vier Kinder, zwei davon noch Babys ohne Termine.
Die Großen haben aber sehr wohl Termine. Bis 12:30 Kiga, Eva turn, Sophie geht zum Ballett und zur Musikschule. Bis aufs Kinderturnen ist da aber nichts auf meinem Mist gewachsen.

Ja, klar hat sich die Kindheit verändert, aber nicht nur zum Negativen.
Es gibt einfach weniger Kinder, die man spontan treffen kann. Das liegt zum einen daran, dass es einfach weniger Kinder gibt, zum anderen, dass diese oft ganztags in den Kindergarten gehen, da beide Elternteile arbeiten, enwteder weil sie es müssen, oder weil sie es wollen ("Mütter an den Herd" ist ja Gott sei Dank mittlerweile auch überholt, die Rollenbilder haben sich einfach verändert).
soev
7270 Beiträge
17.11.2014 13:27
Zitat von silbermarie:

Zitat von Cookie88:

Wie sollen es arbeitende Eltern denn machen, ihre Kinder bis 3 zu haus zu lassen und mittags aus dem Kiga zu holen oder nicht in den Hort zu geben?


Wie hat man es denn früher gemacht?


Da war die Frau aufgrund der alten Rollenbilder zu Hause.
Strawberrybaby
6836 Beiträge
17.11.2014 13:29
Zitat von soev:

Zitat von silbermarie:

Zitat von Cookie88:

Wie sollen es arbeitende Eltern denn machen, ihre Kinder bis 3 zu haus zu lassen und mittags aus dem Kiga zu holen oder nicht in den Hort zu geben?


Wie hat man es denn früher gemacht?


Da war die Frau aufgrund der alten Rollenbilder zu Hause.


dann muss es aber weit hinten sein wenn ihr von früher spricht ^^ die heutige frau geht arbeiten, bzw ist auch zu hause wenn der mann genug geld hat usw, aber kontakt ist weniger geworden mit anderen als wie damals wo alle raus kamen.
17.11.2014 13:29
Ich (Jg 8 war in Krabbelgruppen, Babyschwimmen und Kinderturnen. Ich war im Kiga bis mittags ab 3 Jahre. Aber mein Vater war Richter und wir konnten es uns leisten, dass meine Mutter zu hause bleibt.
Wer kann das noch?
Als Kind war ich beim Ballett, Jazz Dance, Tennis und Musikschule. Das geht alles nur mit Terminen. Ich hab alles gern gemacht und als ich nicht mehr wollte war das auch okay.
Bloß weil DU keine Termine magst heißt das nicht dass andere ihre Kinder zu irgendwas zwingen. Aber das haben wir jetzt schon öfter diskutiert und du willst einfach nicht begreifen dass es Leute gibt die sich durch Termine nicht total unter Druck gesetzt fühlen.
Aber du drückst einem immer den Stempel auf sein Kind zwanghaft irgendwohin zu schleppen. Dir wirft doch auch keiner vor du würdest vereinsamen oder so.
cycilia
2324 Beiträge
17.11.2014 13:29
Ein paar Gedankengänge meinerseits dazu.

Ich fand vieles früher besser, aber hier in der Stadt wäre vieles so wie früher nicht mehr praktikabel. Ich kann kein Kleinkind alleine draussen rumrennen lassen, schon alleine wegen dem Verkehr nicht.

Auf dem Spielplatz darf meine Tochter alleine spielen, aber natürlich bleibe ich in Sichtweite und ich greife durchaus auch ein, wenn sie Mist macht, wie z.B. andere Kinder beissen oder denen ihr Spielzeug abnehmen. Was ich sehr schade finde, ist dass man zu einer gescheiten Zeit kaum noch auf einen Spielplatz gehen kann, weil erst ab 17 Uhr Kinder dort anzutreffen sind. Was ich noch schlimmer finde, sind Mütter, die wenn sie mit ihrem Kind unterwegs sind, permanent das .Handy in der Hand haben.

Auf der einen Seite ist es sicher sinnvoll, dass Kinder den ganzen Tag betreut werden können, auf der anderen Seite führt das doch recht stark dazu, das gerade jüngere Kinder aus dem öffentlichen Leben verschwinden, da sie in Kindergärten weggesperrt sind.

soev
7270 Beiträge
17.11.2014 13:31
Zitat von Strawberrybaby:

Zitat von soev:

Zitat von silbermarie:

Zitat von Cookie88:

Wie sollen es arbeitende Eltern denn machen, ihre Kinder bis 3 zu haus zu lassen und mittags aus dem Kiga zu holen oder nicht in den Hort zu geben?


Wie hat man es denn früher gemacht?


Da war die Frau aufgrund der alten Rollenbilder zu Hause.


dann muss es aber weit hinten sein wenn ihr von früher spricht ^^ die heutige frau geht arbeiten, bzw ist auch zu hause wenn der mann genug geld hat usw, aber kontakt ist weniger geworden mit anderen als wie damals wo alle raus kamen.


Ich verstehe jetzt nicht ganz was du schreibst.
17.11.2014 13:31
Zitat von silbermarie:

Zitat von Cookie88:

Wie sollen es arbeitende Eltern denn machen, ihre Kinder bis 3 zu haus zu lassen und mittags aus dem Kiga zu holen oder nicht in den Hort zu geben?


Wie hat man es denn früher gemacht?


Da hat der Durchschnitts-AN entweder mehr verdient oder es wurde alles teurer. Oder alles auf einmal.
wolkenschaf
11340 Beiträge
17.11.2014 13:31
Meine Große geht nach der Schule in den Hort, bis ich sie abhole (meist gegen 16 uhr) und hat einmal die Woche einen festen Termin in der Musikschule. Sonst darf sie gern jederzeit draußen mit den Nachbarskindern spielen oder auch bei denen drinnen oder bei uns drinnen.

Mein Sohn geht in die Kita und hat sonst (außer seiner Frühförderung, die er aber aus medizinischen Gründen 1x wöchentlich bekommt) keine weiteren Termine.

Klar war es früher freier. Ich habe z.B. die Wochenenden bei meiner Oma geliebt. Die hat ein Haus, sie wohnt in der oberen Etage und die untere war für uns Kinder (meist mein Cousin und ich). Wir konnten machen was wir wollten, mussten nur zu den Mahlzeiten da sein, konnten raus, in den Wald, auf die Felder etc. das war schon super.
Ich bin aber auch mit 3 Jahren in den Kindergarten gegangen und meine Eltern waren beide berufstätig. Als ich in der Schule war, war ich auch im Hort. Trotzdem war ich nach dem Hort noch oft bis abends mit meinem Bruder allein zuhause.

Ich gehe selbst arbeiten, muss meine Kinder daher betreuen lassen, weil es nicht infrage kommt, sie allein zuhause zu lassen
Zudem leben wir in einer Großstadt und nicht auf dem Land. da gibt es sicher auch andere Gefahren. Trotzdem versuche ich meinen Kinder eine so freie und uneingeschränkte Kindheit wie möglich zu ermöglichen.
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