Mütter- und Schwangerenforum

Ich möchte über Abtreibung sprechen

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16.05.2015 12:34
Zitat von silbermarie:

Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von Viala:

Hmmm....
Ich muss gestehen, dass ich mir nie die Frage gestellt habe, ob Abtreibung Mord ist oder nicht. Denn grundsätzlich ist es mir egal, wie andere das halten. Ich muss weder mit der Psychischen Belastung einer Abtreibung klarkommen, noch mit der Belastung eines zusätzlichen ggf. unerwünschten Kindes.
Mir tun die Frauen leid, die sich in eine Abtreibung drängen lassen, weil ein Mann das so verlangt, da ich mir vorstellen kann, wie es möglicherweise ihr zukünftiges leben belastet... aber sonst? Es ist doch nicht mein leben

Was die bestehenden Grenzen angeht, halte ich sie auch für arg willkürlich. Mein Bezug zu Kindern fängt aber zugegeben auch erst mit der Geburt an... also körperlich betrachtet

Ich für mich selbst könnte grundsätzlich nicht abtreiben. Wenn ein Kind sich einschleicht, habe ich ja entweder geschlampt oder diese kleine Seele wollte zu mir... sei es, um auf der Erde zu inkarnieren oder um mir eine Erfahrung zu bringen, die ich mir vor der Inkarnation gesucht habe. Hier Abzutreiben wäre für mich ein Eingriff in einen Plan, der seinen Sinn hat.. und das kommt für mich nicht in Frage Körperlich ists in der 6. Woche oder so nur ein Haufen zellen, der sich aufbaut... aber die kleine Seele ist ggf. schon viel länger bei mir... das könnte ich nicht unterbinden.

Wie geschrieben: mir ist egal, wie andere es halten... für mich selbst jedoch gibt es keinerlei grund, eine Schwangerschaft vorzeitig zu beenden...


Genauso sehe ich das auch. Nur dass es bei mir halt mit dem glauben an gott einhergeht.
Aber am Ende kommt es auf dasselbe hinaus. Ich trenne ebenfalls seele und die körperlich hülle.


So sehe ich das im Prinzip auch, wobei bei mir noch der Wunsch hinzukommt, auch andere Seelen zu retten (jetzt in dem konkreten Fall, es nicht zur Abtreibung kommen zu lassen). Seele und Körper sind zwar zwei verschiedene Dinge, aber im irdischen Leben bedingen sie einander.


Jein in grenzen kann man das versuchen.... ach mist. Warte ich wechsel an den pc, das ist mir zu mühsam am handy und zu viel
16.05.2015 12:37
Ich habe abgetrieben!

Ich war damals 22 Jahre alt und mein Ex Freund hatte es sich zum Hobby gemacht mich regelmässig zu verprügeln, die Treppe runter zu schmeissen, mich auf der Strasse anzuspucken und mich möglichst klein und hilflos zu halten, so dass ich unter keinen Umständen fähig gewesen wäre damals ein Kind zu bekommen, geschweige denn gross zu ziehen. Zumal mir von Anfang an von ihm und seiner Familie gedroht wurde, wenn ich das Kind bekommen sollte, würde man es mir eh wegnehmen und es würde bei seiner Familie aufwachsen und ich würde nie wieder Kontakt zu ihm oder ihr bekommen!

Ich habe mit Mifegyne abgetrieben und es war die Hölle, sowohl die Abtreibung und die Zeit danach. Ich habe ewig gebracht um darüber hinweg zu kommen.

Jeder hat zu dem Thema eine andere Meinung, nur ich finde, es gibt 1000 Gründe warum man ein Kind nicht bekommen kann, die Aussagen, die ist zu blöd zum verhüten, wer ... kann auch das Kind bekommen etc. einfach nur dumm! Heute dank einer Therapie, weiss ich, dass ich extrem mutig war meinem ungeborenen Kind grosses Leid zu ersparen und mir vermutlich auch. Ich weiss, dass es mir verziehen hat und lebt eventuell in einem meiner anderen Kinder weiter, die allesamt gewollt waren und in einer liebevollen Umgebung und mit einem Papa aufwachsen, der sie über alles liebt.
16.05.2015 12:42
Zitat von KratzeKatze:

ich habe eine ganz klar Meinung zum Thema Abtreibung.
ich selber würde nie im leben abtreiben. einzige Ausnahme wäre, das kind ist nachweislich behindert.

trotzdem kann ich verstehen, das sich Frauen unter gewissen umständen zu einem Abbruch entscheiden und verurteile das nicht.

was ich nie tolerieren werde, ist einen Abbruch als verhütungsmethode zu benutzen. auch das habe ich leider im Bekanntenkreis schon erlebt.


Ich teile deine Meinung grundsätzlich, allerdings wollte ich den markierten Text nochmal mit zur Debatte stellen. Diese Aussage ist für mich genauso pauschal wie z behaupten "Abtreibung ist Mord". Was verstehst du denn unter Behinderung? Im Grunde sehe ich es durchaus auch so, dass es unter bestimmten Umständen humaner ist, ein Leben erst garnicht richtig entstehen zu lassen, anstelle es unter Schmerz, Qual und mangelnder Teilhabe durch eine drastische Behinderung nur so existieren zu lassen, andererseits ist das ein durchaus schmaler Grad.

Bevor ich schwanger wurde war meine Meinung dazu irgendwie recht rigoros. Seitdem da ein kleines Wunder in meinem Bauch wächst, kann ich das nichtmehr. Ab dem Moment wo wir das Herzchen erstmals haben schlagen sehen (es war gerade Reiskorngroß!) habe ich angefangen eine Bindung aufzubauen. Klar wäre ich anfangs nicht in ein depressives Loch gestürzt, hätte es nicht funktioniert, aber ich hab gemerkt mit wieviel Anspannung ich jeden Toilettengang gemeistert habe. Ist da BLut am Toilettenpapier? Wird auch alles gut gehen?

Und als dann die Frage im Raum stand: Machen wir div. diagnostische Tests um Trisomien und Co auszuschließen, da haben wir für uns ganz klar gesagt: NEIN. Wir nehmen das Kind so wie es ist. Im schlimmsten Fall auch mit Behinderung.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Ich bin weder absolut für, noch absolut gegen Abtreibung. Ich denke es mag Gründe geben, bei der eine Abtreibung die beste Lösung ist und ich würde deshalb nie verurteilen. Als Verhütungsmethode oder zum wiederholten Male, weil es gerade einfach ungünstig ist kann ich es aber weder akzeptieren, noch tollerieren. Das ruft bei mir eine deutliche Abneigung gegen die Frau hervor. Mord im rechtsgültigen Sinne ist es aber für mich nicht. Sagen wir, ich finde es moralisch und menschlich einfach verachtend und verwerflich und respektlos gegenüber all jenen, die sich so sehr ein Kind wünschen.
16.05.2015 12:47
Zitat von zuckerlie:

Ich kann für mich gar nicht sagen, dass ich nie, nie, nie, nie, niemals abtreiben würde. Ich kann mir nicht jedes Lebensszenario ausmalen und darüber heute eine zutreffende, zu vertretende Entscheidung machen. Da bin ich ratlos. Aktuell bin ich schwanger und glücklich, dieses Kind zu bekommen, darum ist aktuell eine Abtreibung nicht denkbar.

Andere jetzt unter Druck zu setzen und als Mörder zu bezeichnen ist mir auch fremd. Denn jeder empfindet in jeder Situation anders und handelt auch dementsprechend.

Nach wie vor denke ich sehr naiv und bin der Meinung, dass keine Frau einfach so eine Abtreibung nach der anderen vor nehmen lässt. Und wie Manervi bin ich froh, dass es heute einen rechtlichen Weg gibt, der es Frauen ermöglicht eine Abtreibung von einem Arzt in einem OP durchführen zu lassen und nicht mit erwähntem Bügel in einem Hinterzimmer auf einem Esstisch...


Also, ich finde, das ist tatsächlich ein bisschen naiv (ehrt dich aber)... nach allem, was ich so von Donum vitae weiß, ist oft genau das der Fall - dass ziemlich arglos und sorglos damit umgegangen wird.
Wir möchten uns das nicht vorstellen, dass das so ist, weil wir selbst uns nicht vorstellen können, so eine Entscheidung leichtfertig zu treffen, deshalb ist es auch eine Art Selbstschutz, glauben zu wollen, dass andere Frauen da auch so sind. Ist aber oft leider überhaupt nicht so, denn nicht jeder hat so eine Sicht auf werdendes Leben.
Es gibt sogar Länder, wie z.B. Japan, in denen die Abtreibung tatsächlich als eine Art Verhütungsmethode angesehen wird und man sich da überhaupt keine Gedanken macht. Ich habe dazu mal eine Doku gesehen, der Arzt zeigte dem jungen Pärchen danach das abgetriebene Kind in der Nierenschale und sagte: "So sieht das dann aus, passt in Zukunft lieber ein bisschen besser auf", die jungen Leute meinten "Okay" und gingen ihrer Wege.

Das Schlimmste, was ich mal in dem Zusammenhang gehört habe, war von einer Frau mit zwei Kindern: "Wenn ich ein drittes Mal schwanger werden würde, würde ich breit grinsend abtreiben". Und das war, wohlgemerkt, keine Assitante vom Bahnhof, sondern die klassische Vorstadtmutti mit Häuschen.
16.05.2015 12:50
Marie... also, bis zu einem gewissen Punkt gebe ich dir auch da Recht. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin beruflich relativ häufig damit konfrontiert, dass ich Mädchen und Frauen vor mir sitzen haben, die ungewollt schwanger sind. Von zu doof zum Verhüten bis gar nicht drüber nachgedacht und einfach passiert trotz Verhütung.. alles dabei.
Meine wohl emotionalste Erfahrung habe ich mit meinem damaligen Bezugskind gemacht. Süße 16 Jahre, ein Mädel im Kinderheim. Mein Bezugskind, heißt, alles was wirklich wichtig war, besprach sie mit mir und ich begleitete sie dann auch. Dann kam der Tag. Schwanger - 8. SsW
Frau M. WAS mache ich jetzt? ... Liebe Chr. das musst du selbst entscheiden. Zu dem Zeitpunkt wünschte ich mir selbst noch sehnlichst ein zweites Kind. Meine eigene Überzeugung gepaart mit diesem Wunsch schrie in mir: Das muss sie bekommen- um jeden Preis. Aber stattdessen setzte ich mich mit ihr UND dem werdenen Papa hin. Ich ließ sie eine Liste machen. Beide. Unabhängig voneinander Pro und Kontras aufschreiben. Sie hörte sich SEINE Pro- und Kontraliste an. Dann schickte ich ihn weg. Sagte IHR, dass es einzig ihre Entscheidung ist, wir aber VOR ihrer Entscheidung die Beratungsstelle aufsuchen. Das taten wir dann auch. Und während all dieser Tage fragte sie mich immer wieder, was ich tun würde. Was ich ihr raten würde. Ich blieb ihr diese Antwort schuldig. Ich habe da niemals drauf geantwortet. Seine Liste beinhaltete mehr Kontras, als Pros. Keine Larifari Kontras, sondern wirklich ernst zu nehmenden Punkte. Ihre ebenso. Das Beratungsgespräch war sehr gut und sehr neutral, ich war dabei. Dann entschied sie sich, wirklich sehr schweren Herzens zur Abtreibung. Da war sie in der 10. SsW. Sie hatte Angst, es tat ihr unsagbar leid, sie fühlte sich schrecklich - und sie bat mich als ihre Bezugserzieherin sie zu begleiten. Ich liebte dieses Mädchen und habe ihr diese Bitte erfüllt. Ich hatte so mit mir zu kämpfen. Ich saß beim letzten US bei ihr, hielt ihre Hand. ICH konnte auf den Bildschirm schauen, sie nicht. Ich sah, dass alles dran war. Das war kein Zellklumpen mehr, das war beinah fertig und bereit zu wachsen. Also welcher Seele helfen? Sie zum Abbruch zu drängen? Hätte ich in dem Moment gesagt: Chr. lass das und komm mit. Mach das hier auf keinen Fall, dann hätte sie auf mich gehört und wäre gegangen. Aber das ist etwas, was mir nicht zusteht. Wir wir ihr hätten helfen können, wußte sie. Sie hatte entschieden, also hielt ich meine Klappe, hielt ihre Hand bis sie eingeschlafen war und erst dann heulte ich los und die Ärztin schickte mich endlich raus.
Wie ich selbst handeln würde, ist das eine, aber ich kann und darf nicht in die Entscheidung anderer eingreifen. Im Übrigen handhabt es unser Gott ebenso. Er schenkte dem Menschen den freien Willen und greift nicht ein. Er lässt uns unsere Entscheidung treffen. Wer also bin ich, dass ich mir anmassen würde, in eine solche Entscheidung einzugreifen?
ich bin bei solchen Dingen ein Neutrum. In mir sieht das anders aus, aber meine Handlung, meine Anmerkungen sind immer neutral. Nur eins mache ich nie wieder, egal, wie gern ich die zu Betreuende habe: Ich werde nie wieder ins Krankenhaus zum Eingriff selbst begleiten. Das war schwer für mich zu verkraften.

LG Zaubi
Blancanieves
2206 Beiträge
16.05.2015 13:02
Das ist eine schwierige Frage und ich verstehe alle bisherigen Argumente sehr gut.

Ich bin zwar nicht super religiös, glaube aber halt schon, dass Wir von Ihm erschaffen wurden. Abtreiben aus wirklich medizinischen Gründen, okay.
Aber Abtreiben aus Egoismus...es passt nicht in mein Leben etc...Da wären wir ja bei der Spinne- sie passt (meiner Meinung nach) nicht in meine Wohnung. Oder sie macht mir Angst. Egoismus eben. Ich handlr auch so.
Und ja, beI einem Baby ist das anders. Das ist sehr viel persönlicher und ja, viele pochen auf Selbstbestimmung. Aber nehmen sie dem Leben, dass in ihnen ist nicht das Recht auf genau diese? Alles an diesem "Zellhaufen" ist darauf getrimmt zu Leben. Zu wachsen...
Wenn eine Frau schwanger wird, dann hat das einen Grund. Gut, vielleicht hab ich leicht reden weil ich nie vor dieser Entscheidung, die mMn gar keine Entscheidung ist stand.

Ich verurteile diese Frauen nicht, ich Verurteile den Akt an sich. Wer es gewohnt ist quasi alles in seinem Leben zu Planen, hat meistens die Einstellung: Entweder....oder. Ich bin für ein Vereinen der Umstände. Ausserdem denke ich, dass man in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern sehr gut unterstützt werden kann, wenn man es WILL.
Just saying...
16.05.2015 13:02
Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Marie... also, bis zu einem gewissen Punkt gebe ich dir auch da Recht. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin beruflich relativ häufig damit konfrontiert, dass ich Mädchen und Frauen vor mir sitzen haben, die ungewollt schwanger sind. Von zu doof zum Verhüten bis gar nicht drüber nachgedacht und einfach passiert trotz Verhütung.. alles dabei.
Meine wohl emotionalste Erfahrung habe ich mit meinem damaligen Bezugskind gemacht. Süße 16 Jahre, ein Mädel im Kinderheim. Mein Bezugskind, heißt, alles was wirklich wichtig war, besprach sie mit mir und ich begleitete sie dann auch. Dann kam der Tag. Schwanger - 8. SsW
Frau M. WAS mache ich jetzt? ... Liebe Chr. das musst du selbst entscheiden. Zu dem Zeitpunkt wünschte ich mir selbst noch sehnlichst ein zweites Kind. Meine eigene Überzeugung gepaart mit diesem Wunsch schrie in mir: Das muss sie bekommen- um jeden Preis. Aber stattdessen setzte ich mich mit ihr UND dem werdenen Papa hin. Ich ließ sie eine Liste machen. Beide. Unabhängig voneinander Pro und Kontras aufschreiben. Sie hörte sich SEINE Pro- und Kontraliste an. Dann schickte ich ihn weg. Sagte IHR, dass es einzig ihre Entscheidung ist, wir aber VOR ihrer Entscheidung die Beratungsstelle aufsuchen. Das taten wir dann auch. Und während all dieser Tage fragte sie mich immer wieder, was ich tun würde. Was ich ihr raten würde. Ich blieb ihr diese Antwort schuldig. Ich habe da niemals drauf geantwortet. Seine Liste beinhaltete mehr Kontras, als Pros. Keine Larifari Kontras, sondern wirklich ernst zu nehmenden Punkte. Ihre ebenso. Das Beratungsgespräch war sehr gut und sehr neutral, ich war dabei. Dann entschied sie sich, wirklich sehr schweren Herzens zur Abtreibung. Da war sie in der 10. SsW. Sie hatte Angst, es tat ihr unsagbar leid, sie fühlte sich schrecklich - und sie bat mich als ihre Bezugserzieherin sie zu begleiten. Ich liebte dieses Mädchen und habe ihr diese Bitte erfüllt. Ich hatte so mit mir zu kämpfen. Ich saß beim letzten US bei ihr, hielt ihre Hand. ICH konnte auf den Bildschirm schauen, sie nicht. Ich sah, dass alles dran war. Das war kein Zellklumpen mehr, das war beinah fertig und bereit zu wachsen. Also welcher Seele helfen? Sie zum Abbruch zu drängen? Hätte ich in dem Moment gesagt: Chr. lass das und komm mit. Mach das hier auf keinen Fall, dann hätte sie auf mich gehört und wäre gegangen. Aber das ist etwas, was mir nicht zusteht. Wir wir ihr hätten helfen können, wußte sie. Sie hatte entschieden, also hielt ich meine Klappe, hielt ihre Hand bis sie eingeschlafen war und erst dann heulte ich los und die Ärztin schickte mich endlich raus.
Wie ich selbst handeln würde, ist das eine, aber ich kann und darf nicht in die Entscheidung anderer eingreifen. Im Übrigen handhabt es unser Gott ebenso. Er schenkte dem Menschen den freien Willen und greift nicht ein. Er lässt uns unsere Entscheidung treffen. Wer also bin ich, dass ich mir anmassen würde, in eine solche Entscheidung einzugreifen?
ich bin bei solchen Dingen ein Neutrum. In mir sieht das anders aus, aber meine Handlung, meine Anmerkungen sind immer neutral. Nur eins mache ich nie wieder, egal, wie gern ich die zu Betreuende habe: Ich werde nie wieder ins Krankenhaus zum Eingriff selbst begleiten. Das war schwer für mich zu verkraften.

LG Zaubi


Ich fürchte, du musst das können in deinem Beruf... das neutral bleiben. Ich kann das nicht. Für mich wäre das so gewesen, als ob ich sie sehenden Auges in ihr Unglück rennen lasse, obwohl ich es hätte mit einem Wort verhindern können. Es gibt den freien Willen, ja - aber trotzdem gibt Gott uns ja deutliche Anweisungen, was in seinen Augen richtig ist... und dass manches Gegenhandeln dann auch negative Konsequenzen haben wird. Wenn ich weiß, dass ich nicht mal versucht habe, es zu verhindern (es geht dabei ja nicht um Zwang - denn da hast du recht, da kommt der freie Wille ins Spiel), dann wäre es für mich, als würde das Blut auch an meinen Händen kleben.
Ich hab auch mal jemanden begleiten müssen, aus der Verwandtschaft, weil sich sonst niemand bereiterklärt hat. Ich glaube, das war für mich traumatisierender als für die Person selbst...
16.05.2015 13:13
Zitat von silbermarie:

Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Marie... also, bis zu einem gewissen Punkt gebe ich dir auch da Recht. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin beruflich relativ häufig damit konfrontiert, dass ich Mädchen und Frauen vor mir sitzen haben, die ungewollt schwanger sind. Von zu doof zum Verhüten bis gar nicht drüber nachgedacht und einfach passiert trotz Verhütung.. alles dabei.
Meine wohl emotionalste Erfahrung habe ich mit meinem damaligen Bezugskind gemacht. Süße 16 Jahre, ein Mädel im Kinderheim. Mein Bezugskind, heißt, alles was wirklich wichtig war, besprach sie mit mir und ich begleitete sie dann auch. Dann kam der Tag. Schwanger - 8. SsW
Frau M. WAS mache ich jetzt? ... Liebe Chr. das musst du selbst entscheiden. Zu dem Zeitpunkt wünschte ich mir selbst noch sehnlichst ein zweites Kind. Meine eigene Überzeugung gepaart mit diesem Wunsch schrie in mir: Das muss sie bekommen- um jeden Preis. Aber stattdessen setzte ich mich mit ihr UND dem werdenen Papa hin. Ich ließ sie eine Liste machen. Beide. Unabhängig voneinander Pro und Kontras aufschreiben. Sie hörte sich SEINE Pro- und Kontraliste an. Dann schickte ich ihn weg. Sagte IHR, dass es einzig ihre Entscheidung ist, wir aber VOR ihrer Entscheidung die Beratungsstelle aufsuchen. Das taten wir dann auch. Und während all dieser Tage fragte sie mich immer wieder, was ich tun würde. Was ich ihr raten würde. Ich blieb ihr diese Antwort schuldig. Ich habe da niemals drauf geantwortet. Seine Liste beinhaltete mehr Kontras, als Pros. Keine Larifari Kontras, sondern wirklich ernst zu nehmenden Punkte. Ihre ebenso. Das Beratungsgespräch war sehr gut und sehr neutral, ich war dabei. Dann entschied sie sich, wirklich sehr schweren Herzens zur Abtreibung. Da war sie in der 10. SsW. Sie hatte Angst, es tat ihr unsagbar leid, sie fühlte sich schrecklich - und sie bat mich als ihre Bezugserzieherin sie zu begleiten. Ich liebte dieses Mädchen und habe ihr diese Bitte erfüllt. Ich hatte so mit mir zu kämpfen. Ich saß beim letzten US bei ihr, hielt ihre Hand. ICH konnte auf den Bildschirm schauen, sie nicht. Ich sah, dass alles dran war. Das war kein Zellklumpen mehr, das war beinah fertig und bereit zu wachsen. Also welcher Seele helfen? Sie zum Abbruch zu drängen? Hätte ich in dem Moment gesagt: Chr. lass das und komm mit. Mach das hier auf keinen Fall, dann hätte sie auf mich gehört und wäre gegangen. Aber das ist etwas, was mir nicht zusteht. Wir wir ihr hätten helfen können, wußte sie. Sie hatte entschieden, also hielt ich meine Klappe, hielt ihre Hand bis sie eingeschlafen war und erst dann heulte ich los und die Ärztin schickte mich endlich raus.
Wie ich selbst handeln würde, ist das eine, aber ich kann und darf nicht in die Entscheidung anderer eingreifen. Im Übrigen handhabt es unser Gott ebenso. Er schenkte dem Menschen den freien Willen und greift nicht ein. Er lässt uns unsere Entscheidung treffen. Wer also bin ich, dass ich mir anmassen würde, in eine solche Entscheidung einzugreifen?
ich bin bei solchen Dingen ein Neutrum. In mir sieht das anders aus, aber meine Handlung, meine Anmerkungen sind immer neutral. Nur eins mache ich nie wieder, egal, wie gern ich die zu Betreuende habe: Ich werde nie wieder ins Krankenhaus zum Eingriff selbst begleiten. Das war schwer für mich zu verkraften.

LG Zaubi


Ich fürchte, du musst das können in deinem Beruf... das neutral bleiben. Ich kann das nicht. Für mich wäre das so gewesen, als ob ich sie sehenden Auges in ihr Unglück rennen lasse, obwohl ich es hätte mit einem Wort verhindern können. Es gibt den freien Willen, ja - aber trotzdem gibt Gott uns ja deutliche Anweisungen, was in seinen Augen richtig ist... und dass manches Gegenhandeln dann auch negative Konsequenzen haben wird. Wenn ich weiß, dass ich nicht mal versucht habe, es zu verhindern (es geht dabei ja nicht um Zwang - denn da hast du recht, da kommt der freie Wille ins Spiel), dann wäre es für mich, als würde das Blut auch an meinen Händen kleben.
Ich hab auch mal jemanden begleiten müssen, aus der Verwandtschaft, weil sich sonst niemand bereiterklärt hat. Ich glaube, das war für mich traumatisierender als für die Person selbst...


Als Erzieherin/ Sozialpädagogin/ Betreuerin habe ich eine Machtposition gegenüber meinen Schutzbefohlenen. Diese zu missbrauchen (und nichts anderes wäre es gewesen, wenn ich sie beeinflusst hätte), geht gegen alles, was dieser Beruf an Ethos für mich mitbringt. Niemals, egal in welcher Form, würde ich diese Macht missbrauchen.
Naja und in dem was Gott uns vorgibt oder nicht, haben wir eh verschiedene Ansichten. "Liebe deinen nächsten!" ist eigentlich das wichtigste Gebot unter den evangelisch Gläubigen. Und ja, ich liebte dieses Mädchen. Und genau deshalb habe ich sie allein entscheiden lassen, aber nicht allein gelassen mit ihrer Entscheidung.

LG
zuckerlie
15684 Beiträge
16.05.2015 13:18
Zitat von silbermarie:

Zitat von zuckerlie:

Ich kann für mich gar nicht sagen, dass ich nie, nie, nie, nie, niemals abtreiben würde. Ich kann mir nicht jedes Lebensszenario ausmalen und darüber heute eine zutreffende, zu vertretende Entscheidung machen. Da bin ich ratlos. Aktuell bin ich schwanger und glücklich, dieses Kind zu bekommen, darum ist aktuell eine Abtreibung nicht denkbar.

Andere jetzt unter Druck zu setzen und als Mörder zu bezeichnen ist mir auch fremd. Denn jeder empfindet in jeder Situation anders und handelt auch dementsprechend.

Nach wie vor denke ich sehr naiv und bin der Meinung, dass keine Frau einfach so eine Abtreibung nach der anderen vor nehmen lässt. Und wie Manervi bin ich froh, dass es heute einen rechtlichen Weg gibt, der es Frauen ermöglicht eine Abtreibung von einem Arzt in einem OP durchführen zu lassen und nicht mit erwähntem Bügel in einem Hinterzimmer auf einem Esstisch...


Also, ich finde, das ist tatsächlich ein bisschen naiv (ehrt dich aber)... nach allem, was ich so von Donum vitae weiß, ist oft genau das der Fall - dass ziemlich arglos und sorglos damit umgegangen wird.
Wir möchten uns das nicht vorstellen, dass das so ist, weil wir selbst uns nicht vorstellen können, so eine Entscheidung leichtfertig zu treffen, deshalb ist es auch eine Art Selbstschutz, glauben zu wollen, dass andere Frauen da auch so sind. Ist aber oft leider überhaupt nicht so, denn nicht jeder hat so eine Sicht auf werdendes Leben.
Es gibt sogar Länder, wie z.B. Japan, in denen die Abtreibung tatsächlich als eine Art Verhütungsmethode angesehen wird und man sich da überhaupt keine Gedanken macht. Ich habe dazu mal eine Doku gesehen, der Arzt zeigte dem jungen Pärchen danach das abgetriebene Kind in der Nierenschale und sagte: "So sieht das dann aus, passt in Zukunft lieber ein bisschen besser auf", die jungen Leute meinten "Okay" und gingen ihrer Wege.

Das Schlimmste, was ich mal in dem Zusammenhang gehört habe, war von einer Frau mit zwei Kindern: "Wenn ich ein drittes Mal schwanger werden würde, würde ich breit grinsend abtreiben". Und das war, wohlgemerkt, keine Assitante vom Bahnhof, sondern die klassische Vorstadtmutti mit Häuschen.


Dennoch denke ich nicht, dass das den deutschen Durchschnitt wiederspiegelt... Über andere Kulturen kann ich da nichts sagen, da ich nicht in diesen lebe.
16.05.2015 13:24
Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von silbermarie:

Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Marie... also, bis zu einem gewissen Punkt gebe ich dir auch da Recht. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin beruflich relativ häufig damit konfrontiert, dass ich Mädchen und Frauen vor mir sitzen haben, die ungewollt schwanger sind. Von zu doof zum Verhüten bis gar nicht drüber nachgedacht und einfach passiert trotz Verhütung.. alles dabei.
Meine wohl emotionalste Erfahrung habe ich mit meinem damaligen Bezugskind gemacht. Süße 16 Jahre, ein Mädel im Kinderheim. Mein Bezugskind, heißt, alles was wirklich wichtig war, besprach sie mit mir und ich begleitete sie dann auch. Dann kam der Tag. Schwanger - 8. SsW
Frau M. WAS mache ich jetzt? ... Liebe Chr. das musst du selbst entscheiden. Zu dem Zeitpunkt wünschte ich mir selbst noch sehnlichst ein zweites Kind. Meine eigene Überzeugung gepaart mit diesem Wunsch schrie in mir: Das muss sie bekommen- um jeden Preis. Aber stattdessen setzte ich mich mit ihr UND dem werdenen Papa hin. Ich ließ sie eine Liste machen. Beide. Unabhängig voneinander Pro und Kontras aufschreiben. Sie hörte sich SEINE Pro- und Kontraliste an. Dann schickte ich ihn weg. Sagte IHR, dass es einzig ihre Entscheidung ist, wir aber VOR ihrer Entscheidung die Beratungsstelle aufsuchen. Das taten wir dann auch. Und während all dieser Tage fragte sie mich immer wieder, was ich tun würde. Was ich ihr raten würde. Ich blieb ihr diese Antwort schuldig. Ich habe da niemals drauf geantwortet. Seine Liste beinhaltete mehr Kontras, als Pros. Keine Larifari Kontras, sondern wirklich ernst zu nehmenden Punkte. Ihre ebenso. Das Beratungsgespräch war sehr gut und sehr neutral, ich war dabei. Dann entschied sie sich, wirklich sehr schweren Herzens zur Abtreibung. Da war sie in der 10. SsW. Sie hatte Angst, es tat ihr unsagbar leid, sie fühlte sich schrecklich - und sie bat mich als ihre Bezugserzieherin sie zu begleiten. Ich liebte dieses Mädchen und habe ihr diese Bitte erfüllt. Ich hatte so mit mir zu kämpfen. Ich saß beim letzten US bei ihr, hielt ihre Hand. ICH konnte auf den Bildschirm schauen, sie nicht. Ich sah, dass alles dran war. Das war kein Zellklumpen mehr, das war beinah fertig und bereit zu wachsen. Also welcher Seele helfen? Sie zum Abbruch zu drängen? Hätte ich in dem Moment gesagt: Chr. lass das und komm mit. Mach das hier auf keinen Fall, dann hätte sie auf mich gehört und wäre gegangen. Aber das ist etwas, was mir nicht zusteht. Wir wir ihr hätten helfen können, wußte sie. Sie hatte entschieden, also hielt ich meine Klappe, hielt ihre Hand bis sie eingeschlafen war und erst dann heulte ich los und die Ärztin schickte mich endlich raus.
Wie ich selbst handeln würde, ist das eine, aber ich kann und darf nicht in die Entscheidung anderer eingreifen. Im Übrigen handhabt es unser Gott ebenso. Er schenkte dem Menschen den freien Willen und greift nicht ein. Er lässt uns unsere Entscheidung treffen. Wer also bin ich, dass ich mir anmassen würde, in eine solche Entscheidung einzugreifen?
ich bin bei solchen Dingen ein Neutrum. In mir sieht das anders aus, aber meine Handlung, meine Anmerkungen sind immer neutral. Nur eins mache ich nie wieder, egal, wie gern ich die zu Betreuende habe: Ich werde nie wieder ins Krankenhaus zum Eingriff selbst begleiten. Das war schwer für mich zu verkraften.

LG Zaubi


Ich fürchte, du musst das können in deinem Beruf... das neutral bleiben. Ich kann das nicht. Für mich wäre das so gewesen, als ob ich sie sehenden Auges in ihr Unglück rennen lasse, obwohl ich es hätte mit einem Wort verhindern können. Es gibt den freien Willen, ja - aber trotzdem gibt Gott uns ja deutliche Anweisungen, was in seinen Augen richtig ist... und dass manches Gegenhandeln dann auch negative Konsequenzen haben wird. Wenn ich weiß, dass ich nicht mal versucht habe, es zu verhindern (es geht dabei ja nicht um Zwang - denn da hast du recht, da kommt der freie Wille ins Spiel), dann wäre es für mich, als würde das Blut auch an meinen Händen kleben.
Ich hab auch mal jemanden begleiten müssen, aus der Verwandtschaft, weil sich sonst niemand bereiterklärt hat. Ich glaube, das war für mich traumatisierender als für die Person selbst...


Als Erzieherin/ Sozialpädagogin/ Betreuerin habe ich eine Machtposition gegenüber meinen Schutzbefohlenen. Diese zu missbrauchen (und nichts anderes wäre es gewesen, wenn ich sie beeinflusst hätte), geht gegen alles, was dieser Beruf an Ethos für mich mitbringt. Niemals, egal in welcher Form, würde ich diese Macht missbrauchen.
Naja und in dem was Gott uns vorgibt oder nicht, haben wir eh verschiedene Ansichten. "Liebe deinen nächsten!" ist eigentlich das wichtigste Gebot unter den evangelisch Gläubigen. Und ja, ich liebte dieses Mädchen. Und genau deshalb habe ich sie allein entscheiden lassen, aber nicht allein gelassen mit ihrer Entscheidung.

LG


Ich weiß, dass du das hättest nicht missbrauchen dürfen. Ich rede ja auch nur von meinen Gefühlen dazu. Und Nächstenliebe bedeutet für mich eben auch (sogar sehr wichtig), den Nächsten vor einem großen Fehler zu bewahren, wenn ich es kann. Andere ins Unglück stürzen zu lassen könnte ich da nicht mit mir vereinbaren, darum heißt es in den Paulusbriefen auch, dass man sich gegenseitig ermahnen soll.
Obsidian
15967 Beiträge
16.05.2015 13:26
Ich wollte mich nur kurz für die vielen Antworten bedanken bisher. Mein Tag ist leider pickepackevoll, ich schreib heut abend wenn der Knödel im Bett und der Mann beim Sport ist nochmal was in Ruhe und les alles mal gründlich durch
16.05.2015 13:30
Zitat von silbermarie:

Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Zitat von silbermarie:

Zitat von Die-zauberhafte-Patin:

Marie... also, bis zu einem gewissen Punkt gebe ich dir auch da Recht. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin beruflich relativ häufig damit konfrontiert, dass ich Mädchen und Frauen vor mir sitzen haben, die ungewollt schwanger sind. Von zu doof zum Verhüten bis gar nicht drüber nachgedacht und einfach passiert trotz Verhütung.. alles dabei.
Meine wohl emotionalste Erfahrung habe ich mit meinem damaligen Bezugskind gemacht. Süße 16 Jahre, ein Mädel im Kinderheim. Mein Bezugskind, heißt, alles was wirklich wichtig war, besprach sie mit mir und ich begleitete sie dann auch. Dann kam der Tag. Schwanger - 8. SsW
Frau M. WAS mache ich jetzt? ... Liebe Chr. das musst du selbst entscheiden. Zu dem Zeitpunkt wünschte ich mir selbst noch sehnlichst ein zweites Kind. Meine eigene Überzeugung gepaart mit diesem Wunsch schrie in mir: Das muss sie bekommen- um jeden Preis. Aber stattdessen setzte ich mich mit ihr UND dem werdenen Papa hin. Ich ließ sie eine Liste machen. Beide. Unabhängig voneinander Pro und Kontras aufschreiben. Sie hörte sich SEINE Pro- und Kontraliste an. Dann schickte ich ihn weg. Sagte IHR, dass es einzig ihre Entscheidung ist, wir aber VOR ihrer Entscheidung die Beratungsstelle aufsuchen. Das taten wir dann auch. Und während all dieser Tage fragte sie mich immer wieder, was ich tun würde. Was ich ihr raten würde. Ich blieb ihr diese Antwort schuldig. Ich habe da niemals drauf geantwortet. Seine Liste beinhaltete mehr Kontras, als Pros. Keine Larifari Kontras, sondern wirklich ernst zu nehmenden Punkte. Ihre ebenso. Das Beratungsgespräch war sehr gut und sehr neutral, ich war dabei. Dann entschied sie sich, wirklich sehr schweren Herzens zur Abtreibung. Da war sie in der 10. SsW. Sie hatte Angst, es tat ihr unsagbar leid, sie fühlte sich schrecklich - und sie bat mich als ihre Bezugserzieherin sie zu begleiten. Ich liebte dieses Mädchen und habe ihr diese Bitte erfüllt. Ich hatte so mit mir zu kämpfen. Ich saß beim letzten US bei ihr, hielt ihre Hand. ICH konnte auf den Bildschirm schauen, sie nicht. Ich sah, dass alles dran war. Das war kein Zellklumpen mehr, das war beinah fertig und bereit zu wachsen. Also welcher Seele helfen? Sie zum Abbruch zu drängen? Hätte ich in dem Moment gesagt: Chr. lass das und komm mit. Mach das hier auf keinen Fall, dann hätte sie auf mich gehört und wäre gegangen. Aber das ist etwas, was mir nicht zusteht. Wir wir ihr hätten helfen können, wußte sie. Sie hatte entschieden, also hielt ich meine Klappe, hielt ihre Hand bis sie eingeschlafen war und erst dann heulte ich los und die Ärztin schickte mich endlich raus.
Wie ich selbst handeln würde, ist das eine, aber ich kann und darf nicht in die Entscheidung anderer eingreifen. Im Übrigen handhabt es unser Gott ebenso. Er schenkte dem Menschen den freien Willen und greift nicht ein. Er lässt uns unsere Entscheidung treffen. Wer also bin ich, dass ich mir anmassen würde, in eine solche Entscheidung einzugreifen?
ich bin bei solchen Dingen ein Neutrum. In mir sieht das anders aus, aber meine Handlung, meine Anmerkungen sind immer neutral. Nur eins mache ich nie wieder, egal, wie gern ich die zu Betreuende habe: Ich werde nie wieder ins Krankenhaus zum Eingriff selbst begleiten. Das war schwer für mich zu verkraften.

LG Zaubi


Ich fürchte, du musst das können in deinem Beruf... das neutral bleiben. Ich kann das nicht. Für mich wäre das so gewesen, als ob ich sie sehenden Auges in ihr Unglück rennen lasse, obwohl ich es hätte mit einem Wort verhindern können. Es gibt den freien Willen, ja - aber trotzdem gibt Gott uns ja deutliche Anweisungen, was in seinen Augen richtig ist... und dass manches Gegenhandeln dann auch negative Konsequenzen haben wird. Wenn ich weiß, dass ich nicht mal versucht habe, es zu verhindern (es geht dabei ja nicht um Zwang - denn da hast du recht, da kommt der freie Wille ins Spiel), dann wäre es für mich, als würde das Blut auch an meinen Händen kleben.
Ich hab auch mal jemanden begleiten müssen, aus der Verwandtschaft, weil sich sonst niemand bereiterklärt hat. Ich glaube, das war für mich traumatisierender als für die Person selbst...


Als Erzieherin/ Sozialpädagogin/ Betreuerin habe ich eine Machtposition gegenüber meinen Schutzbefohlenen. Diese zu missbrauchen (und nichts anderes wäre es gewesen, wenn ich sie beeinflusst hätte), geht gegen alles, was dieser Beruf an Ethos für mich mitbringt. Niemals, egal in welcher Form, würde ich diese Macht missbrauchen.
Naja und in dem was Gott uns vorgibt oder nicht, haben wir eh verschiedene Ansichten. "Liebe deinen nächsten!" ist eigentlich das wichtigste Gebot unter den evangelisch Gläubigen. Und ja, ich liebte dieses Mädchen. Und genau deshalb habe ich sie allein entscheiden lassen, aber nicht allein gelassen mit ihrer Entscheidung.

LG


Ich weiß, dass du das hättest nicht missbrauchen dürfen. Ich rede ja auch nur von meinen Gefühlen dazu. Und Nächstenliebe bedeutet für mich eben auch (sogar sehr wichtig), den Nächsten vor einem großen Fehler zu bewahren, wenn ich es kann. Andere ins Unglück stürzen zu lassen könnte ich da nicht mit mir vereinbaren, darum heißt es in den Paulusbriefen auch, dass man sich gegenseitig ermahnen soll.


Naja, die Bibel können wir uns jetzt um die Ohren kloppen und jeweils so auslegen, wie wir es brauchen, also lassen wir sie mal besser weg. Und wer sagt denn, dass es ihr Unglück war? Vielleicht wäre es ihr Unglück gewesen, wenn sie es bekommen hätte? Man weiß es nicht und deshalb sage ich: NIEMAND darf in diese Entscheidung eingreifen. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Entscheiden muss der Mensch, den es betrifft. Meine Entscheidung ist dann nur: Kann ich die Entscheidung des Betroffenen mit-/ertragen? Kann ich danach für sie da sein? Kann ich sie begleiten?
Ich habe ein Sternchen in der 11. SsW ziehen lassen müssen. Das Herz schlug bereits 3 Wochen nicht mehr, wir haben lange gewartet, gehofft, alles. Dann ging ich doch zur AS und war totunglücklich. Meine Freundin ließ eine Woche nach mir bewußt eine Abtreibung durchführen. Es war IHRE Entscheidung und dafür verurteile ich sie nicht. Auch da hab ich mich nicht eingemischt, aber ich konnte nicht für da sein. Das hab ich mental nicht hinbekommen. Da war dann meine Entscheidung: Ja, ich akzeptiere deine Entscheidung, aber ich kann dich nicht begleiten. Weil mir das das Herz gebrochen hätte.
16.05.2015 13:35
Mein Beitrag ist vermutlich untergegangen, aber um mal auf die Kirche zu sprechen zu kommen, das ist nun wirklich die allerletzte Instanz von der ich Hilfe hätte erwarten können. Der heilige Paulus oder wer auch immer, hilft auch nicht, wenn man geschlagen und misshandelt wird und bei Frauen, sowie ich eine war, war die Kirchentür aber ganz flott zu, das glaub mir mal. Die Kirche hätte eher befürwortet, das Kind zu bekommen und weiterhin Qualen zu leiden, aber hauptsache man behielte das Kind.

Ich bin sehr streng religiös erzogen worden, was vermutlich auch mit der Grund war, dass ich mich nie gewährt habe. Kirche und ehrliche Hilfe und Anteilnahme, das passt für mich nicht zusammen, sorry
16.05.2015 13:38
Zitat von Louanne:

Mein Beitrag ist vermutlich untergegangen, aber um mal auf die Kirche zu sprechen zu kommen, das ist nun wirklich die allerletzte Instanz von der ich Hilfe hätte erwarten können. Der heilige Paulus oder wer auch immer, hilft auch nicht, wenn man geschlagen und misshandelt wird und bei Frauen, sowie ich eine war, war die Kirchentür aber ganz flott zu, das glaub mir mal. Die Kirche hätte eher befürwortet, das Kind zu bekommen und weiterhin Qualen zu leiden, aber hauptsache man behielte das Kind.

Ich bin sehr streng religiös erzogen worden, was vermutlich auch mit der Grund war, dass ich mich nie gewährt habe. Kirche und ehrliche Hilfe und Anteilnahme, das passt für mich nicht zusammen, sorry


Dann hast du wohl nur negative Erfahrungen gemacht. Es kommt wohl auch immer auf die gemeinde an, aber ich habe noch nie, wirklich noch niemals erlebt, dass irgendeinem hilfesuchenden Menschen die Kirchentür vor der Nase zugeworfen wird. Niemals!
16.05.2015 13:40
Ich mache mich mal richtig unbeliebt und sage:

Wenn meine Tochter als Teenager ungewollt schwanger werden würde - ob nun zu doof, zu betrunken, Verhütungspanne oder sonst was - würde ich eine Abtreibung befürworten. Ich wünsche meinem Kind, dass sie das Leben führen kann, das sie sich vorstellt und nicht ihre ganzen Pläne und Träume streichen muss, wegen einem Moment der Dummheit.

Natürlich würde es ihre Entscheidung bleiben und ich würde sie zu nichts überreden und ihr so gut wie nur möglich helfen. Trotzdem wäre das nicht das Leben, das ich ihr wünschen würde.
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